{"id":429791,"date":"2025-09-17T13:32:15","date_gmt":"2025-09-17T13:32:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/429791\/"},"modified":"2025-09-17T13:32:15","modified_gmt":"2025-09-17T13:32:15","slug":"als-komparsin-am-hollywood-set-und-dann-lief-tom-cruise-an-uns-vorbei-keine-zehn-zentimeter-entfernt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/429791\/","title":{"rendered":"Als Komparsin am Hollywood-Set: \u201eUnd dann lief Tom Cruise an uns vorbei, keine zehn Zentimeter entfernt\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Wenn sie den <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Film\" title=\"Film\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Film<\/a> heute sieht, ist der Ohrwurm sofort wieder da: \u201eF\u00fcr eine Nacht voller Seeligkeit, da geb\u2019 ich alles hin. Doch ich verschenk\u2019 mein Herz nur dann, wenn ich in Stimmung bin.\u201c <\/p>\n<p>Sobald die Melodie dieses Liedes erklang, stieg die Stuttgarterin Johanna Fritz aufs Parkett. Immer und immer wieder, stundenlang, \u201ebestimmt 300 Mal\u201c. Es war ihre Aufgabe am <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Hollywood\" title=\"Hollywood\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hollywood<\/a>-Set, im Sommer 2007.<\/p>\n<p>Hollywood-Stars kamen im Sommer 2007 nach <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Berlin\" title=\"Berlin\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Berlin<\/a> <\/p>\n<p>Johanna lebte noch nicht in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stuttgart<\/a>, sondern in Berlin, und studierte Kommunikationsdesign. In ihrer Freizeit nahm sie Tanzstunden in einer Berliner Tanzschule, Standard-Latein.<\/p>\n<p>Dort kam die Einladung. Es hie\u00df, eine Filmproduktion brauche tanzende Komparsen f\u00fcr einen Kinofilm, der im Raum Berlin gedreht werden sollte, erinnert sie sich. \u201eEs war komplettes Neuland f\u00fcr mich. Da ich alles rund ums Thema Film liebe, war gleich klar, dass ich da mitmachen m\u00f6chte.\u201c<\/p>\n<p>Heute ist Johanna 44 Jahre alt und lebt seit 17 Jahren in Stuttgart. Damals war sie 26 und erfuhr, dass der Film, zu dem sie eben zugesagt hatte, \u201eder Film mit <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Tom_Cruise\" title=\"Tom Cruise\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Tom Cruise<\/a> ist\u201c, wie es in ihrer Tanzschule hie\u00df. Trotzdem war sie in ihrem Kurs die einzige, die sich meldete.<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/media.media.02309d3b-29e0-4277-ae70-db9a8f017757.original1024.media.jpeg\"\/>     Die Stuttgarterin Johanna Fritz drehte am Set von \u201eOperation Walk\u00fcre\u201c mit Hollywood-Star Tom Cruise.    Foto: Johanna Fritz \/ IMAGO\/Avalon.red    <\/p>\n<p>Der Film mit Tom Cruise tr\u00e4gt den Titel \u201eOperation Walk\u00fcre\u201c. Er handelt vom Stauffenberg-Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944, das bekannterma\u00dfen scheiterte. <\/p>\n<p>Tom Cruise spielt darin Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Berufsoffizier der Wehrmacht und zeitgleich Widerstandsk\u00e4mpfer gegen den Nationalsozialismus. Und sp\u00e4terer Attent\u00e4ter. An der Seite des Hollywood-Stars: ein Ensemble um Kenneth Branagh, Bill Nighy und Carice van Houten. Und sie alle kamen im Sommer 2007 f\u00fcr die Dreharbeiten nach Berlin.<\/p>\n<p> Hollywood-Set in ehemaligem Offizierskasino <\/p>\n<p>Von der Einladung bis zum Drehtag vergingen \u201eein bis zwei Monate\u201c, sagt Johanna. Sie wusste, sie w\u00fcrde tanzen m\u00fcssen, mehr aber nicht. \u201eEs gab kein Briefing oder so.\u201c <\/p>\n<p>Im Morgengrauen ging es los, erinnert sie sich. Ihr Tanzpartner holte sie ab. Er war von der gleichen Tanzschule wie sie. Sie kannte ihn nicht. Ebenso wenig die anderen Komparsinnen und Komparsen am Filmset. \u201eEs waren an die hundert.\u201c <\/p>\n<p>Das Filmset war ein ehemaliges Offizierskasino in Potsdam. Gedreht werden sollte eine Szene, die sp\u00e4ter im Film so zu sehen ist: Bei einem Empfang im Offizierskasino sitzt der General der Nachrichtentruppe und sp\u00e4tere Widerstandsk\u00e4mpfer Erich Fellgiebel (Eddie Izzard) an einem Tisch, unterh\u00e4lt sich mit Frauen und trinkt einen Whiskey leer. <\/p>\n<p>In seinem n\u00e4chsten Whiskeyglas findet er eine versteckte Botschaft, die ihm zu verstehen gibt, dass er sich mit Stauffenberg treffen soll. Im Hintergrund tanzen derweil weitere NSDAP-Mitglieder mit ihren Frauen auf dem Parkett. <\/p>\n<p> \u201eWir haben diese Szene bestimmt 300 Mal gedreht\u201c <\/p>\n<p>Johanna sollte eine der vielen tanzenden Frauen auf dem Parkett spielen, ihr Tanzpartner einen beliebigen NSDAP-Mann. Am Set ging es f\u00fcr Johanna zun\u00e4chst in die Maske und in den Kost\u00fcmraum. Mit Hochsteckfrisur, Ballkleid und High Heels kam sie wieder raus, rundum verwandelt. \u201eEigentlich bin ich eher so der Flip-Flop-Typ\u201c, sagt sie.<\/p>\n<p>Bevor die Kameras liefen, tanzten sich die Komparsen ein. Die Schauspieler kamen erst wenige Augenblicke, bevor die Kameras liefen, erinnert sich Johanna. Dann gingen die Dreharbeiten los.<\/p>\n<p>Johanna und ihr Tanzpartner stiegen mit den vielen weiteren Komparsen aufs Parkett, \u201eF\u00fcr eine Nacht voller Seeligkeit\u201c erklang, und sie tanzten. Immer und immer wieder. \u201eWir haben diese Szene bestimmt 300 Mal gedreht\u201c, sagt Johanna. Im Film dauert sie 33 Sekunden. \u201eMan kann es sich vorher nicht vorstellen, wie viel Aufwand so ein paar Szenen f\u00fcr einen Film sind\u201c, sagt Johanna.<\/p>\n<p>Zwischen den Takes gab es f\u00fcr die Komparsen immer wieder lange Drehpausen, erinnert sie sich. \u201eDas war teilweise echt erm\u00fcdend, weil wir einfach an unserem Tisch sa\u00dfen und darauf gewartet haben, dass es wieder losging.\u201c Sobald das Lied erklang, \u201ehie\u00df es wieder: strahlen, tanzen und eintauchen in diese Zeit\u201c, erz\u00e4hlt Johanna. Von der eigentlichen Szene um den NS-General und die versteckte Botschaft in seinem Whiskeyglas bekam sie auf dem Parkett gar nichts mit, sagt sie.<\/p>\n<p>Trotz der vielen Takes und der langen Pausen sagt Johanna: \u201eDie Stimmung war super, alle waren gerne da. Man hatte das Gef\u00fchl: Wir sind alle Teil von etwas, von einem Ergebnis, das wir erst sp\u00e4ter sehen werden.\u201c<\/p>\n<p> Und dann tauchte Tom Cruise auf <\/p>\n<p>Als die Parkettszene im Kasten war, sp\u00e4t am Abend, wurden Johanna und ihr Tanzpartner noch f\u00fcr eine weitere Szene ausgew\u00e4hlt. \u201eIch fand\u2019s so cool\u201c, sagt sie. Denn in diese Szene sollte auch der Hauptdarsteller involviert sein: Tom Cruise. \u201eEr hat alle Komparsen begr\u00fc\u00dft und war sehr freundlich. Er war mit seiner Familie am Set, mit seiner damaligen Frau <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Katie_Holmes\" title=\"Katie Holmes\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Katie Holmes<\/a> und der gemeinsamen Tochter\u201c, erz\u00e4hlt Johanna.<\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/media.media.761d7076-a36e-47f2-9543-42fc2deb7be4.original1024.media.jpeg\"\/>     Tom Cruise reiste mit seiner damaligen Frau Katie Holmes und Tochter Suri im Sommer 2007 zu den Dreharbeiten nach Berlin.    Foto: IMAGO\/Avalon.red    <\/p>\n<p>Die Szene: Johanna und ihr Tanzpartner sollten in einem Gang stehen und sich unterhalten. \u201eDurch den Gang lief dann Tom Cruise mit einigen weiteren Schauspielern, keine zehn Zentimeter von uns entfernt.\u201c Eine beil\u00e4ufige Szene, aber sie und ihr Tanzpartner schafften es neben Tom Cruise in die Nahaufnahme, sagt sie.<\/p>\n<p>Gegen 1 Uhr endete der Drehtag, mitten in der Nacht. Johanna bekam \u201e150 oder 200 Euro\u201c, sagt sie. \u201eEs war echt super anstrengend, aber ich habe jede Minute geliebt.\u201c<\/p>\n<p> Beim ersten Schauen kam die Entt\u00e4uschung <\/p>\n<p>Anderthalb Jahre sp\u00e4ter kam der Film in die deutschen Kinos. \u201eIch hab\u2019 mich beim ersten Mal nat\u00fcrlich gesucht\u201c, sagt Johanna. Sie fand sich nicht. Die Szene mit Tom Cruise taucht im Film gar nicht auf, bei der Parkettszene ist sie \u201eeventuell einmal unscharf im Hintergrund\u201c zu sehen. \u201eDu bist nat\u00fcrlich kurz entt\u00e4uscht, weil du auch den langen Drehtag im Hinterkopf hast\u201c, sagt Johanna.<\/p>\n<p>F\u00fcr sie aber \u00fcberwiegt die sch\u00f6ne Erinnerung an den Tag. \u201eDie kann mir keiner nehmen. Und ich hab\u2019 es letztlich ja genau daf\u00fcr gemacht. F\u00fcr mich.\u201c Wenn sie den Film heute sieht, sagt sie, kommt alles wieder hoch: die Tanzszene, das Warten, das Lied, der Ohrwurm. <\/p>\n<p> Komparsen f\u00fcr Kinofilm im Raum Stuttgart gesucht <\/p>\n<p class=\"infobox\"> F\u00fcr einen noch geheimen internationalen Kinofilm <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.aus-der-region-stuttgart-komparsen-fuer-internationalen-kinofilm-gesucht.0676d317-be9d-4afb-8e97-f0e79f2a06fd.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">sucht eine Filmagentur Hunderte Komparsen im Gro\u00dfraum Stuttgart<\/a>. Gedreht wird im Oktober und November. Alle Infos zur Bewerbung <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.aus-der-region-stuttgart-komparsen-fuer-internationalen-kinofilm-gesucht-so-koennen-sie-sich-bewerben.792a3df1-c75a-441a-98b1-8178e5cbdba9.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">finden Sie hier<\/a>. Johanna Fritz hat sich bereits beworben, sagt sie.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wenn sie den Film heute sieht, ist der Ohrwurm sofort wieder da: \u201eF\u00fcr eine Nacht voller Seeligkeit, da&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":429792,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1830],"tags":[1634,112386,3364,29,30,683,95,77193,112383,112384,112385,112387,1441,34024],"class_list":{"0":"post-429791","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-stuttgart","8":"tag-baden-wuerttemberg","9":"tag-claus-schenk-graf-von-stauffenberg","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-germany","13":"tag-hollywood","14":"tag-kino","15":"tag-komparse","16":"tag-komparsin","17":"tag-operation-walkuere","18":"tag-stauffenberg","19":"tag-stauffenberg-attentat","20":"tag-stuttgart","21":"tag-tom-cruise"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115219893166318849","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/429791","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=429791"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/429791\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/429792"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=429791"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=429791"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=429791"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}