{"id":422512,"date":"2025-09-14T16:42:15","date_gmt":"2025-09-14T16:42:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/422512\/"},"modified":"2025-09-14T16:42:15","modified_gmt":"2025-09-14T16:42:15","slug":"wiesbaden-biennale-eroeffnet-mit-edouard-louis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/422512\/","title":{"rendered":"Wiesbaden Biennale er\u00f6ffnet mit \u00c9douard Louis"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Friede den H\u00fctten und den Pal\u00e4sten \u2013 sofern sie gemeinsame Sache machen. Das Staatstheater <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Wiesbaden\" data-rtr-id=\"69d5fc480fc1fc03846b046ecde7f0a239cedbcb\" data-rtr-score=\"149.50317770716205\" data-rtr-etype=\"location\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/rhein-main\/thema\/wiesbaden\" title=\"Wiesbaden\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wiesbaden<\/a> in seiner neobarocken Pracht stammt aus v\u00f6llig anderen Verh\u00e4ltnissen. Heute darf und muss man sich vieles in der Kunst neu und anders erschlie\u00dfen. Das ist oft schwer, aber man entdeckt viele Nebenwege, R\u00e4ume, M\u00f6glichkeiten, Geschichten und Menschen, die es lohnen. In Wiesbaden auch einen bequemen Kaisereingang, die \u201eKaiserfahrt\u201c f\u00fcr die Kutsche von Wilhelm II., die f\u00fcr Barrierefreiheit sorgte, lang bevor das Wort erdacht worden war.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">F\u00fcr zehn Festivaltage will die Wiesbaden Biennale den Blick auf solche Orte und Menschen lenken und sie neu zum Sprechen bringen. Das ist eine wertsch\u00e4tzende und zugewandte Haltung, die schon die ersten Premieren und Gastbeitr\u00e4ge buchst\u00e4blich in die Stadt getragen haben. Unpolitisch ist das nicht. Aber wo die vorige Biennale mit einer Abrissbirne im Staatstheater-Foyer und aktivistischen Diskursen hantierte, die eher abweisend wirkten, ist un\u00fcbersehbar, dass es den beiden k\u00fcnstlerischen Leiterinnen Rebecca Ajnwojner und Carolin Hochleichter um eine andere Haltung geht.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Die Kolonnaden vor dem Theatereingang leuchten mit Hunderten bunter T\u00fcllstreifen. Sogar ein paar goldene Kapitelle, wie in den Tempeln ihrer Heimat, hat die thail\u00e4ndische K\u00fcnstlerin Sasapin Siriwanji ihnen aufgesetzt. In einer bunten Prozession haben sie und ihre Gruppe mit den Besuchern die Er\u00f6ffnung der Biennale gefeiert. Nun kann f\u00fcr \u201eColored Resurrect\u201c jeder mit buntem Stoff das, was ihm im Stadtgebiet heilig ist, umwinden und markieren. Und jeden Abend um 17 Uhr kann man sich zur Zeremonie in den Theaterkolonnaden einfinden. Zum \u201eNicht-Zen\u00adtrum\u201c der Biennale mit Kaffee und Tischchen ist es von dort aus ein Katzensprung. Und dass die sonst eher uneinladende Treppe, die Gr\u00fcppchen f\u00fcr ihre R\u00e4usche nutzen, nun zum \u201ePlatz machen!\u201c einl\u00e4dt, ist ein sch\u00f6ner Nebeneffekt.<\/p>\n<p>Ein Theater, das neue R\u00e4ume erschlie\u00dft<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Heute liegt der Ausgang der einstigen \u201eKaiserfahrt\u201c, die ein weiteres Mal am 15. September von Touretteshero bespielt wird, dort, wo normalerweise die M\u00fcllcontainer abgeholt werden, an einem Parkplatz am Warmen Damm. Genau da, zwischen Brache, Parkplatz und einstigem Honoratioreneingang des Theaters, gibt es nun dieses \u201eNicht-Zentrum\u201c. Mit Getr\u00e4nken, die aus einem kleinen Raum heraus verkauft werden, den man sonst nie wahrn\u00e4hme.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Zur Er\u00f6ffnung: Sekt und bunte T\u00fccher in den Kolonnaden\" height=\"1365\" loading=\"lazy\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/zur-eroeffnung-sekt-und-bunte.jpg\" width=\"2048\" class=\"sm:w-content-sm w-full\" tabindex=\"0\"\/>Zur Er\u00f6ffnung: Sekt und bunte T\u00fccher in den KolonnadenElisa Grehl<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">\u201ePlatz machen!\u201c, hei\u00dft das Motto, das Ajnwojner und Hochleichter mit ihrem Team f\u00fcr das gesamte Festival gew\u00e4hlt haben. Am Er\u00f6ffnungstag der von Bund, Land, Stadt und weiteren Geldgebern prominent gef\u00f6rderten Biennale war noch Luft nach oben angesichts der Zuschauerzahlen, aber mehr noch geht es darum, die Kunst in die Stadt zu bringen. Ein Quadratkilometer Wiesbaden rings um das Theater soll zum Erkundungsfeld werden, des Sichtbaren, vor allem aber auch des Unsichtbaren.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Silvia Gioberti und Shahrzad Rahmani von Guerilla Architects haben nicht nur eine \u201eFestivalarchitektur\u201c geschaffen, sondern mit ihr gleich auch eine ganze Reihe von R\u00e4umen neu erschlossen, die zum Teil lange versperrt gewesen sind. Eine Landkarte auf der R\u00fcckseite des Programmflyers markiert die Spielorte von Performances, Ausstellung, Filmabenden und Austausch sowie \u201everspielte Orte\u201c, an denen Kunst und Leben sich auf Parkdecks, am Kochbrunnen und anderswo verschr\u00e4nken. Hinzu kommen 42 \u201eunsichtbare Orte\u201c, verborgene Spuren der Weltgeschichte in Wiesbaden, die eine koloniale Geschichte ist.<\/p>\n<p>Audiowalk auf kolonialen Spuren<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Wie die T\u00fcr links neben dem Treppenaufgang zu den Kolonnaden an der Wilhelmstra\u00dfe, wo nun der Audiowalk \u201eBirdsong from Elsewhere\u201c seinen Ausgang nimmt. Mit App auf dem eigenen Smartphone oder einem MP3-Player kann das Publikum dem M\u00e4rchen lauschen, das Barby Asante und Memory Biwa entlang dessen erschaffen haben, was ihnen die Stadt selbst vor Augen und Ohren gef\u00fchrt hat. Sie haben die togolesischen Jungen Quassi und Folivi erfunden, die um 1900 in Wiesbaden leben. Der eine als schwarzer Ziehsohn eines reichen Kolonialwarenh\u00e4ndlers, von den Eltern nach einer V\u00f6lkerschau den Deutschen \u00fcbergeben, um ihm eine bestm\u00f6gliche Ausbildung zu bieten. Der andere, Folivi, ist als Sklave nach Wiesbaden entf\u00fchrt worden. Doch sein Geist kann entfliehen, Folivi hat die Gabe, sich in einen Vogel zu verwandeln und sich unter die afrikanischen Papageien zu mischen, die \u2013 heute \u2013 den Warmen Damm besiedeln.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Es ist eine Art magischer Realismus, ein verbindender Strom von Gestern und Heute, Afrika und Wiesbaden, den die Geschichte w\u00e4hrend des Stadtspaziergangs heraufbeschw\u00f6rt. Und eine Einladung, buchst\u00e4blich hinter die Fassaden des Alltags zu sehen, die auch schon \u00e4ltere Kinder mitmachen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Dass \u201ePlatz machen\u201c notwendigerweise bedeutet, die eigene Position zu ver\u00e4ndern, um etwas, jemand anderem Raum zu geben, hat nicht nur die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin des Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main, Susanne V\u00f6lker, in der Er\u00f6ffnungszeremonie hervorgehoben. In einer dialogischen Rede teilten sich Mirrianne Mahn und Sasha Marianna Salzmann eine Betrachtung \u00fcber das Raumnehmen. W\u00e4hrend Mahn vor dem bunt gemischten Festivalpublikum ein weiteres Mal die M\u00fcdigkeit und Wut der Person beschwor, die sich in R\u00e4umen wie dem Staatstheater nicht gemeint f\u00fchlt und deshalb nicht leise sein wolle, gelang es Salzmann, das Theater, die Kunst als jenen Raum zu definieren, der alle beherbergen k\u00f6nne und m\u00fcsse. In einer Zeit, die R\u00e4ume zu schlie\u00dfen versucht, ein Appell an Demokratie und Humanismus, die hellwach verteidigt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>KI-Artikelchat nutzen<\/p>\n<p>Mit der kostenlosen Registrierung nutzen Sie Vorteile wie den Merkzettel.&#13;<br \/>\n                Dies ist&#13;<br \/>\n                kein Abo und kein Zugang zu FAZ+&#13;<br \/>\n                Artikeln.<\/p>\n<p>Sie haben Zugriff mit Ihrem Digital-Abo.<\/p>\n<p>Vielen Dank f\u00fcr Ihre Registrierung<\/p>\n<p>            <a data-registered-resend=\"\" adobe-track=\"true\"\/><br \/>\n            <a data-loggedin-continue=\"\" adobe-track=\"true\"\/><br \/>\n            <a data-login=\"\" adobe-track=\"true\"\/><br \/>\n            <a data-register=\"\" adobe-track=\"true\"\/><\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Mit einer Frau, die versucht, einen Raum f\u00fcr sich selbst zu beanspruchen, hat die Schauspielsparte des Staatstheaters eine deutschsprachige Erstauff\u00fchrung zur Biennale und zum Saison-Spielplan beigesteuert, die gewisserma\u00dfen das Motto des Festivals aufnimmt. \u201eMonique bricht aus\u201c nach dem Text von \u00c9douard Louis beginnt schlie\u00dflich da, wo die Vorgeschichte \u201eDie Freiheit einer Frau\u201c, endet: auf dem Theater.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Die Regisseurin Sara Ostertag hat es geschafft, das lose und sehr auf die eigene Person des Autors gebaute Mutter-Buch Louis\u2019 in jeder Hinsicht ins Allgemeine zu heben, ohne die Figuren zu verraten. Wenn zu Beginn drei Frauen, drei Moniques, in den z\u00fcchtigen wei\u00dfen Kleidern des 19. und 20. Jahrhunderts im rein wei\u00dfen Kubus einer K\u00fcche st\u00fcrzen, straucheln, als w\u00fcrden sie von fremden H\u00e4nden geschlagen, und sich nach und nach alles rot von Theaterblut f\u00e4rbt, ist das nicht nur ein Spiel mit der \u00dcbertreibung. Die historischen Kost\u00fcme, die schnell fallen, die Blutflecke, die bleiben, signalisieren: Das war schon immer so, und es wird Zeit, dass es nicht mehr selbstverst\u00e4ndlich ist, Frauen, sei es subtil oder brutal handgreiflich, als Menschen zweiter Klasse zu behandeln.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Die \u00dcbernahme von Falk Richters Inszenierung der \u201eFreiheit einer Frau\u201c mit Eva Mattes als Monique bleibt im Spielplan des Staatstheaters, nun also geht es weiter. Ostertag setzt auf starke Bilder, auf Musik, die zumal Jonas Grundner-Culemann als Sohn l\u00e4ssig vortr\u00e4gt. Wie Richter erlaubt auch Ostertag eine leise Ironie, einen Witz in der H\u00e4rte der Bilder, die sie auch dank einer gemeinsam mit Myriam Lifka entwickelten Choreographie erreicht. Au\u00dferdem hat sie mit Klara W\u00f6rdemann, Sybille Weiser und Evelyn Faber, die Monique gemeinsam und in unterschiedlichen Lebensaltern verk\u00f6rpern, ausgesprochen schlagfertige Darstellerinnen. In Ostertags Bearbeitung nimmt sich Monique also deutlich mehr Raum als in der Vorlage und weitet damit auch den Blick. Auch darauf, dass selbst ein Glamour-Abend in Abendkleid und Glitter es bis heute meist den Frauen \u00fcberl\u00e4sst, hinterher den Dreck wegzur\u00e4umen.<\/p>\n<p>Biennale Wiesbaden, bis 21. September. \u201eMonique bricht aus\u201c, n\u00e4chste Vorstellungen im Kleinen Haus des Staatstheaters am 28. September und 10. Oktober.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Friede den H\u00fctten und den Pal\u00e4sten \u2013 sofern sie gemeinsame Sache machen. 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