{"id":434431,"date":"2025-09-19T09:13:11","date_gmt":"2025-09-19T09:13:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/434431\/"},"modified":"2025-09-19T09:13:11","modified_gmt":"2025-09-19T09:13:11","slug":"weg-mit-der-hoechstarbeitszeit-debatte-ueber-den-zwoelfstundentag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/434431\/","title":{"rendered":"Weg mit der H\u00f6chstarbeitszeit? Debatte \u00fcber den Zw\u00f6lfstundentag"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 19.09.2025 09:02 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Weg mit der t\u00e4glichen Obergrenze der Arbeitszeit, findet die CDU. Experten sagen, dass es dazu schon genug M\u00f6glichkeiten gibt &#8211; man solle auf die Menschen achten. Und die meisten w\u00fcrden gar nicht mehr arbeiten wollen.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/philipp-wundersee-101.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Philipp Glitz\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/philipp-glitz-101.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Wie sollen wir denn so den Familienalltag stemmen?&#8220;, fragt Marie Bausch und sch\u00fcttelt den Kopf. Die Mutter aus Wuppertal arbeitet bei einer Bank als Analystin. Ihr Mann arbeitet in einer Autowerkstatt. &#8222;Wenn wir jetzt pl\u00f6tzlich am Tag zehn oder zw\u00f6lf Stunden arbeiten w\u00fcrden, dann bricht unser Betreuungsplan zusammen. Die Kinder, die Gesundheit, die Freizeit &#8211; all das w\u00fcrde leiden&#8220;, sagt Bausch.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Sie haben zwei kleine Kinder und sprechen sich klar gegen den Vorschlag der Bundesregierung aus. <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/arbeitsmarkt\/arbeitszeit-plaene-regierung-100.html\" title=\"rufen ein geteiltes Echo hervor\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Union setzt sich f\u00fcr eine Aufhebung der t\u00e4glichen H\u00f6chstarbeitszeit ein<\/a>, um stattdessen eine w\u00f6chentliche Begrenzung von 48 Stunden einzuf\u00fchren, wie es die EU-Richtlinien vorsehen.<\/p>\n<p>    Flexible Arbeitszeiten schon jetzt m\u00f6glich<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Diese Reform soll flexiblere Arbeitszeiten erm\u00f6glichen, die laut Union sowohl der Arbeitgeber- als auch der Arbeitnehmerseite zugutekommen. Das glaubt Bausch nicht wirklich und ist damit nicht allein. Knapp drei Viertel der Besch\u00e4ftigten bef\u00fcrchten laut einer Umfrage negative Folgen f\u00fcr Erholung und Gesundheit, f\u00fcr die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Familienleben sowie die Organisation ihres Alltags. Das zeigt jetzt <a href=\"https:\/\/www.wsi.de\/de\/faust-detail.htm?produkt=HBS-009217\" title=\"Lange und fragmentierte Arbeitstage - Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">eine Online-Befragung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts<\/a> (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-B\u00f6ckler-Stiftung.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Befragungsergebnisse zeigen auch, dass sehr lange und flexible Arbeitszeiten in Deutschland l\u00e4ngst verbreitet seien. &#8222;Die vorliegenden Ergebnisse zeigen: Eine Abschaffung der gesetzlichen t\u00e4glichen Arbeitszeitgrenze ist weder erforderlich noch sinnvoll&#8220;, sagt die Studienautorin Yvonne Lott.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Wir wissen auch aus anderen Studien, dass fragmentierte Arbeitstage und Arbeit am Abend f\u00fcr viele Besch\u00e4ftigte bestenfalls eine Not- und keine Wunschl\u00f6sung sind. H\u00e4ufig sind sie verbunden mit hohem Stress und Zeitdruck&#8220;, sagt die WSI-Arbeitszeitexpertin. &#8222;Die von der Bundesregierung angek\u00fcndigte Deregulierung d\u00fcrfte hingegen das fragile Verh\u00e4ltnis von Flexibilit\u00e4t und notwendigen Begrenzungen aus dem Gleichgewicht bringen, weil es gleichzeitig sehr lange und fragmentierte Arbeitstage beg\u00fcnstigt.&#8220;<\/p>\n<p>    Negative Folgen f\u00fcr Alltag und Gesundheit<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Frauen rechnen laut WSI noch deutlich h\u00e4ufiger mit negativen Wirkungen als M\u00e4nner, was daran liegen k\u00f6nnte, dass sie deutlich mehr unbezahlte Sorgearbeit zus\u00e4tzlich zum Erwerbsjob leisten. Zw\u00f6lf Prozent der vom WSI befragten Menschen arbeiten wenigstens an einzelnen Tagen in der Woche l\u00e4nger als zehn Stunden. Und knapp 38 Prozent der Besch\u00e4ftigten nehmen zumindest ab und zu abends nach 19 Uhr ihre Erwerbsarbeit nochmal auf, nachdem sie sie tags\u00fcber aus privaten Gr\u00fcnden unterbrochen haben, etwa, wenn die Kinder aus der Schule kommen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Nach Einsch\u00e4tzung von rund 73 Prozent der Befragten verschlechtert sich die F\u00e4higkeit, nach Feierabend abzuschalten und sich zu erholen. 75 Prozent rechnen mit Problemen, famili\u00e4re oder private Verpflichtungen zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Zus\u00e4tzlich w\u00e4chst auch das Unfallrisiko ab der achten Arbeitsstunde exponentiell an, so das WSI, sodass Arbeitszeiten \u00fcber zehn Stunden t\u00e4glich als hoch riskant eingestuft werden. &#8222;Eine Aufhebung der t\u00e4glichen Arbeitszeitgrenze w\u00fcrde zu einer h\u00f6heren Belastung der Besch\u00e4ftigten f\u00fchren&#8220;, sagt Lott. &#8222;Eine Aufhebung der t\u00e4glichen Arbeitszeitgrenze k\u00f6nnte zudem Geschlechterungleichheiten versch\u00e4rfen.&#8220;<\/p>\n<p>    Kein Zwang zum Zw\u00f6lfstundentag<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Bundesregierung und Arbeitgeberverb\u00e4nde wollen mehr M\u00f6glichkeiten f\u00fcr sehr lange Arbeitstage schaffen, indem die H\u00f6chstarbeitszeit f\u00fcr den Erwerbsjob nicht mehr pro Tag, sondern pro Woche geregelt wird, wenn innerhalb von sechs Monaten ein Ausgleich erfolgt. &#8222;Die neuen Regeln wahren die hohen Standards im Arbeitsschutz: Besch\u00e4ftigte d\u00fcrfen nicht gegen ihren Willen zu l\u00e4ngerer Arbeitszeit gezwungen werden&#8220;, hei\u00dft es von der CDU.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Damit k\u00f6nnte die Deregulierung der H\u00f6chstarbeitszeit ausgerechnet den Zuwachs bei der Erwerbst\u00e4tigkeit von Frauen bremsen, der in den vergangenen Jahren wesentlich zu Rekordwerten bei Erwerbst\u00e4tigkeit und Arbeitsvolumen in Deutschland beigetragen hat&#8220;, sagt Bettina Kohlrausch, wissenschaftliche Direktorin des WSI.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Gleichzeitig k\u00f6nnte das Probleme bei Gesundheit und Demografie versch\u00e4rfen, h\u00f6here Krankenst\u00e4nde beg\u00fcnstigen und die Entscheidung f\u00fcr Kinder schwerer machen.&#8220; Eine Deregulierung erscheine damit auch wirtschaftlich kontraproduktiv, so Kohlrausch.<\/p>\n<p>    Gefahr f\u00fcr Work-Life-Balance<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Arbeitsrechtlerin Am\u00e9lie Sutterer-Kipping von der Universit\u00e4t Frankfurt am Main sagt, dass die derzeitigen Regelungen bereits gen\u00fcgend Flexibilit\u00e4t bieten. &#8222;Die Ersetzung des Acht-Stunden-Tages durch eine einzuhaltende w\u00f6chentliche H\u00f6chstarbeitszeit ist mit der Zielsetzung des Arbeitszeitgesetzes unvereinbar&#8220;, sagt Sutterer-Kipping. &#8222;Eine Ausdehnung der Arbeitszeiten birgt gesundheitliche Risiken sowie w\u00fcrde sie die Work-Life-Balance gef\u00e4hrden.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse w\u00fcrden belegen, dass Arbeitszeiten von mehr als zehn Stunden t\u00e4glich mit gesundheitlichen Beeintr\u00e4chtigungen einhergehen. &#8222;Hierzu geh\u00f6ren psychosomatische Beschwerden, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Magen-Darm-Beschwerden, Schlafst\u00f6rungen&#8220;, sagt Arbeitsrechtlerin Sutterer-Kipping. &#8222;Lange Arbeitszeiten gehen \u00fcberdies h\u00e4ufig mit weiteren belastenden Arbeitsbedingungen einher, wie etwa einer hohen Arbeitsintensit\u00e4t, verk\u00fcrzten Ruhezeiten oder st\u00e4ndiger Erreichbarkeit und Kontaktierung auch au\u00dferhalb der Arbeitszeit.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Arbeitsrechtlerin w\u00fcnscht sich in der Debatte ein Umdenken und mehr Fokus auf die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. &#8222;Eine wesentliche Ursache f\u00fcr die Arbeitsverdichtung ist die fehlende oder schlechte Personalplanung und unzureichende Personalbemessung. Statt einer Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes w\u00e4re hier eine St\u00e4rkung der betrieblichen Mitbestimmung erforderlich&#8220;, betont Sutterer-Kipping.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auch die Analystin und Mutter Marie Bausch aus Wuppertal hofft, dass sich die Bundesregierung mehr mit dem verdichteten Alltag von Familien besch\u00e4ftigt. &#8222;Wer uns Familien wirklich unterst\u00fctzen will, sollte die Kinderbetreuung st\u00e4rken und nicht die t\u00e4gliche H\u00f6chstarbeitszeit anfassen.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 19.09.2025 09:02 Uhr Weg mit der t\u00e4glichen Obergrenze der Arbeitszeit, findet die CDU. 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