{"id":427446,"date":"2025-09-16T14:41:14","date_gmt":"2025-09-16T14:41:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/427446\/"},"modified":"2025-09-16T14:41:14","modified_gmt":"2025-09-16T14:41:14","slug":"strategie-fuer-den-tiefbau-hamburg-will-baustellen-neu-organisieren-und-verspricht-weniger-stau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/427446\/","title":{"rendered":"Strategie f\u00fcr den Tiefbau: Hamburg will Baustellen neu organisieren \u2013 und verspricht weniger Stau"},"content":{"rendered":"<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Im Hamburger Rathaus ging es am Dienstag um eine der gr\u00f6\u00dften Baustellen der Stadtpolitik \u2013 im \u00fcbertragenen wie im w\u00f6rtlichen Sinn. Bei der Landespressekonferenz stellte Verkehrssenator Anjes Tjarks (Gr\u00fcne) die neue Strategie \u201eZukunft Tiefbau\u201c vor. Sie soll daf\u00fcr sorgen, dass Hamburg in den kommenden Jahren deutlich mehr Infrastrukturprojekte umsetzt, ohne dass der Verkehr komplett zum Erliegen kommt. \u201eMehr Bauvolumen mit weniger Auswirkungen\u201c \u2013 so fasste Tjarks das Ziel zusammen. <\/p>\n<p>Der Investitionsbedarf ist enorm. Nach Angaben des Senats sollen bis 2030 rund 1,2 Milliarden Euro in den Ausbau der Fernw\u00e4rme flie\u00dfen, eine weitere Milliarde in das Trink- und Abwassernetz. Hinzu kommen der wasserstofff\u00e4hige Umbau der Gasleitungen, der Glasfaserausbau sowie der Bau der neuen U-Bahn-Linie U5. Auch Stra\u00dfen und Br\u00fccken m\u00fcssen in Schuss gehalten werden. Laut Tjarks wurden 2024 rund 250 Kilometer Fahrstreifen saniert \u2013 mehr als doppelt so viel wie das fr\u00fchere Ziel von 100 Kilometern pro Jahr. <\/p>\n<p>Trotz dieser Intensit\u00e4t sei die Stauzeit in Hamburg zuletzt leicht gesunken, so der Senator. Er verwies auf Daten des Mobilit\u00e4tsanbieters Inrix: Demnach lag der Zeitverlust durch Staus 2024 bei 44 Stunden pro Jahr, gegen\u00fcber 48 Stunden im Jahr 2019. Hamburg rangiert damit auf Platz neun unter den deutschen Gro\u00dfst\u00e4dten und fast auf Bundesdurchschnitt (43 Stunden).<\/p>\n<p>Die Strategie soll dabei \u00fcber klassische Baustellenkoordination hinausgehen. Nach Darstellung der Verkehrsbeh\u00f6rde soll der gesamte Tiefbauprozess neu aufgestellt werden \u2013 von der Anmeldung eines Bauprojekts, \u00fcber Planung, Genehmigung und Bau bis hin zur Kommunikation. Ziel sei es, schneller, stabiler und termintreuer zu bauen. Dazu geh\u00f6ren laut Senat verschlankte Genehmigungsverfahren, digitale Werkzeuge und verbindliche Standards f\u00fcr alle Beteiligten.<\/p>\n<p>Ein zentrales Element ist das geplante \u201eB\u00fcndnis f\u00fcr den Tiefbau\u201c. Daran sollen sich neben Verwaltung und st\u00e4dtischen Unternehmen auch Bauindustrie, Kammern und Verb\u00e4nde beteiligen. Die Federf\u00fchrung liegt bei der Verkehrsbeh\u00f6rde. Hamburg hat bereits gute Erfahrungen mit dieser Art von B\u00fcndnissen gemacht. Mit dem \u201eB\u00fcndnis f\u00fcr das Wohnen\u201c etwa gelang es vor der Baukrise die Neubau-Zahlen in Hamburg auf Rekordniveau zu bringen. Auch ein \u201eB\u00fcndnis f\u00fcr den Radverkehr\u201c gibt es. <\/p>\n<p>Tjarks sprach von einem \u201eMarathon\u201c, der nur gelingen k\u00f6nne, wenn alle Akteure \u2013 von der Deutschen Bahn \u00fcber die Autobahn GmbH bis zu Hamburg Wasser \u2013 an einem Strang ziehen.<\/p>\n<p>Termintreue und Verkehrsvertr\u00e4glichkeit sollen bei Vergabe st\u00e4rker gewichtet werden <\/p>\n<p>Zu den angek\u00fcndigten Ma\u00dfnahmen z\u00e4hlen eine sogenannte Genehmigungsfiktion f\u00fcr Aufgrabungen nach dem Hamburgischen Wegegesetz, ein Anzeigeverfahren f\u00fcr kleinere Eingriffe sowie die Vereinfachung der Geb\u00fchrenordnung. Au\u00dferdem sollen Mustervertr\u00e4ge entwickelt und die Kooperation zwischen den Unternehmen ausgeweitet werden, die im Hamburger Stra\u00dfenraum bauen, damit eine Stelle m\u00f6glichst nur einmal ge\u00f6ffnet werden muss und nicht zwei Jahre nach der Wasserleitung eine Gasleitung erneuert werden muss. Beispiele wie die Elbchaussee h\u00e4tten gezeigt, dass sich so Bauzeiten um bis zu 20 Monate verk\u00fcrzen lassen, so Tjarks.<\/p>\n<p>Auch neue Vergabemodelle sind geplant: K\u00fcnftig sollen qualitative Kriterien wie Termintreue und Verkehrsvertr\u00e4glichkeit st\u00e4rker gewichtet werden. Denkbar sind Anreize f\u00fcr Baufirmen, schneller zu arbeiten \u2013 etwa durch Bonusmodelle oder die fr\u00fchere Einbindung in die Planungsphase. Zudem pr\u00fcft die Stadt den verst\u00e4rkten Einsatz von Mehrschichtbetrieb und Winterbau, um Kapazit\u00e4ten besser auszulasten.<\/p>\n<p>Ein weiterer Schwerpunkt ist die Digitalisierung. Alle Bauma\u00dfnahmen, die eine verkehrs- oder baubeh\u00f6rdliche Anordnung ben\u00f6tigen, sollen k\u00fcnftig in der Plattform \u201eRoads\u201c erfasst werden, die die Situation an Hamburgs Stra\u00dfen darstellt. F\u00fcr gro\u00dfe Ankerprojekte gelten zus\u00e4tzliche Standards wie verbindliche Verkehrsuntersuchungen und Kommunikationskonzepte. Ziel ist eine \u201eSingle Source of Truth\u201c, auf die alle Beteiligten zugreifen k\u00f6nnen. Baustelleninformationen sollen automatisch an die Urban Data Plattform und die Mobilithek weitergeleitet werden, damit Navigationsdienste wie Google Maps Sperrungen in Echtzeit anzeigen k\u00f6nnen. Geplant sind au\u00dferdem QR-Codes auf Baustellenschildern, damit sich jeder direkt mit dem Smartphone schlaumachen kann, warum und wie lange gebaut wird.<\/p>\n<p>Die Umsetzung der Strategie ist auf zehn Jahre angelegt. Daf\u00fcr will die Verkehrsbeh\u00f6rde ein eigenes Projektteam aufbauen. \u201eDas ist kein Sprint\u201c, betonte Tjarks. Die Komplexit\u00e4t sei hoch, weil zahlreiche Akteure eingebunden werden m\u00fcssten \u2013 von Bundesbeh\u00f6rden \u00fcber st\u00e4dtische Betriebe bis hin zu privaten Unternehmen.<\/p>\n<p>Der Bauindustrieverband Hamburg Schleswig-Holstein begr\u00fc\u00dfte die Senatsstrategie ausdr\u00fccklich. Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Manja Biel sprach von einem \u201ewichtigen Schritt\u201c, um die wachsende Zahl komplexer Projekte zu bew\u00e4ltigen. Die Branche wolle ihre \u201etechnische Expertise und Erfahrung mit Baustellenlogistik im innerst\u00e4dtischen Raum\u201c einbringen. Zugleich mahnte Biel, das geplante B\u00fcndnis d\u00fcrfe \u201ekeine Plauderrunde\u201c bleiben. N\u00f6tig seien konkrete Arbeitsformate, eine transparente Datenlage, fr\u00fchzeitige Beauftragungen, verl\u00e4ssliche Finanzierungen und ein koordiniertes Vorgehen mit allen Leitungstr\u00e4gern. <\/p>\n<p>Skepsis \u00e4u\u00dferte die CDU-Fraktion. Fraktionschef Dennis Thering warf dem Senat vor, seit Jahren an einer \u201emangelhaften Koordination von Baustellen\u201c zu scheitern. Immer wieder gebe es neue Ank\u00fcndigungen, die Realit\u00e4t bleibe aber unver\u00e4ndert: \u201eAn vielen Stellen kommt es zu massiven Staus, weil Bauvorhaben schlecht geplant und gleichzeitig umgesetzt werden.\u201c Thering erinnerte daran, dass die CDU bereits Vorschl\u00e4ge wie Pr\u00e4mien f\u00fcr z\u00fcgige Fertigstellungen, Mehrschichtbetrieb und klare Durchgriffsrechte f\u00fcr Koordinatoren gemacht habe. Dass nun einzelne Elemente wie der Mehrschichtbetrieb in die Strategie aufgenommen w\u00fcrden, sei \u201ebemerkenswert\u201c. Ob die neuen Ma\u00dfnahmen den Verkehrsfluss tats\u00e4chlich verbessern, sei jedoch \u201emehr als fraglich\u201c. <\/p>\n<p>Kritik kam auch von der Linksfraktion in der B\u00fcrgerschaft. Deren verkehrspolitische Sprecherin Heike Sudmann bezeichnete die Strategie als \u201eBeruhigungspille f\u00fcr die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger\u201c. Seit Jahren w\u00fcrden Beh\u00f6rden und Tr\u00e4ger \u201etrotz aller Beteuerungen aneinander vorbeiplanen\u201c, so Sudmann. Der \u00c4rger \u00fcber Baustellen sei gro\u00df und werde mit dem Bau der U5 noch zunehmen: \u201eF\u00fcr jede der 24 Haltestellen sind jahrelange Baustellen und offene Baugruben erforderlich.\u201c Ob fr\u00fchzeitigere Informationen daran etwas \u00e4nderten, sei \u201emehr als zweifelhaft\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Im Hamburger Rathaus ging es am Dienstag um eine der gr\u00f6\u00dften Baustellen der Stadtpolitik \u2013 im \u00fcbertragenen wie&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":427447,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1826],"tags":[111942,111940,29,30,692,111941,54724,28995],"class_list":{"0":"post-427446","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-hamburg","8":"tag-anjes","9":"tag-baustellen-ks","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-hamburg","13":"tag-tjarks","14":"tag-u-bahnen-ks","15":"tag-witte-genannt-vedder-julia"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115214502108557085","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/427446","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=427446"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/427446\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/427447"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=427446"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=427446"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=427446"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}