{"id":423347,"date":"2025-09-15T00:34:11","date_gmt":"2025-09-15T00:34:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/423347\/"},"modified":"2025-09-15T00:34:11","modified_gmt":"2025-09-15T00:34:11","slug":"shitstorm-um-caroline-wahl-und-ihr-neues-buch-die-assistentin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/423347\/","title":{"rendered":"Shitstorm um Caroline Wahl und ihr neues Buch &#8222;Die Assistentin&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Caroline Wahls neuer Roman \u201eDie Assistentin\u201c landete direkt in der Woche nach seinem Erscheinen auf Platz eins der \u201eSpiegel\u201c-Bestsellerliste. Seitdem ist er ein Riesenthema in den Feuilletons und auch auf Internetplattformen, die sich mit B\u00fcchern besch\u00e4ftigen. Dabei wird heftig diskutiert, wer wie seine Kritik an diesem Buch \u00fcberhaupt \u00e4u\u00dfern darf \u2013 und ob Kritiker einfach nur b\u00f6swillig sind, wenn sie dieses Buch als Unterhaltungsliteratur verrei\u00dfen.<\/p>\n<p>Dazu gesellt sich eine Social-Media-Debatte \u00fcber die Autorin selbst, die gerne den Deutschen Buchpreis gewinnen m\u00f6chte und schnelle Autos f\u00e4hrt. Offenbar gen\u00fcgt es, dies zu \u00e4u\u00dfern, um in einen Shitstorm zu geraten. Au\u00dferdem wird Wahl vorgeworfen, wohlhabend zu sein, w\u00e4hrend sie in ihrem Deb\u00fctroman \u201e22 Bahnen\u201c das Leben in prek\u00e4ren Verh\u00e4ltnissen beschreibt. Sie mache mit Armutsgeschichten Profit, so der Vorwurf.<\/p>\n<p>Jenseits der Social-Media-Schlachten sieht sich die klassische Literaturkritik zunehmend infrage gestellt: Wie umgehen mit Bestsellern und unterhaltender Literatur? Sind die Kriterien, nach denen Kritiker und Kritikerinnen Romane ausw\u00e4hlen und beurteilen noch zeitgem\u00e4\u00df?<\/p>\n<p>              <strong>Literatur \u00fcber Lebensrealit\u00e4ten von Frauen \u2013 nicht kritikw\u00fcrdig<\/strong><\/p>\n<p>Lange habe sich das klassische Feuilleton um Romane wie die von Caroline Wahl nicht gek\u00fcmmert, sagt dazu Literaturkritikerin Miriam Zeh, die auch Wahls Roman \u201eDie Assistentin\u201c rezensiert hat. \u201eRomane, in denen es zum Beispiel ums Einkaufen, um Sorgearbeit geht.\u201c <\/p>\n<p>Damit h\u00e4tten Kritiker und Kritikerinnen um B\u00fccher, in denen es um die Lebensrealit\u00e4ten von Frauen geht, lange einen Bogen gemacht. \u201eDa kommt dann manchmal so ein Argument: Ja, das ist keine Literatur. In dem Sinne von: Das ist keine Literatur, die hierhin geh\u00f6rt. Und ich w\u00fcrde es eher so formulieren: Das ist Literatur, mit der man noch nicht so einen Umgang gefunden hat.\u201c<\/p>\n<p>              <strong>Die Abneigung gegen Bestseller<\/strong><\/p>\n<p>\u00c4hnliches gilt f\u00fcr Romane, die sehr erfolgreich sind und sich gut verkaufen. Bestsellerliteratur wurde von der Literaturkritik oft eher wenig beachtet. Denn die Kritikerinnen und Kritiker verstanden und verstehen sich teilweise noch heute als ein Gegengewicht zum Markt. Sie schauen auf die Avantgarde der Literatur, auf Romane, die Literaturpreise gewinnen. <\/p>\n<p>Heute gebe es in den Literaturredaktionen aber einen Wandel, sagt Kritikerin Miriam Zeh. Die nachfolgende Generation der Kritikerinnen und Kritiker habe \u201enicht mehr dieses gro\u00dfe Misstrauen gegen kommerziell sehr erfolgreiche B\u00fccher und vielleicht auch kein Misstrauen gegen unterhaltende Lekt\u00fcren\u201c.<\/p>\n<p>              <strong>Wie l\u00e4sst sich Unterhaltungsliteratur beurteilen?<\/strong><\/p>\n<p>Aus Sicht der Literaturkritikerin Zeh ist eine Mischung aus teils bekannten, aber auch neuen Kriterien zur Beurteilung von unterhaltenden Romanen notwendig. So arbeitet die Unterhaltungs- oder Genreliteratur beispielsweise sehr stark mit Erz\u00e4hlmustern. \u201eDa kann man dann nat\u00fcrlich beurteilen: Wie kreativ ist so ein Muster variiert.\u201c<\/p>\n<p>In Caroline Wahls neuem Roman \u201eDie Assistentin\u201c werden derartige Erz\u00e4hlmuster beispielsweise selbst im Text kommentiert, indem es dort dann hei\u00dft: Jetzt braucht es einen H\u00f6hepunkt, jetzt braucht der Text eine Liebesgeschichte. Das sei \u201eganz kreativ\u201c gemacht, so Zeh.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem l\u00e4sst sich auch die Sprache des Romans beurteilen. Dabei sei Wahls Roman \u201esprachlich schlichter\u201c als beispielsweise ein Text der Georg-B\u00fcchner-Preistr\u00e4gerin Ursula Krechel. \u201eAber nat\u00fcrlich kann ich mich fragen: Ist das eine Sprache voll Stilbl\u00fcten, voll schiefer Metaphern oder kann ich das flott, schn\u00f6rkellos lesen?\u201c, so Zeh.<\/p>\n<p>              Social Media ver\u00e4ndert die Debatten<\/p>\n<p>Auch der Umgang mit Kritik und Literaturdebatten ist in Wandlung begriffen. Fr\u00fcher galt f\u00fcr Autorinnen und Autoren oft der Rat: Blo\u00df nicht auf Kritiken reagieren. Das hat sich mit Social Media ge\u00e4ndert. Caroline Wahl jedenfalls bleibt nicht stumm und wehrt sich. \u201eIch h\u00f6re das sehr gerne, was sie zu sagen hat, auch zu Rezensionen von mir\u201c, sagt dazu Miriam Zeh. Ein Grundsatz, den man daraus f\u00fcr die Literaturkritik mitnehmen k\u00f6nne, sei: \u201eDass man sich vielleicht einfach so \u00e4u\u00dfert oder so kritisiert, als w\u00fcrde der Autor, die Autorin zuh\u00f6ren. Das ist eigentlich nie verkehrt\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Caroline Wahls neuer Roman \u201eDie Assistentin\u201c landete direkt in der Woche nach seinem Erscheinen auf Platz eins der&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":423348,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[102014,1784,1785,38152,29,102011,214,30,111005,215,111004],"class_list":{"0":"post-423347","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-22-bahnen","9":"tag-books","10":"tag-buecher","11":"tag-caroline-wahl","12":"tag-deutschland","13":"tag-die-assistentin","14":"tag-entertainment","15":"tag-germany","16":"tag-literaturkritiker-literaturkritikerin-kritik-rezensentin","17":"tag-unterhaltung","18":"tag-windstaerke-17"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115205509241568181","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/423347","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=423347"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/423347\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/423348"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=423347"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=423347"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=423347"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}