{"id":426882,"date":"2025-09-16T09:35:17","date_gmt":"2025-09-16T09:35:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/426882\/"},"modified":"2025-09-16T09:35:17","modified_gmt":"2025-09-16T09:35:17","slug":"ford-streicht-1000-stellen-in-koeln-autobauer-stellt-auf-ein-schicht-betrieb-um","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/426882\/","title":{"rendered":"Ford streicht 1000 Stellen in K\u00f6ln \u2013 Autobauer stellt auf Ein-Schicht-Betrieb um"},"content":{"rendered":"<p>Die Firma Ford arbeitet seit 1930 in K\u00f6ln. Autos mit Verbrennermotoren sind bald Geschichte, die Zukunft ist auch hier elektrisch. Doch der Verkauf der Stromer l\u00e4uft mies, daher tritt die Firma auf die Kostenbremse \u2013 mal wieder.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Wegen schwacher Nachfrage nach Elektrofahrzeugen versch\u00e4rft der Autobauer Ford seinen Sparkurs und streicht in der K\u00f6lner Produktion weitere 1000 Stellen. Man stelle im Januar vom bisherigen Zwei-Schicht-Betrieb auf Ein-Schicht-Betrieb um, teilte das Unternehmen in K\u00f6ln mit. Schon vor knapp einem Jahr hatte das Management einen anderen Sparplan verk\u00fcndet, der zu scharfen Protesten und dem ersten Streik in der Geschichte der K\u00f6lner Ford-Werke gef\u00fchrt hatte. Erst k\u00fcrzlich hatten die Besch\u00e4ftigten diesen Sparplan z\u00e4hneknirschend akzeptiert.<\/p>\n<p>Das 2024 eingeleitete Vorhaben sieht vor, an dem Standort bis Ende 2027 insgesamt \u2013 also inklusive Verwaltung, Entwicklung und anderen Bereichen &#8211; 2900 Stellen einzusparen. Die Mitarbeiter sollen freiwillig gehen und Abfindungen bekommen oder in Altersteilzeit gehen. Dieses Sparvorhaben wird nun erweitert um bis zu 1000 Stellen \u2013 die genaue Zahl steht nicht fest, erst einmal soll mit der Arbeitnehmerseite gesprochen werden, m\u00f6glicherweise sind es am Ende knapp unter 1000.<\/p>\n<p>Der Zeitdruck ist hoch: Schon im Januar soll die Zahl der Arbeitspl\u00e4tze entsprechend reduziert sein. Sollten die Pl\u00e4ne umgesetzt werden, h\u00e4tte Ford in gut zwei Jahren nur noch etwa 7600 Besch\u00e4ftigte. Ende des vergangenen Jahrzehnts waren es rund 20.000 gewesen.<\/p>\n<p>Abfindungspakete werden bereitgelegt<\/p>\n<p>Am Dienstagmorgen erkl\u00e4rte das Ford-Management den Besch\u00e4ftigten der Produktion die Notwendigkeit der Ma\u00dfnahme. \u201eWir sind uns der Auswirkungen auf unsere Mitarbeitenden bewusst und setzen uns daf\u00fcr ein, die Betroffenen bestm\u00f6glich zu unterst\u00fctzen\u201c, hie\u00df es von dem Unternehmen. \u201eIn diesem Zusammenhang werden wir freiwillige Abfindungspakete anbieten.\u201c Die Konditionen f\u00fcr das freiwillige Ausscheiden werden aus dem ersten Sparprogramm \u00fcbernommen. Das von der IG Metall ausverhandelte Abfindungspaket gilt als relativ attraktiv f\u00fcr Arbeitnehmer.<\/p>\n<p>Die Einsparungen schlie\u00dfen betriebsbedingte K\u00fcndigungen vorerst aus. Sollte der Personalabbau aber deutlich unter den Erwartungen liegen und sollten zu wenige Besch\u00e4ftigte freiwillig gehen, wird der Druck schrittweise erh\u00f6ht und am Ende k\u00f6nnte Ford doch noch betriebsbedingt k\u00fcndigen.<\/p>\n<p>Fast hundert Jahre Ford in der Domstadt<\/p>\n<p>Die Ford-Werke sind seit 1930 in K\u00f6ln, die Deutschlandtochter des US-Konzerns hat eine gro\u00dfe Tradition. Mit dem Kleinwagen Fiesta gelang ihr im letzten Viertel des vergangenen Jahrhunderts ein Kassenschlager, das Auto war solide, simpel und billig. Sp\u00e4ter wurde der Fiesta technisch verbessert und komfortabler, aber auch teurer. Die Erfolgsgeschichte endete, im Sommer 2023 lief in K\u00f6ln der letzte Fiesta vom Band.<\/p>\n<p>Ford stellte das Werk in K\u00f6ln auf Elektroproduktion um, das kostete fast zwei Milliarden Euro. Mit dem Schwenk auf die E-Mobilit\u00e4t waren die Amerikaner sp\u00e4t dran, die Konkurrenz war schon weiter. Dennoch machten die Investitionen der Belegschaft Mut, dass ihr Standort auch nach der Verbrennermotoren-\u00c4ra eine Zukunft haben k\u00f6nnte. Politprominenz kam zur Er\u00f6ffnung des Elektrowerks und hielt aufmunternde Reden, darunter der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz (CDU) oder NRW-Ministerpr\u00e4sident Hendrik W\u00fcst (CDU).<\/p>\n<p>Doch der Start der Elektroauto-Produktion stand unter keinen guten Vorzeichen. Kurz zuvor hatte die Bundesregierung eine Elektro-Kaufpr\u00e4mie gestrichen, die Nachfrage nach Stromern sank rapide \u2013 und ausgerechnet in dieser Schw\u00e4chephase platzierte Ford die neuen E-Modelle Explorer und Capri, die etwa 40.000 Euro oder mehr kosten und damit l\u00e4ngst nicht mehr im soliden G\u00fcnstig-Segment liegen, was doch eigentlich die St\u00e4rke von Ford war.<\/p>\n<p>Ern\u00fcchternde Absatzzahlen<\/p>\n<p>Der Verkauf verlief schleppend. Laut Kraftfahrtbundesamt (KBA) wurden in den Monaten Januar bis August in Deutschland rund 74.000 Ford-Pkw zugelassen, von denen rund 20.000 einen Elektroantrieb hatten. Hierbei inkludiert sind auch andere Elektroautos von Ford, die nicht in K\u00f6ln produziert werden \u2013 wie viele K\u00f6lner Stromer verkauft wurden, ist nicht bekannt. Der Marktanteil von Ford in Deutschland kletterte seit Jahresbeginn von 3 auf 4,5 Prozent. Es geht bergauf, aber auf niedrigem Niveau.<\/p>\n<p class=\"c-inline-teaser-list__headline\">Lesen Sie auch<\/p>\n<ul class=\"c-inline-teaser-list__content\">\n<li class=\"c-inline-teaser-list__element\">\n<p>Weltplus ArtikelEnergiewende<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ford begr\u00fcndet den neuen Personalabbau nun damit, dass die Nachfrage nach elektrischen Pkw in Europa deutlich unter den urspr\u00fcnglichen Branchenprognosen liege. Als die Firma Milliarden in das K\u00f6lner Elektrowerk investierte, ging sie im Jahr 2023 von einem Elektro-Anteil von 35 Prozent aller verkauften Autos am Markt insgesamt aus. Im R\u00fcckblick war das zu optimistisch, laut KBA liegt der Anteil von Stromern inzwischen nur bei 18 Prozent.<\/p>\n<p>Immerhin geht es nach oben \u2013 f\u00fcr Ford aber nicht steil genug. Mehrfach hatte das Unternehmen in seiner Produktion auf Kurzarbeit gesetzt, nun h\u00e4lt es aber strukturelle Ver\u00e4nderungen f\u00fcr n\u00f6tig und baut dauerhaft Personal ab.<\/p>\n<p>Branchenfachmann ist pessimistisch<\/p>\n<p>Branchenexperten sind nicht \u00fcberrascht von dem versch\u00e4rften Sparkurs. \u201eDas war leider absehbar: Ford verkauft viel zu teure Autos und bekommt die nicht verkauft, die Firma produziert auf Halde\u201c, sagt Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach. Die Marke Ford stehe f\u00fcr solide und g\u00fcnstige Autos, daher w\u00fcrden Elektroautos in der Preiskategorie unter 30.000 Euro besser zum Image passen. \u201eDie Amerikaner haben seit langem den falschen Blick auf den europ\u00e4ischen Markt und schie\u00dfen produkttechnisch daneben \u2013 die Entwicklung von Ford in K\u00f6ln ist ein Trauerspiel.\u201c<\/p>\n<p>Ein Ein-Schicht-Betrieb in einer modernen teuren Anlage, die auf eine hohe Kapazit\u00e4t ausgelegt ist, sei wirtschaftlich gesehen fragw\u00fcrdig. \u201eEs erscheint mir hier fast unm\u00f6glich, mit einer Schicht profitabel zu arbeiten\u201c, sagt Bratzel. \u201eEs geht bei Ford nur darum, Verluste einzud\u00e4mmen.\u201c Die Firma brauche schnell neue preisg\u00fcnstige Modelle, um am Markt doch noch Erfolg zu haben. \u201eSonst geht der Abbau weiter.\u201c<\/p>\n<p>dpa\/rct\/krott<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Firma Ford arbeitet seit 1930 in K\u00f6ln. 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