{"id":418629,"date":"2025-09-13T04:10:10","date_gmt":"2025-09-13T04:10:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/418629\/"},"modified":"2025-09-13T04:10:10","modified_gmt":"2025-09-13T04:10:10","slug":"propaganda-strategien-wie-russland-den-zweifel-an-bildern-gezielt-nutzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/418629\/","title":{"rendered":"Propaganda Strategien: Wie Russland den Zweifel an Bildern gezielt nutzt"},"content":{"rendered":"<p>                    <strong>Kontext<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 13.09.2025 05:49 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Nach dem Alaska-Gipfel kursiert ein wohl KI-generiertes russisches Video, das f\u00fcr Aufregung gesorgt hat. Die Anfachung der Diskussion, ob Bilder authentisch sind, ist Teil der Propaganda-Strategie aus Russland.<\/strong>\n    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Drei Tage nachdem sich US-Pr\u00e4sident Donald Trump und Russlands Staatschef Wladimir Putin in Alaska trafen, verbreitete der russische Staatssender RT auf Telegram ein Video. Es machte schnell in sozialen Netzwerken die Runde und l\u00f6ste emp\u00f6rte Reaktionen aus.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Luftaufnahmen sind unscharf und wackelig: Ein gepanzerter Truppentransporter f\u00e4hrt \u00fcber staubige Dorfstra\u00dfen und entlang dunkelbrauner Felder. Auf dem Panzer &#8211; ein amerikanisches Fahrzeugmodell, mit dem der Westen die Ukraine ausgestattet hat &#8211; flattern leuchtend hell eine amerikanische und eine russische Flagge.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Als &#8222;maximale Unversch\u00e4mtheit&#8220;, bezeichnete der Leiter des ukrainischen Pr\u00e4sidialamts, Andrij Jermak, das Video. Auf russischer Seite erntete es Lob und Begeisterung.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Das Video eines Panzers, der mit amerikanischer und russischer Fahne beflaggt ist, wird vom russischen Staatssender RT verbreitet.\n                    <\/p>\n<p>    Faktenchecks gezielt forciert<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Wenig sp\u00e4ter ging <a href=\"https:\/\/www.snopes.com\/news\/2025\/08\/19\/ukraine-tank-russia-us\/\" title=\"Snopes\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">die US-amerikanische Faktencheck-Plattform Snopes<\/a> dem Verdacht nach, dass die Fahnen mithilfe von KI im Video eingef\u00fcgt sein k\u00f6nnten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dass Journalisten und Experten sich immer h\u00e4ufiger die Frage nach der Echtheit von Bildmaterial stellen m\u00fcssen, sei Teil einer neuen russischen Propaganda-Strategie, erkl\u00e4rt der \u00f6sterreichische Experte f\u00fcr Desinformation Dietmar Pichler, Gr\u00fcnder der Initiative Disinfo Resilience Network.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die niedrige Bildqualit\u00e4t des Videos sei m\u00f6glicherweise beabsichtigt. So lasse sich der Einsatz von KI gut verschleiern. Sie entspreche einerseits den Sehgewohnheiten bei Telegram und X, welche zwei der Hauptverbreitungsplattformen f\u00fcr russische Propaganda sind. Andererseits wecke ein pixeliges Bild den Verdacht, dass hier etwas nicht stimme. In beiden F\u00e4llen bindet es Aufmerksamkeit beim Betrachter &#8211; und auch bei Berichterstattern.<\/p>\n<p>    Ist das Video manipuliert?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Tats\u00e4chlich gibt es mehrere Ungereimtheiten im Video. Abschlie\u00dfend belegen l\u00e4sst sich der Manipulationsverdacht aber aufgrund der schlechten Bildqualit\u00e4t nicht.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Zwar lassen sich die Orte, durch die der Panzer laut RT in der besetzten Ostukraine f\u00e4hrt, auf Satellitenaufnahmen nachvollziehen. Panzer dieser amerikanischen Bauart wurden auch tats\u00e4chlich mehrfach von Russland erbeutet.<\/p>\n<p>    <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/bilder\/bildwischer-faktenfinder-panzer-flaggen-100.html\" class=\"copytext-galerie columns twelve m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n        Bilderstrecke<br \/>\n        Hinweise auf KI-Generierung<br \/>\n    <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Doch die amerikanische Flagge erscheint zu Beginn des Films an einem Ende abwechselnd unterschiedlich zerfleddert. Als der Panzer in der folgenden Sequenz beschossen wird, ist die russische Flagge pl\u00f6tzlich nur noch wei\u00df, dann leuchten kurz ein blauer und ein roter Streifen auf, anschlie\u00dfend ist sie wieder g\u00e4nzlich wei\u00df zu sehen. Kurz darauf sind beide Flaggen v\u00f6llig vom Fahrzeug verschwunden. Dies k\u00f6nnten Hinweise darauf sein, dass eine K\u00fcnstliche Intelligenz mit der Darstellung \u00fcberfordert war.<\/p>\n<p>    KI-Verdacht als Propaganda-Strategie<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dass das Video so viele Fragezeichen bei den Zuschauern hinterl\u00e4sst, sei wohl gewollt, erkl\u00e4rt Pichler. Er habe das Video als reine Provokation empfunden, das ganz bewusst zeitlich passend zum Aufeinandertreffen von Putin und Trump beim Alaska-Gipfel verbreitet worden sei.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Es geht bei einem solchen Video darum, den Gegner zu demoralisieren&#8220;, erkl\u00e4rt er. &#8222;Russland will der Ukraine zeigen: &#8218;Wir k\u00f6nnen uns einfach euer Milit\u00e4rger\u00e4t nehmen&#8216;. Und alle, die momentan noch auf der Seite der Ukraine stehen, sollten ihren Widerstand infrage stellen, angesichts derart dominanter Gegner wie den russischen Truppen.&#8220;<\/p>\n<p>    Propagandaziel: Vertrauen zerst\u00f6ren<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">F\u00fcr die Forscherin Katja Mu\u00f1oz von der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Politik ist die Fragestellung, ob ein Video KI-generiert ist, nachrangig bei dessen emotionaler Wirkung. Vielmehr trage die Frage &#8222;KI oder nicht?&#8220; zu einem wachsenden Zynismus bei denjenigen Menschen bei, die glauben, dass man den Nachrichten nicht mehr vertrauen k\u00f6nne, so Mu\u00f1oz.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Viele Menschen n\u00e4hmen die Welt nur noch durch ihre eigene Wahrnehmungsblase wahr &#8211; diese bestimme wiederum, wie sie den Inhalt solcher Clips bewerten. &#8222;Desinformationsakteure nehmen den KI-Verdacht willentlich in Kauf&#8220;, erkl\u00e4rt Mu\u00f1oz, die an der Schnittstelle von Demokratie und k\u00fcnstlicher Intelligenz forscht. &#8222;Denn sie haben zwei Ziele: Sie wollen ihre eigenen Narrative streuen, und sie wollen das Vertrauen in die Informationsr\u00e4ume zerst\u00f6ren.&#8220;<\/p>\n<p>    Aufmerksamkeitsdominanz<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auf russischer Seite werde genau abgewogen, ob die Verbreitung von potenziell verd\u00e4chtigen Fotos oder Videos mehr Schaden durch ihre m\u00f6gliche Unglaubw\u00fcrdigkeit beim Publikum anrichten k\u00f6nnten oder ob der Nutzen ihrer Botschaft obsiegt, sagt Pichler.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dass es vor allem um Aufmerksamkeit geht, zeigt auch die Tatsache, dass RT eine Woche nach dem ersten Video nachgelegt hat. Die Chefredakteurin des Senders reagierte auf den KI-Verdacht mit Spott und lieferte weitere angebliche Beweisvideos des Fahrzeugs.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Frei von Ungereimtheiten sind aber auch diese Filme nicht &#8211; so stecken hier die Fahnen auf dem Panzer seitenverkehrt im Vergleich zum ersten Film. Zudem sind ungew\u00f6hnlich sauber f\u00fcr angebliche Aufnahmen aus einem aktiven Kriegsgebiet.<\/p>\n<p>    Wie umgehen mit KI-Propaganda?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Alexandre Alaphilippe leitet das EU Disinfo Lab in Br\u00fcssel, das sich dem Schutz vor Desinfomationskampagnen verschrieben hat. Er warnt davor, von nun an jeden Schnipsel potenzieller KI-Propaganda auf seinen Wahrheitsgehalt zu analysieren.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Bereits in der Vergangenheit habe man gesehen, dass russische Akteure versucht h\u00e4tten, Journalisten und Faktenchecker weltweit mit so viel Falschinformationen zu \u00fcberfluten, dass diese mit den Richtigstellungen nicht mehr hinterherk\u00e4men. &#8222;Auch Redaktionen befinden sich in einer Art Verteidigungssituation in diesem Krieg&#8220;, sagt er. &#8222;Und man muss genau darauf achten, wof\u00fcr man seine journalistischen Ressourcen verwendet.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Bei den Flaggen auf dem Panzer gehe es nicht darum, ob sie echt seien, oder nicht &#8211; sondern vielmehr darum, wie sich diese Geschichte verbreitet habe, und welche Botschaft Russland versuche, damit zu senden. &#8222;Wenn wir uns in einem weltweiten Krieg befinden, dann in einem, bei dem es darum geht, wer den Kampf ums Narrativ gewinnt&#8220;, so Alaphilippe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Kontext Stand: 13.09.2025 05:49 Uhr Nach dem Alaska-Gipfel kursiert ein wohl KI-generiertes russisches Video, das f\u00fcr Aufregung gesorgt&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":418630,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4013],"tags":[331,332,13,671,14,15,4043,4044,850,307,12,317],"class_list":{"0":"post-418629","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-russland","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-ki","12":"tag-nachrichten","13":"tag-news","14":"tag-russia","15":"tag-russian-federation","16":"tag-russische-foederation","17":"tag-russland","18":"tag-schlagzeilen","19":"tag-ukraine"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115195033963384477","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/418629","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=418629"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/418629\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/418630"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=418629"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=418629"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=418629"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}