{"id":419210,"date":"2025-09-13T09:36:16","date_gmt":"2025-09-13T09:36:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/419210\/"},"modified":"2025-09-13T09:36:16","modified_gmt":"2025-09-13T09:36:16","slug":"wirtschaftliche-interessen-fuer-die-russen-ist-die-ukraine-eine-waschmaschine-fuer-geld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/419210\/","title":{"rendered":"Wirtschaftliche Interessen: F\u00fcr die Russen ist die Ukraine eine Waschmaschine &#8211; f\u00fcr Geld"},"content":{"rendered":"<p><strong>Russland hat die Ukraine lange als Geldwaschmaschine f\u00fcr kriminelles und geheimdienstliches Kapital genutzt. Mit der Ann\u00e4herung des Landes an die Europ\u00e4ische Union wurde dieses Vorgehen schwieriger. Auch das ist ein Grund f\u00fcr den \u00dcberfall.<\/strong><\/p>\n<p>Der Kriegsherr im Kreml und seine Bauchredner betrachten die Ukraine mit all ihren Reicht\u00fcmern als ihren Besitz. &#8222;Das ist unser Land&#8220;, br\u00fcllt man in den Propaganda-Shows im russischen Staatsfernsehen. Die Ukraine soll nicht nur &#8222;zu&#8220; Russland geh\u00f6ren, etwa in einer Konf\u00f6deration oder einem Staatenbund. Sondern &#8222;sie geh\u00f6rt uns&#8220;. Ein t\u00f6dlicher Unterschied f\u00fcr Ukrainer.<\/p>\n<p>Die Besitzanspr\u00fcche von Putin-Russland beziehen sich nicht nur auf das Land und die Menschen, sondern auch auf Immobilien, Rohstoffe, Bergbauunternehmen, Hotels, Fabriken, Ackerfl\u00e4chen und sogar Fl\u00fcsse, die unter anderem die okkupierte Halbinsel Krim mit Wasser versorgen sollen. Mindestens 40.000 ukrainische Unternehmen geh\u00f6rten am 24. Februar 2022 ganz oder teilweise Eigent\u00fcmern aus der Russischen F\u00f6deration.<\/p>\n<p> Diese Unternehmen kamen aus allen m\u00f6glichen Wirtschaftszweigen: Autohandel, Gefl\u00fcgelzucht, Sportclubs, Beton-Produzenten, Lokomotiven-Hersteller, Kosmetikfirmen, Pharmafirmen, Brennstofffirmen. Auch Eigent\u00fcmer von Immobilien, Grundst\u00fccken und Banken waren darunter, Unternehmen aus dem Transportwesen, Beratungsleistungen aus den Bereichen Geologie und Geod\u00e4sie, Gastronomie sowie landwirtschaftliche Betriebe. Das gr\u00f6\u00dfte russische Unternehmen in der Ukraine d\u00fcrfte die Sberbank gewesen sein. Sie hatte damals mehr als eine halbe Million Privatkunden, das regionale Netzwerk der Bank umfasste 93 Filialen. Eigent\u00fcmer: das russische Finanzkonglomerat PJSC Sberbank of Russia, die gr\u00f6\u00dfte Bank Russlands.<\/p>\n<p>Gesetz soll wirtschaftliche Verflechtung beenden<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 2022, gleich nach Beginn der vollumf\u00e4nglichen Invasion, beschlossen die Regierung und das Parlament der Ukraine ein Gesetz \u00fcber die Zwangsenteignung von Eigentum der Russischen F\u00f6deration und ihrer Einwohner in der Ukraine. Damit sollte die Nutzung wirtschaftlicher Ressourcen zum Nachteil der Ukraine und zugunsten des Aggressors verhindert werden.<\/p>\n<p>Das Gesetz gilt auch, wenn russische Staatsb\u00fcrger nur teilweise Beg\u00fcnstigte sind, also mit Ukrainern zusammen \u00fcber Besitz verf\u00fcgen und die Russische F\u00f6deration nur indirekt beteiligt ist. B\u00fcrger der Russischen F\u00f6deration, die die bewaffnete Aggression gegen die Ukraine nicht unterst\u00fctzen und die auf Seiten der Ukraine am bewaffneten Konflikt beteiligt sind oder waren, sind vom Anwendungsbereich des Gesetzes ausgeschlossen.<\/p>\n<p> Juristische Bestimmungen sind schnell formuliert, ihre praktische Umsetzung jedoch zieht sich oft jahrelang hin. So wurden vor zwei Jahren in der zentralukrainischen Staat Poltawa die zahlreichen Immobilien einer russisch-ukrainischen Generalfamilie zwar nach dem Beschluss eines Kiewer Bezirksgerichts beschlagnahmt. Aber ein neuer privater Verwalter konnte erst in diesem Sommer f\u00fcr einige der H\u00e4user und Hotels gefunden werden.<\/p>\n<p>Der &#8222;Pate&#8220; von Poltawa<\/p>\n<p>Den Informationen der ukrainischen Ermittlungsbeh\u00f6rden zufolge kaufte der russische General Waleri Kapashyn in den letzten Jahrzehnten &#8222;mit Geldern zweifelhafter Herkunft&#8220; massenhaft Immobilien in Poltawa auf. Er registrierte sie auf den Namen seiner Tochter, seines Schwiegersohns und anderer ihm nahestehender Personen. Der Bruder seines Schwiegersohns bekleidete lange Zeit \u00c4mter im Stadtrat als Leiter der Transportabteilung und sogar als Leiter der Abteilung f\u00fcr B\u00fcrgerbeschwerden.<\/p>\n<p>Die Liste der gesperrten Verm\u00f6genswerte umfasst mehr als 20 Gewerbeobjekte, mehr als 3000 Quadratmeter Wohnimmobilien und 17 Grundst\u00fccke in der Region Poltawa. Darunter sind einige der teuersten der Stadt, etwa der Hotel- und Restaurantkomplex &#8222;Lileya&#8220; in der N\u00e4he des &#8222;wei\u00dfen Pavillons&#8220;, eines der Wahrzeichen von Poltawa. Regelm\u00e4\u00dfig hat dieses Unternehmen Ausschreibungen f\u00fcr die Bewirtung ausl\u00e4ndischer Delegationen gewonnen. Prominente Ausl\u00e4nder, die vom B\u00fcrgermeister oder dem Stadtrat empfangen wurden, a\u00dfen ausschlie\u00dflich in diesem Restaurant.<\/p>\n<p> &#8222;Kapashyn unterst\u00fctzte alle F\u00fchrer von Poltawa finanziell&#8220;, berichtete k\u00fcrzlich Viktor Yagun, ein ehemaliger Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes der Ukraine, der als Aktivist seit langem gegen die schleichende Unterwanderung der Stadt durch die Generalfamilie ank\u00e4mpft. Die auch mit dem Geld des Generals gew\u00e4hlten B\u00fcrgermeister zeigten ihre Dankbarkeit mit der \u00dcbertragung st\u00e4dtischen Eigentums an Kapashyn, seine Familie und der Familie nahestehende Gesch\u00e4ftsleute. Der &#8222;Pate von Poltawa&#8220; war ein M\u00e4zen, dessen Namen ohne seine Zustimmung nicht genannt werden durfte.<\/p>\n<p>Ein General und Giftmischer in der Armee Russlands<\/p>\n<p>Kapashyn wurde 2016 von Putin mit dem Orden &#8222;F\u00fcr Verdienste um das Vaterland&#8220; ausgezeichnet. Russischen Oppositionsmedien zufolge ist er einer der Entwickler des Nervengifts Nowitschok. Er hat \u00fcber einhundert Schriften zu chemischen Waffen verfasst. In Russland leitete er zwanzig Jahre lang die &#8222;Bundesverwaltung f\u00fcr die sichere Lagerung und Vernichtung chemischer Waffen&#8220;. Offiziellen Angaben zufolge wurden im September 2017 s\u00e4mtliche Chemiewaffen in Russland vernichtet. Doch die f\u00fcr ihre Lagerung zust\u00e4ndige Abteilung existiert noch und erh\u00e4lt Milliarden aus dem Haushalt, so Viktor Yagun.<\/p>\n<p>Die Einpeitscher des Kriegs in Moskau behaupten nat\u00fcrlich nicht, dass sie Poltawa okkupieren wollen, um das Eigentum eines ihrer Gener\u00e4le zu sichern. Nein, sie erfinden Bio-Labore, in denen angeblich Biowaffen hergestellt werden, die angeblich eine Gefahr f\u00fcr Russland darstellen. Sie nennen verletzte Sicherheitsinteressen als Grund f\u00fcr die &#8222;milit\u00e4rische Spezialoperation&#8220;, nicht schn\u00f6den Mammon, nicht schn\u00f6de Gier.<\/p>\n<p>Geldwaschmaschine f\u00fcr kriminelles und geheimdienstliches Kapital aus Russland<\/p>\n<p>Der Fall aus Poltawa zeigt beispielhaft die Kapitalverflechtungen zwischen Russland und der Ukraine, die Verquickungen \u00f6konomischer mit milit\u00e4rischen Interessen. F\u00fcr die meisten Ukrainer ist es kein Geheimnis, dass Vertreter der &#8222;Elite&#8220; Russlands strategisch wichtige Objekte und Unternehmen in ihrem Land aufgekauft haben, oft mit Hilfe ukrainischer Verwandter oder von Beh\u00f6rdenleitern, wie den B\u00fcrgermeistern von Poltawa.<\/p>\n<p> Diese Gesch\u00e4ftspraktiken bew\u00e4hrten sich schon in den wilden 1990er Jahren, w\u00e4hrend der Transformation von sowjetischem Volkseigentum zu privatem Besitz und Kapital. Wichtige Bereiche der sowjetischen R\u00fcstungsindustrie befanden sich in der Ukrainischen Sowjetrepublik, insbesondere der Motorenbau und die Produktion von Raketen- und Raumfahrttechnik. Die Kooperationsbeziehungen wurden von den R\u00fcstungsbetrieben der heutigen Kriegsgegner in privatwirtschaftlicher Form fortgesetzt, auch mit Gesch\u00e4ftsabschl\u00fcssen &#8222;unter der Hand&#8220;, unter Missachtung geltender Gesetze.<\/p>\n<p>Die Ukraine war damals eine ideale Geldwaschmaschine f\u00fcr kriminelles und geheimdienstliches Kapital aus Russland. Je enger aber die politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit der Ukraine mit der Europ\u00e4ischen Union wurde, desto schlechter war es f\u00fcr diese Machenschaften und desto mehr f\u00fchlten sich russische Oligarchen bedroht, weil sie nun zunehmend rechtlich legitimierte Kontrollen bef\u00fcrchten mussten.<\/p>\n<p>Der heimt\u00fcckische \u00dcberfall auf die friedliche Ukraine hat den Prozess der Abkoppelung der ukrainischen Volkswirtschaft von russischem Kapital enorm beschleunigt. Die Suche nach &#8222;toxischen&#8220; unternehmerischen Verbindungen wird st\u00e4ndig erweitert. Doch selbst im Januar 2025 gewannen &#8222;Unternehmen mit russischer Vergangenheit&#8220; noch staatliche Ausschreibungen in der Ukraine. Bis zur vollst\u00e4ndigen Entflechtung beider Volkswirtschaften und der drastischen Verringerung feindlicher \u00f6konomischer Einflussm\u00f6glichkeiten gibt es noch einiges zu tun.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Russland hat die Ukraine lange als Geldwaschmaschine f\u00fcr kriminelles und geheimdienstliches Kapital genutzt. 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