{"id":428529,"date":"2025-09-17T01:20:16","date_gmt":"2025-09-17T01:20:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/428529\/"},"modified":"2025-09-17T01:20:16","modified_gmt":"2025-09-17T01:20:16","slug":"kulturhauptstadt-chemnitz-chinesische-kuenstlerin-erkundet-verbindungen-zwischen-china-und-sachsen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/428529\/","title":{"rendered":"Kulturhauptstadt Chemnitz: Chinesische K\u00fcnstlerin erkundet Verbindungen zwischen China und Sachsen"},"content":{"rendered":"<p class=\"text\">\n<a name=\"An\">An<\/a> ihrem ersten Tag in Chemnitz streifte Pu Xiaoyue neugierig durch die f\u00fcr sie v\u00f6llig fremde Stadt. Da stie\u00df die K\u00fcnstlerin auf einmal auf einen Bekannten aus ihrer chinesischen Heimatstadt Peking. Und zwar auf einen Vertreter der Gattung &#8222;Koelreuteria paniculata&#8220; \u2013 profaner: auf eine Blasenesche. Ein Baum, der ihr aus dem Stadtbild von Peking vertraut vorkam, erz\u00e4hlt die K\u00fcnstlerin.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nEin witziges, nostalgisches Gef\u00fchl sei das gewesen: &#8222;Ich dachte mir: Ich kenne an meinem ersten Tag in der Stadt eigentlich niemanden, nur diese Pflanze. Dieser Baum hatte dadurch eine emotionale, poetische Bindung zu mir.&#8220; Pu Xiaoyue begann, der Geschichte der Gattung auf den Grund zu gehen und machte eine erstaunliche Entdeckung: Die Gattung stammt urspr\u00fcnglich aus Peking. Der Baum wurde 1774 von einem franz\u00f6sischen Missionar aus dem kaiserlichen Garten in Peking nach Paris, in den dortigen k\u00f6niglichen Garten, gebracht. &#8222;Was f\u00fcr ein unglaublicher Zufall&#8220;, erz\u00e4hlt Pu Xiaoyu. &#8222;Die Pflanze hat vor etwa 200 Jahren im Grunde genommen denselben Weg zur\u00fcckgelegt, wie ich.&#8220;\n<\/p>\n<p>Historische Verbindungen zwischen China und Sachsen<\/p>\n<p class=\"text\">\n<a name=\"Die\">Die<\/a> Konzeptk\u00fcnstlerin besch\u00e4ftigt sich in ihren interdisziplin\u00e4ren Arbeiten mit gesellschaftlichen Ph\u00e4nomenen, untersucht Machtstrukturen oder die Konstruktion von Geschlechterrollen. Als Forscherin mit einem poetischen Blick vertieft sie sich daf\u00fcr gern in Archiven und Museen. W\u00e4hrend ihres Arbeitsstipendiums besuchte sie etwa die arch\u00e4ologische Sammlung und das Industriemuseum in Chemnitz, das historische Gr\u00fcne Gew\u00f6lbe in Dresden und den botanischen Garten in Leipzig \u2013 auf der Suche nach den historischen Verbindungen zwischen China und Sachsen.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie entdeckte die K\u00fcnstlerin einerseits in der Geschichte von Chemnitz als Zentrum der Textilindustrie, aber auch im Bergbau, und, vor allem in der Genese des S\u00e4chsischen Porzellans, namentlich der Meissener Porzellanmanufaktur. Chinesisches Porzellan wurde lange Zeit aus China exportiert, es war sozusagen ein Modeprodukt, wei\u00df Pu Xiaoyue: &#8222;Die lokale Porzellanmanufaktur ahmte die Muster und Motive auf dem chinesischen Porzellan nach. So schufen sie auch ein sehr ber\u00fchmtes Dekor, das sogenannte Zwiebelmuster.&#8220;\n<\/p>\n<p>Zwiebeln statt Granat\u00e4pfel: Meissener Zwiebelmuster als kulturelle Aneignung<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie <a name=\"namensgebende\">namensgebende<\/a> Zwiebel ist allerdings eine Art \u00dcbersetzungsfehler, erkl\u00e4rt die K\u00fcnstlerin. Im Original ist die dargestellte Frucht ein Granatapfel, in der chinesischen Kultur ein Symbol f\u00fcr Fruchtbarkeit und langes Leben. Pu Xiaoyue vermutet, dass diese kulturelle Perspektive verloren ging, als das Porzellan nach Europa gebracht wurde: &#8222;Indem sie den Granatapfel durch Zwiebeln ersetzten, gaben sie jeglichen kulturellen Hintergrund auf. Das ist ein zwar kleines, aber interessantes und ironisches Beispiel f\u00fcr kulturelle Aneignung und die koloniale Praxis im Allgemeinen.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nAls humorvollen Kommentar auf diese Aneignung ihrer Kultur hat Pu Xiaoyue nun ihrerseits ein Dekor f\u00fcr eigene Porzellanteller entworfen. Neben Zwiebeln und Granat\u00e4pfeln zeigt es auch Pflanzen, die aus China nach Deutschland gebracht wurden, wie etwa die Blasenesche.\n<\/p>\n<p>Gemeinsam essen schafft Verbindung<\/p>\n<p class=\"text\">\nZum Abschluss ihres Arbeitsaufenthaltes w\u00fcrde die K\u00fcnstlerin, die im Kulturzentrum Klub Solitaer e.V. ihr Studio auf Zeit eingerichtet hat, gern ein Essen auf dem von ihr gestalteten Geschirr servieren. Auf diese Weise m\u00f6chte sie dem Publikum nicht nur ihre Kunst wortw\u00f6rtlich mundgerecht pr\u00e4sentieren, sondern im Gespr\u00e4ch auch einen authentischen Eindruck ihres Heimatlandes vermitteln. Darin sieht die K\u00fcnstlerin den gro\u00dfen Vorteil eines Aufenthaltsstipendiums, etwa im Vergleich zu einer Ausstellung.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nEs gehe einerseits darum, die Unterschiede zwischen den Kulturen zu sehen, aber, noch wichtiger, auch um die Gemeinsamkeiten. &#8222;Auch ein Esstisch schafft Gemeinschaft, indem er Menschen zusammenbringt&#8220;, meint Pu Xiaoyue. &#8222;Dort treffen sich die Kulturen, echte Menschen lernen andere echte Menschen kennen, statt nur eine Vorstellung vom anderen zu haben.&#8220; Wenn die K\u00fcnstlerin nach den drei Monaten zur\u00fcck in ihre Heimat reisen wird, hat sie sicher etliche Bekannte mehr in Chemnitz, als einen Baum mit chinesischen Wurzeln.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nQuelle: MDR KULTUR (Eva Gaeding)<br \/>Redaktionelle Bearbeitung: jb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"An ihrem ersten Tag in Chemnitz streifte Pu Xiaoyue neugierig durch die f\u00fcr sie v\u00f6llig fremde Stadt. 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