{"id":418631,"date":"2025-09-13T04:11:11","date_gmt":"2025-09-13T04:11:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/418631\/"},"modified":"2025-09-13T04:11:11","modified_gmt":"2025-09-13T04:11:11","slug":"eine-geschichte-der-ukrainischen-literatur-als-augenoeffner-und-wegweiser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/418631\/","title":{"rendered":"Eine Geschichte der ukrainischen Literatur als Augen\u00f6ffner und Wegweiser"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"headline__lead\">Mit den Maidan-Revolutionen, der russischen Krim-Okkupation und Putins Krieg haben die Europ\u00e4er endlich gelernt, dass die Ukrainer ein eigenes Volk und eine eigene Kultur sind. Es ist h\u00f6chste Zeit, den faszinierenden Kosmos der ukrainischen Literatur zu entdecken.<\/p>\n<p>   <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" alt=\"Mit der russischen Invasion ist es Putin gelungen, die Ukraine in einem nie gekannten Ausmass zu einigen. - Patriotischer Anlass in Kiew, August 2022.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"3814\" height=\"2564\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/91a643f2-1afd-4e4e-a09b-592f1a195239.jpg\" loading=\"eager\"   class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    Mit der russischen Invasion ist es Putin gelungen, die Ukraine in einem nie gekannten Ausmass zu einigen. &#8211; Patriotischer Anlass in Kiew, August 2022. <\/p>\n<p>Global Images Ukraine \/ Getty<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j06en4440\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text\">Es hat eines Krieges bedurft, um die Ukraine, die f\u00fcr die meisten Terra incognita gewesen war, auf die mentale Landkarte der Europ\u00e4er zu bringen. Allabendliche Nachrichten aus den von russischen Raketen getroffenen St\u00e4dten boten Anschauungsunterricht vom Kriegsschauplatz in n\u00e4chster Nachbarschaft \u2013 Osterweiterung des Horizonts. 1995 konnte der amerikanische Historiker Mark von Hagen noch die Frage stellen, ob die Ukraine eine eigene Geschichte habe. Sp\u00e4testens seit dem 24.\u00a0Februar 2022 haben die Europ\u00e4er dazugelernt.<\/p>\n<p> Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen <\/p>\n<p>\n        NZZ.ch ben\u00f6tigt JavaScript f\u00fcr wichtige Funktionen. 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Unter seiner \u00c4gide haben sich intime Kenner der ukrainischen Literatur und Kultur gefunden, um einen neuen Blick auf den \u00abliterarischen Prozess\u00bb auf den geschichtlichen Territorien der Ukraine zu werfen.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j06en4480\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Autorinnen und Autoren haben mit diesem Band ein Werk vorgelegt, das nicht nur an vorangegangene, freilich schon geraume Zeit zur\u00fcckliegende Darstellungen \u2013 wie die aus der Feder Dmitro Tschizewskis \u2013 ankn\u00fcpft, sondern auch der neuesten Forschung und der j\u00fcngsten Entwicklung Rechnung tr\u00e4gt. Es ist begl\u00fcckend zu sehen, was eine Literaturgeschichte, welche die strukturalistischen und dekonstruktivistischen Exerzitien hinter sich gebracht hat, doch zu leisten vermag und wie sehr sie den Blick weitet auf ein Thema, das komplexer ist, als manche postkolonialen Diskurse vermuten lassen.<\/p>\n<p>Von der Kiewer Rus bis in die Gegenwart<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j06en4490\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Dies geschieht in einer einleitenden knappen Bestandsaufnahme und Beschreibung des eigenen Ansatzpunktes, der den literarischen Prozess als Teil der ukrainischen Nationsbildung in seinen europ\u00e4ischen Bez\u00fcgen, transnationalen Verflechtungen und \u00dcberlappungen betrachtet. In achtzehn Kapiteln folgen die Autoren der literarischen Produktion von der Kiewer Rus bis in die Gegenwart. Sie orientieren sich dabei weitgehend an den bekannten historischen Z\u00e4suren und Periodisierungen, tragen aber der Zugeh\u00f6rigkeit ukrainischer Territorien zu unterschiedlichen Herrschaftsverb\u00e4nden Rechnung \u2013 Grossf\u00fcrstentum Litauen, K\u00f6nigreich Polen, Zarenreich, Donaumonarchie.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Der Osteuropa-Historiker Karl Schl\u00f6gel.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"408\" height=\"552\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"  class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    <\/p>\n<p>Der Osteuropa-Historiker Karl Schl\u00f6gel. <\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j06en44a0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Das ganze Spektrum literarischer Formen und Genres kommt in den Blick \u2013 Prosa, Lyrik, Romane, Dramen, Epos, Essay, Chronistik, Hagiografie, Reiseberichte, sogar Massenliteratur. Die Darstellungsform erlaubt es, zahlreiche \u00fcberaus informative Einzelportr\u00e4ts mit den langen Linien literarischer Str\u00f6mungen und Stilepochen zusammenzubringen. So wird die Sonder- und Auseinanderentwicklung in den jeweiligen Imperien nachgezeichnet. Im Falle der \u00abversp\u00e4teten Nation\u00bb Ukraine mit ihren Br\u00fcchen und wechselnden Grenzziehungen soll die \u00abKontinuit\u00e4t der Diskontinuit\u00e4t\u00bb sichtbar bleiben.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j06en44b0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Die Autoren setzen ihre eigenen Akzente. Die Zeit nach dem Mongoleneinfall wird als das \u00abSchweigen der ukrainischen Literatur\u00bb bezeichnet. Ausf\u00fchrlich kommt zum Zug die kulturelle Bedeutung des Kosaken-Hetmanats, die Strahlkraft von geistigen und geistlichen Zentren wie der Mohila-Akademie und des Barock mit der glanzvollen Gestalt Hrihori Skoworodas.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j06en44c0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Der Schwerpunkt \u2013 auch dem Umfang nach \u2013 liegt auf der Herausbildung der sich von der russischen \u00abLeitkultur\u00bb l\u00f6senden ukrainischen Nationalbewegung im fr\u00fchen 19.\u00a0Jahrhundert, deren Aktivit\u00e4ten in Form von Bruderschaften und literarischen Zirkeln und der Etablierung Taras Schewtschenkos als Nationaldichter.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j06en44e0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Auch Zensur und Verbot der ukrainischen Sprache, formuliert in dem ber\u00fcchtigten Walujew-Zirkular von 1863 (\u00abEine kleinrussische Sprache gab es nie, gibt es nicht und kann es nicht geben\u00bb) und dem Emser Ukas von 1876, k\u00f6nnen die Herausbildung einer eigenst\u00e4ndigen Literatur nicht aufhalten. Dabei handelte es sich keineswegs nur um die Auffassung der zaristischen B\u00fcrokratie, bis weit in die russische Intelligenzia und bis in die Gegenwart reiche der russische \u00abImperial-Patriarchalismus\u00bb.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j06en44g0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">F\u00fcr Puschkin waren die Ukrainer nur ein \u00absingendes und tanzendes Volk\u00bb, der radikaldemokratische Literaturkritiker Belinski schimpfte Schewtschenko einen Esel, und der Dichter und Nobelpreistr\u00e4ger Joseph Brodsky verfasste noch in sowjetischen Zeiten ein von Verachtung strotzendes Schm\u00e4hgedicht auf die Ukraine.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j06en44h0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Un\u00fcbersehbar wird die Verflechtung des ukrainischen literarischen Prozesses mit dem gesamteurop\u00e4ischen am Ende des 19. und Anfang des 20.\u00a0Jahrhunderts. Ukrainische Schriftsteller hatten teil an den internationalen Str\u00f6mungen des Naturalismus, Symbolismus, Impressionismus, unter ihnen neben Iwan Franko herausragende Frauengestalten wie Lesja Ukrajinka und Olha Kobyljanska.<\/p>\n<p>Leiden ohne Ende<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j06en44j0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Was im 20.\u00a0Jahrhundert auf die Ukraine zukommen w\u00fcrde, ahnt in dem kurzen Augenblick der Gr\u00fcndung der selbst\u00e4ndigen Ukrainischen Volksrepublik 1918 der Schriftsteller und Politiker Wolodimir Winnitschenko: \u00abWer die ukrainische Geschichte lesen will, muss Brom nehmen, um zu ertragen, wie diese ungl\u00fcckliche, gedem\u00fctigte und unterdr\u00fcckte Nation w\u00e4hrend ihrer Existenz als Staat (oder besser: als Teilstaat) von allen Seiten angegriffen wurde: von den Polen, den Russen, den Tataren, den Schweden. Die ganze Geschichte ist eine ununterbrochene Folge von Aufst\u00e4nden, Kriegen, Brandstiftungen, Hungersn\u00f6ten, Anschl\u00e4gen, Milit\u00e4rputschen, Intrigen, K\u00e4mpfen und Bestechungen. Geschieht das Gleiche nicht auch heute?\u00bb<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Die Statue des ukrainischen Nationaldichters Taras Schewtschenko in Kiew wird im April 2002 vor Kollateralschaden gesch\u00fctzt.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"4393\" height=\"3295\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"   class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    Die Statue des ukrainischen Nationaldichters Taras Schewtschenko in Kiew wird im April 2002 vor Kollateralschaden gesch\u00fctzt. <\/p>\n<p>Global Images Ukraine \/ Getty<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j06en44k0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Fast, als h\u00e4tte Winnitschenko damit auch schon die Erfahrungen der Ukraine, ja die ganz Europas im 20.\u00a0Jahrhundert vorausgeahnt: Weltkriege, B\u00fcrgerkriege, Pogrome, Staatszusammenbr\u00fcche und ethnische S\u00e4uberungen. Der Band zeichnet das Ende des russischen Imperiums, die kulturelle Bl\u00fcte der 1920er Jahre, aber auch die Sequenz von Katastrophen, die mit dem Holodomor, der Ermordung der Tr\u00e4ger der \u00abukrainischen Renaissance\u00bb und der politischen F\u00fchrung in den 1930er Jahren und schliesslich mit der deutschen Besetzung verbunden sind.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j06en44l0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Es werden Namen und Werke genannt, die endlich auch ausserhalb der Ukraine zur Kenntnis genommen werden sollten: Hier erweist sich \u2013 nicht zuletzt durch die Hinweise auf weiterf\u00fchrende Literatur und \u00dcbersetzungen \u2013 der Band als Augen\u00f6ffner, als Wegweiser in das Territorium einer weithin in Europa vergessenen, wenn je zur Kenntnis genommenen Moderne. Namen wie Mikola Chwilowi (\u00abWeg von Moskau\u00bb), Walerjan Pidmohilni, Majk Johansen, Mikola Kulisch, Les Kurbas oder Bilder des ukrainischen Urbanismus (\u00abWie man Charkiw in Berlin verwandelt\u00bb) werden aus dem Abseits geholt.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j06en44m0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Dies gilt auch f\u00fcr Autoren und Texte, die uns in die vom Hunger verheerten D\u00f6rfer oder die von den Deutschen besetzten St\u00e4dte f\u00fchren, die aber erst nach dem Krieg im Exil geschrieben werden konnten (Wasil Barka und Ulas Samtschuk). Literatur wird hier zum Stellvertreter von Geschichtsschreibung, zum Zeugnis im \u00abMuseum der vergessenen Geheimnisse\u00bb (Oxana Sabuschko).<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j06en44o0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Erz\u00e4hlt wird weiter die Geschichte der spektakul\u00e4ren H\u00e4ufung von Talenten in einer Schriftstellergeneration, die \u00abnach Tschernobyl\u00bb und in der unabh\u00e4ngig gewordenen Ukraine ein neues Kapitel er\u00f6ffnete. Hier setzt eine Neuvermessung der literarischen Topografie ein, hier macht sich die N\u00e4he zum unruhigen Polen und zu den alten Metropolen Galiziens bemerkbar, zur Karpatenwelt der Huzulen und Lemken. Hier mischen sich, inspiriert vom \u00abPatriarchen der Postmoderne\u00bb Juri Andruchowitsch, im \u00abStanislauer Ph\u00e4nomen\u00bb und in Bubabu (Burlesque-Balahan-Buffonade) Underground, Dadaismus, magischer Realismus, Surrealismus, Pop-Literatur, ein in Europa Ende des 20.\u00a0Jahrhunderts wohl einzigartiges Biotop.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j06en44p0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Hier w\u00e4re Gelegenheit gewesen, auch auf die Rolle des untergegangenen Czernowitz und den Anteil der j\u00fcdischen und jiddischen Literatur am \u00abliterarischen Prozess der Ukraine\u00bb zu verweisen.<\/p>\n<p>Die Kraft, Zeugnis abzulegen<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j06en44q0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Dem westukrainischen Milieu steht ein ganz anderes am anderen Ende der Ukraine gegen\u00fcber, die \u00abostukrainische Tr\u00fcmmerromantik\u00bb, die mit dem fr\u00fchen Serhij Zhadan in Verbindung gebracht wird. Doch f\u00fcr eine Entspannung im Verh\u00e4ltnis zwischen Macht und Literatur ist die Zeit noch nicht reif. Schriftsteller und Dichter wurden so wenig in Ruhe gelassen wie die Nation als ganze.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j06en44r0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Als der Maidan losbrach, wurden sie hineingerissen in die Volks- und Freiheitsbewegung und erwiesen sich bald als wichtige Stimme im Lande wie im \u00fcbrigen Europa. Neben den Korrespondenten und Kriegsberichterstattern wurden sie \u00fcber Nacht zu Vermittlern und \u00dcbersetzern der \u00fcberw\u00e4ltigenden Erfahrung von Gewalt und Barbarei, an der noch die zupackendste Sprache zu scheitern drohte.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j06en44s0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">\u00abWenn du tagelang vor dem versch\u00fctteten Keller eines Hochhauses ausharrst und h\u00f6rst, wie drinnen deine Kinder und Enkel schreien, du sie aber nicht herausholen kannst, ist Poesie fehl am Platze. Die Geschehnisse sind ein starker Stoff, dar\u00fcber k\u00f6nnte ein europ\u00e4ischer Autor ein Buch f\u00fcr die Ewigkeit schreiben, das noch und noch gelesen wird. Aber jemand, der das selbst erlebt hat, wird dieses Buch nicht schreiben. Denn keiner hat die Kraft, all das durchzustehen und anschliessend anderen diesen Schmerz zu erkl\u00e4ren\u00bb, sagte die ukrainische Schriftstellerin Halina Kruk im Juni 2022 nach der russischen Invasion in die Ukraine.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j06en44t0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Aber die Dichter und Schriftsteller sind keineswegs verstummt, sie haben vor der Grausamkeit der russischen Kriegf\u00fchrung nicht kapituliert. Manche, unter ihnen wiederum viele Frauen, haben daf\u00fcr mit ihrem Leben bezahlt wie Wiktoria Amelina, die im Sommer 2023 in Kramatorsk von russischen Raketen get\u00f6tet wurde, w\u00e4hrend sie russischen Kriegsverbrechen auf der Spur war.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j06en44u0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Der Band, der alle Aussicht hat, zum Standardwerk f\u00fcr all jene zu werden, die sich auf den Weg machen, den bisher weithin unerschlossenen literarischen und kulturellen Kontinent der Ukraine zu erschliessen, ist auch eine Hommage an die Tapferkeit der Schriftsteller und Schriftstellerinnen, der lebenden und der toten.<\/p>\n<p data-team-footnote=\"\" id=\"id-doc-1j06en44v0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"footnote\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent footnote nzzinteraction\">Ulrich Schmid (Hg.): Ukrainische Literaturgeschichte. Verlag J.\u00a0B. Metzler, Berlin 2025. 376\u00a0S., Fr. 49.90.<\/p>\n<p data-team-footnote=\"\" id=\"id-doc-1j4rqc2160\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"footnote\" data-vars-danzz-last-article-element=\"true\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent footnote nzzinteraction\"><strong>Karl Schl\u00f6gel<\/strong>, geboren 1948, ist der Doyen unter den deutschsprachigen Osteuropahistorikern und ist mit vielen originellen und bedeutenden Publikationen hervorgetreten. Er erh\u00e4lt dieses Jahr den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, der am 19.\u00a0Oktober in der Frankfurter Paulskirche \u00fcberreicht wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mit den Maidan-Revolutionen, der russischen Krim-Okkupation und Putins Krieg haben die Europ\u00e4er endlich gelernt, dass die Ukrainer ein&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":418632,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4012],"tags":[331,332,13,14,15,12,317],"class_list":{"0":"post-418631","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-ukraine","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-schlagzeilen","14":"tag-ukraine"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115195037945487565","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/418631","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=418631"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/418631\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/418632"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=418631"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=418631"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=418631"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}