{"id":423337,"date":"2025-09-15T00:28:27","date_gmt":"2025-09-15T00:28:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/423337\/"},"modified":"2025-09-15T00:28:27","modified_gmt":"2025-09-15T00:28:27","slug":"architektur-buchdruckerhaus-berlin-verstecktes-juwel-der-1920er-oeffnet-tueren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/423337\/","title":{"rendered":"Architektur \u2013 Buchdruckerhaus Berlin: Verstecktes Juwel der 1920er \u00f6ffnet T\u00fcren"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img311317\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/311317.jpeg\" alt=\"Im Stil der Neuen Sachlichkeit erbaut: Das Haus der Gewerkschaft \u00bbVerband der der Deutschen Buchdrucker\u00ab\"\/><\/p>\n<p>Im Stil der Neuen Sachlichkeit erbaut: Das Haus der Gewerkschaft \u00bbVerband der der Deutschen Buchdrucker\u00ab<\/p>\n<p>Foto: Archiv<\/p>\n<p>Man kann h\u00f6ren, dass pl\u00f6tzlich viele Herzen h\u00f6her schlagen, als die Besucher*innen den alten Fahrstuhl entdecken. Etwa 40 Menschen schieben sich durch das Foyer, das sie mit seinen dunklen Fliesen in <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1192887.berlin-britz-die-hufeisensiedlung-und-der-kampf-um-faires-wohnen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">die Neue Sachlichkeit der 1920er-Jahre<\/a> zur\u00fcckkatapultiert. Der Fahrstuhl leistet in den Vormittagsstunden an diesem Samstag dann Dauerfahrten zwischen den vier Etagen.<\/p>\n<p>Viele der Besucher*innen sagen, dass sie diesen geheimnisvollen Ort schon lange auch mal von innen erleben wollten. Die Besichtigung des Buchdruckerhauses unweit <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1193590.gentrifizierung-potse-und-drugstore-jugendzentren-kaempfen-um-raeume.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">des alten Flughafens Tempelho<\/a>f wird von Constanze Lindemann angef\u00fchrt. Die Vorsitzende des \u00bbKarl-Richter-Vereins\u00ab erl\u00e4utert, dass die Skelettkonstruktion mit dem Stahlbeton eine variable Einteilung der Etagen und das Aufstellen der schweren Druckmaschinen erm\u00f6glichte. Der vor rund 100 Jahren von Max Taut und Franz Hoffmann konzipierte Bau sollte Wohnen und Produktion, Kultur und gewerkschaftliche Organisation in einem Geb\u00e4udekomplex verbinden.<\/p>\n<p>Das Haus der Buchdrucker wurde zwischen 1924 und 1926 ausschlie\u00dflich von den Gewerkschaftsmitgliedern finanziert. F\u00fcr sie stellte dieses Haus damit einen erheblichen \u00bbMehrwert\u00ab dar, der ihnen in ihrer Produktion von den Kapitalisten entzogen blieb. Sie konnten von Leipzig, wo sich die Buchdruckergewerkschaft 1866 gegr\u00fcndet hatte, nach Berlin umziehen und gewisserma\u00dfen ihre Druckerei mitnehmen. Zugleich hatten sie hier Wohnraum f\u00fcr Hauptamtliche sowie Versammlungsr\u00e4ume in einem Geb\u00e4udekomplex. Heute wird das Geb\u00e4ude wieder f\u00fcr B\u00fcror\u00e4ume genutzt.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>&#13;<\/p>\n<p>Das Haus der Buchdrucker wurde zwischen 1924 und 1926 ausschlie\u00dflich von den Gewerkschaftsmitgliedern finanziert.<\/p>\n<p>&#13;\n<\/p><\/blockquote>\n<p>In der seit 100 Jahren stetig erweiterten \u00bbBibliothek der Berliner Buchdrucker\u00ab im linken Geb\u00e4udefl\u00fcgel findet sich bis heute ein Bestand von mehr als 2000 B\u00e4nden, Nachl\u00e4ssen, Zeitschriften und Akten. Sie spiegelt die seit Gr\u00fcndung des \u00bbDeutschen Buchdruckerverbandes\u00ab 1866 bewegte Organisationsgeschichte bis zur Industriegewerkschaft Druck und Papier und schlie\u00dflich zur Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Verdi wider. Nach den Bibliotheken des \u00bbGutenberg-Museums\u00ab in Mainz und der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn hat diese Bibliothek im Haus der Buchdrucker in Kreuzberg den gr\u00f6\u00dften Bestand an <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1190124.ziviler-ungehorsam-dokumente-des-pazifismus.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Archivalien<\/a> des grafischen Gewerbes, sagt Lindemann.<\/p>\n<p>Sie berichtet auch, wie die Nazis \u00bbmit ihrer Mischung aus Zerst\u00f6rungswut und Aneignungsgebaren\u00ab das Haus nach ihrer Machtergreifung als eine ihrer Berliner Zentralen auserkoren hatten. Nach 1945 wurde es dann an die Industriegewerkschaft Druck und Papier zur\u00fcck\u00fcbertragen, die sp\u00e4ter dann, 1989, in der neu gegr\u00fcndeten IG Medien aufging. Nachdem diese im Laufe der 1990er-Jahre gegen viele Widerst\u00e4nde auch werbeindustrielle Branchen aufnehmen wollte, ging sie Anfang der 2000er-Jahre schlie\u00dflich in der neu gegr\u00fcndeten Verdi auf.<\/p>\n<p>Von ganz unten bis unters Dach sind in diesem historischen Buchdruckerhaus architektonische Feinheiten und Sch\u00e4tze zu entdecken. So kann durch die auf dem Boden des Innenhofs eingelassenen gl\u00e4serne Quadrate das Tageslicht in den weitl\u00e4ufigen Kellerbereich fallen und spart dort so am Tag die elektrische Beleuchtung. Ulrich Diebach, einer der Besucher, ist begeistert von der schlichten Eleganz und Funktionalit\u00e4t des gesamten Komplexes. Der 73-J\u00e4hrige interessiert sich vorrangig <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1186366.afd-kunst-und-kultur-im-dienst-voelkischer-identitaetspolitik.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">f\u00fcr Bauhaus-Architektur<\/a> und kommt jedes Jahr zum Tag des offenen Denkmals aus Hannover nach Berlin. In der vergangenen Woche war er bereits bei den Tagen der Industriekultur in Leipzig.<\/p>\n<p>An diesem Sonnabend hat sich auch Berlins Bausenator Christian Gaebler (SPD) der Besuchergruppe angeschlossen. Er sei aus privatem Interesse hier, nat\u00fcrlich auch neben einer gewissen Repr\u00e4sentanz zum Tag des offenen Denkmals. \u00bbDas IG Metall-Geb\u00e4ude zum Beispiel kennt man ja, doch das Buchdruckerhaus hier war f\u00fcr mich bisher ein verborgener Schatz\u00ab, sagt er.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Im Stil der Neuen Sachlichkeit erbaut: Das Haus der Gewerkschaft \u00bbVerband der der Deutschen Buchdrucker\u00ab Foto: Archiv Man&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":423338,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[296,29,527,30],"class_list":{"0":"post-423337","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-berlin","9":"tag-deutschland","10":"tag-friedrichshain-kreuzberg","11":"tag-germany"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115205485701590966","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/423337","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=423337"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/423337\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/423338"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=423337"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=423337"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=423337"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}