{"id":431738,"date":"2025-09-18T07:42:44","date_gmt":"2025-09-18T07:42:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/431738\/"},"modified":"2025-09-18T07:42:44","modified_gmt":"2025-09-18T07:42:44","slug":"wie-der-kuenstler-miguel-chevalier-seine-immersive-kunst-erfindet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/431738\/","title":{"rendered":"Wie der K\u00fcnstler Miguel Chevalier seine immersive Kunst erfindet"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Werkschau in M\u00fcnchen ist die gr\u00f6\u00dfte Ausstellung Ihres Werkes in Europa \u2013 wie geht es Ihnen damit?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Miguel Chevalier<\/strong>: Es ist eine gro\u00dfe Ehre, dass die Kunsthalle mir die M\u00f6glichkeit gibt, eine Auswahl der Werke aus meinen 40 Jahren Schaffenszeit zu zeigen. Die Kuratorin Fransziska St\u00f6hr hat einen wunderbaren Parcours geschafen, der der Ausstellung einen roten Faden gibt und viele Eindr\u00fccke erm\u00f6glicht.<\/p>\n<blockquote>\n<p>&#8222;K\u00fcnstler haben immer die Mittel ihrer Zeit genutzt&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><strong>Ihr Werkzeug ist der Computer &#8211; warum?<\/strong><\/p>\n<p>Ich nutze Computer so, wie andere das Medium Fotografie oder Video nutzen. K\u00fcnstler haben immer die Mittel ihrer Zeit genutzt. Ich versuche, mit den heutigen Werkzeugen meiner Zeit zu entsprechen. Ich habe schon in den 1980er Jahren begonnen, die Digitaltechnik zu erkunden. Nach all den Avantgarden des 20. Jahrhunderts, die die Malerei bis zur Minimal Art getrieben haben, fragte ich mich damals: Was muss ich tun? Und so kam ich dazu, mit computergest\u00fctzten Werkzeugen zu arbeiten.<\/p>\n<p><strong>Viele Kunstwerke wurden eigens f\u00fcr die Ausstellung geschaffen. Wie entstehen diese multimedialen und interaktiven Werke?<\/strong><\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte mit meiner Arbeit nicht die digitale Welt verherrlichen, sondern zeigen, wie man Werke schaffen kann, die Installationen sind \u2013 generative Werke, die sich im Laufe der Zeit ver\u00e4ndern, und interaktive Werke.<\/p>\n<p>Wenn sich das Publikum bewegt, ver\u00e4ndert sich das Werk, und wenn mehrere Personen anwesend sind, entsteht ein ganz anderes Ergebnis. Das macht die Besonderheit der digitalen Welt aus.<\/p>\n<p>Diese Werke sind mit der Idee verbunden, dass man heute immaterielle Werke schaffen kann, aber auch etwas Virtuellem eine Materialit\u00e4t verleihen kann \u2013 ich kann postvirtuelle Skulpturen schaffen. Viele K\u00fcnstler gehen heute von der Realit\u00e4t aus, um sich dem Virtuellen zu n\u00e4hern. Ich gehe von einem algorithmischen Universum aus. Die Software erm\u00f6glicht es, Werke zu schaffen, deren Entwicklung ich anhalten kann: Ich kann mit einem 3D-Drucker daraus Skulpturen herstellen, digitale Keramiken oder mit einem Roboter ein Werk schaffen. Ich kann Verbindungen oder Traditionen, die wir kennen, wiederherstellen, aber mit einer digitalen \u00c4sthetik.<\/p>\n<p>Das Interessante an dieser Ausstellung ist, dass sowohl virtuelle als auch materielle Werke gezeigt werden. Das macht die St\u00e4rke dieser Ausstellung aus: Sie l\u00f6st sich vom Bildschirm, um sich im Raum zu entfalten und Werke zu schaffen, die vollst\u00e4ndig immersiv sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<blockquote>\n<p>&#8222;KI ist ein sehr m\u00e4chtiges Werkzeug&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><strong>Wie bewerten Sie die Interaktion von K\u00fcnstlicher Intelligenz und Kreativit\u00e4t?<\/strong><\/p>\n<p>Ich glaube nicht, was viele K\u00fcnstler und Leute sagen \u2013 dass es vorbei ist, dass K\u00fcnstler aufgrund von K\u00fcnstlicher Intelligenz keine Ideen mehr haben k\u00f6nnen, dass es das Ende der Vorstellungskraft sein wird. Mit erm\u00f6glicht die KI eine Neuausrichtung meiner gesamten Arbeit, es er\u00f6ffnet mir neue M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p>KI ist ein sehr m\u00e4chtiges Werkzeug. Wer man keine genaue Vorstellung davon hat, was man machen will, bleibt es nur ein Werkzeug. Wir k\u00f6nnen sehr einfach Fotos machen mit unserem Smartphone. Aber ein Computer und die K\u00fcnstliche Intelligenz haben kein Bewusstsein f\u00fcr das Bild.<\/p>\n<p><strong>K\u00f6nnen Sie das an einem Beispiel erkl\u00e4ren?<\/strong><\/p>\n<p>Chevalier: Es geht darum, wie man diese k\u00fcnstliche Intelligenz nutzt. F\u00fcr das letzte Werk im Parcours der Ausstellung habe ich zun\u00e4chst eine Datenbank mit Zeichnungen und Fotos angelegt. Mit Hilfe von K\u00fcnstlicher Intelligenz konnte ich eine neue Bilddatenbank mit Baumtexturen, Bl\u00e4ttern und Blumen erstellen, wodurch Transparenzeffekte entstehen, die man mit Fotos oder von Hand nicht oder nur sehr schwer erzielen kann. Damit entsteht eine ganz neue Vorstellungswelt.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde die Arbeit eher als digitalen Impressionismus bezeichnen, eine Art Hommage an Monet, der zun\u00e4chst mit seinen gro\u00dfformatigen Bildern versucht hat, in das Gem\u00e4lde einzutreten und auch mit der Beziehung zur Zeit und zum Licht zu arbeiten.<\/p>\n<p>In meinem Werk arbeite ich auch mit Licht und Zeit. Nur dass es um eine Serie von Bildern geht, die sich in dem Moment generiert, in dem wir sie sehen, und der Computer erstellt Tausende von Variationen. Sie werden nie wieder dasselbe Motiv sehen. Sie werden dieselben Elemente sehen, aber jedes Mal unterschiedliche Kompositionen.<\/p>\n<p>Und das interessiert mich: wie man den Zufall nutzen kann. Der Zufall ist eine Quelle f\u00fcr \u00dcberraschungen und interessante Kompositionen. Und ich versuche, die richtigen Zutaten zu verwenden, um m\u00f6glichst viele interessante Kompositionen zu erhalten.<\/p>\n<blockquote>\n<p>&#8222;Ich beanspruche nicht die Software f\u00fcr mich, sondern den k\u00fcnstlerischen Teil, den man mit dieser Software schaffen kann&#8220;<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><strong>Ver\u00e4ndert sich damit die Rolle des K\u00fcnstlers?<\/strong><\/p>\n<p>Das ist nichts Neues. Michelangelo arbeitete mit einer Gruppe von Assistenten zusammen, die ihm halfen, einen Teil der K\u00f6rper zu gestalten, und er vollendete die H\u00e4nde, den Kopf.<\/p>\n<p>Ich bin nicht der Autor der Software. Ich lasse nach meinen Ideen produzieren. Ich arbeite mit Informatikern zusammen, die sich sehr gut mit Sensoren auskennen, mit Experten, die sich in ihren Bereichen sehr gut auskennen. Ich bringe Kompetenzen zusammen und entwickele ma\u00dfgeschneiderte Software, die es auf dem Markt nicht gibt, die man nicht kaufen kann.<\/p>\n<p>Ich beanspruche nicht die Software f\u00fcr mich, sondern den k\u00fcnstlerischen Teil, den man mit dieser Software schaffen kann. Mein Team verschafft mir das Werkzeug, damit ich die Werke schaffen kann, die Sie hier sehen.<\/p>\n<p>Mit geht es darum, mit den heutigen Mitteln in meiner Zeit zu wirken und k\u00fcnstlerisch \u00fcber unsere Welt zu sprechen. Ich will nicht die digitale Welt verherrlichen, sondern Werke schaffen, die Emotionen und Sensibilit\u00e4t wecken und \u00fcber die Technik hinausgehen. Das ist es, was ich mit diesen Kreationen erreichen m\u00f6chte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Werkschau in M\u00fcnchen ist die gr\u00f6\u00dfte Ausstellung Ihres Werkes in Europa \u2013 wie geht es Ihnen damit?&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":431739,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1775],"tags":[3274,1793,29,214,9485,30,5508,1794,14,15,575,9486,215],"class_list":{"0":"post-431738","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kunst-und-design","8":"tag-kirche","9":"tag-art-and-design","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-evangelisch","13":"tag-germany","14":"tag-journalismus","15":"tag-kunst-und-design","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-religion","19":"tag-sonntagsblatt","20":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115224179164551444","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/431738","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=431738"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/431738\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/431739"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=431738"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=431738"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=431738"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}