{"id":427422,"date":"2025-09-16T14:28:12","date_gmt":"2025-09-16T14:28:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/427422\/"},"modified":"2025-09-16T14:28:12","modified_gmt":"2025-09-16T14:28:12","slug":"acker-ohne-macker-kreuzer-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/427422\/","title":{"rendered":"Acker ohne Macker \u2014 kreuzer online"},"content":{"rendered":"<p>Die Genossenschaft Ackerilla aus Leipzig hat es sich zur Aufgabe gemacht, Landwirtschaft zu revolutionieren. Das Konzept dahinter hei\u00dft Solidarische Landwirtschaft, kurz: Solawi. Doch solidarisch geht es nicht nur auf dem Acker zu \u2013 sondern auch dar\u00fcber hinaus.<\/p>\n<p>Der Himmel \u00fcber Sehlis, einem Ortsteil von Taucha, ist wolkenverhangen. H\u00e4user gibt es hier nur wenige, daf\u00fcr umso mehr Felder. Eines davon pachtet die Ackerilla bei der Kulturland-Genossenschaft, die gemeinschaftlich erworbenes Land f\u00fcr die \u00f6kologische Landwirtschaft bereitstellt. Auf sieben Hektar Anbaufl\u00e4che k\u00fcmmert sich das Kollektiv der Ackerilla um den Gem\u00fcseanbau, damit die Ernteertr\u00e4ge sp\u00e4ter an die Solawistas, also die Genossenschaftsmitglieder, verteilt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Erste Regentropfen fallen auf das Plexiglasdach der Jungpflanzenzucht. Drinnen staut sich die Hitze. Hier ist es wie in einem Brutkasten \u2013 gesch\u00fctzt und warm, ideal f\u00fcr die kleinen Jungpflanzen. \u00bbWir begleiten die Pflanze von Anfang an\u00ab, erz\u00e4hlt Vince. Vince ist Teil des Kollektivs und f\u00fcr die Jungpflanzen verantwortlich. Sp\u00e4ter kommen die neu ges\u00e4ten Spr\u00f6sslinge dann auf den Acker oder ins Tunnel-Gew\u00e4chshaus \u2013 je nach Vorliebe. Salat etwa w\u00e4chst gut im Freiland, Auberginen und Tomaten f\u00fchlen sich im Tunnel wohl. <\/p>\n<p>Sp\u00e4ter landet das geerntete Gem\u00fcse dann in den Gem\u00fcsekiste der 155 Solawistas aus Leipzig und Taucha. F\u00fcr einen regelm\u00e4\u00dfig gezahlten Beitrag bekommen die Mitglieder w\u00f6chentlich entweder einen kleinen oder gro\u00dfen Ernteanteil. Der kleine Anteil reicht f\u00fcr etwa zwei und der gro\u00dfe Anteil f\u00fcr vier Personen. Zum Testen ist auch ein Probemonat m\u00f6glich. Die Idee hinter einer Solidarischen Landwirtschaft: Kosten und Ernte werden solidarisch geteilt. Zum Beginn der jeweiligen Saison werden bei der Mitgliederversammlung die Kosten, etwa f\u00fcr Geh\u00e4lter, Saatgut oder Ger\u00e4te, vorgestellt. Daraus werden Durchschnittsbeitr\u00e4ge f\u00fcr den kleinen und gro\u00dfen Anteil gebildet. Der monatliche Richtwert f\u00fcr den kleinen Anteil liegt bei 65 Euro und bei 117 Euro f\u00fcr den gro\u00dfen. Die anwesenden Mitglieder k\u00f6nnen dann bei einer sogenannten Bietrunde aushandeln, ob sie m\u00f6glicherweise weniger oder mehr bezahlen m\u00f6chten. Auf diese Weise wird ein solidarischer Ausgleich geschaffen. Laut Vince hat sich dieses System gut bew\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Das Gem\u00fcse an sich hat keinen Preis mehr, es geht lediglich um die Kostendeckung. \u00bbDie Idee dahinter ist, dass man sich nicht einfach nur ein einzelnes Gem\u00fcse kauft, sondern, dass man sich eben zusammentut und sich zusammen organisiert, um an regional und fair produziertes Gem\u00fcse zu kommen\u00ab, erz\u00e4hlt Vince. Die Genossenschaft wolle die Trennung von Konsum und Produktion aufheben. \u00bbUns ist es wichtig, dass alle Mitglieder der Ackerilla zu Ackereins\u00e4tzen kommen und sehen k\u00f6nnen, wo das Gem\u00fcse herkommt.\u00ab <\/p>\n<p><strong><br \/>Rackern auf dem Acker <\/strong><\/p>\n<p>Bei den Ackereins\u00e4tzen packen die Solawistas selbst an. Dabei ist es erstmal nicht wichtig, wie viel Vorerfahrung die Personen mitbringen. \u00bbWir hatten zum Beispiel mal einen Einsatz, wo wir ganz viel Mist aufs Feld drau\u00dfen tragen mussten. Das ist halt k\u00f6rperlich anstrengend, aber das ist nicht so kompliziert. Da kann man im Zweifelsfall nicht so viel falsch machen\u00ab, erz\u00e4hlt Vince. Au\u00dferdem seien immer auch erfahrene G\u00e4rtner:innen dabei. Neben Vince sind das vier weitere ausgebildete G\u00e4rtner:innen, die jeweils vier Tage pro Woche hauptamtlich f\u00fcr die Ackerilla arbeiten. Jede Woche legt das Kollektiv in einem Plenum fest, wer f\u00fcr welche Aufgabe zust\u00e4ndig ist. <\/p>\n<p>Aber nicht nur beim \u00bbrackern auf dem Acker\u00ab, wie es auf der Website der Ackerilla hei\u00dft, k\u00f6nnen sich die Solawistas beteiligen, sondern auch in den zahlreichen Arbeitsgruppen. So werden auch Aufgaben in Bereichen wie \u00d6ffentlichkeitsarbeit, IT, Verwaltung und Finanzen unter den Genossenschaftsmitgliedern aufgeteilt. <\/p>\n<p><strong><br \/>Nat\u00fcrlicher Sch\u00e4dlingsschutz <\/strong><\/p>\n<p>Doch nicht nur hinter der Arbeits- und Kostenteilung steckt ein Solidarit\u00e4tsprinzip, auch f\u00fcr die Natur soll es solidarisch zugehen. Die Ackerilla setzt darauf, Monokulturen und Pestizide zu vermeiden. Dies gelinge etwa mit der Einhaltung der Fruchtfolge. \u00bbDas bedeutet, dass man nicht immer das Gleiche auf der gleichen Fl\u00e4che anbaut. Wir bauen Tomaten zum Beispiel dieses Jahr im dritten Tunnel an und letztes Jahr waren sie in einem anderen Tunnel. Das sch\u00fctzt uns besser vor der Verbreitung von Sch\u00e4dlingen.\u00ab, erkl\u00e4rt Vince. <\/p>\n<p>Ein Problem macht aber selbst vor der Ackerilla keinen Halt. \u00bbWasser ist f\u00fcr uns hier und in der Landwirtschaft allgemein auf jeden Fall immer ein gro\u00dfes Thema\u00ab, sagt Vince. Zwar habe die Ackerilla mit zwei Brunnen und einem Wasserauffangbecken vorgesorgt, doch die trockenen Sommer machten sich bemerkbar. Auch dieses Jahr werde das Wasser wieder knapp. <\/p>\n<p><strong><br \/>\u00bbEmotionale Herausforderungen tragen wir als Kollektiv\u00ab<\/strong><\/p>\n<p>Jeden Tag um 13 Uhr gibt es ein gemeinsames Mittagessen \u2013 selbstverst\u00e4ndlich mit dem selbstgeernteten Gem\u00fcse. Heute ist Findus Herchenhan an der Reihe mit kochen. Herchenhan macht gerade ein Praktikum bei der Ackerilla und m\u00f6chte bald einen Bundesfreiwilligendienst hier beginnen. Eigentlich hat Herchenhan Sozial- und Kulturwissenschaften studiert. Doch jetzt steht eine berufliche Umorientierung an. \u00bbDer Stellenmarkt im Kulturbereich sieht gerade sehr schlecht aus, auch wegen der K\u00fcrzungspolitik\u00ab, sagt Herchenhan. Fr\u00fcher habe Findus Herchenhan die Oma, die selbst Landwirtin war, in ihrem Gem\u00fcsegarten beobachten k\u00f6nnen. Jetzt kann Herchenhan die Familientradition fortf\u00fchren. \u00bbIch merke, dass es mir voll guttut, nicht mehr in der Bibliothek am Schreibtisch zu sitzen, sondern so auf dem Acker rumzugraben.\u00ab<\/p>\n<p>Was Herchenhan besonders am G\u00e4rtner:innen-Kollektiv der Ackerilla gef\u00e4llt, ist, dass es sich um ein FLINTA*-Kollektiv handelt. \u00bbF\u00fcr mich hei\u00dft das, dass dir keine cis M\u00e4nner erkl\u00e4ren, wie irgendein Ger\u00e4t funktioniert, sondern du kannst halt einfach alles selbst ausprobieren\u00ab, erz\u00e4hlt Herchenhan. Au\u00dferdem sei das monatlich stattfindende Emo-Plenum sch\u00f6n. \u00bbDa sprechen wir dar\u00fcber, wie es uns geht und wenn es emotionale Herausforderungen gibt, dann tragen wir die als Kollektiv.\u00ab<\/p>\n<p>\u200b&gt;<a href=\"https:\/\/www.ackerilla.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.ackerilla.de<\/a>\u200b<\/p>\n<p>* Die Abk\u00fcrzung\u00a0FLINTA*\u00a0steht f\u00fcr\u00a0Frauen,\u00a0Lesben,\u00a0intergeschlechtliche,<strong>\u00a0n<\/strong>icht-bin\u00e4re,<strong>\u00a0<\/strong>trans und\u00a0agender Menschen. <\/p>\n<p>\u200b<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Genossenschaft Ackerilla aus Leipzig hat es sich zur Aufgabe gemacht, Landwirtschaft zu revolutionieren. 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