{"id":432579,"date":"2025-09-18T15:35:11","date_gmt":"2025-09-18T15:35:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/432579\/"},"modified":"2025-09-18T15:35:11","modified_gmt":"2025-09-18T15:35:11","slug":"opernchef-viktor-schoner-event-nennen-wir-es-enthusiasmus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/432579\/","title":{"rendered":"Opernchef Viktor Schoner: \u201eEvent? Nennen wir es Enthusiasmus!\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Der Intendant der Staatsoper Stuttgart, Viktor Schoner, ist stolz auf den gro\u00dfen Zuspruch f\u00fcr das Programm der vergangenen Saison \u2013 und blickt voraus auf die neue Spielzeit.<\/p>\n<p>Was kann ein Opernhaus tun, um wahrgenommen zu werden? Fragen an Viktor Schoner, der sich immer wieder f\u00fcr \u201edie coolste und verr\u00fcckteste aller Kulturtechniken\u201c begeistert. <\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Herr Schoner, in der vergangenen Stuttgarter Opernspielzeit gab es die h\u00f6chste Auslastung seit 20 Jahren. Was ist der Grund daf\u00fcr?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Die Vielfalt unseres Angebots. Auch in der neuen Saison bieten wir mit 135 Vorstellungen sehr viel \u201eklassische\u201c Oper an, aber zwischendurch \u00f6ffnen wir uns auch f\u00fcr andere Interessensgruppen. Mutma\u00dflich f\u00fchrt dieser Mix dann dazu, dass am Ende eine gute Zahl steht. Und es zeigt, dass wir nicht nur eine Staats-Oper sind, sondern auch als Stadt-Oper angenommen werden. Wichtige Mitstreiter in dieser Sache sind die Leute vom JOiN. Sie sind Tr\u00fcffelschweine auf der Suche nach der Gesellschaft, in der wir leben.<\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Was muss ein Opernhaus heute leisten, um wahrgenommen zu werden?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Der Wettbewerb um Aufmerksamkeit ist riesig. Wenn wir ein Konzert mit der Punkband Die Nerven machen, dann tun wir das vor allem f\u00fcr Menschen, die vielleicht erst dadurch erfahren, dass es uns \u00fcberhaupt gibt. Und das ist extrem wichtig. <\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Braucht das Publikum \u201eEvents\u201c?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Das ist wie in einem guten Restaurant: Man braucht einen guten Grund, dort hinzugehen und daf\u00fcr Geld auszugeben. Und man sollte so rausgehen, dass man Lust hat wiederzukommen. Wir haben einen gro\u00dfen Abonnentenstamm, aber der kann nat\u00fcrlich noch wachsen. Ansonsten: Nennen wir es nicht \u201eEvent\u201c. Nennen wir es Aufregung, Stadtgespr\u00e4ch, vielleicht einfach: Enthusiasmus! Idealerweise bringt eine Auff\u00fchrung Inspiration, die daf\u00fcr sorgt, dass wir mal hinaustreten aus unseren allt\u00e4glichen Sorgen. Oper bietet solch einen Raum. Und sie ist ein Ort der Emotionen. Heute erz\u00e4hlt sich so Vieles \u00fcber Emotionen, da ist die Oper das Genre der Zeit.<\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Sie holen Maeckes, Max Herre und Die Nerven ins Opernhaus. Geht das Publikum, das diese Konzerte besucht, dann auch in \u201eTurandot\u201c?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Diese Frage ist alt, und sie interessiert mich nicht so sehr. Jede Veranstaltung muss in sich selbst Qualit\u00e4t haben. Das allein z\u00e4hlt. Ob die Leute nach einem Pop-Konzert in die \u201eTraviata\u201c gehen, ist nicht so wichtig. Im \u00dcbrigen waren die experimentellsten Projekte in der letzten Saison die mitunter erfolgreichsten, auch in den Zahlen. Aber ich feiere jeden Abend f\u00fcr sich. Und ich glaube immer noch an die Oper als die coolste, verr\u00fcckteste und wahnsinnigste aller Kulturtechniken. <\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Unter welchen Gesichtspunkten suchen Sie Ihre Urauff\u00fchrungen aus? <\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">In einem Versammlungsort mit 1400 Pl\u00e4tzen ist eine Urauff\u00fchrung eine Herausforderung. Wir haben jetzt aber Gefallen gefunden an Themen rund um unsere Stadt und zeigen deshalb in dieser Saison \u201eStation Paradiso\u201c von der kroatischen Komponistin Sara Glojnari\u0107, die in Stuttgart studiert hat. Die Erfolgsgeschichte Stuttgarts ist ja auch ein Erfolgsgeschichte der so genannten Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter. Mit einigen von ihnen hat Glojnari\u0107 Interviews gef\u00fchrt und sie nach der Musik gefragt, die bei ihnen Heimatgef\u00fchle ausl\u00f6st. Da wurden historische Kassetten geh\u00f6rt, es wurde viel geweint, und diese Gespr\u00e4che bilden die Basis f\u00fcr ein k\u00fcnstlerisches Projekt, das neben Matthias Klink auch unsere beiden kroatischen Ensemble-Stars Diana Haller und Goran Juri\u0107 mit tragen werden. Das wird die erste Oper \u00fcberhaupt, die sich mit Geschichten von Migration auseinandersetzt! <\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">\u201eSancta\u201c wurde von der Zeitschrift \u201eTheater heute\u201c zur \u201eAuff\u00fchrung des Jahres\u201c gew\u00e4hlt. Ein Sieg des Skandals? <\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">\u201eSancta\u201c war ein interessantes Experiment. Es hat gezeigt, dass es funktioniert, wenn man die Reizschwelle hoch setzt. Und interessant ist auch, dass der Ausgangspunkt des Projektes, Hindemiths \u201eSancta Susanna\u201c, vor \u00fcber hundert Jahren schon einmal f\u00fcr einen Skandal sorgte, weil der Dirigent damals die Urauff\u00fchrung des St\u00fccks in Stuttgart wegen Blasphemie ablehnte. Jetzt galt die Aufmerksamkeit der \u00e4sthetischen Umsetzung. F\u00fcr mich ist Florentina Holzinger eine sehr wichtige k\u00fcnstlerische Stimme unserer Zeit, sie steht in der Tradition der fr\u00fchen Projekte von La Fura dels Baus und des Wiener Aktionismus. Dass \u201eSancta\u201c ein solcher Erfolg wurde, freut uns nat\u00fcrlich, denn es gab ja auch viel Gegenwind. Es kann jetzt aber nat\u00fcrlich nicht darum gehen, die Reizschwelle noch weiter zu erh\u00f6hen. <\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Sie planen also nicht schon ein neues T-Shirt, das den Aufdruck \u201eIn der Oper gewesen. Gekotzt\u201c toppen soll?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Nein. Und das T-Shirt haben ja nicht wir gemacht, das kam vom Blog Kessel.TV. Wir finden das nat\u00fcrlich sehr lustig, aber: \u201eSancta\u201c ist ein sehr ernsthaftes Projekt. Dass es zu so einem Hype wurde, hat mich \u00fcberrascht. <\/p>\n<p class=\"interviewQuestion\">Zuletzt noch zur Sanierung \u2013 wie kriegt man die Politik dazu, da voranzugehen?<\/p>\n<p class=\"interviewAnswer\">Man kann Fu\u00dfball auf einem Bolzplatz spielen. Wenn man aber Bundesliga spielen will, dann reicht der Bolzplatz nicht aus. So ist das auch bei uns. Unser Auftrag ist es, Bundesliga zu spielen, mit 225 Vorstellungen in der Saison im Littmann-Bau, gemeinsam mit dem Stuttgarter Ballett, und Erl\u00f6sen von \u00fcber 18 Millionen f\u00fcr die Staatstheater insgesamt. Wenn man das will, braucht man eine bestimmte Infrastruktur. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Kulturland wie Baden-W\u00fcrttemberg dieses Projekt nicht am Ende mit bestem Wissen und Gewissen im Sinne der Steuerzahler und im Sinne des kulturellen Leuchtturms f\u00fcr dieses Land voranbringen wird. Deshalb bin ich voller Hoffnung, dass es in den n\u00e4chsten Wochen wieder konstruktive Gespr\u00e4che in dieser Sache geben wird, sodass es endlich vorangeht: unternehmerisch, baden-w\u00fcrttembergisch, mutig und f\u00fcr die Sache.<\/p>\n<p class=\"infobox\">Zum Start in die neue Saison offerieren die Stuttgarter Staatstheater ein Wochenende voller M\u00f6glichkeiten. Am <b>Samstag, 20. September,<\/b> ist das <b>Stuttgarter Ballett von 15 bis 17 Uhr zu Gast in der Stadtbibliothek <\/b>im Europaviertel. Dort wird das druckfrische Annual der Kompanie pr\u00e4sentiert, es gibt, wenn man m\u00f6chte \u2013 und wer m\u00f6chte nicht? \u2013 Autogramme von T\u00e4nzerinnen und T\u00e4nzern, und schlie\u00dflich auch noch Einblicke in die neue Saison. <\/p>\n<p class=\"infobox\">In die Vollen geht abends dann das Schauspiel: Um <b>19.30 Uhr <\/b>beginnt im <b>Kammertheater<\/b> die Urauff\u00fchrung des neuen St\u00fccks von <b>Tomer Gardi. \u201eEine runde Sache\u201c <\/b> \u2013 laut Ank\u00fcndigung \u201eeine H\u00f6llenfahrt durch die deutsche Kultur, gemeinsam mit Goethes Erlk\u00f6nig und einem Deutschen Sch\u00e4ferhund namens Rex\u201c \u2013 da schlie\u00dft sich die \u00f6ffentliche <b>Premierenfeier<\/b> im Anschluss garantiert nahtlos an.<\/p>\n<p class=\"infobox\">Am <b>Sonntag, 21. September<\/b>, steigt <b>von 11 bis 18 Uhr<\/b> in Gro\u00dfem und Kleinem Haus und auf dem sch\u00f6nen Platz davor das traditionelle <b>Theaterfest<\/b>, nat\u00fcrlich bei freiem Eintritt. Oper, Schauspiel, Ballett und Orchester bieten Programme f\u00fcr alle Altersklassen und machen Appetit auf die neue Saison. Achtung, Extratipp: Wer einen Vorgeschmack bekommen m\u00f6chte auf die Musiktheater-Premiere <b>\u201eI Did It My Way\u201c,<\/b> bei der eine Woche sp\u00e4ter Larissa Sirah Herden und Lars Eidinger mit den Songs von Nina Simone und Frank Sinatra auf der B\u00fchne stehen werden, der hat dazu gleich um <b>11 Uhr im Foyer des 1. Ranges <\/b> <b>im Gro\u00dfen Haus <\/b>bei einer<b> Einf\u00fchrungsmatinee<\/b> Gelegenheit (Eintritt: 5 Euro).<\/p>\n<p class=\"infobox\">Um <b>18 Uhr <\/b>bittet dann das gro\u00dfartige Staatsorchester zum <b>Er\u00f6ffnungskonzert<\/b> ins <b>Opernhaus<\/b>. <b>\u201eMusik von Zuhause\u201c<\/b> ist der Titel eines Abends, an dem der Dirigent Daniel Cohen gemeinsam mit Ensemblemitgliedern Musik aus vielen L\u00e4ndern und in vielen Sprachen pr\u00e4sentieren wird. Der Staatsopernchor ist auch mit von der Partie, der Intendant Viktor Schoner f\u00fchrt pers\u00f6nlich durchs Programm, und als Special Guest wird vom Haus nebenan die Landtagspr\u00e4sidentin Muhterem Aras erwartet.<\/p>\n<p class=\"infobox\">Musik gibt es zur gleichen Zeit <b>(18 Uhr)<\/b> auch im Schauspielhaus: der gro\u00dfartige Burgschauspieler <b>Nicholas Ofczarek <\/b>wird gemeinsam mit <b>Musicabanda Franui <\/b>ein weiteres Mal seine Version von Thomas Bernhards <b>\u201eHolzf\u00e4llen\u201c<\/b> zelebrieren. Und sp\u00e4testens dann werden die Theaterfreunde beim Nachhausgehen denken: Was f\u00fcr ein Gl\u00fcck \u2013 die Staatstheater spielen wieder. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Intendant der Staatsoper Stuttgart, Viktor Schoner, ist stolz auf den gro\u00dfen Zuspruch f\u00fcr das Programm der vergangenen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":432580,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1830],"tags":[1634,3364,29,30,8755,2134,80,70682,112949,1441,112947,112948],"class_list":["post-432579","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-stuttgart","tag-baden-wuerttemberg","tag-de","tag-deutschland","tag-germany","tag-intendant","tag-interview","tag-kultur","tag-saisoneroeffnung","tag-staatsoper-stuttgart","tag-stuttgart","tag-stuttgarter-oper","tag-viktor-schoner"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115226039289285713","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/432579","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=432579"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/432579\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/432580"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=432579"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=432579"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=432579"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}