{"id":427683,"date":"2025-09-16T16:50:11","date_gmt":"2025-09-16T16:50:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/427683\/"},"modified":"2025-09-16T16:50:11","modified_gmt":"2025-09-16T16:50:11","slug":"china-schmuggel-im-grossen-stil-grossrazzia-im-hafen-von-piraeus-zeigt-europas-schwachstellen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/427683\/","title":{"rendered":"China-Schmuggel im gro\u00dfen Stil: Gro\u00dfrazzia im Hafen von Pir\u00e4us zeigt Europas Schwachstellen"},"content":{"rendered":"<p>                    China-Schmuggel im gro\u00dfen Stil<br \/>\n                Gro\u00dfrazzia im Hafen von Pir\u00e4us zeigt Europas Schwachstellen<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t              \tVon Diana Dittmer<br \/>\n\t\t\t\t              16.09.2025, 17:45 Uhr<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t       Artikel anh\u00f6ren<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\tDiese Audioversion wurde k\u00fcnstlich generiert. <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/23249898\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mehr Infos<\/a><\/p>\n<p>Der EU gelingt ein gro\u00dfer Schlag gegen den Warenschmuggel aus China. Im griechischen Hafen Pir\u00e4us beschlagnahmen Ermittler Tausende Container mit unverzollter Kleidung, Schuhen und E-Bikes. Die Betr\u00fcger sollen seit mindestens acht Jahren falsche Angaben bei der Wareneinfuhr gemacht haben. Seit dem vergangenen Jahr hat die EU ihre Anstrengungen gegen illegale Warenimporte verst\u00e4rkt. Hinter den kriminellen Netzwerken stehen chinesische Staatsb\u00fcrger. Das bereitet der EU Sorgen. Denn chinesische Firmen sind nicht nur in Pir\u00e4us am Hafen beteiligt.<\/p>\n<p><b>Was wissen wir \u00fcber die Gro\u00dfrazzia im Hafen von Pir\u00e4us? <\/b> <\/p>\n<p>Laut der EU-Staatsanwaltschaft fand Ende Juni die bislang gr\u00f6\u00dfte Container-Razzia in der Geschichte der Europ\u00e4ischen Union statt. Dabei beschlagnahmten die Ermittler \u00fcber 2400 Container aus China. In den Containern befanden sich Waren wie Kleidung, Schuhe und Elektrofahrr\u00e4der im Wert von 250 Millionen Euro. Ermittelt wird sowohl gegen private Akteure als auch gegen Zollbeamte. Gegen sechs Personen wurde Anklage erhoben. Die Zollbetr\u00fcger sollen bereits seit mindestens acht Jahren im gro\u00dfen Stil falsche Angaben bei der Wareneinfuhr gemacht haben. Hinter dem Betrugsnetzwerk stehen ma\u00dfgeblich chinesische Staatsb\u00fcrger, <a href=\"https:\/\/www.eppo.europa.eu\/en\/media\/news\/investigation-calypso-more-2-400-shipping-containers-seized-port-piraeus\" rel=\"Follow noopener\" target=\"_blank\" title=\"Investigation Calypso: More than 2 400 shipping containers seized at port of Piraeus\">wie es in einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft<\/a> hei\u00dft. Sie sollen die Profite nach China \u00fcberwiesen haben.<\/p>\n<p><b>Handelt es sich um einen Einzelfall?<\/b><\/p>\n<p>&#8222;In dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung ist das bisher ein Einzelfall&#8220;, sagt Jens Bastian von der Stiftung Wissenschaft und Politik gegen\u00fcber ntv.de. Allerdings habe es bereits vergleichbare F\u00e4lle gegeben. Laut EU-Staatsanwaltschaft gab es im Rahmen der gro\u00dfangelegten Aktion &#8222;Calypso&#8220;, zu der auch die Razzia in Pir\u00e4us z\u00e4hlt, eine Reihe von Eins\u00e4tzen. Dabei ging es ebenfalls um die illegale Einfuhr von Waren wie Textilien, Schuhen, E-Bikes und E-Scootern aus China, die mit falschen oder manipulierten Zolldokumenten in die EU geschmuggelt werden sollten.<\/p>\n<p> Bastian geht von einem &#8222;systematischen Betrugsmuster&#8220; aus. Aus heutiger Sicht seien die Probleme absehbar gewesen, sagt der \u00d6konom, der zur Zeit der Schuldenkrise Mitglied der Taskforce der EU-Kommission f\u00fcr Griechenland war. Lange habe die Bereitschaft gefehlt, erkennbaren Problemen und Verdachtsf\u00e4llen nachzugehen. Die griechischen Kontrolleure seien lange viel zu nachl\u00e4ssig gewesen. &#8222;Die griechische Politik hat viel zu lange eine Art &#8218;Willkommenskultur&#8216; gegen\u00fcber den Chinesen gepflegt.&#8220; &#8222;Kleinere&#8220; F\u00e4lle, die vor der Operation Calypso auffielen, gab es in den Niederlanden mit dem &#8222;E-Bikes-Importbetrug&#8220;, in Italien mit dem Umsatz- und Steuerbetrug &#8222;Dragone&#8220; und in Deutschland mit dem &#8222;Masquerade Ball&#8220;. Alle diese F\u00e4lle ereigneten sich innerhalb eines kurzen Zeitraums in den vergangenen beiden Jahren, was auf eine Zunahme der Betrugsf\u00e4lle, aber auch auf eine h\u00f6here Priorisierung durch die Europ\u00e4ische Staatsanwaltschaft hinweist.<\/p>\n<p><b>Wie funktioniert das illegale Gesch\u00e4ftsmodell?<\/b><\/p>\n<p>Der Betrug besteht darin, dass f\u00fcr Waren aus China nur ein Bruchteil des tats\u00e4chlichen Warenwerts angegeben wird. Auf diese Weise werden Einfuhrz\u00f6lle ebenso wie die Mehrwertsteuer umgangen. Im Fall von Pir\u00e4us wurden nur zehn bis 15 Prozent des tats\u00e4chlichen Warenwerts angegeben. Die Razzien legen Schwachstellen in der Zoll- und \u00dcberwachungsstruktur der EU offen, insbesondere in H\u00e4fen wie Pir\u00e4us, die sich in chinesischem Eigentum befinden. Offensichtlich k\u00f6nnen Containerstr\u00f6me im gro\u00dfen Stil manipuliert werden. Wenn europ\u00e4ische Beh\u00f6rden keinen vollst\u00e4ndigen Zugriff oder Einfluss auf die Hafeninfrastruktur haben, w\u00e4chst das Risiko von Schmuggel, illegalen Warenstr\u00f6men oder sogar strategischen Lieferkettenabh\u00e4ngigkeiten.<\/p>\n<p><b>Wie gro\u00df ist der wirtschaftliche Schaden f\u00fcr die EU? <\/b><\/p>\n<p>Bislang hat der griechische Zoll in Pir\u00e4us nur einen Teil der Container ge\u00f6ffnet. Der gesch\u00e4tzte Schaden \u00fcber acht Jahre liegt bei etwa 800 Millionen Euro. Laut \u00d6konom Bastian sei allerdings &#8222;der politische und unternehmerische Reputationsschaden Chinas in Europa, nicht nur in Griechenland, noch gr\u00f6\u00dfer&#8220;.<\/p>\n<p><b>Wem geh\u00f6rt der Hafen von Pir\u00e4us?<\/b><\/p>\n<p>Die Mehrheit am Hafen von Pir\u00e4us liegt beim chinesischen Staatskonzern Cosco Shipping, der aktuell 67 Prozent der Anteile h\u00e4lt. Die restlichen Anteile verteilen sich auf den griechischen Staat sowie auf private und kleinere institutionelle Anleger. Der Einstieg erfolgte schrittweise: Zun\u00e4chst \u00fcbernahm Cosco im Jahr 2009 den Betrieb zweier Containerterminals. 2016 kaufte der Konzern im Zuge der griechischen Privatisierungen 51 Prozent des Hafenbetreibers. Dieser Schritt war damals in Griechenland heftig umstritten. 2021 stockte Cosco seinen Anteil schlie\u00dflich auf 67 Prozent auf.<\/p>\n<p><b>Sind chinesische Unternehmen an weiteren H\u00e4fen in der EU beteiligt?<\/b><\/p>\n<p>Derzeit sind chinesische Unternehmen an rund 30 Hafen-Terminals in der EU beteiligt. Dabei handelt es sich \u00fcberwiegend um Minderheitsbeteiligungen oder Betriebskonzessionen. In einigen F\u00e4llen, wie in Pir\u00e4us oder Zeebrugge, verf\u00fcgen Konzerne wie Cosco oder Hutchison jedoch auch \u00fcber eine Mehrheit. Damit haben staatlich kontrollierte Firmen aus China in den vergangenen 15 Jahren eine sp\u00fcrbare Pr\u00e4senz in der europ\u00e4ischen Hafenlandschaft aufgebaut. Ein aktuelles Beispiel ist der Container-Terminal Tollerort (CTT) im Hamburger Hafen, an dem sich die chinesische Reederei <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wirtschaft\/Cosco-Deal-im-Hamburger-Hafen-unterzeichnet-article24202059.html\" rel=\"Follow noopener\" target=\"_blank\" title=\"Nach zwei Jahren Verhandlungen: Cosco-Deal im Hamburger Hafen unterzeichnet\">Cosco im Juni 2023 mit 25 Prozent beteiligt hat<\/a>. <\/p>\n<p>Die chinesische Pr\u00e4senz ist das Ergebnis der \u201eBelt and Road Initiative\u201c, Pekings globaler Strategie zur Schaffung neuer Handelsrouten. In der Vergangenheit nutzten viele europ\u00e4ische H\u00e4fen, insbesondere in S\u00fcdeuropa, Chinas Kapital f\u00fcr Modernisierung und Ausbau. Das brachte den EU-H\u00e4fen einerseits wirtschaftliche Vorteile, andererseits entstanden aber auch strategische Kontrollpunkte f\u00fcr China innerhalb der europ\u00e4ischen Lieferketten.<\/p>\n<p><b>Hat sich Europa durch den Verkauf von Hafenanlagen an chinesische Unternehmen angreifbar gemacht?<\/b><\/p>\n<p>&#8222;Die Entscheidung, den Hafen Pir\u00e4us an die Chinesen zu verkaufen, war keine Entscheidung der EU, sondern eine der griechischen Regierung und Teil der Auflagen der damaligen Troika w\u00e4hrend der Rettungspolitik vor einer Dekade&#8220;, sagt \u00d6konom Bastian. &#8222;Cosco hatte keine ernsthaften europ\u00e4ischen Konkurrenten im damaligen Bieterverfahren.&#8220; Heute wird die Expansion Chinas in Europa kritischer gesehen. Denn Investitionen wie die von Cosco in Pir\u00e4us verschaffen China erheblichen Einfluss auf zentrale Logistikknotenpunkte. Dadurch entstehen Abh\u00e4ngigkeiten, die in Krisen oder geopolitischen Konflikten problematisch werden k\u00f6nnen. H\u00e4fen, die stark von chinesischen Investitionen abh\u00e4ngig sind und nicht ausreichend kontrolliert werden, k\u00f6nnen zu Schlupfl\u00f6chern f\u00fcr systematischen Steuer- und Zollbetrug werden.<\/p>\n<p><b>Wie sollte die EU auf die Expansion chinesischer Unternehmen reagieren?<\/b><\/p>\n<p>Experten fordern eine deutlich strengere Kontrolle der Warenstr\u00f6me sowie eine bessere Zusammenarbeit der europ\u00e4ischen Zollbeh\u00f6rden. Pir\u00e4us zeigt, dass es an wirksamer \u00dcberwachung bislang fehlt. &#8222;Die Kommission in Br\u00fcssel und die Regierung in Athen sollten genau hinschauen, wenn zuk\u00fcnftig Ver\u00e4u\u00dferungen und Anteilsverk\u00e4ufe an chinesische Firmen verhandelt werden&#8220;, so Bastian. &#8222;Hier geht es um rechtliche Auflagen, administrative Transparenz, eine klare Identifizierung der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung und regelm\u00e4\u00dfige Berichtspflichten. Das Beispiel Pir\u00e4us zeigt auch, mit welcher kriminellen Energie vorgegangen wird. Neben der strafrechtlichen Kl\u00e4rung muss ebenso diskutiert werden, gegen\u00fcber chinesischen Firmen auch einmal klar Nein zu sagen!&#8220;<\/p>\n<p>Die EU will das Screening-Verfahren f\u00fcr ausl\u00e4ndische Investitionen weiterentwickeln, um kritische Infrastrukturen enger zu \u00fcberwachen. Am 24. Januar 2024 hat die Europ\u00e4ische Kommission f\u00fcnf Initiativen vorgestellt, mit denen die wirtschaftliche Sicherheit der Union gest\u00e4rkt werden soll. Eine dieser Initiativen betrifft die \u00dcberarbeitung der Verordnung zur \u00dcberpr\u00fcfung ausl\u00e4ndischer Direktinvestitionen (FDI).<\/p>\n<p><b>K\u00f6nnte man chinesische Beteiligungen an kritischer europ\u00e4ischer Infrastruktur r\u00fcckabwickeln?<\/b><\/p>\n<p>Bastian h\u00e4lt es &#8211; selbst wenn es rechtlich m\u00f6glich w\u00e4re &#8211; f\u00fcr &#8222;nicht zielf\u00fchrend&#8220;. China sei in Griechenland und anderswo in Europa &#8222;sehr pr\u00e4sent und langfristig investiert&#8220;. Stattdessen sollte Cosco verpflichtet werden, vollumf\u00e4nglich f\u00fcr Aufkl\u00e4rung zu sorgen. Andernfalls sollten die Betreiberlizenzen zur\u00fcckgenommen werden. &#8222;Hier sind offenbar jahrelang systematisch rote Linien \u00fcberschritten worden.&#8220; Da Cosco in Pir\u00e4us \u00fcber 51 Prozent der Anteile kontrolliert, ist eine Enteignung praktisch und rechtlich kaum m\u00f6glich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"China-Schmuggel im gro\u00dfen Stil Gro\u00dfrazzia im Hafen von Pir\u00e4us zeigt Europas Schwachstellen Von Diana Dittmer 16.09.2025, 17:45 Uhr&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":427684,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,227,2000,548,663,158,3934,3935,3986,13,10567,6969,2776,14,88378,15,12,1347,55,211],"class_list":{"0":"post-427683","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-china","11":"tag-containerschiff","12":"tag-eu","13":"tag-europa","14":"tag-europaeische-union","15":"tag-europe","16":"tag-european-union","17":"tag-handel","18":"tag-headlines","19":"tag-investitionen-in-infrastruktur","20":"tag-lieferketten","21":"tag-logistik","22":"tag-nachrichten","23":"tag-neue-seidenstrasse","24":"tag-news","25":"tag-schlagzeilen","26":"tag-schmuggel","27":"tag-wirtschaft","28":"tag-zoelle"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115215009470950480","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/427683","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=427683"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/427683\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/427684"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=427683"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=427683"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=427683"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}