{"id":423309,"date":"2025-09-15T00:12:37","date_gmt":"2025-09-15T00:12:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/423309\/"},"modified":"2025-09-15T00:12:37","modified_gmt":"2025-09-15T00:12:37","slug":"betonwald-kreuzer-online-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/423309\/","title":{"rendered":"Betonwald \u2014 kreuzer online"},"content":{"rendered":"<p>In Zukunft finden Besuchende des Cospudener Sees f\u00fcr ein erfrischendes Bad wahrscheinlich mehr Parkm\u00f6glichkeiten. Ob die Erholung aber die gleiche bleibt, ist fraglich. Denn ein Flecken Natur und Waldbewohner sollen daf\u00fcr vertrieben werden. Sie sollen Beton weichen, der Automobilen als Habitat dienen wird.<\/p>\n<p>Nach \u00fcber zehn Jahren Streit im Markkleeberger Stadtrat wurde der entscheidende Schritt zur Umwandlung des Waldgebietes am Hafen in einen vergr\u00f6\u00dferten Parkplatz vor einigen Wochen gegangen. Mit dem Beschluss zur Zustimmung zum neuen Fl\u00e4chennutzungsplan in der Stadtratssitzung am 25. Juni fiel die bisher wichtigste Entscheidung in diesem Prozess. In der Hafenstra\u00dfe hinterm Pier 1, offiziell Hafen Z\u00f6bigker genannt, sollen circa 1,3 Hektar Wald verschwinden.<\/p>\n<p>Bereits 2010 gab es erste Berechnungen der Stadtverwaltung \u00fcber einen Parkplatzmangel am Hafen vom Cospudener See. Vermeintlich zu wenige Menschen k\u00f6nnen den See von Markkleeberger Seite aus erreichen. Wie aus dem Fl\u00e4chennutzungsplan hervorgeht, soll der erg\u00e4nzende Parkplatz die dort bereits vorhandenen Parkpl\u00e4tze durch eine zweite gro\u00dfr\u00e4umige Fl\u00e4che verbinden \u2013 und Wald gerodet werden. Dabei ist die Studienlage zum Parkplatzbedarf alles andere als gekl\u00e4rt: Der Markkleeberger Gr\u00fcnen-Fraktionsvorsitzende Eric Peukert bem\u00e4ngelt, dass die Berechnungen der Stadt auf vereinzelten Z\u00e4hlungen an stark besuchten Tagen basierten. \u00bbDen Gutachten, die von B\u00fcros von Verkehrsplanern erstellt wurden und nach eing\u00e4ngiger Methodik Z\u00e4hlungen durchf\u00fchrten, m\u00f6chte ich als Laie keine Inkompetenz aussprechen\u00ab, sagt der Markkleeberger Oberb\u00fcrgermeister Karsten Sch\u00fctze (SPD) auf Nachfrage.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnen haben, ebenso wie der Leipziger Umweltbund \u00d6kol\u00f6we, jahrelang gegen den Parkplatz demonstriert. Die umweltpolitische Sprecherin des \u00d6kol\u00f6wen Bo\u017eena Nawka erkl\u00e4rte im Gespr\u00e4ch mit dem kreuzer, dass die besagte Waldfl\u00e4che \u00bbein Refugium f\u00fcr verschiedene Tier- und Pflanzenarten\u00ab ist, deren Habitate durch die Rodung zerst\u00f6rt w\u00fcrden. Der Biotopverbund, der es den Tieren erm\u00f6gliche, zwischen st\u00e4dtischen Gr\u00fcnfl\u00e4chen und dem Umland zu wandern, werde dadurch beeintr\u00e4chtigt.<\/p>\n<p>Die Kritik an den Pl\u00e4nen ist aber keineswegs lediglich ein Projekt der Gr\u00fcnen. Peukert berichtet von fraktions\u00fcbergreifenden Stimmen, die das Vorhaben kritisieren. Auch in der Abstimmung im Stadtrat, bei der 14 Personen f\u00fcr und 6 Personen gegen den neuen Fl\u00e4chennutzungsplan gestimmt haben, waren unter anderem CDU-Mitglieder in der Opposition.<\/p>\n<p>Gr\u00fcnenpolitiker Peukert geht davon aus, dass die Stadt besonders aufgrund der Anwohnerbeschwerden \u00fcber Wildparkende im Sommer Druck hat, das Vorhaben durchzubekommen. Oberb\u00fcrgermeister Sch\u00fctze spricht von einer erh\u00f6hten Anzahl an Parkverst\u00f6\u00dfen an Hitzetagen und einem hohen Beschwerdeaufkommen der Anwohnerinnen und Anwohner. Auch auf Nachfrage nennt er dazu jedoch keine konkreten Zahlen. <\/p>\n<p>Nawka vom \u00d6kol\u00f6wen hingegen meint: \u00bbIch denke, dass vor allem der touristische Aspekt eine gro\u00dfe Rolle spielt und weniger, dass dort die Anwohner klagen.\u00ab Sie vermutet einen Zusammenhang mit derzeitigen Planungen zu einem neuen wassertouristischen Nutzungskonzept f\u00fcr die Region, an denen auch die Stadt Leipzig beteiligt ist (s. kreuzer 07\/2020). Das sei besonders deshalb zu kritisieren, weil der See schon jetzt einem hohen Nutzungsdruck durch den Tourismus unterliege. Auch Eric Peukert spricht von Absprachen zwischen dem Hafenbetreiber Pier 1 und der Stadt Markkleeberg, die Einfluss auf den Prozess genommen h\u00e4tten. Geplant sind auf dem Parkplatzgel\u00e4nde unter anderem neue Busstellpl\u00e4tze, f\u00fcr den Hafenbetreiber ist der Halt von Reisebussen dort denkbar attraktiv.<\/p>\n<p>Oberb\u00fcrgermeister Sch\u00fctze best\u00e4tigt die Gespr\u00e4che mit dem Hafenbetreiber. Inhalt war jedoch laut ihm ein \u00bbbauordnungsrechtlicher Missstand am Hafenbereich\u00ab. Da der Hafenbereich mit Stellpl\u00e4tzen \u00bb\u00fcberfrachtet\u00ab sei, sollen 56 Stellpl\u00e4tze aus dem Hafenbereich in den Waldparkplatz verlegt werden. Diese Absprachen seien aber \u00bbkeine Grundlage von Planungen\u00ab, so Sch\u00fctze.<\/p>\n<p>Zuvor hatte der Sachverhalt hitzige Diskussionen im Markkleeberger Stadtrat ausgel\u00f6st. W\u00e4hrend die Gr\u00fcnen der Stadt Intransparenz im Prozess um den Fl\u00e4chennutzungsplan vorwerfen, \u00e4u\u00dferte Daniel Kreusch, Pressesprecher der Stadt Markkleeberg, Unzufriedenheit mit der Kommunikationsstrategie der Gr\u00fcnen. Die Gr\u00fcnen h\u00e4tten f\u00e4lschlich vermittelt, der Fl\u00e4chennutzungsplan bedeute direkt die Bebauung, teilte Kreusch dem kreuzer mit. Das sei aber ein planerischer Zwischenschritt. Die Anschuldigung weist Eric Peukert zur\u00fcck. \u00bbWenn das Herr Kreusch so darstellt, ist das unfair.\u00ab Die Gr\u00fcnen h\u00e4tten der Stadt einen Kompromissvorschlag gemacht, der ignoriert worden sei.<\/p>\n<p>Der Vorschlag aus dem Fr\u00fchjahr 2024 pr\u00e4sentiert zwei Varianten, die durch einen Ausbau des Parkplatzes Cospudener See Hafen 50 bis 110 zus\u00e4tzliche Parkpl\u00e4tze bei weitaus geringerem Waldverlust schaffen k\u00f6nnten. Der Parkplatz w\u00fcrde dann allerdings nicht, wie von der Stadt geplant, bis unten an den Hafen reichen.<\/p>\n<p>Der neue Fl\u00e4chennutzungsplan ist zwar ein entscheidender Schritt im Prozess, vorerst fehlt aber noch der Bebauungsplan. Erst wenn \u00fcber diesen ebenfalls im Stadtrat abgestimmt wird, stehen konkrete Details zu Umfang und Umst\u00e4nden des Bauvorhabens fest. Nach Angaben des Oberb\u00fcrgermeisters Sch\u00fctze wird der Bebauungsplan derzeit erarbeitet, eine zeitliche Prognose f\u00fcr dessen Fertigstellung sei jedoch nicht m\u00f6glich. Ersatzfl\u00e4chen zum Ausgleich des Waldverlustes habe die Stadt bereits vor Jahren in den Orten Frohburg und Kitzscher im Landkreis Leipzig gepflanzt.<\/p>\n<p>Gr\u00fcnenpolitiker Peukert ist optimistisch, eine Kompromissl\u00f6sung mit der Stadt zu finden, die weniger Waldrodung zur Folge hat. Grundlage daf\u00fcr m\u00fcsse aber sein, die Markkleeberger Bev\u00f6lkerung in den Prozess des Bebauungsplans miteinzubeziehen. Er w\u00fcnscht sich dazu eine B\u00fcrger:innenbefragung. Sollte der Stadtrat den Bebauungsplan wider Erwarten ohne die gesellschaftliche Beteiligung beschlie\u00dfen, k\u00fcndigten Gr\u00fcne und \u00d6kol\u00f6wen bereits Protestaktionen an. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In Zukunft finden Besuchende des Cospudener Sees f\u00fcr ein erfrischendes Bad wahrscheinlich mehr Parkm\u00f6glichkeiten. Ob die Erholung aber&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":421418,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1832],"tags":[4652,3903,5587,110617,110618,3364,29,30,38420,71,110619,953,24564,96992,859,15697,1886,1163,110620],"class_list":{"0":"post-423309","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-leipzig","8":"tag-wald","9":"tag-ausflug","10":"tag-baden","11":"tag-cospudener-see","12":"tag-cossi","13":"tag-de","14":"tag-deutschland","15":"tag-germany","16":"tag-habitat","17":"tag-leipzig","18":"tag-markleeberg","19":"tag-naturschutz","20":"tag-nutzung","21":"tag-rodung","22":"tag-sachsen","23":"tag-see","24":"tag-tiere","25":"tag-tourismus","26":"tag-waldbewohner"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115205422783225471","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/423309","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=423309"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/423309\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/421418"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=423309"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=423309"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=423309"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}