{"id":425975,"date":"2025-09-16T01:09:15","date_gmt":"2025-09-16T01:09:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/425975\/"},"modified":"2025-09-16T01:09:15","modified_gmt":"2025-09-16T01:09:15","slug":"veech-x-veech-entfesselung-am-schneeberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/425975\/","title":{"rendered":"Veech x Veech: Entfesselung am Schneeberg"},"content":{"rendered":"<p class=\"paragraph article__item\">Es ist die perfekte Idylle: Der kleine Ort H\u00f6flein im Schneeberggebiet in Nieder\u00f6sterreich ist umgeben von saftig gr\u00fcnen W\u00e4ldern und Wiesen, auf denen K\u00fche grasen. Auf einem H\u00fcgel thront die Wallfahrtskirche Maria Kirchb\u00fcchl. Und in der Ferne vollenden die pittoresken Felsw\u00e4nde der Hohen Wand das Postkartenbild.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Seit Ende 2024 aber gibt es einen Fremdk\u00f6rper in dem l\u00e4ndlichen <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/ensemble\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ensemble<\/a>: einen acht Meter hohen, streng geometrischen Sichtbetonquader, aus Fertigteilen errichtet, der mit gro\u00dfz\u00fcgig dimensionierten Fenstern und drei Oberlichtstreifen Sonnen- und Schattenspiele im Inneren des Geb\u00e4udes erm\u00f6glicht. Das Studio, dessen Name X2732 ein wenig nach den Robotern aus den Star-Wars-Filmen klingt (sich in Wahrheit aber nur auf die Postleitzahl des Ortes H\u00f6flein bezieht), ist gleicherma\u00dfen Atelier, Ausstellungsraum und Diskurszone.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Geplant, errichtet und weitgehend selbst finanziert haben das Bauwerk Mascha und Stuart Veech, ein Ehepaar, das in Wien das Architekturb\u00fcro Veech x Veech betreibt. Mit ihrer architektonischen Intervention, die in der Region durchaus wohlwollend aufgenommen wurde, verkn\u00fcpfen sie eine sehr konkrete Agenda. &#8222;Es ist ein Ort, an dem Dialog m\u00f6glich wird&#8220;, sagt Stuart Veech, &#8222;generationen\u00fcbergreifend, disziplin\u00fcbergreifend, sprachoffen.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Mit ihrem Monument der Moderne bieten die Architekten nicht zuletzt der Kunst von Mascha Veechs Eltern einen angemessenen Showroom. Der Bildhauer Vadim Kosmatschof, geboren 1938, und die Malerin und Textilk\u00fcnstlerin Elena Koneff, geboren 1939, beide geb\u00fcrtige Moskauer, verheiratet seit mehr als 60 Jahren, litten in der Sowjetunion unter politischer Repression und k\u00fcnstlerischer Enge. Trotz gro\u00dfer b\u00fcrokratischer Schwierigkeiten gelang ihnen 1979 die Ausreise. Fortan migrierten sie durch den deutschsprachigen Raum, betrieben ein Atelier und realisierten gro\u00df dimensionierte Projekte zwischen abstrakter Skulptur und Architektur. 2011 zogen sie aus Wiesbaden in das nieder\u00f6sterreichische H\u00f6flein, in ein \u2013 ebenfalls von Tochter und Schwiegersohn entworfenes und im Wald oberhalb des Ortes verborgenes \u2013 anthrazitfarbenes Haus, das an eine quer gestellte Schachtel erinnert. Es ist gleicherma\u00dfen R\u00fcckzugsraum wie Kreativzelle, in der die beiden K\u00fcnstler an neuen Werken s\u00e4gen, fr\u00e4sen, gie\u00dfen, weben und kn\u00fcpfen. Davon zeugt auch ein Skulpturengarten mit kinetischen Arbeiten von Kosmatschof, die eine formal-abstrakte Souver\u00e4nit\u00e4t behaupten und sich trotzdem organisch ins Naturgeschehen einf\u00fcgen und mit Flatterbewegungen und Ger\u00e4uschen auf Wind und Wetter reagieren.\n<\/p>\n<p>    <a class=\"volume-teaser__link\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2025\/39\/index\" title=\"Zur Ausgabe DIE ZEIT Nr.\u00a039\/2025\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>                <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"volume-teaser__media-item volume-teaser__media-item--landscape\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/1757521580_22_original__120x86.jpeg\" alt=\"\" width=\"120\" height=\"86\"\/><\/p>\n<p>        Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 39\/2025. Hier k\u00f6nnen Sie die gesamte Ausgabe lesen.<\/p>\n<p>            Ausgabe entdecken<\/p>\n<p>    <\/a><\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Im Studio X2732 kann man derzeit eine faszinierende Schau von Kosmatschof und Koneff sehen, die von der Albertina-Modern-Direktorin Angela Stief kuratiert wurde und noch bis Ende November l\u00e4uft. Die Ausstellung Grenzg\u00e4nger zeigt vor allem Werke aus der sowjetischen Phase des K\u00fcnstlerpaares aus den 1970er-Jahren. Die Wassermaschinen von Vadim sind faszinierende, fragile Gebilde aus Industrieporzellan, verst\u00e4rkt durch golden schimmernde, spitze Metallstreben, die nicht im Inneren versteckt, sondern, gleich einem \u00e4u\u00dferen Skelett, an der Au\u00dfenseite sichtbar gemacht werden. Ein verspieltes Memento an das Industriezeitalter, das die Funktionalit\u00e4t der Apparatewelt in einen zweckbefreiten Schaugenuss verwandelt.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die an der Wand befestigten Black Reliefs von Elena markieren dazu einen starken Kontrast: Die aus der Tradition der Tapisserie stammenden Kn\u00fcpfarbeiten gehen weit \u00fcber deren \u00e4sthetische Grenzen hinaus. F\u00e4den aus Sisal und anderen Garnen werden so gewebt, geknotet und geflochten, dass Muster und Ausbuchtungen entstehen, die der klassischen Hochwebtechnik mehr Tiefe, K\u00f6rper und Plastizit\u00e4t verleihen. Auf diese Weise entstehen Muster und Liniensysteme, die an Kartografien des Aberwitzes denken lassen oder an bizarre Mutationen mit &#8222;Schreibfehlern&#8220; im Bauplan.\n<\/p>\n<p>                            Family-Business: Vadim Kosmatschof (r.) und  Elena Koneff (Mitte) mit Tochter Mascha (l.),  Schwiegersohn Stuart (2. v. r.) und Enkel Philip Veech            \u00a9\u00a0Clemens Schmiedbauer<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die beiden starken und schauerlich-sch\u00f6nen Positionen werden erg\u00e4nzt und kontrastiert durch Arbeiten des Schwiegersohnes Stuart Veech, opake Objekte in der Traditionslinie des US-amerikanischen Minimalismus: schwarze synthetische Membranen, die wie straff gezurrte H\u00e4ute bis an die Rei\u00dfgrenze \u00fcber B\u00f6gen aus Metall gezogen werden.\n<\/p>\n<p>                            \u00a9\u00a0ZEIT ONLINE<\/p>\n<p>\n                                        Newsletter<br \/>\n                                        Gemischter Satz \u2013 der Newsletter der ZEIT \u00d6sterreich<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__text\">Aktuelles, Bemerkenswertes oder Beil\u00e4ufiges \u00fcber die Kultur, die Politik, den Alltag und die Absurdit\u00e4ten des kleinen Landes da im S\u00fcden mit seinen Bergen und Weinh\u00e4ngen. Jeden Freitag neu.<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__datapolicy\" hidden=\"\">\n            Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die <a href=\"https:\/\/datenschutz.zeit.de\/zon#Newsletter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Datenschutzerkl\u00e4rung<\/a> zur Kenntnis.\n        <\/p>\n<p>    Vielen Dank! Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.<\/p>\n<p>Pr\u00fcfen Sie Ihr Postfach und best\u00e4tigen Sie das Newsletter-Abonnement.<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die Geschichte des Familienclans, der das Urbane mit dem L\u00e4ndlichen verkn\u00fcpft und das Organisch-Biologische mit dem Technisch-Industriellen in ein \u00e4sthetisches Spannungsverh\u00e4ltnis setzt, birgt die Geschichte der politischen Verwerfungen und k\u00fcnstlerischen Revolutionen des 20. und 21. Jahrhunderts wie in einer Nussschale. Vor allem wenn die beiden Altvorderen erz\u00e4hlen, wird schnell klar, welch lange k\u00fcnstlerische Reise hier unternommen wurde.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Schon in der ersten Ausbildungszeit am Kunstgymnasium in Moskau, als die Doktrin des Sozialistischen Realismus Leitlinie war, konnten die Nachwuchsk\u00fcnstler von den verbotenen Fr\u00fcchten der sowjetischen Avantgarde der 1920er-Jahre naschen. Denn in Kellerdepots der nahegelegenen Tretjakow-Galerie lagerten die Werke jener Universalk\u00fcnstler des russischen Konstruktivismus, die in der Stalinschen Diktatur zunehmend ge\u00e4chtet worden waren: Wladimir Tatlin, Alexander Rodtschenko, El Lissitzky und Kasimir Malewitsch waren Formzertr\u00fcmmerer und Kunsterneuerer, die Gattungsgrenzen ignorierten und sich mit schwereloser Eleganz zwischen Malerei, Plastik, Architektur, M\u00f6bel-Entwurf, B\u00fchnenbild und Plakatgestaltung bewegten.\n<\/p>\n<p>Z+<\/p>\n<p>                <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2025\/39\/gym-verena-kessler-fitnesswahn-selbstoptimierung-erfolg\" data-ct-label=\"&quot;Gym&quot; von Verena Ke\u00dfler: Stark auf Steroiden\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>        Z+ (abopflichtiger Inhalt);<\/p>\n<p>    &#8222;Gym&#8220; von Verena Ke\u00dfler:<br \/>\n                        Stark auf Steroiden<\/p>\n<p>                <\/a><\/p>\n<p>                <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/kultur\/2025-09\/nrw-wahlen-demokraten-afd-abgrenzung-gruene\" data-ct-label=\"NRW-Wahlen: Man muss wirklich was wollen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>        Z+ (abopflichtiger Inhalt);<\/p>\n<p>    NRW-Wahlen:<br \/>\n                        Man muss wirklich was wollen<\/p>\n<p>                <\/a><\/p>\n<p>                <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/kultur\/2025-09\/was-darf-israel-buch-hamed-abdel-samad-philipp-peyman-engel-streitgespraech\" data-ct-label=\"&quot;Was darf Israel?&quot;: Und wenn sich Terroristen und Terrorbek\u00e4mpfer immer \u00e4hnlicher werden?\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>        Z+ (abopflichtiger Inhalt);<\/p>\n<p>    &#8222;Was darf Israel?&#8220;:<br \/>\n                        Und wenn sich Terroristen und Terrorbek\u00e4mpfer immer \u00e4hnlicher werden?<\/p>\n<p>                <\/a><\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Diese undogmatische Weltaneignung pr\u00e4gte auch die Kunstauffassung von Kosmatschof und Koneff und ist bis heute ihre Triebkraft: Im Zusammenspiel mit ihrer Tochter Mascha und dem Schwiegersohn Stuart Veech entstehen Raumkonzepte und spannungsgeladene Objekt-Assemblagen, die das russische Erbe aufgreifen und in die Lingua franca einer geistig befreiten Globalkunst \u00fcbersetzen. Eingebettet ins Hier und Jetzt und trotzdem mit einem leicht akzentgef\u00e4rbten k\u00fcnstlerischen Zungenschlag ausgestattet, der eine heroische Avantgarde aus der Vergangenheit als zukunftsgerichtete Phantasmagorie beschw\u00f6rt.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Und so beherbergt ausgerechnet das kleine H\u00f6flein an der Hohen Wand mit dem Studio X2732 ein in \u00d6sterreich einzigartiges Projekt der k\u00fcnstlerischen Selbsterm\u00e4chtigung und einer stilistischen Entfesselung: &#8222;Es geht um die Bereitschaft, radikale Entscheidungen zu treffen, kompromisslos und jenseits von Konventionen&#8220;, sagt Vadim Kosmatschof, der gro\u00dfe Kommunikator der Familie. Er deutet auf die Skulptur Unfolding Square, einen der Blickf\u00e4nge der Ausstellung. Das drei Meter hohe Objekt aus schillerndem Aluminium faltet sich mit seinen asymmetrisch ineinandergeschachtelten Dreiecksformen auseinander wie eine Riesenbl\u00fcte und spiegelt das umgebende Geschehen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Er habe immer danach gestrebt, dass die Skulptur kein abgeschlossenes Objekt sei, sagt Kosmatschof. Es solle vielmehr in einen Dialog mit der Umgebung treten. &#8222;Licht macht das m\u00f6glich: Es verwandelt die Form in ein Ereignis.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es ist die perfekte Idylle: Der kleine Ort H\u00f6flein im Schneeberggebiet in Nieder\u00f6sterreich ist umgeben von saftig gr\u00fcnen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":425976,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1775],"tags":[2250,1793,29,29137,214,30,80,1794,1433,4958,215,111598,6296,4544],"class_list":{"0":"post-425975","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kunst-und-design","8":"tag-architektur","9":"tag-art-and-design","10":"tag-deutschland","11":"tag-ensemble","12":"tag-entertainment","13":"tag-germany","14":"tag-kultur","15":"tag-kunst-und-design","16":"tag-oesterreich","17":"tag-sowjetunion","18":"tag-unterhaltung","19":"tag-veech-x-veech","20":"tag-wien","21":"tag-wiesbaden"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115211309151476809","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/425975","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=425975"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/425975\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/425976"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=425975"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=425975"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=425975"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}