{"id":422351,"date":"2025-09-14T15:10:14","date_gmt":"2025-09-14T15:10:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/422351\/"},"modified":"2025-09-14T15:10:14","modified_gmt":"2025-09-14T15:10:14","slug":"wirksam-gegen-russische-drohnen-eine-toedliche-wolke-soll-kiew-schuetzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/422351\/","title":{"rendered":"Wirksam gegen russische Drohnen: Eine &#8222;t\u00f6dliche Wolke&#8220; soll Kiew sch\u00fctzen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Mit Kampfjets gegen Kreml-Drohnen &#8211; das funktionierte zwar am Mittwoch, als russische Drohnen in den polnischen Luftraum eindrangen, aber smart ist das nicht. Weil: viel zu teuer. Die Ukraine bekommt bald das Abwehrsystem Skyranger. Wird das die hei\u00df ersehnte Antwort gegen Drohnen-Geschwader?  <\/strong><\/p>\n<p>Jede Nacht wird am Himmel \u00fcber der Ukraine dieser Wettkampf ausgefochten: Dutzende bis Hunderte russische Flugk\u00f6rper rauschen in t\u00f6dlicher Mission \u00fcber das Land, haben Umspannwerke, Wasserversorgung, Wohnviertel im Visier. Die Ukrainer versuchen mit jeder einzelnen Abwehrwaffe, die sie zur Verf\u00fcgung haben, die Drohnen und Raketen zu erkennen und auszuschalten. Doch das gelingt niemals komplett.<\/p>\n<p>Am Dienstag traf es schon morgens ukrainische Dorfbewohner, die f\u00fcr die Auszahlung ihrer Rente Schlange standen. Russischer Luftangriff, 20 Tote. In der Nacht zum Mittwoch drangen Drohnen in den Nato-Luftraum \u00fcber Polen ein, zwangen Warschaus Luftwaffe dazu, Kampfjets aufsteigen zu lassen. Niederl\u00e4ndische F-35-Flieger unterst\u00fctzten, gemeinsam mit italienischen Aufkl\u00e4rungsfliegern. Auch die Radare deutscher Patriot-Flugabwehr wurden genutzt.<\/p>\n<p>Unterm Strich also waren vier Armeen mit hochwertigsten Waffensystemen beteiligt, um 19 billige Kamikaze-Drohnen abzuwehren, die der Kreml im Akkord produzieren l\u00e4sst. Das klingt nicht sehr ad\u00e4quat und ist es auch nicht. <\/p>\n<p>Fliegerabwehr &#8211; das ist eine offene Flanke im europ\u00e4ischen Teil des Nato-Verbunds und war vom ersten Tag der russischen Invasion an eine offene Flanke der Ukraine. Dramatisch daran: Die L\u00fccken schlossen sich nicht mit der Zeit, sondern sie treten immer offener zutage. Vor allem, seit Russland in der Lage ist, die Kampf-Drohnen vom Typ Shahed, die zun\u00e4chst der Iran lieferte, in Massen selbst zu produzieren.<\/p>\n<p>Jede Woche bezahlen das ukrainische Zivilisten mit ihrem Leben. F\u00fcr die alten Luftverteidigungssysteme aus Sowjetzeiten war ruckzuck die Munition aufgebraucht. Es kamen moderne westliche Waffen, doch viel weniger als n\u00f6tig w\u00e4ren. Mit den deutschen IRIS-T-Systemen oder in den USA entwickelten Patriots kann man Priorit\u00e4ts-Ziele wie die hoch pr\u00e4zisen russischen Iskander-Raketen oder Marschflugk\u00f6rper abschie\u00dfen. Aber da geht der Kaufpreis f\u00fcr jedes einzelne Geschoss schon in die Millionenh\u00f6he.<\/p>\n<p>Im st\u00e4ndigen Wettlauf mit den Russen<\/p>\n<p>Der modernste Typ Lenkflugk\u00f6rper, den Patriot verschie\u00dfen kann, wird nicht unter vier Millionen Euro das St\u00fcck verkauft. Und da so wenige verf\u00fcgbar sind, wird er gef\u00fchlt derzeit mit Gold aufgewogen. Mit dem dann eine von 800 anfliegenden Billig-Drohnen abschie\u00dfen? Ist genauso sinnlos und unwirtschaftlich, wie es klingt. Was aber geht dann? Die ukrainischen Entwickler sind dran &#8211; im st\u00e4ndigen Wettlauf mit den Russen.<\/p>\n<p>Beispiel St\u00f6rsender. Sie k\u00f6nnen russische Drohnen von der Route abbringen. Doch das funktioniert nur so lange, bis die Russen ein Modul dagegen entwickeln. Das ist ihnen nun gegl\u00fcckt: Die russische Drohne springt zwischen verschiedenen Navigationssystemen hin und her. F\u00fcr St\u00f6rung ist sie dann kaum noch anf\u00e4llig.<\/p>\n<p>Beispiel Abfang-Drohnen. Sie k\u00f6nnen selbstst\u00e4ndig russische Flugk\u00f6rper zerst\u00f6ren. Doch auch hier gilt: Sobald die russischen Entwickler eine Gegenma\u00dfnahme finden, verlieren die ukrainischen Abwehrwaffen ihre Wirkung. Die Russen pflanzen nun ihren Drohnen die F\u00e4higkeit ein, der anfliegenden Abfang-Drohne der Ukrainer auszuweichen.<\/p>\n<p>Beispiel Gepard. Der Jahrzehnte alte deutsche Flakpanzer ist im Kampf am ukrainischen Himmel seit drei Jahren konstant dabei und immer noch einer der erfolgreichsten J\u00e4ger. Blo\u00df ist er bei der Bundeswehr seit 13 Jahren ausgemustert und wird auch nicht mehr gebaut. Ersatzteile? Schwierig.<\/p>\n<p>Sowas wie den Gepard in neu &#8211; das w\u00e4r&#8217;s! So m\u00f6gen schon viele gedacht haben, und f\u00fcr die hat Rheinmetall eine gute Nachricht: Der deutsche R\u00fcstungskonzern hat seit dieser Woche einen Vertrag mit der Ukraine. Noch in diesem Jahr soll Kiew die ersten Skyranger 35 erhalten. Manche nennen das System auch &#8222;Gepard 2.0&#8220;.<\/p>\n<p>Das &#8222;2.0&#8220; passt gut. Wo der Gepard trifft, weil er einfach viel Munition auf einmal in die Gegend verschie\u00dfen kann und damit eine Art &#8222;Eisenvorhang&#8220; am Himmel aufzieht, da arbeitet Skyranger sehr viel pr\u00e4ziser. Jedes St\u00fcck Munition f\u00fcr das System verl\u00e4sst das Kanonenrohr mit einer Programmierung.<\/p>\n<p>Nicht &#8222;schlau&#8220; aber pr\u00e4zise<\/p>\n<p>&#8222;Jedem Geschoss gibt das System die entscheidenden Parameter mit und gibt vor, wann es explodieren muss. Die Programmierbarkeit der Munition ist ein gro\u00dfer Vorteil von Skyranger&#8220;, erkl\u00e4rt Gerhard Heiming, Fachredakteur f\u00fcr Kampffahrzeuge beim Magazin &#8222;Europ\u00e4ische Sicherheit und Technik&#8220;. Zudem l\u00e4sst sich die Waffe sehr gut mit anderen Systemen vernetzen.<\/p>\n<p>Dabei sind die Geschosse keine &#8222;schlaue&#8220; Munition, die sich ihr Ziel selbst suchen kann &#8211; wie manche Drohne es tut. Das Skyranger-Geschoss f\u00fchrt aus, wozu es programmiert wurde. Ohne die M\u00f6glichkeit, selbstst\u00e4ndig w\u00e4hrend des Anflugs zu korrigieren. Eine &#8222;dumme&#8220; Munition also, jedoch sehr exakt programmierbar und &#8211; enorm wichtig &#8211; preiswert in der Herstellung.<\/p>\n<p>Rheinmetall macht zu den Kosten keine Angaben, doch ein dreistelliger Betrag liegt nahe. Ein entscheidender Vorteil gegen\u00fcber den s\u00fcndhaft teuren Patriot-Raketen. Bei den Massen an billigen Kampfdrohnen, mit denen die Russen inzwischen die Ukraine \u00fcberziehen, ist billige und in Massen produzierbare Abwehrmunition ein entscheidender Faktor.<\/p>\n<\/p>\n<p>Der Skyranger 35 selbst ist &#8211; anders als der Gepard &#8211; kein Panzer, sondern nur ein Turm, der mit Radar-Antennen und Kanone auf das Panzerfahrgestell aufgesetzt wird. Die Ukrainer werden ihn montiert auf alte &#8222;Leopard I&#8220;-Panzer erhalten. Wo die Leopard-Fahrgstelle herkommen, bleibt geheim. Die Bundeswehr hat mit Skyranger 30 ein \u00e4hnliches System bestellt, das sie als Missionsmodul auf ihren Transportpanzer Boxer aufsetzen kann.<\/p>\n<p>Mit einer Radar-Antenne und verschiedenster Sensorik generiert das System sein eigenes Luftlagebild, egal, ob es Nacht oder Tag ist, regnet oder schneit. Erkennt der Skyranger ein Flugobjekt, dann schie\u00dft er zumeist zwei bis f\u00fcnf Geschosse in den Himmel. Die explodieren zum programmierten Zeitpunkt in unmittelbarer N\u00e4he des Ziels und setzen einige hundert kleine Subprojektile frei. So bildet sich blitzschnell eine t\u00f6dliche Wolke am Himmel mit etwa einem Meter Durchmesser pro Geschoss. Ger\u00e4t das Flugobjekt in die Wolke, wird es zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>Ist die Drohne erkannt, dann ist sie verloren<\/p>\n<p>Ein Ablenken der Munition durch den Gegner ist nicht m\u00f6glich. Ebenso wenig kann eine anvisierte Drohne den Projektilen ausweichen &#8211; dazu sind sie schlicht zu schnell. &#8222;Die einzige M\u00f6glichkeit, eine Drohne vor Skyranger zu sch\u00fctzen, besteht darin, sie so klein zu bauen und so zu formen, dass der Radar sie \u00fcbersieht&#8220;, sagt Heiming. &#8222;Sobald aber der Radar eine Drohne erkannt hat, ist sie verloren.&#8220;<\/p>\n<p>Wenn Kiew in diesem Jahr die ersten Skyranger 35 auf Leopard I erh\u00e4lt, gehen sie ziemlich prompt in den Einsatz. Denn die ukrainische Truppe nutzt bereits den Skynex von Rheinmetall. Diese Fliegerabwehrwaffe schie\u00dft mit demselben System. Die ukrainischen Soldaten, die Skynex bedienen, k\u00f6nnen also problemlos auf Skyranger wechseln und rechtzeitig Kameraden anlernen. <\/p>\n<p>  <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Screenshot-2025-09-14-144733.jpg\">     <img decoding=\"async\" alt=\"Der Skyranger 35 - gegen Drohnen und auch Marschflugk\u00f6rper einsetzbar\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Screenshot-2025-09-14-144733.jpg\" class=\"lazyload\"\/>  <\/a>  <\/p>\n<p class=\"article__aside__caption\">Der Skyranger 35 &#8211; gegen Drohnen und auch Marschflugk\u00f6rper einsetzbar<\/p>\n<p class=\"article__aside__copy\">(Foto: Rheinmetall)<\/p>\n<p>Der entscheidende Unterschied zwischen Skynex und Skyranger ist der Transport: Das Skynex-System l\u00e4sst sich per LKW transportieren, muss dann jedoch erstmal abgeladen werden. Skyranger hingegen schie\u00dft auch aus der Fahrt heraus. Eingesetzt werden kann er sowohl an der Front, als auch im Landesinneren, um kritische Infrastruktur oder St\u00e4dte gegen Drohnen und Marschflugk\u00f6rper zu sch\u00fctzen. <\/p>\n<p>Verglichen mit dem Gepard ist der Skyranger laut Rheinmetall drei Generationen weiter. Neben der Bundeswehr haben auch \u00d6sterreich, die Niederlande, D\u00e4nemark und Ungarn das System bestellt. Weitere Nato-Staaten sollen interessiert sein. Der russische Luftschlag gegen Polen in dieser Woche zeigt: Ein Abwehrsystem gegen Drohnen ist f\u00fcr die europ\u00e4ischen Nato-Staaten dringend notwendig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mit Kampfjets gegen Kreml-Drohnen &#8211; das funktionierte zwar am Mittwoch, als russische Drohnen in den polnischen Luftraum eindrangen,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":422352,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[134],"tags":[661,175,170,169,29,30,110817,171,174,451,1159,12584,3917,16,307,747,173,172],"class_list":{"0":"post-422351","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-unternehmen-maerkte","8":"tag-angriff-auf-die-ukraine","9":"tag-business","10":"tag-companies","11":"tag-companies-markets","12":"tag-deutschland","13":"tag-germany","14":"tag-iris-t-slm","15":"tag-markets","16":"tag-maerkte","17":"tag-militaer","18":"tag-nato","19":"tag-patriot-flugabwehrsystem","20":"tag-polen","21":"tag-politik","22":"tag-russland","23":"tag-ruestungsindustrie","24":"tag-unternehmen","25":"tag-unternehmen-maerkte"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115203291644922178","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/422351","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=422351"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/422351\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/422352"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=422351"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=422351"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=422351"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}