{"id":430903,"date":"2025-09-17T23:50:11","date_gmt":"2025-09-17T23:50:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/430903\/"},"modified":"2025-09-17T23:50:11","modified_gmt":"2025-09-17T23:50:11","slug":"das-kabarettarchiv-in-mainz-zeigt-notentitelblaetter-der-20er-jahre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/430903\/","title":{"rendered":"Das Kabarettarchiv in Mainz zeigt Notentitelbl\u00e4tter der 20er-Jahre"},"content":{"rendered":"<p>Titelbl\u00e4tter von Noten zeigten das neue Selbstbewusstsein der Frauen<\/p>\n<p>1928 besingt die heute fast vergessene Soubrette Trude Lieske ein Problem, das uns auch heute noch bekannt vorkommt: \u201eBenjamin, ich hab nichts anzuziehen\u2026\u201c\u00a0Auf dem Titelblatt zu den Noten ist die Silhouette einer Frau im langen roten Kleid zu sehen. Theatralisch wirft sie die Arme \u00fcber ihren Kopf mit dem damals typischen kurzen Bubikopf. <\/p>\n<p>Dass die Frauen in den 20er-Jahren neues Selbstbewusstsein entwickelt haben \u2013 vor allem in den Gro\u00dfst\u00e4dten \u2013 sei vor allem den Lebensumst\u00e4nden geschuldet, sagt Archivleiterin Martina Keiffenheim. Nach dem Ersten Weltkrieg seien viele Frauen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auf sich gestellt gewesen, mussten ihren eigenen Lebensunterhalt verdienen, um Miete und Essen zu zahlen. Sie wurden immer selbst\u00e4ndiger und selbstbewusster. <\/p>\n<p>\u201eSo, wie es gerade war, stellen die Notenhefte die Gepflogenheiten im Alltag auch dar\u201c, so Martina Keiffenheim: \u201eDie arbeitende Frau, die Frau, die modisch tr\u00e4gt. Die Frau, die tanzen geht, die Frau, die selbstt\u00e4tig im Caf\u00e9 bezahlt. Sie braucht keinen Mann dazu.\u201c<\/p>\n<p>Titelbl\u00e4tter erz\u00e4hlen vom Boxkampf und der Badelust am Wannsee<\/p>\n<p>\u00a0Ein erstes Role Model war die S\u00e4ngerin Claire Walldorf. Sie trug schon fr\u00fch Schlips und Hosen und lebte mit einer Frau zusammen. Nicht nur im Berlin der 20er-Jahre war sie ein Star. Genauso wie Max Schmeling. Denn auch vom Spa\u00df am Boxkampf, der neu entdeckten Badelust am Wannsee und anderem Freizeitvergn\u00fcgen erz\u00e4hlen die Notentitelbl\u00e4tter der Ausstellung.<\/p>\n<p>\u201eRh\u00f6nradturnen wurde erfunden in den Zwanzigerahren\u201c erz\u00e4hlt Martina Keiffenheim. \u201eDie Frau hat sich auch im Sport etabliert, hat sogar beim Tennisspielen einen besonderen Rock bekommen, damit sie sich auch wirklich bewegen konnte. Insgesamt war die Mode auch l\u00e4ssiger und auch nicht mehr eingeschn\u00fcrt.\u201c<\/p>\n<p>Vor hundert Jahren h\u00f6rten die Menschen Musik vor allem live<\/p>\n<p>\u00a0Davon erz\u00e4hlen Original-Badeanz\u00fcge und Kleider aus der Zeit. An H\u00f6rstationen k\u00f6nnen die Besucher die Musik passend zu den Notentitelbl\u00e4ttern anh\u00f6ren. Ein Raum \u2013 eingerichtet wie eine Zwanzigerjahrebar samt Tanzkapelle \u2013 l\u00e4dt dazu ein, den Charleston einmal selbst auszuprobieren. Vor  hundert Jahren h\u00f6rten die meisten Menschen Musik vor allem live. <\/p>\n<p>Das hat zur Vielfalt der Notentitelbl\u00e4tter gef\u00fchrt, sagt Martina Keiffenheim:\u00a0\u201eRadio hatten ja die wenigsten, Tonfilm ist sp\u00e4ter erst entstanden. Hausmusik haben viele gemacht. Und dadurch, dass durch Revuen und Operetten Lieder immer bekannter wurden und einzelne Lieder ausgekoppelt wurden, hat man sie dann eben vermarktet, so dass die Leute das nachspielen konnten.\u201c<\/p>\n<p>Vor 50 Jahren waren diese Titelbl\u00e4tter Altpapier<\/p>\n<p>Rund 2500 Notentitelbl\u00e4tter geh\u00f6ren zum Bestand des Deutschen Kabarettarchivs in Mainz. Der 2010 verstorbene Archivgr\u00fcnder Reinhard Hippen kam durch Zufall an diese Sammlung.\u00a0Denn die Noten in den 1960er -70er Jahren waren diese Noten Altpapier. <\/p>\n<p>Karl Ebling, Musikalienh\u00e4ndler in Mainz, bot Reinhard Hippen damals solches \u00a0\u201eAltpapier an\u201c: \u201eHier in meinem Hinterzimmer, da stapelt sich das Altpapier, willst du das haben? Ein Kilo, eine Mark\u201c, erz\u00e4hlt Martina Keiffenberg von der Anfrage des H\u00e4ndlers. \u201eUnd dann kam Hippen, der ja Grafikdesigner war. Er hat sofort diese Illustrationen gesehen und das Original-Material. Da hat er nat\u00fcrlich alles aufgekauft\u201c, so Martina Keiffenheim.<\/p>\n<p>Die aussagekr\u00e4ftigsten Titelbl\u00e4tter sind nun in der Ausstellung zu sehen. Einzelne davon sind inzwischen mehrere tausend Euro wert.\u00a0<\/p>\n<p>\nWas | Wann | Wo\n<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/kabarett.de\/benjamin-ich-hab-nichts-anzuziehn\" class=\"link link-inline inline-link\" title=\"Benjamin, ich hab nichts anzuziehen - Ausstellung Kabarettarchiv Mainz\" target=\"_blank\" rel=\"external noopener noreferrer nofollow\" data-pjax=\"0\">Benjamin, ich hab nichts anzuziehn<\/a><br \/>Notentitelbl\u00e4tter der Goldenen Zwanziger \u2013 Kunst zwischen Jazz, Avantgarde und Art d\u00e9co<\/p>\n<p><strong>Wann: <\/strong>08.06.2025 bis 28.06.2026<\/p>\n<p><strong>Wo: <\/strong>Deutsches Kabarettarchiv<br \/>Neue Universit\u00e4tsstra\u00dfe 2<br \/>55116 Mainz<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Titelbl\u00e4tter von Noten zeigten das neue Selbstbewusstsein der Frauen 1928 besingt die heute fast vergessene Soubrette Trude Lieske&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":430904,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1847],"tags":[3364,29,548,663,3934,30,13,2052,14,15,12,4544],"class_list":{"0":"post-430903","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-wiesbaden","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europe","13":"tag-germany","14":"tag-headlines","15":"tag-hessen","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-schlagzeilen","19":"tag-wiesbaden"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115222323348940800","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/430903","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=430903"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/430903\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/430904"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=430903"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=430903"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=430903"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}