{"id":418884,"date":"2025-09-13T06:36:11","date_gmt":"2025-09-13T06:36:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/418884\/"},"modified":"2025-09-13T06:36:11","modified_gmt":"2025-09-13T06:36:11","slug":"angst-in-chemnitz-kreuzer-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/418884\/","title":{"rendered":"Angst in Chemnitz \u2014 kreuzer online"},"content":{"rendered":"<p>\u00bbWir werden gesehen \u2013 wie wir es uns erhofft haben\u00ab, Dagmar Ruschensky, die Chemnitzer B\u00fcrgermeisterin f\u00fcr Soziales, Jugend, Gesundheit, Kultur und Sport, zeigt sich froh beim Pressetermin zur Ausstellung \u00bbEdvard Munch. Angst\u00ab. Bevor diese in den Kunstsammlungen am Theaterplatz er\u00f6ffnete, vermeldete das Museum Gunzenhauser mit \u00bbEuropean Realities \u2013 zu den Realismusbewegungen der 1920er und 1930er Jahren\u00ab (s. kreuzer 7\/2025) \u00fcber 35.000 Besuchende noch vor der letzten Ausstellungswoche. Zudem betonte die Kulturb\u00fcrgermeisterin, wie wichtig Kultur als Standortfaktor einerseits wirkt und wie bedeutend die Kunstvermittlung andererseits ist, so dass diese perspektivisch ausgebaut werden soll.<\/p>\n<p>Was bei solchen positiven Signalen Angst macht, ist die Pressemitteilung der Kunstsammlungen: Der in der Haushaltssitzung Mitte M\u00e4rz 2025 beschlossene zus\u00e4tzliche Schlie\u00dftag der Kunstsammlungen wird mit dem neuen Jahr realisiert. Dann k\u00f6nnen die H\u00e4user von Mittwoch bis Sonntag besucht werden. F\u00fcr das Henry van de Velde Museum (Villa Esche) sowie das im Fr\u00fchjahr er\u00f6ffnete Karl-Schmidt-Rottluff-Haus stehen nur Besuchszeiten von Freitag bis Sonntag auf dem Programm. Aber jetzt im letzten Drittel des Kulturhauptstadtjahrs kann zum Beispiel die Munch-Ausstellung noch au\u00dfer montags und mittwochs von 11 bis 18 Uhr sowie am Mittwoch bis 19.30 Uhr angeschaut werden. Ab November f\u00e4llt die l\u00e4ngere \u00d6ffnungszeit am Mittwoch schon weg.<\/p>\n<p>Von diesen Sparma\u00dfnahmen ist beim Pressetermin nichts zu h\u00f6ren \u2013 stattdessen vom Mut, im Kulturhauptstadtjahr Tabuthemen wie Angst und Einsamkeit in der Gesellschaft zu thematisieren.<\/p>\n<p>Mit Edvard Munch (1863\u20131944) kommt ein K\u00fcnstler nach Chemnitz, der 1905 auf Einladung von Herbert und Johanna Esche in deren Villa weilte. Vom Kunstm\u00e4zen und Mitinhaber der Strumpfwarenfabrik Moritz Samuel Esche sowie seiner Familie malte Munch Portr\u00e4ts. Das von Herbert Esche ist neben dem Gem\u00e4lde \u00bbLandschaft bei Chemnitz\u00ab ebenso zu sehen wie Karl Schmidt-Rottluffs \u00bbNorwegische Landschaft\u00ab aus dem Jahr 1911. Schmidt-Rottluff wollte Munch f\u00fcr eine Mitgliedschaft in der K\u00fcnstlergruppe Br\u00fccke begeistern. Der ging darauf nicht ein.<\/p>\n<p>1929 zeigte der Kunstverein Chemnitzer Kunsth\u00fctte eine Munch-Ausstellung. Organisiert unter dem Direktor Friedrich Schreiber-Weigand (1879\u20131953), der seit 1911 die Ausstellung des Kunstvereins leitete und seit 1920 die St\u00e4dtische Kunstsammlung sowie f\u00fcr den Ankauf von 53 Druckgrafiken Munchs ebenso verantwortlich war wie auch 1928 f\u00fcr den Ankauf des Gem\u00e4ldes \u00bbZwei Menschen\/Die Einsamen\u00ab (1906\u201308).<\/p>\n<p>Unter seinem Nachfolger \u2013 Schreiber-Weigand wurde im April 1933 beurlaubt und im Oktober entlassen \u2013 Wilhelm R\u00fcdiger wurde das Bild 1937 verkauft. F\u00fcr die Ausstellung kehrt es nun erstmals aus den USA nach Chemnitz zur\u00fcck. W\u00e4hrend sich die darauf zu sehenden Frau und Mann dem Meer zuwenden, schaut der Mensch auf der Lithografie \u00bbGeschrei\u00ab aus dem Jahr 1895 mit den aufgerissenen Augen, Mund und den zugehaltenen Ohren das Publikum an und wendet sich von der Fjordlandschaft ab. So verhalten sich auch die Figuren der gegen\u00fcber geh\u00e4ngten Lithografie \u00bbAngst\u00ab (1896). Die Menschen am unteren Bildrand starren mit geschlossenen M\u00fcndern die Besucherinnen und Besucher an \u2013 wie die deutlich betonten Wangenknochen zeigen, offensichtlich mit viel Kraftanstrengung.<\/p>\n<p>Die von Diana Kopka kuratierte Schau versammelt neben den zentralen Motiven von Munch wie Sturm, Vampir, Madonna auch Arbeiten, die sich diesen Themen n\u00e4hern. So ist Andy Warhol mit zwei Siebdruckarbeiten vertreten, die er nach 1983 einem seiner Lieblingsk\u00fcnstler widmete \u2013 \u00bbDas Geschrei\u00ab (nach Munch) aus dem Jahr 1984.<\/p>\n<p>Andere Arbeiten zeichnet eine N\u00e4he zu Munchs Werken aus, wie \u00bbTotes M\u00e4dchen\u00ab von Jakub Schikaneder (1910\u201315) zu Munchs \u00bbDas kranke Kind\u00ab aus den Jahren 1885\/86. Zeitgen\u00f6ssische Positionen greifen einerseits die Themenkomplexe auf oder wie der Chemnitzer K\u00fcnstler Osmar Osten mit einem gro\u00dfformatigen Bild und dem Titel \u00bbEin Schrei von Edvard Munk, der h\u00e4lt uns ewig junk!\u00ab (2025) eine eher ironische Sicht auf das Motiv, das seit Jahrzehnten einen wesentlichen Bestand in der Kulturindustrie darstellt.\u00a0<\/p>\n<p>&gt; \u00bbEdvard Munch. Angst\u00ab: bis 2.11., Kunstsammlungen am Theaterplatz, Di, Do\u2013So 11\u201318, Mi 11\u201319.30 Uhr<\/p>\n<p>&gt; Familienf\u00fchrungen am 14.9., 13 Uhr<\/p>\n<p>&gt; Edvard Munch: Angst. Katalog. M\u00fcnchen: Hirmer 2025. 336 S., 38 \u20ac im Museumsshop (50 \u20ac im Buchhandel)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u00bbWir werden gesehen \u2013 wie wir es uns erhofft haben\u00ab, Dagmar Ruschensky, die Chemnitzer B\u00fcrgermeisterin f\u00fcr Soziales, Jugend,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":418885,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1851],"tags":[2076,73,2770,3364,29,91971,548,663,3934,6409,30,1109,13,80,2771,9742,29531,14,15,4290,859,12,1074,3699,33065,20183,33068],"class_list":{"0":"post-418884","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-chemnitz","8":"tag-ausstellung","9":"tag-bilder","10":"tag-chemnitz","11":"tag-de","12":"tag-deutschland","13":"tag-edvard","14":"tag-eu","15":"tag-europa","16":"tag-europe","17":"tag-gemaelde","18":"tag-germany","19":"tag-haushalt","20":"tag-headlines","21":"tag-kultur","22":"tag-kulturhauptstadt","23":"tag-kunstverein","24":"tag-muench","25":"tag-nachrichten","26":"tag-news","27":"tag-oeffnungszeiten","28":"tag-sachsen","29":"tag-schlagzeilen","30":"tag-sparen","31":"tag-veranstaltung","32":"tag-veranstaltung-leipzig","33":"tag-veranstaltungshinweis","34":"tag-veranstaltungstipp"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115195608071448085","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/418884","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=418884"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/418884\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/418885"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=418884"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=418884"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=418884"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}