{"id":43120,"date":"2025-04-19T01:13:14","date_gmt":"2025-04-19T01:13:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/43120\/"},"modified":"2025-04-19T01:13:14","modified_gmt":"2025-04-19T01:13:14","slug":"keramiken-vier-kontinente-wieder-im-zoo-leipzig-aufgestellt-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/43120\/","title":{"rendered":"Keramiken \u201eVier Kontinente\u201c wieder im Zoo Leipzig aufgestellt \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Viele Leipzigerinnen und Leipziger werden sie gut kennen: Es geht um die keramischen Plastiken der \u201eVier Kontinente\u201c, die bis zum Start des Bauvorhabens Feuerland einige Jahrzehnte vor dem Tierkindergarten im Leipziger Zoo standen. Ab sofort sind sie nach sieben Jahren Pause wieder im Zoo zu sehen \u00ad\u2013 nun in der Arche und im Rosengarten. Das Kulturamt der Stadt Leipzig als Eigent\u00fcmerin der Plastiken von Willy M\u00fcnch-Khe hat die Zwischenzeit zur Restaurierung der Werke genutzt.<\/p>\n<p>Die Kosten der Restaurierung in H\u00f6he von 25.000 Euro wurden durch den Freistaat Sachsen mit 13.000 Euro aus Landesdenkmalsmitteln unterst\u00fctzt. Zugleich sind Informationstafeln entstanden, die an beiden Standorten \u00fcber die kritische Geschichte der Plastiken wie auch des K\u00fcnstlers informieren.<\/p>\n<p>Die Entstehungsgeschichte der \u201eVier Kontinente\u201c wurde nicht aufgezeichnet. Anzunehmen ist, dass sie eigens f\u00fcr den Zoo Leipzig von Willy M\u00fcnch-Khe (1885\u20131960) geschaffen wurden. Die in der Arche stehenden Plastiken \u201eJunge auf Fisch\u201c und \u201eJunge auf Schnecke\u201c sind datiert mit 1931. Es l\u00e4sst sich nachweisen, dass sie 1933 am damaligen Zierentenweiher aufgestellt wurden. Sie sind in Ton ausgef\u00fchrt und farbig glasiert.<\/p>\n<p>K\u00fcnstlerische Idee und Gestaltung m\u00fcssen zur damaligen Zeit gefallen haben. Nur so l\u00e4sst sich erkl\u00e4ren, dass 1934 zwei Plastiken in einer anderen technischen, best\u00e4ndigeren Ausf\u00fchrung, aber in identischer Form geschaffen wurden und dazu zwei weitere: \u201eJunge auf Kr\u00f6te\u201c und \u201eJunge auf Schildkr\u00f6te\u201c.<\/p>\n<p>Als Vierergruppe wurden sie 1935 am Schmuckplatz zwischen Raubtierhaus und Aquarium am Wasserbecken aufgestellt. Ab 1974 standen alle sechs Plastiken vor dem damaligen Tierkindergarten und waren ein beliebtes Fotomotiv bis zum Abbau im Jahr 2018.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/263-sf-Zoo-Vier-Kontinente-c.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-622339 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/263-sf-Zoo-Vier-Kontinente-c.jpg\" alt=\"Zoo Leipzig: Keramiken Vier Kontinente im Rosengarten. Foto: Stadt Leipzig\" width=\"2250\" height=\"1500\"  \/><\/a>Zoo Leipzig: Keramiken Vier Kontinente im Rosengarten. Foto: Stadt Leipzig<\/p>\n<p>In Abstimmung mit dem Migrantenbeirat der Stadt Leipzig vermitteln an den beiden neuen Standorten jetzt Tafeln Informationen zur Geschichte. Diese kn\u00fcpft an ein problematisches Erbe an. Die vier Plastiken repr\u00e4sentieren Afrika, Asien, Europa und Amerika. Eine solche Personifizierung der Kontinente geht auf eine lange Tradition zur\u00fcck und beruht auf einer oft stereotypen Perspektive auf nicht-europ\u00e4ische Kulturen.<\/p>\n<p>Willy M\u00fcnch-Khe hat eine eigenwillige Interpretation geschaffen. Kinder reiten auf Tieren und musizieren. Weder die Musikinstrumente stehen f\u00fcr die Erdteile, noch sind die Tiere typisch. Eher scheinen sie den urspr\u00fcnglichen Aufstellungsorten im Zoo angepasst, in dessen nass-feuchtem Ambiente sich Kr\u00f6te, Schildkr\u00f6te, Schnecke und Fisch wohlf\u00fchlen.<\/p>\n<p>Mit diesem Konzept folgte der K\u00fcnstler weniger den g\u00e4ngigen Mustern. Sein unkritischer Blick auf koloniale und rassistische Darstellungen wird heute aber keineswegs geteilt und ist ein Zeugnis der damaligen Zeit, so das Kulturamt.<\/p>\n<p>Auch seine Biografie lasse Fragen offen. Die Einstufung als \u201eMitl\u00e4ufer\u201c im Zuge der Entnazifizierung bleibt zu hinterfragen. Willy M\u00fcnch-Khe wurde 1912 an die K\u00f6nigliche Porzellanmanufaktur Mei\u00dfen berufen und war sp\u00e4ter auch f\u00fcr die Manufakturen in Karlsruhe, Rosenthal und Villeroy &amp; Boch t\u00e4tig. 1931 trat er in die NSDAP ein. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er als \u201eMitl\u00e4ufer\u201c eingestuft. Von 1949 bis 1953 lebte er in Argentinien.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck in Deutschland, lie\u00df er sich in Karlsruhe nieder, wo er weiterhin Auftr\u00e4ge von den Manufakturen Mei\u00dfen, Villeroy &amp; Boch und Hutschenreuther erhielt. Die Plastiken sind als k\u00fcnstlerisches Erbe und Ausdruck ihrer Zeit zu bewahren, so das Kulturamt. Die Verantwortung zur Ablehnung kolonialistischer Diffamierung \u2013 so unauff\u00e4llig sie daherkommt \u2013 sei der Stadt Leipzig dabei bewusst. Die \u201eVier Kontinente\u201c werden f\u00fcr die kritische Auseinandersetzung sichtbar erhalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Viele Leipzigerinnen und Leipziger werden sie gut kennen: Es geht um die keramischen Plastiken der \u201eVier Kontinente\u201c, die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":43121,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1832],"tags":[3364,29,30,6371,71,859,7962],"class_list":{"0":"post-43120","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-leipzig","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-kolonialismus","12":"tag-leipzig","13":"tag-sachsen","14":"tag-zoo-leipzig"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114361978556009392","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/43120","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=43120"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/43120\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/43121"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=43120"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=43120"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=43120"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}