{"id":424130,"date":"2025-09-15T08:12:10","date_gmt":"2025-09-15T08:12:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/424130\/"},"modified":"2025-09-15T08:12:10","modified_gmt":"2025-09-15T08:12:10","slug":"kita-eingewoehnung-warum-kinder-zeit-fuer-einen-guten-start-brauchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/424130\/","title":{"rendered":"Kita-Eingew\u00f6hnung: Warum Kinder Zeit f\u00fcr einen guten Start brauchen"},"content":{"rendered":"<p>Berliner Modell, M\u00fcnchner Modell oder doch das T\u00fcbinger? Vielen Eltern schwirrt bei der Eingew\u00f6hnung ihrer Kinder in Krippe oder Kindergarten der Kopf. Zum Start des neuen Kita-Jahres erz\u00e4hlt die Fachberaterin beim Evangelischen Kita-Verband Bayern (N\u00fcrnberg), Nicole Lustig, wie eine gute Eingew\u00f6hnung gelingen und warum sie hilfreich f\u00fcrs ganze Leben sein kann. Unabh\u00e4ngig von all den unterschiedlichen Eingew\u00f6hnungsmodellen: Zeitdruck sei kontraproduktiv, sagt die Sozialp\u00e4dagogin und gelernte Erzieherin im Gespr\u00e4ch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Kinder sollten in ihrem ganz eigenen Tempo in der Kita ankommen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p class=\"interview-frage\">Wenn ein Kind neu in eine Kita kommt &#8211; egal, ob Krippe oder Kindergarten &#8211; ist das ein Meilenstein f\u00fcr Kinder wie Eltern. Wie gelingt eine gute Eingew\u00f6hnung?<\/p>\n<p>Lustig: F\u00fcr eine gelingende Eingew\u00f6hnung ist ein gutes Zusammenspiel von Kind, Eltern und Kita wichtig. Die Kita muss Kind und Eltern dabei gleicherma\u00dfen in den Blick nehmen. Denn auch f\u00fcr die Eltern ist es ein einschneidender \u00dcbergang, wenn sie ihr Kind au\u00dferhalb der Familie betreuen lassen. Kita-Fachkr\u00e4fte m\u00fcssen hier empathisch, feinf\u00fchlig und partnerschaftlich vorgehen. Eingew\u00f6hnung gelingt dann am besten, wenn sie als gemeinsamer Prozess gesehen wird.<\/p>\n<p class=\"interview-frage\">Haben Sie da auch ganz praktische Tipps?<\/p>\n<p>Ausreichend Zeit einplanen, damit die p\u00e4dagogischen Fachkr\u00e4fte, das Kind und die Eltern sich kennenlernen k\u00f6nnen. Die Kita sollte Eltern gut informieren, damit diese wissen, was auf sie zukommt. In der Regel sind Eltern auch sehr dankbar f\u00fcr Anregungen, wie sie ihr Kind bestm\u00f6glich bei der Eingew\u00f6hnung unterst\u00fctzen k\u00f6nnen. Es ist zum Beispiel hilfreich, wenn sie bereits vor dem ersten Kita-Tag &#8222;kleine&#8220; Trennungen mit dem Kind \u00fcben.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der ersten Tage in der Kita ist es wichtig, dem Kind Zeit zu lassen, in seinem Tempo anzukommen und es dabei feinf\u00fchlig zu begleiten. Je nach Temperament und bisherigen Erfahrungen erleben Kinder diese erste Zeit sehr unterschiedlich und brauchen daher auch individuelle Unterst\u00fctzung. Rituale oder Kuscheltiere von zuhause helfen da.<\/p>\n<p class=\"interview-frage\">Sie haben den Faktor &#8222;Zeit&#8220; genannt. Wie wichtig ist der?<\/p>\n<p>Eine gute Eingew\u00f6hnung ist die Basis daf\u00fcr, dass Kinder Vertrauen zu Menschen au\u00dferhalb ihrer Familie aufbauen k\u00f6nnen. Diese Sicherheit ist notwendig, damit sich die Kinder auf die Kita, die anderen Kinder, die Erzieher und auf all die Bildungsangebote einlassen k\u00f6nnen. Doch das ist nicht alles: Ein guter Kita-Start hat Auswirkungen aufs ganze Leben. Das Kind ist gest\u00e4rkt f\u00fcr den weiteren Lebensweg und entwickelt viele Kompetenzen, die es sp\u00e4ter bei Ver\u00e4nderungen braucht, zum Beispiel beim \u00dcbergang in die Schule.<\/p>\n<p class=\"interview-frage\">Einige Eltern stehen wegen ihres Berufs unter Zeitdruck. Immer wieder h\u00f6rt man, dass eine Kita-Eingew\u00f6hnung nur drei Wochen dauern sollte: Ist Termindruck da wirklich sinnvoll?<\/p>\n<p>Jedes Kind ist individuell und bew\u00e4ltigt \u00dcberg\u00e4nge in seinem Tempo, das gilt \u00fcbrigens auch f\u00fcr die Eltern. Daher sollte jedes Kind f\u00fcr seine Eingew\u00f6hnung die Zeit bekommen, die es braucht. Zeit- und Termindruck sind kontraproduktiv, da er alle Beteiligten unter Druck setzt.<\/p>\n<p class=\"interview-frage\">Wie tolerant sollten denn Arbeitgeber in Sachen Eingew\u00f6hnung sein?<\/p>\n<p>Da braucht es schon eine gewisse Toleranz und Flexibilit\u00e4t. Gerade in der Eingew\u00f6hnungszeit ist es sehr entlastend f\u00fcr Eltern, wenn sie verst\u00e4ndnisvolle Arbeitgeber haben. Es kommt schlie\u00dflich immer mal wieder vor, dass sich die Eingew\u00f6hnung l\u00e4nger hinzieht als geplant, weil das Kind f\u00fcr eine Trennung noch nicht bereit ist. Oder wenn es noch nicht so lange im Kita-Alltag durchh\u00e4lt und daher fr\u00fcher abgeholt werden muss.<\/p>\n<p class=\"interview-frage\">Gibt es ein Alter, in dem sich Kinder leichter oder schwerer mit der Kita-Eingew\u00f6hnung tun?<\/p>\n<p>Lustig: Das kommt sehr stark auf das Kind an. Manche l\u00f6sen sich sehr leicht, andere brauchen mehr Zeit. Wenn noch einschneidende Ver\u00e4nderungen in der Familie dazukommen &#8211; Geburt eines Geschwisterkindes, der berufliche Wiedereinstieg eines Elternteils oder gar eine Trennung der Eltern -, dann beeinflusst das nat\u00fcrlich auch die Eingew\u00f6hnungszeit. All das sollten die Eltern der Kita nat\u00fcrlich mitteilen.<\/p>\n<p class=\"interview-frage\">Was ist eigentlich die schwierigste H\u00fcrde f\u00fcr die Kinder? Die Trennung von den Eltern grunds\u00e4tzlich, das gemeinsame Mittagessen oder der Mittagsschlaf in neuer Umgebung?<\/p>\n<p>Das l\u00e4sst sich pauschal nicht sagen. Jedes Kind ist anders. Die Trennung von den Eltern ist vor allem f\u00fcr Kinder, die bislang nur wenig au\u00dferfamili\u00e4ren Kontakt hatten oder noch nie fremdbetreut waren, eine gro\u00dfe Herausforderung. F\u00fcr andere wiederum ist der neue &#8222;Alltag&#8220; mit Essen und Schlafen eine H\u00fcrde. Oft sind auch die kleinen \u00dcberg\u00e4nge im Tagesablauf f\u00fcr neue Kinder eine Herausforderung, zum Beispiel wenn es vom Spielen zum Anziehen in die Garderobe geht. Wichtig ist, dass die Kita-Kr\u00e4fte das Kind feinf\u00fchlig und achtsam begleiten.<\/p>\n<p class=\"interview-frage\">Welche Eingew\u00f6hnungsmodelle gibt es denn eigentlich?<\/p>\n<p>Es gibt eine Reihe von Modellen. Das bekannteste ist wahrscheinlich das sogenannte &#8222;Berliner Modell&#8220;, das sich sehr stark auf die Bindungstheorie bezieht. Der Fokus liegt darauf, dass das Kind zu einer vorher festgelegten Fachkraft eine Beziehung aufbaut. Dann gibt es noch das M\u00fcnchner Eingew\u00f6hnungsmodell. Dieses Modell st\u00fctzt sich nicht nur auf eine festgelegte Bezugsfachkraft, sondern bezieht das gesamte Setting mit ein. Hier geht es vorrangig darum, dass Kind und Eltern den Tagesablauf und die R\u00e4umlichkeiten der Kita kennenlernen.<\/p>\n<p class=\"interview-frage\">Die Modelle sind tats\u00e4chlich recht bekannt, mehr w\u00fcrden mir auf Anhieb aber nicht einfallen. Gibt es noch mehr?<\/p>\n<p>In den letzten Jahren ist das sogenannte T\u00fcbinger Modell etwas st\u00e4rker in den Blick geraten, das sich vor allem auf die Eingew\u00f6hnung innerhalb einer Peergroup konzentriert. Auch bei diesem Modell ist der Beziehungsaufbau zu den Fachkr\u00e4ften wichtig. Der Fokus liegt jedoch darauf, dass sich neue Kinder und Eltern untereinander bekannt machen und sich gegenseitig unterst\u00fctzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dann gibt es noch das Partizipatorische Eingew\u00f6hnungsmodell. Es ist bindungsorientiert und hat die individuellen Bed\u00fcrfnisse der Kinder im Blick. Sowohl Kinder als auch Eltern werden partizipativ in den Prozess der Eingew\u00f6hnung eingebunden. Es gibt keinen festen Zeitplan, vielmehr wird auf Signale des Kindes oder des begleitenden Elternteils geachtet, ob beide bereit f\u00fcr eine erste Trennung sind.<\/p>\n<p class=\"interview-frage\">Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen den Modellen?<\/p>\n<p class=\"zwischentitel-h4\">Alle Modelle haben gemeinsam, dass sie die Trennungsphasen schrittweise ausdehnen, von anfangs nur wenigen Minuten bis hin zur angestrebten Betreuungszeit. Eine Kita sollte aber nicht starr an einem Modell festhalten, sondern sich immer auf das Kind und die jeweilige Familie einstellen. Besser als ein starres Modell ist eine individuelle Strategie, in dem Kind, Eltern und Kita zusammenwirken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berliner Modell, M\u00fcnchner Modell oder doch das T\u00fcbinger? 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