{"id":422394,"date":"2025-09-14T15:35:25","date_gmt":"2025-09-14T15:35:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/422394\/"},"modified":"2025-09-14T15:35:25","modified_gmt":"2025-09-14T15:35:25","slug":"junge-ukrainer-im-krieg-auf-die-teenager-wartet-die-front-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/422394\/","title":{"rendered":"Junge Ukrainer im Krieg: Auf die Teenager wartet die Front"},"content":{"rendered":"<p>Die ukrainische Armee braucht dringend mehr Soldaten. Ein Programm f\u00fcr 18- bis 24-J\u00e4hrige lockt mit Pr\u00e4mien an die Front. Die Freiwilligen wissen: Sie riskieren ihr Leben.<\/p>\n<p>Yuriy wird fuchsig. \u201eDein Gewehr ist doch keine Puppe. Halte es gerade und lauf\u201c, sagt der 42-J\u00e4hrige. In seiner Sonnenbrille spiegelt sich das Gesicht eines 19-J\u00e4hrigen mit Pausbacken und einem ehrfurchtsvollen Blick in Richtung seines Drill-Sergeants. Dann st\u00fcrmt der Teenager los. Mit seinem Marschgep\u00e4ck auf dem R\u00fccken. Der Schwei\u00df perlt auf der Stirn. Er flie\u00dft reichlich unter Helm und Schutzweste an diesem hei\u00dfen Tag, nach dem kr\u00e4ftezehrenden Anstieg auf einen H\u00fcgelr\u00fccken. Hier, irgendwo nicht weit entfernt von der Front im Donbas.<\/p>\n<p>\u201eStopp\u201c, flucht Yuriy. \u201eDeine Schulter und dein Gewehr, das muss eine Linie sein\u201c, sagt der erfahrene Frontsoldat. Dann macht er es vor. Dr\u00fcckt das Schnellfeuergewehr an seine Schulter, zielt damit gegen einen imagin\u00e4ren Feind. L\u00e4uft wie ein Raubtier durch B\u00fcsche und hohes Gras, schnell, beh\u00e4nde und lautlos. Eine Einheit mit seiner Waffe. \u201eSo muss es sein, Junge\u201c, sagt der 42-J\u00e4hrige.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Ukraine\" title=\"Ukraine\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ukraine<\/a>: Ab 18 Jahren kann man sich f\u00fcr den Kriegsdienst melden <\/p>\n<p>\u201eSie m\u00fcssen noch viel an sich arbeiten. Ihr \u00dcberleben an der Front h\u00e4ngt davon ab\u201c, sagt Yuriy. Er bringt zusammen mit anderen Ausbildern einer Gruppe von 20 Jungsoldaten das Kriegshandwerk bei. Es ist der dritte Kurs. Insgesamt dauert die Ausbildung je drei Monate. Ab 25 Jahren sind M\u00e4nner in der Ukraine wehrpflichtig. In diese Gruppe sind alle unter dieser Altersschwelle. Sie sind Teil eines Programms des Verteidigungsministeriums, das junge M\u00e4nner bis 24 Jahre dazu bringen soll, sich freiwillig f\u00fcr den Kriegsdienst zu verpflichten.<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/1757864124_68_media.media.b4943caa-98f2-45c7-ae0f-1280ae961bde.original1024.media.jpeg\"\/>     Der erfahrene Soldat Yuriy geh\u00f6rt zum Ausbilder-Team.    Foto: Till Mayer    <\/p>\n<p>Das ist ab 18 Jahren m\u00f6glich. F\u00fcr die Teilnahme am Programm gibt es stattliche Pr\u00e4mien oder auch die M\u00f6glichkeit, nach der Dienstzeit kostenlos zu studieren. Wer sich f\u00fcr ein Jahr verpflichtet, erh\u00e4lt umgerechnet \u00fcber 20\u200a000 Euro. Bew\u00e4hren sich die Jungsoldaten in Gefechtssituationen an der Front, gibt es weitere Zuschl\u00e4ge. Je l\u00e4nger die Verpflichtung, desto mehr Verg\u00fcnstigungen. Weiter gibt es g\u00fcnstige Kredite f\u00fcr einen Wohnungskauf. Oder nach einem Jahr das Recht, ins Ausland zu reisen. Generell gilt: Wer zwischen 18 und 60 Jahre alt ist, darf das Land nur mit Genehmigung verlassen. Doch Soldaten, die dienen, erhalten f\u00fcr ihren Fronturlaub immer wieder eine Reiseerlaubnis ins Ausland.<\/p>\n<p>Die Schule abgebrochen und in die Ukraine zur\u00fcckgekehrt <\/p>\n<p>Die Kampagne ist aus der Not geboren. Hunderttausende haben sich vor allem zu Beginn der russischen Vollinvasion freiwillig zur Armee gemeldet. Jetzt, \u00fcber dreieinhalb Jahre sp\u00e4ter, fehlen Soldaten in den Sch\u00fctzengr\u00e4ben. Der <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.ukraine-krieg-wenn-der-krieg-ein-leben-verhindert.551640c2-35d5-4127-821d-a018c657954b.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Freiwilligen<\/a>-Ansturm ist l\u00e4ngst abgeebbt. Die Mobilisierung verl\u00e4uft zu schleppend. Teilweise werden M\u00e4nner im wehrpflichtigen Alter nicht unbedingt freiwillig direkt von der Stra\u00dfe rekrutiert. Entsprechende Einheiten stehen an den Checkpoints oder Metro-Ausg\u00e4ngen. Aus zuverl\u00e4ssigen Quellen ist zu erfahren, dass sich der Ansturm der jungen M\u00e4nner f\u00fcr das Projekt in Grenzen h\u00e4lt.<\/p>\n<p>Bei Sascha ist das anders. Er sagt, er h\u00e4tte sich auch ohne Pr\u00e4mie zur Armee gemeldet. Zu Beginn der Invasion war er mit seiner Schwester und Mutter vor den K\u00e4mpfen in seiner Heimat nach Deutschland geflohen. \u201eBerlin ist in Ordnung, aber ich konnte nicht einfach dort bleiben. Die Russen t\u00f6ten unsere Leute, zerst\u00f6ren unsere St\u00e4dte und D\u00f6rfer. Ich will mein Land verteidigen\u201c, sagt der 18-J\u00e4hrige. Ein halbes Jahr h\u00e4tte Sascha noch gebraucht, um seine Schule abzuschlie\u00dfen. Er entschied sich, nicht zu warten. Kaum vollj\u00e4hrig geworden, kehrte er in die Ukraine zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Sascha meldet sich freiwillig f\u00fcr die ukrainische Armee \u2013 sein Umfeld ist entsetzt <\/p>\n<p>Sascha hat ein freundliches Gesicht, warme Augen, und er \u00fcberlegt, bevor er voreilig S\u00e4tze bildet. Kurze Verschnaufpause vor dem n\u00e4chsten Drill: Sascha blinzelt in die Sonne. Auf seinen Oberschenkeln liegt eine Kalaschnikow ohne Magazin. Der 18-J\u00e4hrige winkelt die Arme an, st\u00fctzt sich auf die Ellenbogen und macht es sich im Gras bequem. Es riecht nach Wald. Nach der Erde, die nackt und freigeschaufelt zu einem Bunker f\u00fchrt. In einigen Wochen wird sich in einem solchen Bunker vermutlich der Gro\u00dfteil seines Tages abspielen. Auf den Teenager wartet die Front.<\/p>\n<p>\u201eEin Verwandter von mir k\u00e4mpft in der ersten Linie. Er hat mir online erz\u00e4hlt, wie grausam der <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Krieg\" title=\"Krieg\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Krieg<\/a> ist. Von <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.massiver-angriff-auf-ukraine-menschenverachtung-praegt-russlands-krieg.d7741bec-fdaf-4007-9675-4332b0657f85.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">den t\u00f6dlichen Drohnen, dem Artilleriebeschuss<\/a>, den vielen Gefallenen. Trotzdem will ich dienen\u201c, sagt der junge Mann. Aber seine Mutter ist entsetzt. Halten kann sie ihn nicht. \u201eMeine deutschen Freunde konnte es nicht fassen, als ich ihnen meinen Entschluss mitteilte. Sie verstehen meine Beweggr\u00fcnde vielleicht nicht, aber sie unterst\u00fctzen mich\u201c, erkl\u00e4rt er.<\/p>\n<p>Dann erz\u00e4hlt er, wie er im \u201eIm Westen nicht Neues\u201c als H\u00f6rbuch auf seinem Smartphone gestreamt hat. \u201eEs hat mich tief bewegt\u201c, meint er. \u201eEinmal mussten wir von einem Lastwagen Waffen abladen, die von get\u00f6teten Soldaten stammten. Das hat mich an den Roman erinnert, da ging es um die Uniformen von Gefallenen\u201c, sagt er nachdenklich. \u201eMir ist bewusst, welcher Gefahr wir uns aussetzen, wenn wir Soldaten werden\u201c, f\u00fcgt er hinzu. Von den Vorg\u00e4ngerkursen werden schon die ersten Verluste gemeldet.<\/p>\n<p> Erinnerungen an \u201eIm Westen nichts Neues\u201c <\/p>\n<p>Als die jungen Rekruten zusammensitzen, erinnert es in so Manchem an den Roman von Remarque. Es sind die unterschiedlichsten Charaktere. Da sind die drei besten Freunde, die st\u00e4ndig zusammen sind. Sie sind in einem Wohnblock aufgewachsen, zwei von ihnen leben als Waisen bei den Gro\u00dfeltern. Oder Bogdan. Der 22-J\u00e4hrige hat sein Studium im Journalismus abgeschlossen. \u201eSicherlich ist die Pr\u00e4mie ein Grund, warum ich jetzt hier bin. Aber es ist nicht der einzige Grund\u201c, sagt er leise. \u201eDas H\u00e4rteste ist nicht der Drill. Es ist schwer f\u00fcr mich zu verstehen: Ich bin jetzt in erster Linie kein Individuum mehr, ich bin Soldat.\u201c<\/p>\n<p>Neben ihm sitzt ein Kamerad, der seinen Bruder verloren hat. \u201eDeswegen bin ich hier\u201c, sagt er mit fester Stimme. Drei Meter gegen\u00fcber lehnt Vitali an einem Baumstamm. Er kommt aus einem Randbezirk von Kyjiw. \u201eDort habe ich schon das K\u00e4mpfen gelernt. Es ist ein hartes Pflaster\u201c, sein Lachen gibt eine Reihe k\u00fcnstlicher Vorderz\u00e4hne preis. Er ist der Methusalem der Gruppe, gerade 25 geworden. Vitali hat schon als Fleischer, Bauarbeiter und bei einem Paketdienst gearbeitet. \u201eIch bin noch mit 24 in das Programm aufgenommen worden. Ganz ehrlich, ich wollte mich nicht verstecken und vor der Polizei davon laufen, wenn ich 25 bin. Da nehme ich lieber die Pr\u00e4mie mit und gehe freiwillig an die Front\u201c, sagt er.<\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/1757864125_633_media.media.df7e40c7-d865-4856-80a8-ff16d27563a8.original1024.media.jpeg\"\/>     Vitali ist mit 25 Jahren der \u00c4lteste der Gruppe.    Foto: Till Mayer    \u201eDie Ukraine wird f\u00fcr lange Zeit eine starke Armee brauchen\u201c <\/p>\n<p>Schlie\u00dflich kommt noch Daniel in die Runde. Er ist gro\u00df und schlaksig. Unter dem Kurzhaarschnitt leuchtet ein Paar blaue Augen. Sein Spitzname hier ist \u201ePatriot\u201c. \u201eF\u00fcr mich ist es meine Pflicht, zu dienen\u201c, sagt er. Wie Sascha strebt er eine Karriere als Soldat an. \u201eDie Ukraine wird f\u00fcr lange, lange Zeit eine starke Armee brauchen. Das ist so, wenn man <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Russland\" title=\"Russland\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Russland<\/a> als Nachbarn hat\u201c, ist er sich sicher.<\/p>\n<p>Dann donnert pl\u00f6tzlich ein D\u00fcsenj\u00e4ger \u00fcber das kleine Tal. Auf der gegen\u00fcberliegenden Anh\u00f6he sind Jungsoldaten zu sehen, die im hohen Gras in Deckung gehen oder hinter Hecken verschwinden. Erschrockene Gesichter im Tal unter den B\u00e4umen. Es ist nicht das erste Mal, dass Truppen\u00fcbungspl\u00e4tze Ziele von russischen Angriffen sind. Das Flugzeug dreht ab. \u201eEs ist eines von uns, die Russen fliegen immer im Doppelpack\u201c, ruft ein Unteroffizier. Doch ganz kurz war schon der Krieg da. Er wird es in einigen Wochen sicher sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die ukrainische Armee braucht dringend mehr Soldaten. 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