{"id":421892,"date":"2025-09-14T10:55:15","date_gmt":"2025-09-14T10:55:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/421892\/"},"modified":"2025-09-14T10:55:15","modified_gmt":"2025-09-14T10:55:15","slug":"julius-von-bismarck-im-kunsthaus-wien-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/421892\/","title":{"rendered":"Julius von Bismarck im Kunsthaus Wien \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Kunst \u00fcber Naturgewalten: Julius von Bismarck, der Ur-Ur-Ur-Gro\u00dfneffe des deutschen Kanzlers Bismarck, zeigt \u201eNormale Katastrophen\u201c im Kunsthaus Wien.<\/p>\n<p>St\u00fcrme, Blitze, monstr\u00f6se Wellen, Feuersbr\u00fcnste \u2013 es gibt keine Naturgewalt, die Julius von <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/bismarck?ref=article_a\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" eventaction=\"\" click=\"\" article=\"\" z=\"\" den=\"\" blitz=\"\" und=\"\" peitscht=\"\" das=\"\" meer:=\"\" julius=\"\" von=\"\" bismarck=\"\" im=\"\" kunsthaus=\"\" wien=\"\" blit rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bismarck<\/a> nicht in ein Kunstwerk verwandelt. Das w\u00e4re wenig aufsehenerregend, wenn es im Medium der Malerei gesch\u00e4he. Der 1983 in Deutschland Geborene allerdings w\u00e4hlt einen weit aufwendigeren Weg, wie es jetzt die gro\u00dfe Personale im Kunsthaus Wien eindr\u00fccklich zeigt. Denn Bismarck ist zugleich K\u00fcnstler und Forscher, Vorbereitungen k\u00f6nnen bei ihm Jahre dauern und sind aktiver Teil seiner Werke. So suchte er f\u00fcr seine Blitz-Fotografien zun\u00e4chst ein besonders anf\u00e4lliges Gewitter-Gebiet. Er fand es in Venezuela. <\/p>\n<p>Viele Reisen in Forschungslabors und Gewitterzonen sp\u00e4ter entwickelte er elegante, schmale \u201eBlitzraketen\u201c, die jetzt im Kunsthaus Wien artig nebeneinander stehen. Aus Aluminium mit versilberten Erdungskabeln aus geflochtenem Kevlar und Kupfer w\u00e4hrend eines Unwetters in die Wolken geschossen, k\u00f6nne die Ladung von der Erde n\u00e4her ans Gewitter transportiert werden, erkl\u00e4rt Bismarck beim Rundgang: \u201eEs erzeugt eine Art Berg.\u201c Eigentlich seien diese Objekte auch gar keine Kunst, sondern ein Mittel, um die Blitze zu z\u00e4hmen, betont er. Dank integrierten Peilsenders und Fallschirms sind sie wiederverwendbar. Auch Gespr\u00e4che mit Indigenen geh\u00f6rten zur Vorbereitung: Sie sehen die Blitze als Wesen, mit denen man kommunizieren kann. Am Ende kamen genau drei Fotografien bei dem Projekt heraus.<\/p>\n<p>\u201eZarte Sch\u00f6nheit\u201c von Waldbr\u00e4nden<\/p>\n<p>L\u00e4ngst nicht so zeitraubend, daf\u00fcr umso gef\u00e4hrlicher war der Weg zu dem extremen Zeitlupenvideo einer gigantischen Welle. Daf\u00fcr reiste er nach Irland und telefonierte alle H\u00e4fen durch. Endlich fand er einen wagemutigen Fischer, der mit ihm in die tosende See stach. Sie wollten schon fast aufgeben, erz\u00e4hlt er, dann schaffte er mit der Hochgeschwindigkeitskamera die Videoaufnahme von etwas mehr als einer Sekunde. In der extremen Verlangsamung erscheint die Welle jetzt wie eine bedrohlich-sch\u00f6ne Felswand, massiv und undurchdringlich. Die Feuer-Fotografien im oberen Stockwerk entstanden in Los Angeles w\u00e4hrend des verheerenden Brands Anfang 2025. \u201eIch wollte der medialen Berichterstattung ein anderes Bild dieser Katastrophe entgegenstellen\u201c, sagt Bismarck. Er zeigt, was nach dem Feuer \u00fcbrig bleibt. In einer anderen Serie m\u00f6chte er uns die \u201ezarte Sch\u00f6nheit\u201c von Waldbr\u00e4nden zeigen.<\/p>\n<p>Aber ist diese \u00c4sthetisierung einer Katastrophe nicht h\u00f6chst problematisch, da seine Bilder durch Sch\u00f6nheit bet\u00f6ren, statt den Krisenmodus zu betonen? \u201eJa, aber ich liebe Probleme\u201c, so Bismarck lapidar. Mit dem Ausstellungstitel \u201eNormale Katastrophen\u201c gibt er allerdings einen Hinweis: Erlebte Katastrophen f\u00fchren oft zu einer M\u00fcdigkeit als Selbstschutz, der uns den Schrecken als normal empfinden l\u00e4sst. Die Kunst kann einen anderen Weg vorschlagen: Wir werden ber\u00fchrt, ohne uns \u00fcberfordert zu f\u00fchlen. \u201eJedes Bild hat eine Wirkung\u201c, ist sich Bismarck sicher, \u201ees beeinflusst unsere Wahrnehmung, wie die romantische Malerei \u2013 bis heute.\u201c Auch unser Denken und Verstehen von Natur sei tief von Bildern gepr\u00e4gt. Das beginne beim Begriff der Landschaft \u2013 einer Malerei-Kategorie, die zu Postkartenansichten f\u00fchrt, w\u00e4hrend gleichzeitig die Natur durch Massentourismus bis Klimawandel bedroht ist. <\/p>\n<p>\u201eAngriff auf das Landschaftsbild\u201c<\/p>\n<p>Bismarck m\u00f6chte diese Prozesse bewusst machen und neue Bilder schaffen, m\u00f6chte die Klischees zerst\u00f6ren und uns sensibilisieren. Daf\u00fcr peitschte er bis zur Ersch\u00f6pfung auf das Meer ein. Kulturhistorisch ist es eine Anspielung auf eine Anekdote aus vorchristlicher Zeit, als K\u00f6nig Xerxes das Meer mit 300\u2009Peitschenhieben bestrafen lie\u00df. Bismarck sieht darin aber vor allem einen \u201eAngriff auf das Landschaftsbild\u201c. Bei ihm ist Natur keine Kulisse, kein Sinnbild eines Gef\u00fchlszustands, sondern lebendig. Ein physischer Gegenspieler, der kaum zu kontrollieren ist. <\/p>\n<p>Nicht alle seine Werke basieren auf der \u00c4sthetik des Schreckens, aber folgen durchaus seinem Motto, dass alle Bilder Konstruktionen von historischen Narrativen seien. So lie\u00df er eine riesige, zuvor am Strand mit Wellenlinien bemalte Leinwand im Meer schwimmen \u2013 in der Bismarcksee, einem kleinen Randmeer im Pazifischen Ozean. Es liegt in einer Gegend, die im sp\u00e4ten 19.\u2009Jahrhundert Teil einer deutschen Kolonie war und nach dem ersten Kanzler des Deutschen Reichs benannt worden ist \u2013 dem Ur-Ur-Ur-Gro\u00dfonkel des K\u00fcnstlers. Statt von den Gr\u00e4ueltaten der Kolonialherren zu berichten, lieferten damals Druckgrafiken heile Bildwelten, wovon sein neues \u201eLandschaftsbild\u201c erz\u00e4hlt \u2013 und zugleich, wie er einmal sagte, die ewigen Fragen nach seinem Namen abhandelt. <\/p>\n<p>    Lesen Sie mehr zu diesen Themen:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Kunst \u00fcber Naturgewalten: Julius von Bismarck, der Ur-Ur-Ur-Gro\u00dfneffe des deutschen Kanzlers Bismarck, zeigt \u201eNormale Katastrophen\u201c im Kunsthaus Wien.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":421893,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1775],"tags":[1793,2076,29,214,30,1794,215],"class_list":{"0":"post-421892","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kunst-und-design","8":"tag-art-and-design","9":"tag-ausstellung","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-kunst-und-design","14":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115202288919485341","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/421892","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=421892"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/421892\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/421893"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=421892"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=421892"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=421892"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}