{"id":426636,"date":"2025-09-16T07:22:09","date_gmt":"2025-09-16T07:22:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/426636\/"},"modified":"2025-09-16T07:22:09","modified_gmt":"2025-09-16T07:22:09","slug":"proteste-in-frankreich-hauptsache-dagegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/426636\/","title":{"rendered":"Proteste in Frankreich: Hauptsache dagegen"},"content":{"rendered":"<p class=\"paragraph article__item\"><a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/frankreich\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Frankreich<\/a>, das Land der fortw\u00e4hrenden Revolte. Gerade erst hat eine diffuse Bewegung (Bloquons tout) versucht, Verkehr und Handel lahmzulegen; nun sind die Gewerkschaften an der Reihe. Falls Sie vorhatten, an diesem Donnerstag nach Frankreich zu reisen, verschieben Sie besser Ihre Pl\u00e4ne. Es wird wieder einmal gestreikt. Noch eine Woche sp\u00e4ter rollen die Traktoren, der f\u00fchrende Bauernverband hatte am 26. September zu einem &#8222;gro\u00dfen Aktionstag&#8220; aufgerufen. Und selbst der Pr\u00e4sident des vornehmen Unternehmerverbandes drohte am vergangenen Wochenende mit Protesten, falls diese oder jene Forderung seines Verbandes nicht erf\u00fcllt w\u00fcrde.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Aufruhr, wohin man schaut. Die widerspenstigen Gallier machen ihrem Ruf alle Ehre. Der neu ernannte <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/premierminister\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Premierminister<\/a> S\u00e9bastien Lecornu ist nicht zu beneiden.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Von Deutschland aus blicken wir mal mit Bewunderung und mal mit Entsetzen auf den unruhigen Nachbarn im Westen. Toll, die Franz\u00f6sinnen und Franzosen lassen sich nichts gefallen! Um Himmels willen, schon wieder Randale auf den Champs-\u00c9lys\u00e9es!\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Tats\u00e4chlich geh\u00f6ren die brennenden M\u00fclltonnen und berstenden Schaufensterscheiben zur franz\u00f6sischen Folklore. Die &#8222;Stra\u00dfe&#8220; ist eine politische Institution, seit die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger den K\u00f6nig 1789 erst aus dem Schloss in Versailles geholt und sp\u00e4ter hingerichtet haben. Das historische Erbe verpflichtet \u2013 ohne die Stra\u00dfe g\u00e4be es keine Republik. Trotzdem stellt sich in diesen Tagen die Frage: Was soll das? Oder besser: Was bringt das?\u00a0\u00a0\n<\/p>\n<p>            Proteste in Frankreich        <\/p>\n<p>Mehr zum Thema<\/p>\n<p>                <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2025-09\/regierungssturz-frankreich-finanzmarkt-staatsfinanzen-eurozone\" data-ct-label=\"Regierungssturz in Frankreich: Droht jetzt die n\u00e4chste Eurokrise?\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/p>\n<p>                        Regierungssturz in Frankreich:<br \/>\n                        Droht jetzt die n\u00e4chste Eurokrise?<\/p>\n<p>                <\/a><\/p>\n<p>                <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/2025-09\/regierungskrise-frankreich-emmanuel-macron-nachrichtenpodcast\" data-ct-label=\"Was Jetzt? - Die Woche: Frankreichs Kampf um Kontrolle\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/p>\n<p>                        Was Jetzt? &#8211; Die Woche:<br \/>\n                        Frankreichs Kampf um Kontrolle<\/p>\n<p>                <\/a><\/p>\n<p>                <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2025-09\/proteste-frankreich-regierung-sturz-haushalt\" data-ct-label=\"Proteste in Frankreich: Diffuse Wut, viel gr\u00f6\u00dfer als erwartet\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/p>\n<p>                        Proteste in Frankreich:<br \/>\n                        Diffuse Wut, viel gr\u00f6\u00dfer als erwartet<\/p>\n<p>                <\/a><\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Mit gro\u00dfer Zuverl\u00e4ssigkeit produzieren die Proteste in Frankreich immer dieselben Bilder, die dann in den Nachrichtenkan\u00e4len und sozialen Medien in Endlosschleifen wiederholt werden. So war es auch in der vergangenen Woche: Demonstranten, die mit M\u00fclleimern nach Polizisten werfen; ein angez\u00fcndeter Bus in Rennes; Tr\u00e4nengas rund um den Platz der Republik in Paris. Fast m\u00f6chte man darauf wetten, dass auch an diesem Donnerstag, wenn die Gewerkschaften demonstrieren, wieder irgendetwas in Flammen aufgeht.\u00a0\n<\/p>\n<p>                            \u00a9\u00a0Lea Dohle<\/p>\n<p>\n                                        Newsletter<br \/>\n                                        Was jetzt? \u2013 Der t\u00e4gliche Morgen\u00fcberblick<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__text\">Starten Sie mit unserem kurzen Nachrichten-Newsletter in den Tag. 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Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.<\/p>\n<p>Pr\u00fcfen Sie Ihr Postfach und best\u00e4tigen Sie das Newsletter-Abonnement.<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Man muss die Bereitschaft zur Gewalt und die Lust an der Zerst\u00f6rung nicht verharmlosen, \u00fcbrigens auch nicht die \u00dcbergriffe der franz\u00f6sischen Polizei, um festzustellen, dass es sich bei solchen Protesten nicht um eine Volkserhebung handelt. &#8222;Ich kenne mein Volk&#8220;, hatte der Anf\u00fchrer der radikalen Linken, <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/jean-luc-melenchon\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Jean-Luc M\u00e9lenchon<\/a>, vor den Protesten der vergangenen Woche geraunt und &#8222;eine gro\u00dfe revolution\u00e4re B\u00fcrgerbewegung&#8220; angek\u00fcndigt. Aber M\u00e9lenchon sei kein Lenin, stellt die Historikerin Marion Fontaine in der Tageszeitung\u00a0<a href=\"https:\/\/www.lemonde.fr\/politique\/article\/2025\/09\/06\/marion-fontaine-historienne-le-mouvement-bloquons-tout-est-sans-lien-avec-l-histoire-longue-des-mouvements-sociaux_6639167_823448.html?search-type=classic&amp;ise_click_rank=1\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Le Monde<\/a> k\u00fchl fest: &#8222;Wenn man zur Revolution aufruft oder jedenfalls zu einem Aufstand, muss das glaubw\u00fcrdig sein.&#8220; Anderenfalls, so Fontaine, laufe man Gefahr, der anderen politischen Seite in die H\u00e4nde zu spielen. Also denen, die mit jeder brennenden M\u00fclltonne den Untergang des Landes beschw\u00f6ren und darauf eine harte Reaktion verlangen.\u00a0\u00a0\n<\/p>\n<p>                        Protest wird f\u00fcr manche zum Selbstzweck        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Demonstrationen und Streiks werden in Frankreich meist von Linken organisiert. F\u00fcr manche von ihnen ist der Protest zu einer Lebensform geworden, zu einer Art Glaubensbekenntnis. <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2023\/07\/frankreich-proteste-reform-rentensystem\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Im Fr\u00fchjahr 2023, als in Frankreich monatelang gegen eine geplante Rentenreform demonstriert wurde, habe ich einen Gewerkschafter begleitet, einen pensionierten Lehrer<\/a>. Er ging zu den Kundgebungen mit derselben Routine wie ein gl\u00e4ubiger Christ zum Gottesdienst. Er trug immer dieselbe Jacke, dieselbe Jeans, dieselben Schuhe. Er traf auf den Demonstrationen immer dieselben Bekannten, gemeinsam wiederholten sie die immer selben Formeln.\u00a0Die Regierung wollte damals das Renteneintrittsalter von 62 auf 64 Jahre anheben. Erreicht haben die Proteste dagegen nichts. Ich hatte den Eindruck, mein Gewerkschafter hatte damit auch gar nicht gerechnet. Der Protest war in gewisser Weise zu einem Selbstzweck geworden. Die Wut, aus der er sich speiste, lief leer. Hauptsache, man war dagegen und auf der Stra\u00dfe.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">\u00c4hnlich ist es auch jetzt. Bloquons tout richtete sich urspr\u00fcnglich gegen die Sparpl\u00e4ne des fr\u00fcheren Premierministers Fran\u00e7ois Bayrou. Dieser verlor allerdings am 8. September im Parlament die Vertrauensabstimmung und reichte daraufhin seinen R\u00fccktritt ein; der Protest zwei Tage sp\u00e4ter fand trotzdem statt. Etwa 200.000 Menschen im ganzen Land beteiligten sich daran.\u00a0Auch die Gewerkschaften verbinden ihren Aufruf zu Streiks und Demonstrationen an diesem Donnerstag mit einer Petition unter dem Slogan Stop Budget Bayrou. Dass Bayrou gar nicht mehr im Amt ist? Macht nichts, hei\u00dft es. Lecornu, der neue Premierminister, wolle schlie\u00dflich auch sparen.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Der Politikwissenschaftler Vincent Martigny hat darauf hingewiesen, dass Wut in der Geschichte oft ein Ausl\u00f6ser f\u00fcr soziale Bewegungen gewesen sei. Heute hingegen blieben die Bewegungen dabei stehen, die Wut sei oft das einzige Motiv. Aber &#8222;Wut ist kein Programm&#8220;, <a href=\"https:\/\/le1hebdo.fr\/journal\/que-faire-des-nos-coleres\/559\/article\/la-colere-n-est-pas-un-programme-7335.html\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">schreibt Martigny<\/a>: &#8222;Aus Groll ist noch nie eine neue Welt entstanden.&#8220; Das gelte zumal in einer Zeit, in der die Wut politisch vor allem von Extremisten bewirtschaftet werde. \u00c4hnlich wie die Historikerin Fontaine warnt auch Martigny davor, dass die eigentlichen Nutznie\u00dfer der Proteste, selbst wenn sie sich nicht daran beteiligen, extrem rechte Parteien sein k\u00f6nnten. In Frankreich ist das vor allem der Rassemblement National (RN) um Marine Le Pen.\u00a0\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Immerhin hat der Chef des franz\u00f6sischen Unternehmerverbandes Patrick Martin seine Drohungen mittlerweile relativiert. Er will verhindern, dass die neue Regierung \u2013 au\u00dfer dem Premier ist sie noch gar nicht ernannt \u2013\u00a0Steuern erh\u00f6ht, statt zu sparen. Denn auch bei vielen Unternehmen sind Wut und Sorgen gro\u00df. &#8222;Unsere Rolle ist es, die Unzufriedenheit der Firmenchefs zu kanalisieren&#8220;, sagt Martin. Auf die Stra\u00dfe gingen diese aber nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Frankreich, das Land der fortw\u00e4hrenden Revolte. 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