{"id":424413,"date":"2025-09-15T10:47:13","date_gmt":"2025-09-15T10:47:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/424413\/"},"modified":"2025-09-15T10:47:13","modified_gmt":"2025-09-15T10:47:13","slug":"mythos-berlusconi-die-deutsche-angst-vor-media-for-europe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/424413\/","title":{"rendered":"Mythos Berlusconi: Die deutsche Angst vor Media for Europe"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/1743675523_mediaforeurope.jpg\" alt=\"Mediaforeurope\" title=\"Mediaforeurope\" width=\"100%\"\/><br \/>\n\t\t\t\t\u00a9 MFE<\/p>\n<p>\t\t\tProSiebenSat.1 wird schon bald Teil eines gro\u00dfen europ\u00e4ischen TV-Konzerns. Media for Europe (MFE, fr\u00fcher Mediaset) hat seine Beteiligung an der Unterf\u00f6hringer Sendergruppe in den zur\u00fcckliegenden Jahren immer weiter aufgestockt. Im Rahmen eines freiwilligen \u00dcbernahmeangebots sicherte man sich zuletzt mehr als 75 Prozent am Unternehmen &#8211; und kann damit bei ProSiebenSat.1 k\u00fcnftig durchregieren (<a href=\"https:\/\/www.dwdl.de\/nachrichten\/103644\/freie_bahn_fuer_mfe_berlusconi_sichert_sich_volle_kontrolle_ueber_p7s1\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">DWDL.de berichtete<\/a>). Den Italienern schl\u00e4gt allerdings viel Misstrauen entgegen.&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>Allen voran der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) positionierte sich schon vor Wochen klar gegen die \u00dcbernahme. Es bestehe die Gefahr, dass die deutschen Sendern auf &#8222;populistische Berlusconi-Linie&#8220; getrimmt w\u00fcrden, hie\u00df es. Und als sich abzeichnete, dass MFE die Mehrheit an ProSiebenSat.1 bekommen wird, nannte man das &#8222;bedauerlich&#8220;. Aber auch auf den h\u00f6chsten Ebenen der Politik ist die \u00dcbernahme genau beobachtet worden. Kultur- und Medienstaatsminister Wolfram Weimer mahnte, dass die journalistische Unabh\u00e4ngigkeit bestehen bleiben m\u00fcsse. Weimer forderte au\u00dferdem eine Standortgarantie und empfing MFE-Boss Pier Silvio Berlusconi, Sohn des 2023 verstorbenen Firmenpatriarchen Silvio Berlusconi, im Kanzleramt.\u00a0<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Die latente Angst vieler Branchenbeobachter rund um die \u00dcbernahme ist schwer zu greifen. DWDL.de hat in den zur\u00fcckliegenden Tagen und Wochen mit vielen Experten gesprochen, die in der Branche arbeiten und auch den italienischen und spanischen Markt gut kennen. F\u00fcr sie steht fest: Die Angst ist vor allem eine abstrakte. Und das allen voran wegen des Namens &#8222;Berlusconi&#8220;.\u00a0<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\nBunga Bunga hallt bis heute nach&#13;<\/p>\n<p>Vor allem der Name Silvio Berlusconi schreckt hierzulande noch immer viele Menschen auf. Das Wirken des 2023 verstorbenen Berlusconi war aus mehreren Gr\u00fcnden problematisch. Der &#8222;Cavaliere&#8220;, wie er oft auch genannt wurde, war zun\u00e4chst nur einflussreicher Medienmanager, ging dann aber auch in die Politik und war auch lange Ministerpr\u00e4sident. In dieser Zeit sorgte er f\u00fcr mehrere Kontroversen: Kritiker warfen ihm vor, durch Justizreformen sich oder Freunde vor Ermittlungen und Strafverfahren sch\u00fctzen zu wollen. Durch den starken Einfluss der Regierung auf die \u00f6ffentlich-rechtliche RAI stand ein Gro\u00dfteil des TV-Marktes unter der Kontrolle von Berlusconi, auf die Mediaset-Sender hatte Berlusconi ohnehin Zugriff. Immer wieder kam es zu offensichtlichen Interessenkonflikten zwischen dem Medienmanager Berlusconi auf der einen und dem Politiker Berlusconi auf der anderen Seite.\u00a0<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n<a href=\"#\" title=\"Gro\u00dfbild im Popup-Fenster\" target=\"iview\" onclick=\"javascript:open('\/\/www.dwdl.de\/images\/1757929239_silvio-berlusconi.jpg', 'popup-beispiel', 'width=1200,resizable=yes')\"><br \/>\n\t\t\t\t<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/1757929239_silvio-berlusconi.jpg\" alt=\"Silvio Berlusconi\" title=\"Silvio Berlusconi - Gro\u00dfbild im Popup-Fenster\" width=\"100%\"\/><\/a><br \/>\n\t\t\t\t\u00a9 IMAGO \/ Insidefoto<br \/>\n\t\t\t\tSilvio &#8222;Il Cavaliere&#8220; Berlusconi ist daf\u00fcr verantwortlich, dass viele Branchenbeobachter auch heute noch Angst vor der P7S1-\u00dcbernahme durch MFE haben.<br \/>\n\t\t\t&#13;<\/p>\n<p>Hinzu kamen die inzwischen legend\u00e4ren Bunga-Bunga-Partys und die offensichtliche Freundschaft zwischen Berlusconi und dem russischen Pr\u00e4sidenten Wladimir Putin. Es gibt aber durchaus auch eine andere Seite: Silvio Berlusconi gilt als ein Erfinder des europ\u00e4ischen Privatfernsehens in seiner heutigen Form. Also ein Fernsehen, das die Unterhaltung in den Mittelpunkt stellt. Das war und ist nicht immer niveauvoll, der unternehmerische Erfolg gab Berlusconi jedoch lange recht.\u00a0<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Nun ist Silvio Berlusconi seit mehr als zwei Jahren tot, das Medienimperium wird von seinem Sohn Pier Silvio gef\u00fchrt. Der hat, anders als sein Vater, bislang keine politischen Ambitionen gezeigt. Im Gegenteil: Im Gespr\u00e4ch mit DWDL.de best\u00e4tigen mehrere Kenner der Branche, dass Pier Silvio Berlusconi in erster Linie ein Unternehmer ist, der seine Sender weniger als politisches Sprachrohr versteht, sondern als M\u00f6glichkeit, um Geld zu verdienen. &#8222;MFE will unterhalten und Werbung verkaufen&#8220;, sagt ein Experte. Und: Wenn es ein wirtschaftliches Rekordjahr und eine wichtige Auszeichnung gegeben habe, sei immer klar gewesen, was der Unternehmensf\u00fchrung wichtiger gewesen ist: Das Geld. Das war schon immer so. Bei MFE gelten, anders als in Deutschland, die Werbezeitenverk\u00e4ufer als K\u00f6nige des Unternehmens.<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\nEs geht vor allem ums Geld&#13;<\/p>\n<p>&#8222;Das sind seri\u00f6se Gesch\u00e4ftsm\u00e4nner&#8220;, urteilt ein anderer Branchenbeobachter \u00fcber das aktuelle MFE-Management, der sich \u00e4rgert, dass in Deutschland noch immer viele glauben, beim italienischen Medienkonzern w\u00fcrden verr\u00fcckte Politiker agieren, die auch heute noch Bunga-Bunga-Partys feiern. Von Pier Silvio Berlusconi sind solche Eskapaden ohnehin nicht bekannt. Die fehlenden politischen Ambitionen des starken Mannes bei MFE sind auch deshalb erw\u00e4hnenswert, weil die von seinem Vater gegr\u00fcndete Partei Forza Italia auch heute noch am finanziellen Tropf der Familie h\u00e4ngt. Die Partei steckt zudem in einer Identit\u00e4tskrise. Wenn Pier Silvio und seine Geschwister wollen w\u00fcrden, k\u00f6nnten sie die Partei wohl einfach nach eigenen Vorstellungen umformen. Zumindest bislang ist das nicht passiert.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Pier Silvio Berlusconi und Media for Europe ging und geht es also vor allem ums Geld. Und die Vermutung liegt nahe, dass das auch bei der \u00dcbernahme von ProSiebenSat.1 so ist. MFE hat sich mit dieser \u00dcbernahme bekanntlich viel Zeit gelassen und wollte auch am Ende immer nur das absolute Minimum zahlen. Die Strategie ist aufgegangen: Man konnte ProSiebenSat.1 einigerma\u00dfen g\u00fcnstig erwerben und hat nun Zugriff auf einen der wichtigsten Werbem\u00e4rkte in Europa.<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p>Dass die Werbeeinnahmen aber nur sprudeln, wenn man ein gutes Programm hat, wissen sie auch in Mailand. Nicht umsonst k\u00fcndigte Pier Silvio Berlusconi nach dem Besuch bei Wolfram Weimer an, nicht nur die journalistische Freiheit von ProSiebenSat.1 wahren zu wollen, sondern auch ein &#8222;lokaleres Angebot&#8220; bieten zu wollen. Man wolle &#8222;mehr Nachrichten, mehr Unterhaltungssendungen und mehr Fernsehserien \u2013 und im Laufe der Zeit weniger zugekauften Formaten&#8220;. Das sind eher nicht die Worte eines Finanzhais oder einer Person, die einen Sender stramm auf seine eigene, politische Linie bringen will.\u00a0<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\nT\u00fcrkische Telenovelas gr\u00f6\u00dfter Eingriff ins Programm&#13;<\/p>\n<p>In Italien und Spanien ist Pier Silvio Berlusconi bislang jedenfalls nicht mit Eingriffen ins Programm aufgefallen, die nahelegen w\u00fcrden, er wollte die Sender politisch f\u00e4rben. \u00dcber eine Ausnahme berichtete vor einiger Zeit jedoch die italienische Tageszeitung &#8222;Il Messaggero&#8220;. Dort hie\u00df es, Pier Silvio Berlusconi habe seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angewiesen, t\u00fcrkische Telenovelas zu kaufen und auf der eigenen Streamingplattform verf\u00fcgbar zu machen. Der Grund: Seine Mutter soll diese Serien besonders gerne schauen.\u00a0<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n&#13;<\/p>\n<p>Sollten sich die Eingriffe von Berlusconi bei ProSiebenSat.1 auf diesem Niveau bewegen, muss in Unterf\u00f6hring und Berlin niemand Angst haben um die Unabh\u00e4ngigkeit der deutschen Sendergruppe. Eins steht jedenfalls auch jetzt schon fest: Pier Silvio Berlusconi ist nicht wie sein Vater. Der &#8222;Cavaliere&#8220; hat die Deutschen aber sehr gepr\u00e4gt &#8211; und das vor allem im negativen Sinne. Das muss sein Sohn nun ausbaden. Bislang f\u00e4hrt der aber eine erkennbare andere Linie.\u00a0<\/p>\n<p>&#13;<\/p>\n<p><strong>In den kommenden Tagen geht es in unserer Wochenserie MFE x PS71 u.a. um die Frage, wie MFE eigentlich in Italien und Spanien aufgestellt ist &#8211; und was sich daraus m\u00f6glicherweise f\u00fcr den Einstieg in Deutschland ableiten l\u00e4sst.\u00a0<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u00a9 MFE ProSiebenSat.1 wird schon bald Teil eines gro\u00dfen europ\u00e4ischen TV-Konzerns. 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