{"id":42106,"date":"2025-04-18T16:09:08","date_gmt":"2025-04-18T16:09:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/42106\/"},"modified":"2025-04-18T16:09:08","modified_gmt":"2025-04-18T16:09:08","slug":"leonardo-da-vinci-was-verraten-die-details-der-mona-lisa-ueber-ihn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/42106\/","title":{"rendered":"Leonardo da Vinci: Was verraten die Details der \u201eMona Lisa\u201c \u00fcber ihn?"},"content":{"rendered":"<p>Leonardo da Vinci erforschte K\u00f6rper, entwarf futuristische Ger\u00e4te und malte das popul\u00e4rste Gem\u00e4lde der Welt. Wie wurde der Italiener ein solches Universalgenie? Und was verraten die Details der \u201eMona Lisa\u201c \u00fcber ihn?<\/p>\n<p data-external=\"Article.FirstParagraph\">\u201ePardon, heute nur mit Reservierung.\u201c So wird es ab 2031 allen ergehen, die das ber\u00fchmteste Gem\u00e4lde der Welt im Original betrachten m\u00f6chten. Frankreichs Pr\u00e4sident Emmanuel Macron hat entschieden, f\u00fcr Leonardo da Vincis \u201eMona Lisa\u201c einen neuen Saal im Louvre bauen zu lassen \u2013 im Keller des Museums und mit eigenem, separatem Eingang. Alle Besucher werden au\u00dferdem einen Aufpreis zahlen, wenn sie das auf Franz\u00f6sisch als \u201eLa Joconde\u201c bekannte Bild sehen m\u00f6chten, das verriet die amtierende Direktorin des Louvre, Laurence des Cars, bereits. <\/p>\n<p>Beide Ma\u00dfnahmen seien bitter n\u00f6tig, um die Zukunft des Museums zu sichern, und damit hat sie sicher recht. Die \u201eMona Lisa\u201c ist ein Magnet, der Massen von Menschen aus der ganzen Welt anzieht. Statt vier Millionen \u2013 wie beim letzten gr\u00f6\u00dferen Umbau in den 1990ern prognostiziert \u2013 str\u00f6men heute jedes Jahr neun Millionen Besucher durch die Glaspyramide des Louvre. Zwei Drittel von ihnen m\u00f6chten unbedingt das geheimnisvolle L\u00e4cheln der Seidenh\u00e4ndlergattin aus Florenz sehen, die vor einem halben Jahrtausend in Italien lebte. Das Aufheben, das um die \u201eMona Lisa\u201c veranstaltet wird, \u00e4hnelt einem Kult. Dass es noch immer viele gute Gr\u00fcnde gibt, sich mit dem Gem\u00e4lde und seinem Sch\u00f6pfer zu besch\u00e4ftigten, unterstreicht im April eine zweiteilige ARTE-Dokumentation. Der US-amerikanische Filmemacher Ken Burns portr\u00e4tiert \u2013 zusammen mit Tochter Sarah Burns und dem Co-Autor David McMahon \u2013 darin Leonardo da Vinci als K\u00fcnstler und Universalgelehrten und zeigt: Beide Rollen h\u00e4ngen eng miteinander zusammen.<\/p>\n<p>Leonardo da Vinci wurde 1452 als uneheliches Kind eines Notars in der N\u00e4he von Florenz geboren. Er wuchs in der Stadt Vinci (daher der Name) in einer intakten Patchwork-Familie auf, konnte aber wegen seiner au\u00dferehelichen Geburt kein Notar werden. Stattdessen befasste sich schon der ganz junge Leonardo mit allem, was sein Interesse erregte. In f\u00fcr seine Zeit ungew\u00f6hnlichem Ausma\u00df hielt er eigene Gedanken, Beobachtungen, Berechnungen und Zeichnungen in Notizb\u00fcchern fest. \u00c4hnlich wie heute in den Weiten des Internets vermischen sich in Leonardo da Vincis Notizb\u00fcchern unterschiedlichste Interessen. Themen verzweigen sich, werden liegen gelassen und wieder aufgegriffen, ohne dass es je zu einem abgeschlossenen Zustand k\u00e4me \u2013 der Mann hatte sozusagen immer Hunderte Tabs offen. <\/p>\n<p>Flugmaschinen, Kanonen, Panzerwagen<\/p>\n<p>\u201eLeonardo schl\u00e4gt sich mit allen Fragen dieser Welt herum\u201c, fasst es der Regisseur und Leonardo-Bewunderer Guillermo del Toro in Burns\u2019 Dokumentation treffend zusammen. Gerade wegen dieses Nebeneinanders kommt es einem heute so vor, als seien die Skizzen eben erst entstanden. Dieselbe Feder beschreibt von Leonardo selbst sezierte K\u00f6rper und entwirft von Menschen angetriebene Flugmaschinen und Gleiter. Der K\u00fcnstler erstellt Karten, konstruiert Kanonen und Panzerwagen, erfindet hydraulische Systeme, notiert Spr\u00fcche und Einkaufslisten und h\u00e4lt fl\u00fcchtige Momente des Alltags fest, insbesondere die Mimik und Gestik von Menschen. <\/p>\n<p>Die wiederum will er in ihrer Funktionsweise verstehen. So zeichnete Leonardo einmal ein durchges\u00e4gtes R\u00fcckenmark und die Nerven, die es mit dem Gehirn verbinden. Denn er wei\u00df bereits, dass die Nerven unsere Empfindungen und Bewegungen steuern. Insgesamt hat Leonardo da Vinci um die 7000 solcher Bl\u00e4tter hinterlassen. Dabei ist es insbesondere das Ph\u00e4nomen der Bewegung, das ihn zeitlebens fasziniert, und seien diese auch noch so subtil. Aus dem Jahr 1508 stammt eine Zeichnung, in der Leonardo die Anatomie des Mundes und speziell die Funktionsweise der Lippen untersucht. Sie sind schwer zu sezieren. Doch \u201evon all den Nerven und denen mit ihnen verbundenen Muskeln waren f\u00fcr Leonardo jene am wichtigsten, welche die Lippen kontrollierten\u201c, fasst Leonardo-Biograf Walter Isaacson zusammen. Sofort denkt man an die Frau mit dem unergr\u00fcndlichen L\u00e4cheln in ihrem Glaskasten im Louvre. <\/p>\n<p>Die \u201eMona Lisa\u201c ist tats\u00e4chlich nicht denkbar ohne die Zeichnungen Leonardo da Vincis. Diese Bl\u00e4tter sind deshalb auch der beste Weg, einen neuen zeitgen\u00f6ssischen Zugang zu Leonardo zu finden, dessen Werk mehr und mehr unter der Last des eigenen Ruhms leidet. Die \u201eMona Lisa\u201c kann man im Jahr 2025 praktisch nicht mehr im Original betrachten, so sehr dr\u00e4ngen sich die Massen um das Bild. Und als 2011 mit dem \u201eSalvator Mundi\u201c ein bis dahin unbekannter Leonardo auftauchte, ist dieser mehr wegen des extremen Kaufpreises im Ged\u00e4chtnis geblieben, den der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman 2017 daf\u00fcr bezahlte, als wegen der k\u00fcnstlerischen Raffinesse des Bildes. Zumal bis heute umstritten ist, ob das Werk wirklich dem Meister zuzuordnen ist.<\/p>\n<p>\u201eMona Lisa\u201c? Viel mehr als ein Portr\u00e4t<\/p>\n<p>Trotzdem sind Leonardo da Vincis Gem\u00e4lde noch nicht auserz\u00e4hlt. In einer amerikanischen Talkshow beschrieb Ken Burns die \u201eMona Lisa\u201c als \u201everkrustet mit Seepocken der Sentimentalit\u00e4t und Nostalgie\u201c, betonte aber auch, dass es sich bei dem Bild \u201eum die Quintessenz der Malerei\u201c handele. Tats\u00e4chlich ist das mit Bleiwei\u00df grundierte und mit unz\u00e4hligen d\u00fcnnen Farbschichten bemalte Brett aus Pappelholz viel mehr als ein Portr\u00e4t. Seit Beginn seiner Laufbahn besch\u00e4ftigten Leonardo Ph\u00e4nomene, die sich in der \u201eMona Lisa\u201c verdichtet und teils auch verschl\u00fcsselt wiederfinden. Dazu z\u00e4hlen nicht nur die Eigenheiten der menschlichen Mimik, sondern etwa auch die Landschaft im Hintergrund, die von Leonardos Besch\u00e4ftigung mit der Geologie k\u00fcndet. Die italienische Geologin und Kunsthistorikerin Ann Pizzorusso will sogar den Ort identifiziert haben, vor den Leonardo sein Modell platziert hatte: Lecco am Comer See in der Lombardei. In diesem Fall w\u00fcrde die \u201eMona Lisa\u201c auch das Portr\u00e4t einer echten Landschaft beinhalten. <\/p>\n<p>\u201eDer Mensch\u201c, notierte Leonardo da Vinci in den fr\u00fchen 1490ern, \u201ewurde im Altertum als Welt im Kleinen bezeichnet, und dieser Name ist ganz richtig gew\u00e4hlt, denn wenn der Mensch aus Erde, Wasser, Luft und Feuer besteht, so verh\u00e4lt es sich ebenso mit dem K\u00f6rper der Erde.\u201c Dieses Prinzip einer Verbindung zwischen Mensch und Erde findet sich in der \u201eMona Lisa\u201c wieder. Weshalb es vielleicht nicht so abwegig ist, dass jeder sie einmal selbst sehen will \u2013 das Gem\u00e4lde eignet sich als Spiegel f\u00fcr den Betrachter ebenso wie als Fenster zum Kosmos. Denn, so Leonardo an anderer Stelle: \u201eDer Mensch ist das Abbild der Welt.\u201c Dass der Universalgelehrte seine Kunst zugleich als Forschung betrieb und daf\u00fcr oft viel mehr Zeit brauchte als pragmatischer vorgehende Kollegen, ist der rote Faden seines Lebens. Sein ber\u00fchmtes Werk \u201eDas letzte Abendmahl\u201c im Mail\u00e4nder Kloster Santa Maria delle Grazie ist auch deshalb nicht als Fresko auf einer angefeuchteten Wand entstanden, weil Leonardo f\u00fcr diese Technik zu langsam malte. <\/p>\n<p>Wenige Jahre danach begann Leonardo mit einem Portr\u00e4t der Lisa del Giocondo. Sie war die Ehefrau eines Seidenkaufmanns in Florenz, der mit Leonardos Vater gesch\u00e4ftlich und pers\u00f6nlich verbunden war. Ken Burns r\u00e4umt \u201eLa Gioconda\u201c in seiner vierst\u00fcndigen Dokumentation einen Ehrenplatz ein und hebt sich die \u201eMona Lisa\u201c f\u00fcr den Schluss auf. Zu Recht. <\/p>\n<p>In dem 77 mal 53 Zentimeter gro\u00dfen Gem\u00e4lde kommt zusammen, was Leonardo lebenslang besch\u00e4ftigte. Details sind nicht nur Details. Dass etwa das Licht von links oben auf das Gesicht der Portr\u00e4tierten f\u00e4llt, ist angesichts der Raumsituation (eine nach hinten offene Loggia) eigentlich widersinnig. Diese Lichtregie aber erlaubt es Leonardo, \u201esein ganzes Schattierungsk\u00f6nnen einzusetzen, um die Konturen und Formen zu erschaffen, die er ben\u00f6tigte\u201c, wie sein Biograf Walter Isaacson es beschreibt. Auch dass die rechte Pupille der Dame etwas gr\u00f6\u00dfer ist als die linke, w\u00e4hrend das rechte Auge doch direkt in die Lichtquelle blickt, erscheint wissenschaftlich nicht korrekt zu sein. \u201eOder wusste er\u201c, fragt sich Isaacson, \u201edass auch Freude eine Erweiterung der Pupillen bewirken kann, und wollte mit der schnelleren \u00d6ffnung der rechten Pupille andeuten, dass Lisa erfreut ist, uns, ihre Betrachter, zu sehen?\u201c <\/p>\n<p>Der Bestsellerautor ist klug genug, nicht zu viel in einzelne Details des Bildes hineinzuinterpretieren. Aber untersuchen muss man sie, da Details Aufschluss \u00fcber die Zusammenh\u00e4nge zwischen Emotion und Physik geben. Heute wei\u00df man etwa, dass das L\u00e4cheln der \u201eMona Lisa\u201c tats\u00e4chlich fl\u00fcchtig ist \u2013 sobald unsere Augen ihren Mund nicht mehr fokussieren, wird das L\u00e4cheln deutlicher, starrt man ihn an, verschwindet es. So malen kann man nur, wenn man sowohl etwas \u00fcber das Sehen wei\u00df als auch \u00fcber menschliche Anatomie und Emotionen. Das Erstaunliche an Leonardo da Vinci ist nicht nur sein unstillbarer Erkenntnisdrang, sondern die damit einhergehende Weigerung, die eigene Erfindungsgabe zu beschr\u00e4nken. Die Wissenschaft \u00f6ffnet den Blick auf die Welt, aber das Kunstwerk folgt seinen eigenen Regeln.<\/p>\n<p><b>\u201eLeonardo da Vinci\u201c: Ein zweiteiliges ARTE-Portr\u00e4t da Vincis zeichnet ein eindr\u00fcckliches Bild des Universalgenies. Sendetermin: 19. April 2025, in der ARTE-Mediathek bis 17. Juli verf\u00fcgbar.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Leonardo da Vinci erforschte K\u00f6rper, entwarf futuristische Ger\u00e4te und malte das popul\u00e4rste Gem\u00e4lde der Welt. 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