{"id":429438,"date":"2025-09-17T10:19:14","date_gmt":"2025-09-17T10:19:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/429438\/"},"modified":"2025-09-17T10:19:14","modified_gmt":"2025-09-17T10:19:14","slug":"drohnenproduktion-in-russland-mit-afrikanerinnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/429438\/","title":{"rendered":"Drohnenproduktion in Russland mit Afrikanerinnen"},"content":{"rendered":"<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Besucher betrachten eine besch\u00e4digte iranische Drohne vom Typ Shahed.\" alt=\"Besucher betrachten eine besch\u00e4digte iranische Drohne vom Typ Shahed.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/shahed-drohne-102-1920x1080.jpg\" \/><\/p>\n<p>                  Eine besch\u00e4digte Drohne vom Typ Shahed. Russland l\u00e4sst die fliegenden Bomben bei sogenannten Schwarm-Angriffen zu Hunderten aufsteigen. (picture alliance \/ ASSOCIATED PRESS \/ Efrem Lukatsky)<\/p>\n<p>Die Firma Alabuga hat ihren Sitz in der gleichnamigen Sonderwirtschaftszone, rund 1000 Kilometer s\u00fcd\u00f6stlich von Moskau. 43 Unternehmen haben sich in dem Gebiet angesiedelt, darunter Hersteller von Glasfaser und Autokarosserien. In einer Fabrik werden offiziell Motorboote gefertigt.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich handelt es sich bei dem Werk um eine geheime Drohnenfabrik. Spencer Faragasso vom Institut f\u00fcr Wissenschaft und Internationale Sicherheit in Washington hat sich seit Ausbruch des Ukrainekriegs mit der geheimen Drohnenfabrik besch\u00e4ftigt, hat Satellitenbilder und geleakte Dokumente ausgewertet. In dem Werk stelle Russland sogenannte Shahed-Drohnen her, sagt er. Das sind einfach konstruierte Einweg-Drohnen, die billig produziert werden k\u00f6nnen. \u201eFliegende Mopeds\u201c werden sie von ukrainischen Soldaten genannt, weil ihr Zweitaktmotor beim Anflug knattert, erkl\u00e4rt Faragasso. <\/p>\n<p>Die Flugk\u00f6rper stellen eine ernstzunehmende Bedrohung f\u00fcr die Ukraine dar: \u201eDie Shahed-Drohne ist eine fliegende Bombe und hat eine gro\u00dfe Reichweite\u201c, sagt Faragasso. Fast jede Nacht w\u00fcrden Hunderte davon ausschw\u00e4rmen und auf ukrainische Ziele fliegen.<\/p>\n<p>                Hilfe aus dem Iran<\/p>\n<p>Die F\u00e4higkeit, die Shahed-Drohnen in Massen herzustellen, verdankt Russland offenbar einer Top-Secret-Kooperation mit dem Iran. Geleakte Dokumente lassen laut Faragasso darauf schlie\u00dfen, dass die Drohnen zun\u00e4chst in Einzelteilen aus dem Mullah-Staat nach Russland importiert wurden. In Alabuga wurden die fliegenden Bomben dann nach dem Baukastenprinzip zusammengesetzt. Iran half auch beim Bau der Fabrik, sagt Faragasso. Russland habe dem Iran daf\u00fcr rund eine Milliarde US-Dollar bezahlt.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Massenproduktion braucht das Werk viele Arbeitskr\u00e4fte. Die Arbeitskosten sollen niedrig sein. Um die geeigneten Arbeiter zu bekommen, wurde eigens eine Berufsschule er\u00f6ffnet. Neben der Fabrikhalle entstand ein Wohnheim f\u00fcr junge Leute. Das Angebot f\u00fcr die k\u00fcnftigen Arbeiter: eine Ausbildung, w\u00e4hrend sie parallel bei Alabuga t\u00e4tig sind. <\/p>\n<p>                Rekrutierung auf Tinder<\/p>\n<p>Die Rekrutierung fand zun\u00e4chst \u00fcber Dating-Plattformen wie Tinder statt. Die Verantwortlichen kontaktierten junge Afrikanerinnen, die in Russland studierten. Ab Ende 2022 wurde ein internationales Rekrutierungsprogramm aufgesetzt, um junge Frauen in Afrika und Lateinamerika direkt anzusprechen.<\/p>\n<p>Das Job-Angebot aus Russland muss verlockend klingen f\u00fcr junge Menschen aus armen L\u00e4ndern wie Uganda: Eine Karriere bei Alabuga k\u00f6nne mit einem Gehalt von 500 US-Dollar beginnen, hei\u00dft es in einem Werbevideo, das auf afrikanischen Social-Media-Accounts verbreitet wird. \u201eNach sechs Monaten Arbeit haben Sie die M\u00f6glichkeit, rund 4000 US-Dollar zu verdienen und eine Reise durch das gr\u00f6\u00dfte Land der Welt zu unternehmen: Russland!\u201c Die Frauen erwartet laut den Werbefilmchen eine blendende Zukunft: \u201eDas Alabuga-Work-and-Travel-Programm bietet Ihnen au\u00dferdem die M\u00f6glichkeit, Ihre Karriere voranzutreiben und eine F\u00fchrungsposition zu \u00fcbernehmen.\u201c <\/p>\n<p>Die Werbetrommel f\u00fcr die Drohnenfabrik wird l\u00e4ngst auf TikTok, Facebook, Instagram und X ger\u00fchrt. Freilich ohne den wahren Unternehmenszweck preiszugeben. Auf der Webseite des Unternehmens berichten die jungen Frauen \u00fcber ihre positiven Erfahrungen und preisen in Videos die Freizeitm\u00f6glichkeiten \u2013 von Fu\u00dfball und Tennis bis Hockey.<\/p>\n<p>                Rund 1000 junge Frauen arbeiten in der Fabrik <\/p>\n<p>Aber auch afrikanische Organisationen helfen bei der Rekrutierung mit. Die Nil-Stiftung beispielsweise, die in Somalia gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit k\u00e4mpft, oder der Sambia-Russland-Alumni-Verband posten auf ihren Kan\u00e4len Werbevideos der russischen Firma. Die Organisationen k\u00f6nnen sich bei Alabuga um einen Zuschuss bewerben, wenn sie f\u00fcr das Unternehmen aus Tatarstan werben. <\/p>\n<p>Und die Werbung zeigt Wirkung. Seit Beginn des Jahres 2023 stieg die Zahl der jungen Drohnenbauerinnen von 400 auf derzeit rund 1000. Die Frauen sind zwischen 18 und 22 Jahre alt und stammen aus insgesamt 85 L\u00e4ndern. Ein gro\u00dfer Teil von ihnen kommt aus afrikanischen Staaten, darunter Kenia und Uganda.<\/p>\n<p>                Keine Schutzkleidung, permanente \u00dcberwachung<\/p>\n<p>Dass die Arbeitsbedingungen in der russischen Fabrik alles andere als gut sind, sickert erst allm\u00e4hlich durch. \u201eEine Alabuga-Teilnehmerin schrieb mir aus Russland und hat mir erz\u00e4hlt, dass all diese Geh\u00e4lter nicht der Realit\u00e4t entsprechen. Die Kosten f\u00fcr die Unterkunft werden vom Gehalt abgezogen\u201c, berichtet Nicole Letaru. Die ungandische Influencerin stellt in ihrem YouTube-Kanal Jobs auf der ganzen Welt vor und hat 2024 auch f\u00fcr Alabuga geworben.<\/p>\n<p>Journalisten der ugandischen Tageszeitung New Vision ist es gelungen, per WhatsApp mit weiteren Alabuga-Arbeiterinnen in Kontakt zu treten. \u201eWir werden permanent \u00fcberwacht\u201c, schrieb ihnen eine der Frauen im November 2024. Sie k\u00f6nne deswegen nicht offen berichten. Der US-Nachrichtenagentur AP wurden Handyvideos aus Alabuga zugespielt, die Ausschl\u00e4ge auf H\u00e4nden und Gesicht zeigen. Zur\u00fcckzuf\u00fchren sind sie auf das Fehlen von Schutzkleidung beim Umgang mit Lacken. <\/p>\n<p>                Ukraine attackiert Drohnenfabrik<\/p>\n<p>Doch die Arbeit in der geheimen Drohnenfabrik kann sogar lebensgef\u00e4hrlich sein. Seit 2024 habe es mehrere ukrainische Angriffe auf das Firmengel\u00e4nde gegeben, berichtet Drohnenspezialist Spencer Faragasso. Er hat Videos und Satellitenbilder von den Milit\u00e4rschl\u00e4gen ausgewertet. \u201eBeim ersten Angriff gelang es den Ukrainern, ein mit Sprengstoff beladenes Propellerflugzeug in die Wohnheime zu fliegen. Es gab mehrere Verletzte. Aber unseres Wissens nach ist niemand gestorben\u201c, sagt er. <\/p>\n<p>Im April 2025 sei Alabuga erneut angegriffen worden. Faragasso: \u201eDie Ukraine nutzte eine \u00e4hnliche Strategie, aber mit mehr Zerst\u00f6rungskraft. Diesmal wurden die meisten von der Luftabwehr abgefangen. Satellitenbilder zeigen nur einen Krater auf dem Gel\u00e4nde neben der Halle, wo die Shahed-Drohnen gefertigt werden.\u201c <\/p>\n<p>Dass niemand verletzt wurde, ist wohl dem Umstand zu verdanken, dass Russland die Anlage inzwischen besser sch\u00fctzt. Satellitenbilder vom September 2024 deuten darauf hin, dass eine Luftabwehranlage errichtet und Schutzbunker ausgehoben wurden. Mit Erfolg: Im Dezember 2024 wurde ein weiterer Angriff abgewehrt. Doch die Ukraine hat das Gel\u00e4nde nach wie vor im Visier, so Faragasso.\u00a0 <\/p>\n<p>                Russische Botschaft spricht von \u201efalsche Anschuldigungen\u201c<\/p>\n<p>Immerhin berichteten die Medien in Afrika inzwischen \u00fcber die Zust\u00e4nde bei der Firma. Die kenianische Wochenzeitung \u201eThe East African\u201c etwa titelte im Mai 2025 \u201eDer Horror der ostafrikanischen Frauen, die f\u00fcr den Russlandkrieg Drohnen fertigen\u201c. Die russische Botschaft in Kenia reagierte prompt. Von einer \u201egro\u00dfangelegten Desinformationskampagne\u201c ist auf deren Webseite die Rede. Dies seien alles \u201efalsche Anschuldigungen\u201c. Auf Anfrage will sich die Botschaft jedoch nicht weiter \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n<p>Trotz solcher Berichte hat Alabuga mit einigen Regierungen neue Abkommen unterzeichnet, beispielsweise mit Sambia im September und mit Madagaskar im November 2024. Mit weiteren L\u00e4ndern sind Verhandlungen im Gange. Kenias Botschafter hat Alabuga im Mai 2025 besucht, nur wenige Wochen nach dem Angriff auf die Fabrik. Er war beeindruckt, wie er sagte. <\/p>\n<p>Alabuga rekrutiert unterdessen kr\u00e4ftig weiter. Satellitenbilder zeigen, dass derzeit neue Unterk\u00fcnfte f\u00fcr Arbeiterinnen gebaut werden.<\/p>\n<p>Beitrag: Simone Schlindwein, Onlinetext: tmk<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eine besch\u00e4digte Drohne vom Typ Shahed. Russland l\u00e4sst die fliegenden Bomben bei sogenannten Schwarm-Angriffen zu Hunderten aufsteigen. (picture&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":429439,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4012],"tags":[16302,331,332,10068,13,33085,23158,14,15,12,50580,317],"class_list":{"0":"post-429438","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-ukraine","8":"tag-afrika","9":"tag-aktuelle-nachrichten","10":"tag-aktuelle-news","11":"tag-drohnen","12":"tag-headlines","13":"tag-kampfdrohnen","14":"tag-kenia","15":"tag-nachrichten","16":"tag-news","17":"tag-schlagzeilen","18":"tag-uganda","19":"tag-ukraine"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115219134306526084","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/429438","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=429438"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/429438\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/429439"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=429438"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=429438"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=429438"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}