{"id":432890,"date":"2025-09-18T18:25:14","date_gmt":"2025-09-18T18:25:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/432890\/"},"modified":"2025-09-18T18:25:14","modified_gmt":"2025-09-18T18:25:14","slug":"1925-in-koeln-als-die-erste-rolltreppe-deutschlands-fuer-furore-sorgte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/432890\/","title":{"rendered":"1925 in K\u00f6ln: Als die erste Rolltreppe Deutschlands f\u00fcr Furore sorgte"},"content":{"rendered":"<p>Die Rolltreppe ist ein Symbol der Moderne. 1925 wurde in K\u00f6ln die erste Fahrtreppe in Deutschland er\u00f6ffnet, schnell gefolgt von Berlin und M\u00fcnchen. In Berlin stand anfangs noch ein Liftboy dabei, der den Kunden beim Bedarf assistierte. Die wohl kurioseste gibt es in Medell\u00edn.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Heute ist sie so allt\u00e4glich wie unspektakul\u00e4r \u2013\u00a0vor 100 Jahren sorgte sie noch als bahnbrechende Innovation f\u00fcr Aufsehen: die Rolltreppe. 1925 wurde im Kaufhaus Tietz in der <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article241328757\/Fruehe-Fotografien-Koelns-Dom-im-19-Jahrhundert.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article241328757\/Fruehe-Fotografien-Koelns-Dom-im-19-Jahrhundert.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">K\u00f6lner Innenstadt<\/a> das erste Exemplar Deutschlands er\u00f6ffnet. <\/p>\n<p>Eine damals erschienene Postkarte, die heute im K\u00f6lnischen Stadtmuseum aufbewahrt wird, zeigt die schmale, nach oben f\u00fchrende Rolltreppe samt drei Kunden. Das Warenhaus warb f\u00fcr die Neuheit mit dem Versprechen, die \u201eRoll-Fu\u00dfsteige\u201c erspare den Kunden \u201eZeit und damit Geld\u201c.<\/p>\n<p>Noch im selben Jahr wurden Rolltreppen auch in Warenh\u00e4usern in Berlin und M\u00fcnchen in Betrieb genommen. In Berlin stand anfangs noch ein Liftboy dabei, der den Kunden beim Bedarf assistierte. <\/p>\n<p>Die \u201erollenden Treppen\u201c galten in den 1920er-Jahren als Ausdruck urbaner Lebenswelt und Verwirklichung des Menschheitsraums, sich ohne Anstrengung von einem Ort zum anderen fortbewegen zu k\u00f6nnen. Schweben statt \u00e4chzen. <\/p>\n<p>Erfunden worden war die \u201eumlaufende Plattform\u201c Ende des 19. Jahrhunderts in den USA. Der Eisenbahn-Ingenieur Jesse W. Reno, der zwischenzeitlich auch in Berlin lebte, meldete <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/wissenschaft\/article162860038\/Zehn-unnuetze-Fun-Facts-zur-Rolltreppe.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/wissenschaft\/article162860038\/Zehn-unnuetze-Fun-Facts-zur-Rolltreppe.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">das von ihm entwickelte Transportsystem<\/a> 1892 in New York zum Patent an. Ein paar Jahre sp\u00e4ter wurde die erste Rolltreppe in dem Vergn\u00fcgungspark Coney Island in New York er\u00f6ffnet. <\/p>\n<p>Von dort verbreiteten sie sich \u00fcber die ganze Welt, weil sie als geeignetes Mittel zur Steuerung gro\u00dfer Menschenmengen betrachtet wurden. Heute gibt es nach Angaben des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) allein in Deutschland etwa 39.000 Rolltreppen, wobei der in Frankfurt am Main sitzende Verband die offizielle Bezeichnung \u201eFahrtreppen\u201c verwendet.<\/p>\n<p>\u201eDie Rolltreppe ist ein wunderbares Zeichen der Moderne\u201c, sagt Frank Steinbeck, Leiter des Bereichs Stra\u00dfenverkehr im Deutschen Technikmuseum Berlin. \u201eSie ist zum einen eine Folge der Industrialisierung, des St\u00e4dtewachstums und damit einhergehend des zunehmenden Verkehrs im 19. und 20. Jahrhundert. Zum anderen ist sie aber auch ein Zeichen der beginnenden Konsumgesellschaft.\u201c <\/p>\n<p>Die beiden Haupteinsatzpunkte waren Bahnh\u00f6fe und Einkaufstempel, zun\u00e4chst gro\u00dfe Kaufh\u00e4user, dann Shopping-Malls. <\/p>\n<p>In der Bundesrepublik wurden Rolltreppen nach 1945 zum Symbol des Wirtschaftswunders. Damals war es noch ein richtiges Erlebnis, auf den Rillen-Stufen dahinzugleiten. <\/p>\n<p>Der 1942 in Berlin geborene Reinhard Mey schildert in einem seiner Lieder herausragende Kindheitserlebnisse aus der Nachkriegszeit mit den Zeilen: \u201eZum Avus-Rennen mit mir geh&#8217;n, nach Tempelhof die Flieger seh&#8217;n, im Kaufhaus stundenlang Rolltreppe fahren.\u201c<\/p>\n<p>Das auf- und absteigende Personenf\u00f6rderband war dabei immer schon mehr als ein technisches Hilfsmittel, so entwickelte es sich zu einer beliebten literarischen Metapher. \u201eRolltreppe abw\u00e4rts\u201c hei\u00dft ein 1970 erschienener Jugendroman von Hans-Georg Noack, den Generationen von Sch\u00fclern im Deutschunterricht durchgenommen haben. <\/p>\n<p>Gelegenheit, die Gedanken schweifen zu lassen<\/p>\n<p>Kulturwissenschaftler teilen das Rolltreppe-Fahren in drei Stadien ein. Das erste Stadium ist das Betreten der Rolltreppe. Von festem Grund begibt man sich auf bewegliche Stufen und gibt die Kontrolle \u00fcber die eigene Fortbewegung damit ab. Dieser Schritt ist nicht ganz ohne Risiko, wie man als Kind von den Eltern eingesch\u00e4rft bekommt: Man darf m\u00f6glichst nicht auf den Spalt zwischen zwei Stufen treten, denn sonst k\u00f6nnte man die Balance verlieren, wenn die vorderste Stufe im n\u00e4chsten Moment aufsteigt. <\/p>\n<p>Das zweite Stadium der Rolltreppenfahrt ist die \u201eTransitphase\u201c. Man gleitet dahin und ist zur Passivit\u00e4t verdammt, was aber auch angenehm sein kann. 20 oder 30 Sekunden hat man Gelegenheit, die Gedanken schweifen zu lassen, ein Moment des Tr\u00e4umens im hektischen Alltag. Man d\u00e4mmert vor sich hin, schaut meist noch nicht mal aufs Handy, weil die Fahrt daf\u00fcr zu kurz ist.<\/p>\n<p>Empfohlen wird, sich w\u00e4hrend der Fahrt am Handlauf festzuhalten, doch Eltern sch\u00e4rfen ihren Kindern h\u00e4ufig ein, gerade das nicht zu tun. Sie haben hygienische Bedenken. <\/p>\n<p>Das dritte und letzte Stadium der Fahrt ist der Ausstieg. Die Stufen werden flacher, bis sie eingeebnet in einem schachtartigen Schlitz verschwinden. Der Benutzer muss sich nun wieder aus eigener Kraft fortbewegen, der Alltag hat ihn wieder. <\/p>\n<p>Andrea Mihm sieht es in ihrer Dissertation \u201eDie Rolltreppe\u201c so: \u201eW\u00e4hrend die Fahrt an sich als Befriedung wahrgenommen wird, gestaltet sich die Wiedereingliederung in das Geschehen des jeweiligen Bezugssystems eher als Missvergn\u00fcgen, ja kleines \u00c4rgernis.\u201c<\/p>\n<p>Auf breiteren Rolltreppen gilt die Regel: \u201eRechts stehen, links gehen\u201c. In Metropolen wie London ist es eine Tods\u00fcnde, auf den Rolltreppen in der U-Bahn den Weg zu versperren. Man outet sich damit als unkundiger Tourist, f\u00fcr jeden Einheimischen w\u00e4re es der Gipfel der Peinlichkeit, mit einem leisen \u201eExcuse me\u201c zur Seite gescheucht zu werden. <\/p>\n<p>In London wie auch in Moskau gibt es besonders lange Rolltreppen, weil viele U-Bahn-Stationen sehr tief liegen. \u201eDeshalb laufen diese Rolltreppen auch schneller\u201c, sagt Frank Steinbeck vom Technikmuseum.<\/p>\n<p>Kinder und Teenager sehen sich mitunter herausgefordert, das feste Regelwerk der Rolltreppe zu durchbrechen, indem sie zum Beispiel abw\u00e4rtsfahrende Rolltreppen hinauflaufen und damit sozusagen bezwingen. In \u201eSkyfall\u201c nutzt Daniel Craig als James Bond die Verbindung zwischen zwei Rolltreppen in der Londoner \u201eTube\u201c (U-Bahn) als Rutsche, um eine Verfolgungsjagd abzuk\u00fcrzen. <\/p>\n<p>Eine ganz besondere Bedeutung haben Rolltreppen im kolumbianischen Medell\u00edn: Jahrzehntelang beherrschte Drogenkriminalit\u00e4t die Stadt, insbesondere die an steilen Bergh\u00e4ngen gelegenen Armenviertel. <\/p>\n<p>Eines davon, die Comuna 13, bekam 2011 mehrere insgesamt fast 400 Meter lange Rolltreppen, die das Viertel besser zug\u00e4nglich machten und dabei halfen, die Kriminalit\u00e4t in den Griff zu bekommen. Jeder Weg von unten bis ganz nach oben entspricht dem Aufstieg ins 28. Stockwerk eines Geb\u00e4udes. \u201eEine tolle Sache\u201c, findet Frank Steinbeck.<\/p>\n<p>dpa\/mak<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Rolltreppe ist ein Symbol der Moderne. 1925 wurde in K\u00f6ln die erste Fahrtreppe in Deutschland er\u00f6ffnet, schnell&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":432891,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1828],"tags":[113015,29,30,1420,51304,1209,113014,103132,54724],"class_list":{"0":"post-432890","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-koeln","8":"tag-aufzuege-ks","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-koeln","12":"tag-kulturgeschichte-ks","13":"tag-nordrhein-westfalen","14":"tag-rolltreppen-ks","15":"tag-technikgeschichte-ks","16":"tag-u-bahnen-ks"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115226707566359403","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/432890","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=432890"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/432890\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/432891"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=432890"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=432890"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=432890"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}