{"id":423175,"date":"2025-09-14T22:59:12","date_gmt":"2025-09-14T22:59:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/423175\/"},"modified":"2025-09-14T22:59:12","modified_gmt":"2025-09-14T22:59:12","slug":"kuenstlerische-vs-kuenstliche-intelligenz-kann-ki-auch-kirchenmusik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/423175\/","title":{"rendered":"K\u00fcnstlerische vs. K\u00fcnstliche Intelligenz \u2013 Kann KI auch Kirchenmusik?"},"content":{"rendered":"<p>Samuel Dobernecker, Kreiskantor des Kirchenkreises K\u00f6ln-S\u00fcd, hat keine Angst, dass KI ihn in absehbarer Zeit ersetzten k\u00f6nnte. Er nimmt die Sache eher \u201esportlich\u201c und hatte f\u00fcr sein \u201eOrgelkonzert mit Wort und Idee\u201c in der Reformationskirche nicht nur den provokanten Titel \u201eK\u00fcnstlerische Intelligenz\u201c gew\u00e4hlt, sondern auch ein faszinierendes Konzertprogramm zusammengestellt, bei dem das Publikum zwischen den Originalwerken von Bach, Pachelbel, Schumann und Robin sowie einer Improvisation des Organisten Kompositionen zweier Musikgeneratoren zu h\u00f6ren bekam. Zwischen den Musikbl\u00f6cken gab Dr. Frank Vogelsang, Leiter der Evangelischen Akademie im Rheinland, drei thematische Impulse. Die St\u00fccke wurden nicht in der im Programmheft aufgef\u00fchrten Reihenfolge gespielt, sodass das Zuh\u00f6ren zu einer vergn\u00fcglichen Spurensuche wurde \u2013 auf der Suche nach musikalischer Originalit\u00e4t.<\/p>\n<p>Dr. Frank Vogelsang erinnerte zun\u00e4chst an die \u201eunheimliche\u201c Dimension der sogenannten \u201eK\u00fcnstlichen Intelligenz\u201c, die den sekundenschnellen Zugriff auf Millionen von B\u00fcchern erm\u00f6glicht. Mit \u201eJupiter\u201c sei in J\u00fclich gerade erst die gr\u00f6\u00dfte Rechenanlage Europas in Betrieb genommen worden. Doch was ist \u00fcberhaupt KI? Vogelsang nannte drei Komponenten, die f\u00fcr die Entwicklung sogenannter Large Language Systems ma\u00dfgeblich sind: Zun\u00e4chst leistungsf\u00e4hige Computer, die Verf\u00fcgbarkeit von gro\u00dfen Datenmengen und neuronale Netze. Vogelsang erkl\u00e4rte, dass diese der Funktionsweise des menschlichen Gehirns nachempfunden seien und auf Mustererkennung basiere. Auch Bilder seien Muster. Dann machte der studierte Elektroingenieur und Leiter der Evangelischen Akademie im Rheinland zwei philosophische Anmerkungen: Zun\u00e4chst stellte er die Frage: \u201eKann die KI irgendwann den Menschen abl\u00f6sen?\u201c und \u00e4u\u00dferte seine Skepsis. Die die KI-Forschung seit ihren Anf\u00e4ngen begleitende Angst vor einer \u201efeindlichen \u00dcbernahme\u201c sei wohl \u201eein Sache, die eher in unserer Kultur steckt\u201c.<\/p>\n<p>\u201eKI vs. KI\u201c<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-64231\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Kuenstlerische-Intelligenz_pm2-300x225.jpg\" alt=\"Johannes (r.) und Leander \u2013 das Team f\u00fcr Licht und Technik.\" width=\"300\" height=\"225\"  \/>Johannes (r.) und Leander \u2013 das Team f\u00fcr Licht und Technik.<\/p>\n<p>Die Musik im ersten Teil \u201eKI vs. KI\u201c stammte von AIVA (Artificial Intelligence Virtual Artist), einer KI-gesteuerten (seit 2016 offiziell anerkannten) Musikkomponistin, die Deep-Learning-Algorithmen nutzt, um klassische Werke nach Mustern abzusuchen, auf deren Basis sie \u201eneue\u201c Werke erzeugt. Die Prompts (Instruktionen) lauteten: \u201eDreistimmige Orgelfuge im Stil von Pachelbel\u201c und \u201eOrgelst\u00fcck im Stil von Bachs Toccata und Fuge D-Moll\u201c.<\/p>\n<p>An den Anfang seiner zweiten Intervention stellte Frank Vogelsang jene Fragen, die dem Konzept des Abends zugrunde lagen: \u201eWie steht es um die F\u00e4higkeit der KI, Musik zu komponieren?\u201c, \u201eIst die Musik der KI wirklich Musik?\u201c Und weitergefragt: \u201eIst menschliche Genialit\u00e4t vielleicht auf KI \u00fcbertragbar?\u201c Diese Fragen sind vielleicht deshalb so dr\u00e4ngend, weil sie den tief in der europ\u00e4ischen Kultur verankerten Geniebegriff infrage stellen. Die Idee der \u201eMaschinenmusik\u201c ist dabei keineswegs neu. Bereits Lorenz Christoph Mizler (1711 \u2013 1778), ein Zeitgenosse und Sch\u00fcler Johann Sebastian Bachs, versuchte sich an der Konstruktion einer \u201eGeneralbassmaschine\u201c, die die Kompositionsregeln mathematisch erfassen und lehren sollte.<\/p>\n<p>\u201eMenschen reagieren auf das, was sie bewegt\u201c<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-64232\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Kuenstlerische-Intelligenz_pm1-300x225.jpg\" alt=\"Dr. Frank Vogelsang, Direktor der Ev. Akademie im Rheinland, begleitete das Konzert mit Denkanst\u00f6\u00dfen zum Thema K\u00fcnstliche Intelligenz.\" width=\"300\" height=\"225\"  \/>Dr. Frank Vogelsang, Direktor der Ev. Akademie im Rheinland, begleitete das Konzert mit Denkanst\u00f6\u00dfen zum Thema K\u00fcnstliche Intelligenz.<\/p>\n<p>Vogelsang betonte, dass Musikstile immer Zeugen ihrer jeweiligen Zeit seien. \u201eMenschen reagieren auf das, was sie bewegt\u201c, erkl\u00e4rte er. Als Beispiele nannte er Bachs Weihnachtsoratorium, das die h\u00f6fische Musik seiner Zeit widerspiegelt oder auf Ludwig van Beethovens \u201eEroica\u201c, die ein musikalisches Echo auf die Inthronisation Napoleons war. \u201eDie KI hat keinen Weltbegriff!\u201c, stellte Frank Vogelsang fest und erg\u00e4nzte: \u201eDie Welt der KI endet am Ende ihrer Datens\u00e4tze.\u201c<\/p>\n<p>Auf der philosophischen Suche nach den Quellen von Liebe, Hingabe und tiefem Erleben wird man zwangsweise auf eine menschliche Grunderfahrung sto\u00dfen, die einer k\u00fcnstlichen Intelligenz unzug\u00e4nglich bleiben muss: die Sterblichkeit. Frank Vogelsang fragte: \u201eLiegt in der menschlichen Endlichkeit, in der Begrenztheit menschlichen Lebens nicht ein Vorteil gegen\u00fcber der KI?\u201c<\/p>\n<p>Im zweiten Teil \u201eKI vs. KI\u201c kam der \u201eMusiktransformer\u201c zum Einsatz, ein KI-System der Google Magenta Research Group, das anhand von 200 Stunden Klaviermusik trainiert wurde. Daher kann diese KI nicht nur blo\u00dfe Notenfolgen, sondern auch die Eigenheiten von Ausdruck und Timing nachbilden. Da jedoch ausgehaltene T\u00f6ne auf Klavier und Orgel gegens\u00e4tzliche Effekte erzielen, m\u00fcssen die St\u00fccke dennoch durch den Interpreten gestaltet werden.<\/p>\n<p>KI-generierte Musik f\u00fcr den Gottesdienst?<\/p>\n<p>Die dritte Intervention ber\u00fchrte das Verh\u00e4ltnis von Theologie und Technologie, indem sie zur Diskussion stellte, ob KI-generierte Musik auch f\u00fcr den Gottesdienst geeignet sei. K\u00fcnstliche Intelligenz, so Vogelsang, habe keine Transzendenz und k\u00f6nne sich daher auch nicht auf Gott beziehen. Sein Pl\u00e4doyer lautete: \u201eDie Entscheidung liegt bei der Gemeinde!\u201c Auch nicht-sakrale Musik finde ja mittlerweile Eingang in den Gottesdienst. Allerdings gab er zu bedenken, dass Singen und Musizieren im kirchlichen Kontext auch Gemeinschaft stiften und stellte fest: \u201eReligion ist eine Sache, der man gemeinsam Ausdruck gibt.\u201c Wie wichtig menschliche Kommunikation, Zuwendung, Ermutigung und Ermahnung f\u00fcr ein lebendiges Glaubensleben sind, machte Frank Vogelsang anhand der Briefe des Apostels Paulus deutlich.<\/p>\n<p>Wer ein eindeutiges Votum f\u00fcr oder gegen KI im Gottesdienst und in der Kirchenmusik erwartet hatte, kam an diesem\u00a0 \u2013 musikalisch und intellektuell anregenden \u2013 Abend nicht auf seine Kosten. \u201eWas religi\u00f6s ist, entscheiden letztlich wir\u201c, res\u00fcmierte Frank Vogelsang. So gingen die Besuchenden mit der Erkenntnis nach Hause, dass Musik zwar viel mit Mathematik und damit auch mit reproduzierbaren Mustern zu tun hat, doch das, was uns als H\u00f6rende ber\u00fchrt, (zum Gl\u00fcck) \u00e4hnlich schwer greifbar ist wie Gott selbst.<\/p>\n<p><a href=\"#\" rel=\"nofollow\" onclick=\"window.print(); return false;\" title=\"Printer Friendly, PDF &amp; Email\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/printfriendly-icon-lg.png\" alt=\"Print Friendly, PDF &amp; Email\" class=\"pf-button-img\" style=\"width: 25px;height: 25px;\"\/>Drucken<\/a><\/p>\n<p>Text: Priska Mielke<br \/>Foto(s): Priska Mielke<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Samuel Dobernecker, Kreiskantor des Kirchenkreises K\u00f6ln-S\u00fcd, hat keine Angst, dass KI ihn in absehbarer Zeit ersetzten k\u00f6nnte. 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