{"id":433987,"date":"2025-09-19T04:57:15","date_gmt":"2025-09-19T04:57:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/433987\/"},"modified":"2025-09-19T04:57:15","modified_gmt":"2025-09-19T04:57:15","slug":"wieso-europa-weiterhin-auf-russlands-oel-setzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/433987\/","title":{"rendered":"Wieso Europa weiterhin auf Russlands \u00d6l setzt"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"headline__lead\">Ungarn und die Slowakei kaufen trotz Sanktionen grosse Mengen Treibstoff aus Moskau. Nachdem Donald Trump einen \u00d6limport-Stopp gefordert hat, will Br\u00fcssel den Ausstieg aus russischer Energie beschleunigen.<\/p>\n<p>   <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" alt=\"Donald Trump mit Wladimir Putin bei einem Treffen in Anchorage im August.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"5000\" height=\"3333\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/395b056e-034e-4890-8e5f-f319e0a5edef.jpg\" loading=\"eager\"   class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    Donald Trump mit Wladimir Putin bei einem Treffen in Anchorage im August. <\/p>\n<p>Zuma Press via Imago<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j5drolum0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text\">Eben erst noch liess Donald Trump in Alaska f\u00fcr Wladimir Putin den roten Teppich ausrollen. Doch nun stellt der sonst Kreml-affine amerikanische Staatschef weitere Sanktionen gegen Russland in Aussicht. \u00abIch bin bereit, harte Sanktionen gegen Russland zu verh\u00e4ngen, wenn alle Nato-Staaten einverstanden sind und sich daran beteiligen und wenn alle Nato-Staaten AUFH\u00d6REN, \u00d6L AUS RUSSLAND ZU KAUFEN\u00bb, schrieb Trump am vergangenen Wochenende auf seinem sozialen Netzwerk Truth Social.<\/p>\n<p> Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen <\/p>\n<p>\n        NZZ.ch ben\u00f6tigt JavaScript f\u00fcr wichtige Funktionen. 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Diese w\u00fcrden die westliche Verhandlungsposition schw\u00e4chen.<\/p>\n<p>Lange verz\u00f6gerte Entw\u00f6hnung<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j5e50bog0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Mehr als drei Jahre nach Kriegsbeginn in der Ukraine haben die EU-L\u00e4nder die Energieimporte aus Russland zwar stark zur\u00fcckgefahren \u2013 aber tats\u00e4chlich noch nicht vollst\u00e4ndig eingestellt. Allein im zweiten Quartal dieses Jahres wurden laut Eurostat f\u00fcr 4 Milliarden Euro russisches Erd\u00f6l und Erdgas in die EU importiert. Das sind Gelder, die Moskaus Kriegswirtschaft mitfinanzieren.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j5e6vu1a1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Als Reaktion darauf will die Kommissionspr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen den Ausstieg der EU aus russischen Energietr\u00e4gern, der eigentlich <a href=\"https:\/\/germany.representation.ec.europa.eu\/news\/kommission-schlagt-schrittweisen-ausstieg-aus-russischen-gas-und-oleinfuhren-die-eu-vor-2025-06-18_de\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">bis Ende 2027<\/a> vorgesehen war, nun beschleunigen. Von der Leyen verk\u00fcndete diese Woche auf dem sozialen Netzwerk X, die EU-Kommission plane, in K\u00fcrze ein neues Sanktionspaket vorzustellen, das auf Kryptow\u00e4hrungen, Finanzinstitute und Energie abziele. So soll der Druck auf Pr\u00e4sident Wladimir Putin erh\u00f6ht werden.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j5e70g0g1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Ein Blick in die Statistik macht deutlich, dass L\u00e4nder wie Deutschland, die Niederlande, Frankreich oder Italien die Einfuhren aus Russland praktisch eingestellt haben. Der russische Anteil an den Erd\u00f6limporten in die EU ist auf zwei Prozent gesunken. Doch Zahlen des Datenanbieters Kpler zeigen, dass die Slowakei unter dem Putin-nahen Regierungschef Robert Fico weiterhin ein reger Abnehmer ist. Das vom \u00e4hnlich gesinnten Viktor Orban dominierte Ungarn hat seit dem Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 seine Einfuhren von russischem \u00d6l sogar noch erh\u00f6ht.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j5ekss9e0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Bei der T\u00fcrkei, einem Nato-Mitglied, das bislang auf Sanktionen gegen Moskau verzichtet hat, zeichnet sich ein \u00e4hnliches Bild ab. Laut Kpler haben sich Ankaras \u00d6limporte im Vergleich zu 2021 mengenm\u00e4ssig verdoppelt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Die Pipeline Turkstream leitet russisches Gas via die T\u00fcrkei nach Ungarn.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"6720\" height=\"4480\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"   class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    Die Pipeline Turkstream leitet russisches Gas via die T\u00fcrkei nach Ungarn. <\/p>\n<p>Stoyan Nenov \/ Reuters<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j5e6vk011\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Ungarn und die Slowakei, die sich gemeinsam gegen Br\u00fcssels <a href=\"https:\/\/commission.europa.eu\/news-and-media\/news\/roadmap-fully-end-eu-dependency-russian-energy-2025-05-06_de\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ausstiegspl\u00e4ne<\/a> str\u00e4uben, haben 2025 laut Eurostat bereits \u00d6l im Wert von \u00fcber 2 Milliarden importiert. Als Begr\u00fcndung nennen die beiden osteurop\u00e4ischen Staaten den wirtschaftlichen Bedarf an billigem Treibstoff \u2013 doch Kritiker wie die Denkfabrik Atlantic Council oder das Centre for Research on Energy and Clean Air halten dagegen, dass es durchaus andere Bezugsquellen g\u00e4be.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j5e6uv651\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Beim Erdgas, das sowohl f\u00fcr private Haushalte als auch f\u00fcr die Industrie der EU von grosser Bedeutung ist, ist die Lage noch heikler: Obwohl Deutschland Pipeline-Importe abgestellt hat, beziehen Ungarn und die Slowakei russisches Gas in grossen Mengen. Zudem sind Frankreich, Belgien und Spanien grosse Importeure von Fl\u00fcssiggas (LNG). Und obwohl die EU ihre LNG-Bez\u00fcge aus den USA deutlich gesteigert hat, bleibt Russland f\u00fcr die Region ein LNG-Lieferant. Die Kpler-Daten belegen, dass die EU 2024 das Volumen ihrer Fl\u00fcssiggaseinfuhren aus Moskau gegen\u00fcber dem Vorjahr sogar erh\u00f6ht hat.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j5e6tt7o1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Immerhin hat nun Ungarn einen Schritt zur Diversifizierung seiner Gaszufuhr gewagt: Der Versorger MVM CEEnergy, der den Grossteil seiner Liefermengen von Gazprom bezieht, hat vor kurzem einen zehnj\u00e4hrigen Vertrag mit dem westlichen Konzern Shell abgeschlossen.<\/p>\n<p>L\u00f6chriger Preisdeckel<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j5e50bon0\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Bisher bestand das offizielle Ziel des Westens allerdings auch nicht darin, vollst\u00e4ndig auf russische Rohstoffe zu verzichten. Stattdessen setzte man auf die Durchsetzung eines Preisdeckels f\u00fcr russisches Erd\u00f6l \u2013 gegenw\u00e4rtig 47.60 Dollar pro Fass und <a href=\"https:\/\/finance.ec.europa.eu\/document\/download\/a4ae6bb7-538b-4b54-ad21-f22c4412ddb5_en?filename=guidance-russian-oil-price-cap_en.pdf\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">15 Prozent unter dem Marktpreis<\/a>. So soll erreicht werden, dass der russische Staat mit seinen Exporten kaum mehr Gewinne erzielt, der Weltmarkt aber von grossen Angebotseinbussen verschont bleibt.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j5e9jpf81\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Dieser Mechanismus funktioniert nur bedingt: Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind unter anderem die stark gestiegenen Verk\u00e4ufe Moskaus an Drittl\u00e4nder wie Indien, von denen aus raffinierte Erd\u00f6lprodukte wieder nach Europa gelangen, gef\u00e4lschte Dokumente sowie eine Schattenflotte von oft alten und unzureichend versicherten Schiffen, die Sanktionen umgehen. Ein EU-Embargo auf Produkte, die in Raffinerien ausserhalb Europas aus russischem Roh\u00f6l produziert werden, tritt erst 2026 in Kraft.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j5e6tcsm1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Dar\u00fcber hinaus ist der Ausstieg aus dem russischen Energiegesch\u00e4ft f\u00fcr Europa auch juristisch umstritten: Die noch verbliebenen Importeure f\u00fchren ins Feld, ihre bestehenden langfristigen Liefervertr\u00e4ge m\u00fcssten mit Berufung auf h\u00f6here Gewalt gek\u00fcndigt werden. Das sei ein rechtlich heikler Schritt, der laut Experten h\u00f6chstwahrscheinlich zu Klagen f\u00fchren w\u00fcrde. Allerdings ist Gazprom als wichtigster russischer Lieferant in der Vergangenheit auch nicht davor zur\u00fcckgeschreckt, selber den Gashahn zuzudrehen und Lieferungen auszusetzen.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j5e6sltt1\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Insgesamt haben sich Russlands Exporte von \u00d6l und Gas in den vergangenen Jahren stark nach Asien verschoben. Weder China noch Indien beteiligen sich an Sanktionen. Sollte es Ursula von der Leyen nicht gelingen, die seit langem renitenten beiden osteurop\u00e4ischen Mitgliedsstaaten auf Linie zu bringen, liefert das Donald Trump die perfekte Ausrede, um auf einen h\u00e4rteren Kurs weiter zu verzichten.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Die Kommissionspr\u00e4sidentin will den Ausstieg aus russischen Energietr\u00e4gern beschleunigen.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"5543\" height=\"3695\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"   class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    Die Kommissionspr\u00e4sidentin will den Ausstieg aus russischen Energietr\u00e4gern beschleunigen. <\/p>\n<p>Pier Marco Tacca \/ Getty<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ungarn und die Slowakei kaufen trotz Sanktionen grosse Mengen Treibstoff aus Moskau. 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