{"id":426565,"date":"2025-09-16T06:45:21","date_gmt":"2025-09-16T06:45:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/426565\/"},"modified":"2025-09-16T06:45:21","modified_gmt":"2025-09-16T06:45:21","slug":"monet-waere-begeistert-gewesen-diese-ausstellung-in-der-kunsthalle-muenchen-lohnt-sich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/426565\/","title":{"rendered":"Monet w\u00e4re begeistert gewesen: Diese Ausstellung in der Kunsthalle M\u00fcnchen lohnt sich"},"content":{"rendered":"<p>Claude Monet w\u00e4re begeistert von diesem Blumenmeer, in dem man in M\u00fcnchner Kunsthalle von virtuellen Bl\u00fcten und Bl\u00e4ttern umsp\u00fclt wird. Seine ber\u00fchmten Seerosen tun ja nichts anderes, ruhiger vielleicht, weniger wild in den Formen und Farben. Aber das ist es doch, was dem gro\u00dfen Impressionisten vor mehr als 100 Jahren vorgeschwebt hatte: das v\u00f6llige Eintauchen in die Malerei, ein horizontloses Rundumerlebnis, wie es erst nach seinem Tod 1926 in der Orangerie gleich hinterm Pariser Louvre realisiert wurde.<\/p>\n<p>Der Clou dort sind die meterlangen Teichansichten um einen ovalen Saal herum. Das ist die Steigerung, die Miguel Chevalier aufgreift, um sich mit dieser Arbeit vor einem seiner Heroen zu verneigen. Und das ausgerechnet als Pionier der digitalen Kunst, der hier 2023 auch noch zum ersten Mal die K\u00fcnstliche Intelligenz mit ins Boot geholt hat.<\/p>\n<p>Inspiration holt sich Chevalier aus der Natur<\/p>\n<p>Der 66-j\u00e4hrige Franzose bezieht seine Inspirationen oft genug aus der Natur und wirft damit die \u00fcblichen Klischees \u00fcber den Haufen. Ungef\u00e4hr so wie die Strukturen, die sich gleich im ersten Raum an den W\u00e4nden entwickeln, bereits durch eine kleine Bewegung im Publikum kippen, l\u00f6chrig werden wie Netzstr\u00fcmpfe oder in sich zusammenfallen, um im n\u00e4chsten Moment wieder neue Formationen zu bilden.<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/1602592_artikelbild_1EMNNL_7h4TtB.jpg\" alt=\"Rot-Gr\u00fcn-Blau: Miguel Chevalier posiert in der Kunsthalle symboltr\u00e4chtig dem additiven Farbraum der digitalen Welt.\" title=\"Rot-Gr\u00fcn-Blau: Miguel Chevalier posiert in der Kunsthalle symboltr\u00e4chtig dem additiven Farbraum der digitalen Welt.\" width=\"812\" height=\"459\"\/><\/p>\n<p>      Rot-Gr\u00fcn-Blau: Miguel Chevalier posiert in der Kunsthalle symboltr\u00e4chtig dem additiven Farbraum der digitalen Welt.<br \/>\n      \u00a9 Patricia Sigerist\/imago<\/p>\n<p>    Rot-Gr\u00fcn-Blau: Miguel Chevalier posiert in der Kunsthalle symboltr\u00e4chtig dem additiven Farbraum der digitalen Welt.<\/p>\n<p>von Patricia Sigerist\/imago <\/p>\n<p>&#8222;}&#8220;&gt; <\/p>\n<p>&#8222;The Origin of the World&#8220;, der Titel dieser interaktiven Installation, kommt auch nicht von ungef\u00e4hr, denn betrachtet man Gustave Courbets gleichnamiges Skandalgem\u00e4lde zur Abwechslung n\u00fcchtern, stehen am Beginn eines Organismus\u2018 ein, zwei Zellen und deren Teilung. Ohne \u00dcberma\u00df an Fantasie kann man solches aus Chevaliers Bilderfl\u00fcssen herauslesen, und geht es in den Mikrobereich, landet man bei den Pixeln. Die sind genauso unsichtbar wie die Zellen der Lebewesen, aber doch elementar. So banal das klingen mag.<\/p>\n<p>Wie in der Evolution spielt der Zufall die entscheidende Rolle<\/p>\n<p>Und noch eine Verbindung gibt es zur Evolution: Welches der 70 Muster dieses &#8222;Ursprungs der Welt&#8220; gerade zum Zug kommt, bestimmt der Zufall. Angetrieben von unfassbar komplizierten Algorithmen. In Winzschrift ausformuliert, f\u00fcllen die entsprechenden Programmierungen riesige W\u00e4nde.<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/1602702_artikelbild_1EMZgO_J9Rp6A.jpg\" alt=\"Miguel Chevaliers Arbeit &quot;Infinite Hexadecimal Memory Window&quot; aus dem Jahr 1992,\" title=\"Miguel Chevaliers Arbeit &quot;Infinite Hexadecimal Memory Window&quot; aus dem Jahr 1992,\" width=\"812\" height=\"459\"\/><\/p>\n<p>      Miguel Chevaliers Arbeit &#8222;Infinite Hexadecimal Memory Window&#8220; aus dem Jahr 1992,<br \/>\n      \u00a9 Nicolas Olivares\/Manuel Martinic<\/p>\n<p>    Miguel Chevaliers Arbeit &#8222;Infinite Hexadecimal Memory Window&#8220; aus dem Jahr 1992,<\/p>\n<p>von Nicolas Olivares\/Manuel Martinic <\/p>\n<p>&#8222;}&#8220;&gt; <\/p>\n<p>Einmal erlaubt sich Chevalier tats\u00e4chlich diesen Spa\u00df. F\u00fcr Normalos sind das g\u00e4nzlich undurchdringliche Baupl\u00e4ne, dabei hat Mastermind Miguel selbst bei Null angefangen. Computer gab es schon, aber die waren Anfang der 1980er Jahre noch den Wissenschaftlern vorbehalten.<\/p>\n<p>Erst nach Mitternacht darf Student Chevalier an den Rechner<\/p>\n<p>Ein Ingenieur verschaffte dem Studenten der Kunst und der Arch\u00e4ologie allerdings Zugang zum nationalen Recherchezentrum. Zwischen Mitternacht und sechs Uhr in der Fr\u00fch durfte Chevalier in der Programmiersprache Fortran seine ersten Codes zur Bildbearbeitung ausgr\u00fcbeln. Ein Stipendium in New York brachte dann die Gelegenheit, Grafikkarten und eine rudiment\u00e4re Zeichensoftware einzusetzen.<\/p>\n<p>Man kann sich das heute kaum vorstellen, jedes noch so lausige Notebook bietet ein Vielfaches mehr, als sich Chevalier in den k\u00fchnsten Tr\u00e4umen ausgemalt hatte. Sein Commodore Amiga 1000 aus dem Jahr 1985 wirkt in der Ausstellung wie ein sperriges Fossil aus antiken Zeiten. Wer bef\u00fcrchtet, dass sich Chevaliers erster umfassender Soloauftritt im deutschsprachigen Raum vornehmlich an die Anh\u00e4nger von Bits und Bytes richtet, wird sein buntes Wunder erleben. Das sinnliche Erfahren hat f\u00fcr ihn Priorit\u00e4t, da ist er durch und durch K\u00fcnstler mit dem Drang zur m\u00f6glichst breiten \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/1602703_artikelbild_1EMZic_oO9I8G.jpg\" alt=\"Miguel Chevaliers Installation &quot;The Eyes of the Machine&quot; (2019) im Ara Art Center, Seoul (S\u00fcdkorea).\" title=\"Miguel Chevaliers Installation &quot;The Eyes of the Machine&quot; (2019) im Ara Art Center, Seoul (S\u00fcdkorea).\" width=\"812\" height=\"459\"\/><\/p>\n<p>      Miguel Chevaliers Installation &#8222;The Eyes of the Machine&#8220; (2019) im Ara Art Center, Seoul (S\u00fcdkorea).<\/p>\n<p>    Miguel Chevaliers Installation &#8222;The Eyes of the Machine&#8220; (2019) im Ara Art Center, Seoul (S\u00fcdkorea).<br \/>\n &#8222;}&#8220;&gt; <\/p>\n<p>Schon der kleine Miguel ist fasziniert von Riveras Wandmalereien<\/p>\n<p>Schon als kleiner Bub hat Miguel mit seinem Vater &#8211; in den Sechzigern Direktor der franz\u00f6sischen Kulturinstitute Lateinamerikas &#8211; in Mexiko Museen und Palacios besucht und die ausladenden Wandmalereien Diego Riveras regelrecht verschlungen. Sie pr\u00e4gen diesen T\u00fcftler bis heute, zumal die Kunsthalle mit ihren gro\u00dfz\u00fcgigen R\u00e4umlichkeiten die idealen Voraussetzungen f\u00fcr seine Inszenierungen bietet. Und das betrifft l\u00e4ngst nicht nur die bewegten, teils von den Kompositionen Jacopo Baboni Schilingis begleiteten Installationen, die h\u00e4ufig auf ihr Gegen\u00fcber reagieren &#8211; und sei es, indem sie ein &#8222;Selfie&#8220; in geometrischen Mustern wiedergeben, das wie ein Mosaik anmutet.<\/p>\n<p>Ein Janus-Kopf, ausgespuckt vom 3D-Drucker<\/p>\n<p>Chevalier setzt freilich auch auf das Dreidimensionale und das physische Erfahren der sogenannten Voxel im Raum. Ein wie aus feuerroten Legoquadern gebauter Janus-Kopf steht f\u00fcr Vergangenheit und Zukunft und symbolisiert zugleich dieses \u0152uvre. Solche Objekte verbreiten immer noch Bastlercharme wie die \u00fcberdimensionalen Gitter-Sph\u00e4ren, die von der Decke h\u00e4ngen. Fluoreszierende Stahlst\u00e4be sind wie beim Mikado kreuz und quer durcheinandergewirbelt und bilden ein dichtes Geflecht, das unter dem vielsagenden Titel &#8222;Rhizomatic&#8220; an die unterirdischen Wurzelvernetzungen &#8211; Rhizome &#8211; von Pflanzen wie Ingwer oder den kaum zu b\u00e4ndigenden Giersch anspielen.<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/1602593_artikelbild_1EMNNM_P7javL.jpg\" alt=\"Digitale Legosteine: Dieser rote Januskopf von 2013 ist allerdings dem 3D-Drucker entschl\u00fcpft.\" title=\"Digitale Legosteine: Dieser rote Januskopf von 2013 ist allerdings dem 3D-Drucker entschl\u00fcpft.\" width=\"812\" height=\"459\"\/><\/p>\n<p>      Digitale Legosteine: Dieser rote Januskopf von 2013 ist allerdings dem 3D-Drucker entschl\u00fcpft.<br \/>\n      \u00a9 Thomas Granovsky\/Grand Palais Immersif<\/p>\n<p>    Digitale Legosteine: Dieser rote Januskopf von 2013 ist allerdings dem 3D-Drucker entschl\u00fcpft.<\/p>\n<p>von Thomas Granovsky\/Grand Palais Immersif <\/p>\n<p>&#8222;}&#8220;&gt; <\/p>\n<p>Quallengebilde treffen auf veritable Virenkugeln<\/p>\n<p>Im Verlauf der Schau gewinnt die digitale Natur auch mehr und mehr die Oberhand. Besonders anziehend sind dabei die Kunstharz-Blumen aus dem 3D-Drucker, die ein digitales Herbarium begleiten. Und dann wachsen da noch gefaltete Skulpturen aus dem Boden, die an die Glasvasen des Finnen Alvar Aalto erinnern.<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/1602594_artikelbild_1EMNNN_zbnbje.jpg\" alt=\"Miguel Chevalier erfindet komplexe Konstrukte wie in der Arbeit \u201eComplex Meshes\u201c (seit 2015). Diese Installationsansicht stammt aus dem Ara Art Center in Seoul.\" title=\"Miguel Chevalier erfindet komplexe Konstrukte wie in der Arbeit \u201eComplex Meshes\u201c (seit 2015). Diese Installationsansicht stammt aus dem Ara Art Center in Seoul.\" width=\"812\" height=\"459\"\/><\/p>\n<p>      Miguel Chevalier erfindet komplexe Konstrukte wie in der Arbeit \u201eComplex Meshes\u201c (seit 2015). Diese Installationsansicht stammt aus dem Ara Art Center in Seoul.<br \/>\n      \u00a9 Thomas Granovsky, Miguel Chevalier, VG Bild-Kunst 2025<\/p>\n<p>    Miguel Chevalier erfindet komplexe Konstrukte wie in der Arbeit \u201eComplex Meshes\u201c (seit 2015). Diese Installationsansicht stammt aus dem Ara Art Center in Seoul.<\/p>\n<p>von Thomas Granovsky, Miguel Chevalier, VG Bild-Kunst 2025 <\/p>\n<p>&#8222;}&#8220;&gt; <\/p>\n<p>Auch diese Spezies ist dem Fabber entschl\u00fcpft, wobei vieles der realen Natur so nah kommt, dass einem zwischen Quallengebilden und Virenkugeln ganz schummrig werden kann. In gewisser Weise gibt es das alles schon. Der Sch\u00f6pfung ist nichts mehr hinzuzuf\u00fcgen, das demonstriert ein Blick auf die bildsch\u00f6nen Referenzen aus botanischen und mineralogischen Sammlungen.<\/p>\n<p>&#8222;Ich bin ein digitaler Impressionist&#8220;<\/p>\n<p>Am Ende ist alles eine Frage der Perspektive und der Dimensionen, was Chevalier daraus webt, dennoch aufregend anders und neu. Er sei ein digitaler Impressionist, wirft der K\u00fcnstler in die Runde. Wenn man bedenkt, wie Monet und die ganze Zunft das kaum f\u00fcr die Augen Fassbare auf die Leinwand gebracht haben, kann man dieses Bekenntnis nur unterstreichen.<\/p>\n<p>&#8222;Digital by Nature. Miguel Chevalier\u201d bis 1. M\u00e4rz in der Kunsthalle M\u00fcnchen, t\u00e4glich 10 bis 20 Uhr, Katalog (<a href=\"https:\/\/www.abendzeitung-muenchen.de\/organisation\/hirmer\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hirmer<\/a>, 176 Seiten, in der Ausstellung 25, im Handel 39,90 Euro)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Claude Monet w\u00e4re begeistert von diesem Blumenmeer, in dem man in M\u00fcnchner Kunsthalle von virtuellen Bl\u00fcten und Bl\u00e4ttern&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":418715,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1775],"tags":[18063,1793,2076,29,214,30,1794,110828,1268,215],"class_list":{"0":"post-426565","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kunst-und-design","8":"tag-kunsthalle","9":"tag-art-and-design","10":"tag-ausstellung","11":"tag-deutschland","12":"tag-entertainment","13":"tag-germany","14":"tag-kunst-und-design","15":"tag-monet","16":"tag-muenchen","17":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115212630943768612","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/426565","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=426565"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/426565\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/418715"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=426565"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=426565"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=426565"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}