{"id":419072,"date":"2025-09-13T08:21:10","date_gmt":"2025-09-13T08:21:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/419072\/"},"modified":"2025-09-13T08:21:10","modified_gmt":"2025-09-13T08:21:10","slug":"bundesbankpraesident-nagel-das-war-eine-bittere-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/419072\/","title":{"rendered":"Bundesbankpr\u00e4sident Nagel: \u201eDas war eine bittere Zeit\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Herr Bundesbankpr\u00e4sident Nagel, wie geht es nach der j\u00fcngsten EZB-Entscheidung nun mit den Zinsen weiter? <\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">In diesen unsicheren Zeiten werden wir unser Erfolgsrezept nicht \u00e4ndern: Wir sind auf keinen vorab bestimmten Zinspfad festgelegt, sondern schauen auf neue Daten, darunter nat\u00fcrlich die weitere Entwicklung der Inflationsrate, und entscheiden auf dieser Basis in der jeweiligen geldpolitischen Sitzung. Angesichts der weiterhin hohen Unsicherheit bietet uns diese Vorgehensweise ein H\u00f6chstma\u00df an Flexibilit\u00e4t. Es besteht derzeit kein Handlungsdruck: Das am Donnerstag best\u00e4tigte Zinsniveau erlaubt es uns, die weitere Entwicklung abzuwarten.<\/p>\n<p><strong>Was bedeutet das f\u00fcr die Verbraucher? <\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Im August lag die Inflationsrate im Euroraum mit 2,1 Prozent nur minimal \u00fcber unserem mittelfristig angepeilten Ziel. Und nach den neuen Projektionen der Fachleute in der <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"EZB\" data-rtr-id=\"336282934f8e902b1bd5c2564a1a9376f25c66fb\" data-rtr-score=\"350.42946699696324\" data-rtr-etype=\"organisation\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/thema\/ezb\" title=\"EZB\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Europ\u00e4ischen Zentralbank<\/a> wird sich die Inflation in den kommenden ein, zwei Jahren nahe bei zwei Prozent bewegen. Wir haben die zweistelligen Inflationsraten vom Herbst 2022 wieder eingefangen. Das war eine bittere Zeit, vor allem f\u00fcr Geringverdiener. Jetzt herrscht Preisstabilit\u00e4t: Das ist eine gute Nachricht f\u00fcr Verbraucher, ob in Deutschland, Italien oder anderswo im Euroraum.<\/p>\n<p><strong>Wie w\u00fcrden Sie die EZB-Entscheidung f\u00fcr die B\u00fcrger erkl\u00e4ren? <\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Wir haben uns in der gegenw\u00e4rtigen Situation f\u00fcr unver\u00e4nderte Leitzinsen entschieden, weil die Inflationsrate gem\u00e4\u00df der j\u00fcngsten Prognose mittelfristig mehr oder weniger unserem Zielwert entspricht. Weitere Zinssenkungen k\u00f6nnten dies gef\u00e4hrden: Die Wirtschaft wird ja bereits angekurbelt durch steigende Verteidigungsausgaben und durch das gro\u00dfe Investitionspaket f\u00fcr Infrastruktur in Deutschland. Dies strahlt europaweit aus. Dessen ungeachtet gibt es eine Vielzahl von Unsicherheiten f\u00fcr die mittelfristige Preisentwicklung \u2013 nicht nur durch US-Z\u00f6lle. Sollte es erforderlich sein, sind wir flexibel genug, um damit umgehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Hat die EZB den Kampf gegen die hohe Inflation gewonnen? <\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Soweit wir das absehen k\u00f6nnen, liegt die Inflationsrate im <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Eurozone\" data-rtr-id=\"e599f7d7274e2848ca802f90fa34d57236d14856\" data-rtr-score=\"14.158858450754597\" data-rtr-etype=\"keyword\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/thema\/eurozone\" title=\"Eurozone\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Euroraum<\/a> in den kommenden Jahren nah an unserem mittelfristigen Zielwert, also bei zwei Prozent. Das ist eine ausgezeichnete Nachricht. Unser Leitzins liegt ebenfalls bei zwei Prozent. Von hier aus k\u00f6nnen wir die Entwicklungen der n\u00e4chsten Wochen und Monate gut beobachten und, wenn n\u00f6tig, reagieren. Dennoch ist das alles kein Grund zur Selbstzufriedenheit: Der Anstieg der Preise f\u00fcr Dienstleistungen ist immer noch hoch, und die gro\u00dfe Unsicherheit ist allen bekannt, insbesondere in geopolitischer Hinsicht.<\/p>\n<p><strong>Welche Auswirkungen werden die US-Z\u00f6lle und die h\u00f6heren deutschen Staatsschulden auf die Inflation haben? <\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Momentan scheinen sich die Z\u00f6lle nur begrenzt auf die Inflation auszuwirken, und die h\u00f6heren Staatsausgaben laufen erst an. Die Z\u00f6lle belasten aber kurzfristig auf jeden Fall die deutsche Wirtschaft. F\u00fcr dieses Jahr erwarte ich nur ein sehr geringes Wirtschaftswachstum. Im kommenden Jahr d\u00fcrften die h\u00f6heren Staatsausgaben dann die Wirtschaft beleben \u2013 das ist erst einmal positiv. Gleichzeitig m\u00fcssen wir aber in Europa die Entwicklung der Staatsverschuldung und die Reaktion der Finanzm\u00e4rkte beachten.<\/p>\n<p><strong>Wo sehen Sie dabei Gefahren?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Sollten die M\u00e4rkte sich \u00fcber die Schuldenquoten mancher Eurol\u00e4nder sorgen, drohen Verwerfungen. Im EZB-Rat halten wir deshalb die Regierungen nachdr\u00fccklich an, die Defizitregeln und Staatsschuldenquoten des Europ\u00e4ischen Stabilit\u00e4ts- und Wachstumspakts einzuhalten. Denn solide Staatsfinanzen machen es uns deutlich leichter, unser Mandat der Preisstabilit\u00e4t langfristig zu erf\u00fcllen. Die Lage ist anspruchsvoll.<\/p>\n<p><strong>Einige \u00d6konomen sind sehr optimistisch f\u00fcr 2026, dank der positiven Auswirkungen der fiskalischen Stimulierungsma\u00dfnahmen der deutschen Regierung auf das deutsche Wachstum. Teilen Sie diesen Optimismus?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Die <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Deutsche Bundesbank\" data-rtr-id=\"3c6cff12c1720cc7fa9faff21d8b1c0b5afa079f\" data-rtr-score=\"305.6498104570489\" data-rtr-etype=\"organisation\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/thema\/deutsche-bundesbank\" title=\"Deutsche Bundesbank\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bundesbank<\/a> geht davon aus, dass die positiven fiskalischen Impulse vor allem vom n\u00e4chsten Jahr an wirken werden. Vieles wird jedoch davon abh\u00e4ngen, wie viel tats\u00e4chlich zus\u00e4tzlich investiert wird und wie zielgerichtet das erfolgt. Deutschland steht wie viele andere L\u00e4nder im Euroraum vor strukturellen Herausforderungen. Die Bundesregierung ist sich bewusst, dass sie diese Probleme angehen muss, die in der Vergangenheit nicht gel\u00f6st wurden. Und Mario Draghi hat recht, wenn er in seinem Bericht zur Wettbewerbsf\u00e4higkeit Europas schreibt, dass Europa schneller vorankommen und handeln muss. Wir haben jetzt die Chance, den Kontinent wettbewerbsf\u00e4higer zu machen. Die geplanten Investitionen in Deutschland k\u00f6nnen dazu beitragen.<\/p>\n<p><strong>Was muss in Europa geschehen? Welche Vorschl\u00e4ge des ehemaligen EZB-Pr\u00e4sidenten <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Mario Draghi\" data-rtr-id=\"250bf567f0cb4775809ca1ccebea43bdde4f0178\" data-rtr-score=\"38.10886202703669\" data-rtr-etype=\"person\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/finanzen\/thema\/mario-draghi\" title=\"Mario Draghi\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mario Draghi<\/a> sollten so schnell wie m\u00f6glich umgesetzt werden? <\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Die Spar- und Investitionsunion ist \u00fcberf\u00e4llig, einschlie\u00dflich einer gemeinsamen europ\u00e4ischen Einlagensicherung. Oft werde ich gefragt, was wir tun k\u00f6nnen, um mehr Kapital f\u00fcr Investitionen nach Europa zu ziehen. In den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass die Vielzahl unterschiedlicher Regeln in den europ\u00e4ischen L\u00e4ndern ein wesentliches Hindernis darstellt.<\/p>\n<p><strong>Was ist dabei mit der Bankenunion?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Ich bin davon \u00fcberzeugt, dass wir hier die notwendigen Voraussetzungen f\u00fcr die Vollendung der Bankenunion schaffen k\u00f6nnen, um ein glaubw\u00fcrdiges und zuverl\u00e4ssiges Einlagensicherungssystem zu etablieren. Es soll Bankruns noch wirksamer verhindern und Finanzstabilit\u00e4t f\u00f6rdern, ohne die Besonderheiten des italienischen und des deutschen Bankensystems mit seiner Einlagen- und Institutssicherung zu vernachl\u00e4ssigen. Wir m\u00fcssen unsere Hausaufgaben machen, wir m\u00fcssen europ\u00e4ischer werden. Mehr Europa ist heute wichtiger denn je.<\/p>\n<p><strong>Was h\u00e4lt die Bundesbank von grenz\u00fcberschreitenden Bankfusionen? Alle fordern eine Bankenunion, aber wenn eine grenz\u00fcberschreitende Bankenfusion wie die zwischen der Commerzbank und Unicredit vorgeschlagen wird, gibt es einen gro\u00dfen Aufschrei . . . <\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">In der Tat gibt es dazu in Deutschland eine Debatte, in die ich mich im konkreten Fall nicht einmischen werde. Ich bleibe da neutral. Grunds\u00e4tzlich ist jedoch klar: Grenz\u00fcberschreitende Fusionen geh\u00f6ren zu einem einheitlichen Markt dazu.<\/p>\n<p><strong>Sie haben die \u00c4hnlichkeiten zwischen dem deutschen und dem italienischen Bankensystem erw\u00e4hnt. Dasselbe gilt f\u00fcr die verarbeitende Industrie, den Export, die Energie und die alternde Bev\u00f6lkerung: Italien und Deutschland haben viel gemeinsam. Glauben Sie nicht, dass eine engere Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Italien Europa helfen w\u00fcrde, schneller voranzukommen?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Eine st\u00e4rkere Zusammenarbeit zwischen unseren beiden L\u00e4ndern k\u00f6nnte definitiv helfen. Wir sind wirtschaftlich wie politisch stark miteinander verzahnt, schlie\u00dflich sind wir Gr\u00fcndungsmitglieder der Europ\u00e4ischen Union. Wir k\u00f6nnen aber noch mehr tun, damit unsere beiden Volkswirtschaften noch st\u00e4rker zusammenwachsen. Denn wir haben \u00e4hnliche strukturelle und konjunkturelle Probleme, etwa in der Automobilbranche und im Verteidigungssektor. Die neue Bundesregierung hat einen klaren europ\u00e4ischen Fokus. Dazu passt aus meiner Sicht auch eine enge Zusammenarbeit mit Italien.<\/p>\n<p><strong>Mehr Europa k\u00f6nnte auch dazu beitragen, negative Auswirkungen der amerikanischen Politik zu verhindern: Beispielsweise wird die Unabh\u00e4ngigkeit der US-Notenbank Federal Reserve von der Trump-Regierung angegriffen. Bef\u00fcrchten Sie, dass dies zu \u00e4hnlichen Angriffen europ\u00e4ischer Politiker gegen die EZB f\u00fchren k\u00f6nnte?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Die Entwicklungen in den USA, insbesondere die Angriffe auf die Fed, machen mir gro\u00dfe Sorgen. Die Unabh\u00e4ngigkeit von Notenbanken ist ein zentrales Prinzip moderner Volkswirtschaften \u2013 vor allem in Demokratien. Auch wenn es auf den ersten Blick widerspr\u00fcchlich scheint, dass eine so wichtige Institution wie die Zentralbank nicht unter direkter Kontrolle einer gew\u00e4hlten Regierung steht: Das hat uns in den vergangenen Jahrzehnten weltweit niedrige Inflationsraten und nachhaltiges Wirtschaftswachstum gesichert. Wir alle kennen die Katastrophe, als die Reichsbank in der Weimarer Republik nicht unabh\u00e4ngig war. Die Inflation stieg auf astronomische H\u00f6hen. Dank den USA wurde die Bundesbank als unabh\u00e4ngige Institution geschaffen. Wir brauchen solche Institutionen, die ihr Mandat \u00fcber kurzfristige politische Interessen hinaus wahrnehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Ja, aber jetzt gibt es einige Probleme. Wie l\u00f6st die Bundesbank nun das Drama mit ihrer Zentrale? Es klingt sehr besorgniserregend, dass der neue Hauptsitz mehr als vier Milliarden Euro kosten sollte . . . <\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Sie sprechen richtigerweise in der Vergangenheitsform. Diese Planung f\u00fcr die Bundesbankzentrale ist pass\u00e9. Seit meinem Amtsantritt 2022 habe ich das Projekt gemeinsam mit dem Vorstand neu aufgesetzt und deutlich verschlankt. Mir war schnell klar, dass das urspr\u00fcngliche Projekt zu gro\u00df war, das hat mich umgetrieben. In der Pandemie haben wir au\u00dferdem die M\u00f6glichkeiten von mehr Homeoffice kennengelernt. Unsere Besch\u00e4ftigten nutzen sie seitdem umfangreich. 2022 wurde das Haupthaus zudem unter Denkmalschutz gestellt. Diese Entwicklungen haben mich in unserem Neuanfang zus\u00e4tzlich best\u00e4rkt. Am Ende geht es schlie\u00dflich um das Geld der Steuerzahlenden. Aktuell erstellen wir eine Kosten-Nutzen-Analyse f\u00fcr das historische Hauptgeb\u00e4ude. Auf Basis der Ergebnisse entscheiden wir, ob wir es sanieren und dann dorthin zur\u00fcckkehren oder eine Alternative in Frankfurt w\u00e4hlen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Das Bundesbankgeb\u00e4ude ist ohne Zweifel eindrucksvoll. Ich werde meinen ersten Arbeitstag hier in Frankfurt im Februar 2003 nie vergessen: Ich war ohnehin ein bisschen nerv\u00f6s, aber als ich das Geb\u00e4ude sah, wurde ich es noch mehr. Der Bau beeindruckt schon durch seine schiere Gr\u00f6\u00dfe, und die Fassade aus nacktem Beton verst\u00e4rkt diesen Eindruck noch. Aber es ist nicht das Geb\u00e4ude, das die Bundesbank ausmacht, es sind die Menschen, die f\u00fcr sie arbeiten.<\/p>\n<p><strong>Machen Sie sich aktuell Sorgen um Frankreich? Gibt es beispielsweise Diskussionen, das Hilfsprogramm TPI der EZB zu aktivieren?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Seit Amtsantritt vermeide ich es, Entwicklungen in einzelnen L\u00e4ndern zu kommentieren. Allgemein gilt: Zu hohe Defizit- und Schuldenquoten schaffen Probleme. Jedes Land sollte ein Interesse daran haben, sein Defizit auf ein nachhaltiges Niveau zu senken, um nicht in eine Lage zu geraten, in der die Finanzm\u00e4rkte an der Tragf\u00e4higkeit der Staatsverschuldung zweifeln. Ich habe den Eindruck, dass diese Lehre grunds\u00e4tzlich verstanden ist. Die vergangenen Jahre waren sicherlich schwierig: Pandemie, Ukrainekrieg, politische Krisen \u2013 die damit verbundenen fiskalischen Herausforderungen waren gro\u00df. Dennoch geht f\u00fcr eine Regierung kein Weg daran vorbei, das Defizitproblem zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p><strong>Es gibt einen potentiellen Spillover-Effekt aus den Vereinigten Staaten, der uns Sorgen bereiten k\u00f6nnte: das neue US-Gesetz zu auf Dollar lautenden Stable\u00adcoins. Wird der digitale Euro ausreichen, um zu verhindern, dass die USA unser Zahlungssystem in Europa vollst\u00e4ndig \u00fcbernehmen? <\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Der digitale Euro w\u00fcrde uns in puncto europ\u00e4ischer Souver\u00e4nit\u00e4t im Zahlungsverkehr deutlich voranbringen: Er ist ein sehr wichtiges Projekt, das wir meiner Meinung nach in den n\u00e4chsten Jahren umsetzen und zum Erfolg f\u00fchren sollten. Zuerst bei Transaktionen zwischen Finanzinstituten, etwa bei der Abwicklung von Wertpapiergesch\u00e4ften, dann f\u00fcr alle B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger. Die Zusammenarbeit zwischen EZB, Bundesbank, Banca d\u2019Italia und anderen Zentralbanken funktioniert bei diesem Projekt sehr gut.<\/p>\n<p><strong>Sehen Sie spezielle Gefahren durch Stable\u00adcoins? <\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Insbesondere bei grenz\u00fcberschreitenden Zahlungen k\u00f6nnen Stable\u00adcoins sicherlich einen Mehrwert bieten. Mich besorgt aber, dass USD-Stable\u00adcoins zu einer weiteren Dollarisierung beitragen. Das liegt auch daran, dass es f\u00fcr Stable\u00adcoins in vielen L\u00e4ndern, insbesondere au\u00dferhalb der EU, noch keine ausreichenden Regeln gibt. Was passiert denn zum Beispiel, wenn die Deckungsmasse von Stable\u00adcoins nicht ausreicht? Woher kommen dann die n\u00f6tigen Finanzmittel? Unabh\u00e4ngig davon k\u00f6nnen wir auch nicht ausschlie\u00dfen, dass Stable\u00adcoins das Bankensystem beeintr\u00e4chtigen w\u00fcrden \u2013 etwa weil die Emittenten Bankeinlagen als Sicherheiten halten und in einer Krise abziehen. Deshalb m\u00fcssen wir auch in Europa darauf achten, dass Stable\u00adcoins im Interesse der Finanzstabilit\u00e4t wirksam reguliert sind.<\/p>\n<p><strong>Sind deutsche und europ\u00e4ische Banken nach Ihrer Einsch\u00e4tzung der Aufgabe des digitalen Bankwesens gewachsen?<\/strong><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Der deutsche und der europ\u00e4ische Bankensektor sind in Sachen Digitalisierung gut mit dabei, aber wir brauchen die Kapitalmarktunion und die Bankenunion, um vorn mitzuspielen und die neuen digitalen Chancen umfassend zu nutzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Herr Bundesbankpr\u00e4sident Nagel, wie geht es nach der j\u00fcngsten EZB-Entscheidung nun mit den Zinsen weiter? 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