{"id":423955,"date":"2025-09-15T06:28:13","date_gmt":"2025-09-15T06:28:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/423955\/"},"modified":"2025-09-15T06:28:13","modified_gmt":"2025-09-15T06:28:13","slug":"vor-60-jahren-wie-ein-konzert-der-rolling-stones-eskalierte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/423955\/","title":{"rendered":"Vor 60 Jahren: Wie ein Konzert der Rolling Stones eskalierte"},"content":{"rendered":"<p>Berlin (dpa) &#8211; Als die Rolling Stones in Berlin landen, eilt ihnen schon ein Ruf voraus. Mick Jagger tr\u00e4gt Sonnenbrille, als er mit seinen Bandkollegen am Flughafen Tegel ankommt. Die britischen Musiker sollen am 15. September 1965 in der Waldb\u00fchne spielen &#8211; ein Konzert, das in die Geschichte eingehen wird. Denn es kommt zu schweren Ausschreitungen.<\/p>\n<p>Die Fernsehnachrichten sprechen von einem \u00abBild der Verw\u00fcstung\u00bb. \u00abDie Waldb\u00fchne und Umgebung glichen einem Schlachtfeld\u00bb, hei\u00dft es in dem Beitrag, den man heute in der ARD-Mediathek nachschauen kann.<\/p>\n<p>Kurz vorher haben die Briten ihr erstes Deutschlandkonzert in M\u00fcnster gespielt, in Dublin hatten Fans die B\u00fchne gest\u00fcrmt. Es ist das Jahr, in dem sich die Stones mit \u00ab(I can&#8217;t get no) Satisfaction\u00bb die Charts st\u00fcrmen und auch die Beatles gehypt werden. Auch im Nachkriegsdeutschland, wo lange der Schlager dominiert, \u00e4ndert sich etwas.<\/p>\n<p>\u00abH\u00e4rteste Band der Welt\u00bb<\/p>\n<p>Rund 20.000 Fans versammeln sich vor 60 Jahren in der Waldb\u00fchne. Einige h\u00e4tten die B\u00fchne gest\u00fcrmt und die Stones ihr Konzert schlie\u00dflich nach nur wenigen Liedern beendet, hei\u00dft es im Buch \u00abBerlin. Stadt der Revolte\u00bb. Der Veranstalter dreht das Licht ab und die Lage ger\u00e4t au\u00dfer Kontrolle.<\/p>\n<p>\u00abDie so idyllisch gelegene Veranstaltungsst\u00e4tte bot ein Bild der Verw\u00fcstung\u00bb, hei\u00dft es sp\u00e4ter im Fernsehen. \u00abNach dem Auftritt der Rolling Stones hatten Halbw\u00fcchsige systematisch und mit geradezu krankhafter Genugtuung B\u00e4nke zertr\u00fcmmert, Z\u00e4une umgerissen, Zaunlatten zerbrochen, Laternen umgest\u00fcrzt.\u00bb<\/p>\n<p>Die Stra\u00dfenreinigung, so hei\u00dft es in dem historischen TV-Beitrag, habe allein 25 Kubikmeter Papier beseitigen m\u00fcssen. \u00abDruckerzeugnisse, auf denen die Vorz\u00fcge der h\u00e4rtesten Band der Welt rei\u00dferisch gepriesen worden waren.\u00bb<\/p>\n<p>Jugendliche h\u00e4tten vor und nach dem Konzert den S-Bahnverkehr terrorisiert. 85 seien festgenommen und 87 Personen verletzt worden, darunter 26 Polizisten. Die Schadenssumme, hie\u00df es damals, gehe in die Hunderttausende. Die Waldb\u00fchne wird erst Jahre sp\u00e4ter wieder instand gesetzt.<\/p>\n<p>Beginn der wilden 1960er<\/p>\n<p>Ein Musiker, der damals in einer Vorband spielt, beobachtet die Zerst\u00f6rung. Man habe sich erstmal kneifen m\u00fcssen, erz\u00e4hlt Olaf Leitner von Team Beats Berlin in der rbb-Reihe \u00abBerlin &#8211; Schicksalsjahre einer Stadt\u00bb. \u00abDie machen die Waldb\u00fchne kaputt?\u00bb Der Anblick sei auch faszinierend gewesen. Dann sei Thema geworden, dass sich etwas mit der Jugend \u00e4ndere. \u00abMan merkte es: Da bricht was an.\u00bb<\/p>\n<p>Die Ausschreitungen geh\u00f6ren zu den Ereignissen, die aus Sicht mancher einen Umbruch markierten. \u00abDie Schlacht um die Waldb\u00fchne war mehr als ein Ausbruch jugendlicher Frustration\u00bb, schreibt Sven Goldmann in einem Beitrag f\u00fcr die Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung.\u00a0<\/p>\n<p>Im R\u00fcckblick stehe sie f\u00fcr einen fr\u00fchen, symbolisch aufgeladenen Moment im sich zuspitzenden Konflikt zwischen einer autorit\u00e4tsgl\u00e4ubigen Nachkriegsgesellschaft und einer nachwachsenden Generation, analysiert er. Die j\u00fcngere Generation habe ihren Ausdruck nicht nur in Musik und Kleidung gesucht, sondern zunehmend auch im Widerstand gegen politische Autorit\u00e4ten und gesellschaftliche Normen.<\/p>\n<p>\u00abDas Eingehen eines Risikos\u00bb<\/p>\n<p>Nach den Randalen gibt Innensenator Heinrich Albertz ein Fernsehinterview. Der SPD-Politiker tr\u00e4gt Krawatte, legt die H\u00e4nde gefaltet in den Scho\u00df und neigt den Kopf leicht. Ob es Erw\u00e4gungen gegeben habe, die Veranstaltung aus Sicherheitsgr\u00fcnden zu verbieten? Denn es h\u00e4tten ja \u00abErfahrungen\u00bb aus dem In- und Ausland vorgelegen.<\/p>\n<p>\u00abJa, also ich sag&#8216; ganz ehrlich: Ich habe mir das sehr \u00fcberlegt, ob ich nicht einfach verbieten sollte\u00bb, sagt Albertz. \u00abWenn ich es dann nicht getan habe, dann war es also das Eingehen eines Risikos.\u00bb Er habe geglaubt, es w\u00fcrde an der frischen Luft und mit ein bisschen Regen freundlicher vorbeigehen.<\/p>\n<p>Dem Regen, sagt der Moderator, habe man doch nachhelfen k\u00f6nnen &#8211; mit den aufgestellten Wasserwerfern. Sei die Polizei zu zur\u00fcckhaltend gewesen? Er wolle sich bei der Bewertung zur\u00fcckhalten, entgegnet Albertz. Es sei \u00fcberhaupt eine Zumutung gewesen, Beamte f\u00fcr einen solchen Zweck einzusetzen. \u00abWir sind also f\u00fcr all solchen Quatsch zust\u00e4ndig.\u00bb Auch in der DDR werden die Ausschreitungen im Berliner Westen thematisiert und inmitten des Kalten Kriegs f\u00fcr eigene Zwecke genutzt.<\/p>\n<p>Die R\u00fcckkehr der Stones<\/p>\n<p>Die Stones werden zu einer der gr\u00f6\u00dften Bands der Geschichte und kehren noch ein paar Mal in die Waldb\u00fchne zur\u00fcck. Zuletzt 2022. Gefeiert werden sie da immer noch. Die Waldb\u00fchne bleibt ganz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin (dpa) &#8211; Als die Rolling Stones in Berlin landen, eilt ihnen schon ein Ruf voraus. 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