{"id":418682,"date":"2025-09-13T04:41:13","date_gmt":"2025-09-13T04:41:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/418682\/"},"modified":"2025-09-13T04:41:13","modified_gmt":"2025-09-13T04:41:13","slug":"theater-zu-femiziden-die-vergewaltiger-sind-total-nette-kerle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/418682\/","title":{"rendered":"Theater zu Femiziden: Die Vergewaltiger sind total nette Kerle"},"content":{"rendered":"<p>Es ist die gro\u00dfe Liebe, Honeymoon in seiner sch\u00f6nsten Form. Dann aber zieht das junge Paar zusammen \u2013 und nichts ist mehr, wie es war. Sie streiten und vers\u00f6hnen sich wieder. Er findet Sex mit ihr pl\u00f6tzlich langweilig. Stattdessen wartet er, bis sie ins Bett geht und vergewaltigt sie dann mitten in der Nacht \u2013 \u201eals ich voller Vertrauen neben ihm schlief\u201c, wie die junge Frau bitter konstatiert. Sie beendete die Beziehung mit dem Mann \u2013 seine Gewalt wird aber weitergehen \u2013 und andere Frauen treffen. <\/p>\n<p>Es ist kein sch\u00f6nes Thema, das die Theatergruppe Silent Ladies aufgegriffen hat f\u00fcr ein ungew\u00f6hnliches Projekt, das nun am Stuttgarter Studio Theater Premiere hatte. \u201eWalking again in Fear\u201c nennt sich ein \u201eAudiowalk\u201c, also ein Spaziergang, bei dem das Publikum mit Kopfh\u00f6rern auf den Ohren durch Stuttgart l\u00e4uft und zun\u00e4chst nebenher interessiert auf die vielen H\u00e4user und in die Wohnungen in der Alexander- und Danneckerstra\u00dfe schaut. Doch zunehmend schleicht sich die Gewissheit ein: Auch hinter diesen Fenstern, in den kleinen Hochhausappartements und in den luxuri\u00f6sen Altbauten wird es hin und wieder zu Gewalt gegen Frauen kommen.<\/p>\n<p>Von \u201eBeziehungstat\u201c mag man nichts mehr h\u00f6ren <\/p>\n<p>Die Liste der F\u00e4lle, die bei dem Audiowalk immer wieder eingestreut werden, ist lang, sehr lang. Laut Statistik wird jeden Tag eine Frau in Deutschland \u201eaus Liebe\u201c ermordet. Oft sind es die Expartner, die die \u201eBeziehungstat\u201c im \u201eehelichen Bereich\u201c begehen, wie es dann verharmlosend vermeldet wird. Es seien M\u00e4nner, die die Trennung nicht verkraftet h\u00e4tten, sagt eine Stimme durch den Kopfh\u00f6rer und stellt die vermutlich wichtigste Frage in diesem Kontext: \u201eWie fragil ist diese M\u00e4nnlichkeit eigentlich, dass sie beim kleinsten Widerwort schon abgehen?\u201c<\/p>\n<p>Doch es geht nicht um die offenbar br\u00fcchige Identit\u00e4t mancher M\u00e4nner bei diesem einst\u00fcndigen Rundgang, sondern um das, was zwar irgendwie bekannt ist, aber trotzdem nicht ernsthaft angegangen wird: Strukturelle Gewalt gegen Frauen. Gerichte wie auch Polizisten, die oft unsensibel und nicht geschult seien, w\u00fcrden nach wie vor \u201epatriarchale Mythen\u201c st\u00fctzen, hei\u00dft es. Meist herrsche auch eher Solidarit\u00e4t mit den M\u00e4nnern, w\u00e4hrend die Opfer in der Beweispflicht sind. Frauen, die Gewalt und \u00dcbergriffe anzeigen, w\u00fcrden dagegen schnell als nicht zurechnungsf\u00e4hig dargestellt, M\u00fctter als \u00fcberfordert erkl\u00e4rt. <\/p>\n<p>Warum gibt es keine \u201eOpfervermutung\u201c? <\/p>\n<p>Das wandelnde Publikum macht immer wieder Halt auf Pl\u00e4tzen oder in Gr\u00fcnanlagen, wo vier Darstellerinnen wortlos die k\u00f6rperliche Gewalt gestisch \u00fcbersetzen. Zwei von ihnen, Luise Leschik und Dawn Patricia Robinson haben den Audiowalk auch konzipiert. In ihren knappen lila H\u00f6schen und den Turnschuhen k\u00f6nnten die beiden, Martina Gunkel und Mira Sanjana Sharma selbst Opfer werden in dem Park neben dem Spielplatz. <\/p>\n<p>Immer wieder klingen Fragen an: Warum gilt f\u00fcr T\u00e4ter die Unschuldsvermutung, aber gibt es keine \u201eOpfervermutung\u201c? Und was w\u00e4re, wenn Frauen militant w\u00fcrden und M\u00e4nnern Angst machten? \u201eDie Scham muss die Seite wechseln\u201c, hei\u00dft es. Und: \u201eWer sich nicht aktiv gegen diese Kultur einsetzt, wird zum Teil dieses Problems.\u201c So aber bleibt die junge Frau allein zur\u00fcck, die auf einer Party zu viel getrunken hat und am n\u00e4chsten Morgen in ihrem blutigen Bett aufwacht. Der vermeintliche Freund hat ihren Zustand ausgenutzt. Ist sie jetzt daran schuld? <\/p>\n<p> Im Park wird es bedrohlich <\/p>\n<p>Im Park stellen sich die vier Darstellerinnen den Zuschauern in den Weg. Sie haben jetzt Masken \u00fcbergezogen und schauen aus wie M\u00e4nner, die einem hier in der Sicherheit der D\u00e4mmerung alles antun k\u00f6nnten. Und pl\u00f6tzlich schleicht sich Angst ein. Vor allem schaut man M\u00e4nner mit anderen Augen an und stellt jeden, der einem auf dem R\u00fcckweg begegnet, unter Generalverdacht, schlie\u00dflich k\u00f6nnten sie alle vergewaltigen. Denn wie hie\u00df es einmal? Oft seien die T\u00e4ter M\u00e4nner, \u201edie eigentlich total nette Kerle sind.\u201c <\/p>\n<p> <b>Vorstellungen<\/b> am 25., 28. und 29. November. Tickets unter <b>www.studiotheater.de<\/b> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es ist die gro\u00dfe Liebe, Honeymoon in seiner sch\u00f6nsten Form. 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