{"id":433193,"date":"2025-09-18T21:13:12","date_gmt":"2025-09-18T21:13:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/433193\/"},"modified":"2025-09-18T21:13:12","modified_gmt":"2025-09-18T21:13:12","slug":"die-traenen-des-kanzlers-ein-kommentar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/433193\/","title":{"rendered":"Die Tr\u00e4nen des Kanzlers: Ein Kommentar"},"content":{"rendered":"<p>Dass Bundeskanzler in der \u00d6ffentlichkeit Emotionen zeigen, ja zu Tr\u00e4nen ger\u00fchrt sind, ist selten. Meist gilt es, im wichtigsten Staatsamt St\u00e4rke und H\u00e4rte zu zeigen und nicht als \u00bbschwach\u00ab dazustehen.<\/p>\n<p>Das gilt auch f\u00fcr Friedrich Merz, der am Montagabend beim Festakt zur Wiederer\u00f6ffnung der Synagoge in der M\u00fcnchner Reichenbachstra\u00dfe eine bemerkenswerte Rede hielt. Und um es klar zu sagen: Es war ein G\u00e4nsehautmoment. Merz gab ein sehr klares und hochemotionales Bekenntnis zu j\u00fcdischem Leben in Deutschland und dem Kampf gegen Judenhass ab.<\/p>\n<p>Manche unterstellen dem Kanzler nun, seine Tr\u00e4nen seien rein taktischer Natur gewesen, um nach den Debatten der vergangenen Wochen die Wogen im Verh\u00e4ltnis zur j\u00fcdischen Gemeinschaft wieder zu gl\u00e4tten. Doch der Vorwurf ist wenig \u00fcberzeugend. Merz klang echt, es wirkte glaubw\u00fcrdig, als ihn bei der Beschreibung der unz\u00e4hligen j\u00fcdischen Schicksale w\u00e4hrend der NS-Zeit die Tr\u00e4nen \u00fcbermannten und er l\u00e4ngere Zeit um Fassung rang. Eindringlich hat Merz in M\u00fcnchen das \u00bbNie wieder!\u00ab beschworen. Juden d\u00fcrften nie wieder Opfer werden, versprach er.<\/p>\n<p>Das gro\u00dfe Problem dabei ist: Mit Worten allein kann dem hochaggressiven Judenhass nicht Einhalt geboten werden. Besser wird es nur dann, wenn aus Worten Taten werden. Und die l\u00e4sst Merz mit Blick auf Israel, der Heimstatt von Millionen Juden, seit Beginn seiner Kanzlerschaft oft schmerzhaft vermissen. Es ist der gro\u00dfe blinde Fleck des Kanzlers: Zum \u00bbNie wieder d\u00fcrfen Juden Opfer werden!\u00ab geh\u00f6rt auch, den j\u00fcdischen Staat zu unterst\u00fctzen und nicht immer wieder im Stich zu lassen.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>Wenn der Bundeskanzler es wirklich ernst meint mit dem Schutz j\u00fcdischen Lebens, dann darf er es nicht bei r\u00fchrigen Reden belassen.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Merz jedoch hat Israel in seiner Rede am Montagabend nur ein einziges Mal erw\u00e4hnt, als er &#8211; zu Recht &#8211; betonte, dass der Judenhass in Deutschland nicht allein rechts au\u00dfen zu finden ist, sondern auch in viel zu gro\u00dfen Teilen der muslimischen Gemeinschaft.<\/p>\n<p>Zur Erinnerung: Israel ist der einzige j\u00fcdische Staat, den es gibt. Und dieser Staat befindet sich in existenzieller Not. Wer j\u00fcdisches Leben sch\u00fctzen will, kann nicht zugleich Israel milit\u00e4rische Hilfe im Kampf gegen die antisemitischen Terroristen schlechthin, die Hamas, verweigern. Milit\u00e4rische und politische Hilfe wohlgemerkt, die Israel aus der deutschen Geschichte heraus und als Wertepartner verdient h\u00e4tte und auf die es auch angewiesen ist.<\/p>\n<p>Wenn der Bundeskanzler es wirklich ernst meint mit dem Schutz j\u00fcdischen Lebens, dann darf er es nicht bei r\u00fchrigen Reden belassen. Wie sagte schon sein Amtsvorg\u00e4nger Helmut Schmidt richtigerweise: \u00bbPolitik ist nicht nur Denksport; Politik ist auch Handeln.\u00ab<\/p>\n<p>Ein Bundeskanzler muss stehen \u2013 auch und gerade dann, wenn der Wind ihm ins Gesicht bl\u00e4st und in Meinungsumfragen eine gro\u00dfe Mehrheit der Deutschen andere Einstellungen zu Israel vertritt als mutma\u00dflich er selbst und ganz sicher seine eigene Partei. Uns deutschen Juden bl\u00e4st der Wind schon lange ins Gesicht. Und seit dem 7. Oktober, seit Israel mehr noch als sonst ein wehrhafter Staat sein muss, so hart wie seit langem nicht.\u00a0<\/p>\n<p>Wenn Merz es wirklich ernst meint, dann darf er bei den Vereinten Nationen nicht mit den Feinden Israels stimmen, sondern muss mit seinen Freunden votieren. Auch, wenn Deutschland dann \u00fcberstimmt wird. Wenn der Kanzler es ernst meint mit Israels Sicherheit als deutscher Staatsr\u00e4son, dann muss er Waffen liefern, die Israel braucht, um sich und seine B\u00fcrger gegen den Terror zu verteidigen und die Hamas zu besiegen.<\/p>\n<p class=\"u-teaser-list__headline\">Lesen Sie auch<\/p>\n<p>In Br\u00fcssel muss er seiner Parteifreundin Ursula von der Leyen (CDU) klarmachen, dass ihr pl\u00f6tzlicher Kurswechsel und der Vorschlag, Israel mit weitreichenden Handelssanktionen zu belegen, keine gute Idee ist. Der Bundeskanzler darf auch nicht schweigen, wenn seine Amtskollegen in Spanien oder in Irland den j\u00fcdischen Staat in \u00fcbelster Art und Weise d\u00e4monisieren und aus europ\u00e4ischen Sport- und Kulturwettbewerben ausschlie\u00dfen wollen.<\/p>\n<p>Wenn Merz es ernst meint, dann muss Deutschlands auch in Europa ein Gegengewicht sein \u2013 gemeinsam mit anderen wohlmeinenden Staaten.<\/p>\n<p>Nein, der Kampf gegen Antisemitismus ist nicht einfach und auch nicht popul\u00e4r. Popul\u00e4r ist vielmehr momentan, auf Israel einzupr\u00fcgeln, Sanktionen zu fordern und dabei geflissentlich zu ignorieren, dass die antiisraelische Rhetorik Juden hierzulande in Gefahr bringt.<\/p>\n<p>Ein Bundeskanzler, dessen Partei im Wahlkampf detaillierte Vorschl\u00e4ge zum Kampf gegen Antisemitismus gemacht hat, muss mehr liefern als blo\u00df hehre Worte.<\/p>\n<p>Friedrich Merz hat in M\u00fcnchen das Richtige gesagt. Doch jetzt muss er Taten liefern. Er muss das Richtige tun. Tut er es nicht, sind seine Worte nichts wert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Dass Bundeskanzler in der \u00d6ffentlichkeit Emotionen zeigen, ja zu Tr\u00e4nen ger\u00fchrt sind, ist selten. 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