{"id":434617,"date":"2025-09-19T10:58:11","date_gmt":"2025-09-19T10:58:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/434617\/"},"modified":"2025-09-19T10:58:11","modified_gmt":"2025-09-19T10:58:11","slug":"handyverbot-an-schulen-geht-an-der-realitaet-vorbei-das-sagen-stuttgarter-rektoren-zum-handyverbot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/434617\/","title":{"rendered":"Handyverbot an Schulen: \u201eGeht an der Realit\u00e4t vorbei\u201c \u2013 Das sagen Stuttgarter Rektoren zum Handyverbot"},"content":{"rendered":"<p>Wenn es nach dem Kultusministerium in Baden-W\u00fcrttemberg geht, sollen Grundschulen und SBBZ (Sonderp\u00e4dagogische Bildungs- und Beratungszentren) k\u00fcnftig Handys verbieten. Das geht aus einer vom Ministerium ver\u00f6ffentlichten Formulierungshilfe f\u00fcr die Schulen hervor, \u00fcber die der SWR zuerst berichtet hatte.<a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.baden-wuerttemberg-schueler-fordern-handyregeln-sollen-auch-fuer-lehrer-gelten.b06fa7b7-09a3-4239-a711-0d4c631f81ed.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Die gr\u00fcn-schwarze Landesregierung will in einem neuen Gesetz daf\u00fcr sorgen, dass sich alle Schulen Regeln f\u00fcr den Umgang mit privaten Ger\u00e4ten geben m\u00fcssen<\/a>. Wie genau die Regeln aussehen, sollen Schulen selbst entscheiden k\u00f6nnen. Das Ministerium hatte Mitte September aber eine Formulierungshilfe ver\u00f6ffentlicht, an denen Schulen sich orientieren k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>In <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stuttgart<\/a> treffen diese Formulierungen auf unterschiedliche Gef\u00fchle. Wir haben uns an Schulen umgeh\u00f6rt, wie Schulleiterinnen und Schulleiter die Situation einsch\u00e4tzen. <\/p>\n<p>Viele Schulen haben das Problem bereits im Griff <\/p>\n<p>Michael Hirn, gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Schulleiter der SBBZ (Sonderp\u00e4dagogische Bildungs- und Beratungszentren) in Stuttgart und Rektor der Helene-Fernau-Horn-Schule, findet es grunds\u00e4tzlich richtig, dass Schulen sich damit auseinandersetzen. Weil das vermutlich an allen Schulen immer wieder Thema sei und ein ungesteuerter Umgang zu Problemen f\u00fchre. <\/p>\n<p>\u201eOb diese Regelung jetzt das Problem l\u00f6st, wei\u00df ich nicht\u201c, sagt er. Es gebe schon jetzt Schulen, die das <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.neues-schuljahr-beginnt-braucht-es-ein-handyim-klassenzimmer.a2825177-42bd-41d7-baa8-609fd5b09128.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Handyproblem<\/a> im Griff h\u00e4tten. An seiner Schule ist es zum Beispiel schon seit Jahren \u00fcblich, dass die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler ihre privaten Handys nicht nutzen. Er kann sich aber vorstellen, dass die Handreichung des Ministeriums solchen Schulen hilft, die bisher noch keine gute Regelung gefunden haben. <\/p>\n<p>Einen Kritikpunkt hat er aber: \u201eDas eigentliche Problem ist der Umgang mit Social Media\u201c, sagt er \u2013 und da reiche ein Handyverbot nicht aus. Man k\u00f6nne dieses Problem zwar aus der Schule zur\u00fcckdr\u00e4ngen. \u201eAber dann passiert es au\u00dferhalb der Schule.\u201c Eine gesellschaftliche Herangehensweise sei notwendig. Den Umgang mit den sozialen Medien und mit Fake News lernen Kinder und Jugendliche in seiner Schule als Teil des Unterrichts. <\/p>\n<p>\u201eDie Regelung erg\u00e4nzt, was wir sowieso schon machen\u201c <\/p>\n<p>J\u00fcrgen Alber, Schulleiter der Grund- und Werkrealschule Ostheim im Stuttgarter Osten, <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.schulen-in-stuttgart-handyverbot-soll-kommen-wie-reagieren-die-schulen-darauf.ae8f5842-9e8c-4b7a-9137-03a78caa7d47.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hatte den Vorsto\u00df unserer Zeitung gegen\u00fcber bereits im Juni begr\u00fc\u00dft<\/a>, als das neue Gesetz angek\u00fcndigt worden war. F\u00fcr die Sch\u00fcler seiner Schule werde sich nicht viel \u00e4ndern, sagte er damals. <\/p>\n<p>Denn die Schule verbietet Handys und sogenannte Smartwatches schon seit einiger Zeit. \u201eDie Regelung erg\u00e4nzt, was wir sowieso schon machen \u2013 das ist sicher hilfreich\u201c, sagt er. Und eventuell k\u00f6nnte sie potenzielle Diskussionen mit Eltern erleichtern, die sich gegen die Einschr\u00e4nkung stemmen.<\/p>\n<p>Sabine Aab, Rektorin der Realschule an der privaten Torwiesenschule in Stuttgart-S\u00fcd, hatte bereits am Ende des vergangenen Schuljahres N\u00e4gel mit K\u00f6pfen gemacht: Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler m\u00fcssen ihre Handys morgens in sogenannte Handygaragen einschlie\u00dfen und bekommen sie am Ende des Tages wieder zur\u00fcck. Entschieden habe man das, \u201eweil wir bei einzelnen Sch\u00fclern problematisches Handyverhalten beobachtet hatten\u201c, sagt sie. Einige seien sehr nerv\u00f6s geworden, wenn das <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Handy\" title=\"Handy\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Handy<\/a> nicht in der N\u00e4he war, und auch die Konzentrationsf\u00e4higkeit habe gelitten. Zus\u00e4tzlich habe die Debatte \u00fcber das Handyverbot und die angek\u00fcndigte Gesetzes\u00e4nderung der Landesregierung die Schulleitung dazu gebracht, sich intensiver damit zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/media.media.e59bc324-36a6-44de-a211-f7bb8b14108f.original1024.media.jpeg\"\/>     Da sind sich alle einig: W\u00e4hrend der Schulzeit soll das Handy aus bleiben.    Foto: IMAGO    <\/p>\n<p>Die Handreichung habe sie sich nur kurz durchgelesen. \u201eWir gehen ja sowieso schon einen Schritt weiter\u201c, sagt sie. Nat\u00fcrlich seien die Sch\u00fcler am ersten Schultag nach den Ferien nicht begeistert von der neuen Regelung gewesen. Aber Aab habe von anderen Schulen geh\u00f6rt, dass die Sch\u00fcler sich selbst nach einiger Zeit als ruhiger wahrgenommen h\u00e4tten. \u201eWir gucken mal, und evaluieren zum Halbjahr, ob wir noch mal was \u00e4ndern\u201c, sagt sie. <\/p>\n<p> Fast nur erwachsene Menschen an den beruflichen Schulen <\/p>\n<p>Felix Winkler, Schulleiter an der beruflichen Schule f\u00fcr Farben und Gestaltung in Stuttgart-Feuerbach und gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Schulleiter der beruflichen Schulen in Stuttgart, hebt eine Besonderheit seiner Schulart hervor: \u201eRund 75 Prozent unserer Sch\u00fclerschaft sind vollj\u00e4hrig. Wir k\u00f6nnen nicht sagen, von nun an d\u00fcrfen erwachsene Menschen nicht mehr frei entscheiden, ob sie ihr Handy benutzen.\u201c Einen solchen Schritt w\u00fcrde der Schulleiter als nicht realistisch und als unangemessen sehen. Wenn Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler mit Mitte oder Ende Zwanzig an die Schule kommen, um ihren Meister zu machen, daheim wom\u00f6glich Familien haben, k\u00f6nne man nicht von ihnen verlangen, ihre Handys wegzulegen. <\/p>\n<p>Man w\u00fcrde die Menschen entm\u00fcndigen und das Gegenteil dessen erreichen, was man eigentlich wolle: n\u00e4mlich einen vern\u00fcnftigen Umgang mit Handys lernen. Und auch die j\u00fcngeren Sch\u00fcler seien beim <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.13-jaehrige-aus-stuttgart-erzaehlt-keine-lust-auf-den-klassenchat-warum-wilma-kein-smartphone-will.2adcf308-5097-4129-82ed-57ea5ccb88c5.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Umgang mit ihren Handys eher besonnen<\/a>, da sie sonst wom\u00f6glich ihren Ausbildungsvertrag riskieren w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Dennoch, dort wo die Schulleitung es f\u00fcr p\u00e4dagogisch sinnvoll h\u00e4lt, weil die Gefahr besteht, dass die Sch\u00fcler abgelenkt w\u00fcrden und das Lernen sich schwer gestalten k\u00f6nnte, werden die Handys in sogenannten Handygaragen verstaut, erkl\u00e4rt Winkler, und erst nach Unterrichtsende wieder herausgeholt. Diese Ma\u00dfnahme wurde schon vorher ergriffen und gilt vor allem f\u00fcr minderj\u00e4hrige Sch\u00fcler. <\/p>\n<p> Diskussion gehe an der Realit\u00e4t vorbei <\/p>\n<p>Gerhard Menrad, Schulleiter der Anne-Frank-Gemeinschaftsschule in Stuttgart-M\u00f6hringen, sieht die Diskussion an der Realit\u00e4t vorbeiziehen. Warum? Die meisten Schulen h\u00e4tten <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.neues-schuljahr-beginnt-braucht-es-ein-handyim-klassenzimmer.a2825177-42bd-41d7-baa8-609fd5b09128.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">bereits hausinterne Regelungen<\/a>. In der Hausordnung seiner Schule, der Anne-Frank-Gemeinschaftsschule in M\u00f6hringen, hei\u00dft es beispielsweise w\u00f6rtlich: \u201eW\u00e4hrend der gesamten Unterrichtszeit einschlie\u00dflich der Pausen sind auf dem Schulgel\u00e4nde Handys, MP3- Player, Kopfh\u00f6rer sowie elektronische Aufnahme- und Wiedergabeger\u00e4te der Sch\u00fcler\/innen ausgeschaltet und in der Schultasche oder nicht sichtbar zu verwahren.\u201c Und die Erw\u00e4hnung der MP3-Player deutet darauf hin, seit wann es diese Regelung wohl bereits gibt. <\/p>\n<p>So gilt an der Anne-Frank-Schule: Sobald der Unterricht beginnt, verstauen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler ihre Handys in den Schultaschen, oder in den Handygaragen. Wer sein Handy w\u00e4hrend der Pausen dennoch benutz, muss es abgeben. In der gro\u00dfen Pause ist n\u00e4mlich eine Lehrkraft mit einer Box unterwegs und sammelt das Ger\u00e4t ein. Erst nach Unterrichtsende kann man es dann wieder abholen.<\/p>\n<p>Der Schulleiter k\u00f6nne sich zwar vorstellen, dass die neue Gesetzesregelung durchaus eine R\u00fcckendeckung f\u00fcr die Schulen ist gegen\u00fcber Eltern, die die Sinnhaftigkeit der Regelungen nicht einsehen wollen, betont aber klar, diese w\u00fcrden nur eine kleine Minderheit ausmachen. Widerstand seitens der Sch\u00fcler gebe es keinen: \u201eSie kennen es nicht anders, das war ja schon immer so\u201c, erkl\u00e4rt Gerhard Menrad.<\/p>\n<p> \u201eHandy ist ein Werkzeug, um die Welt zu erschlie\u00dfen\u201c <\/p>\n<p>Die Bildungsgewerkschaft GEW spricht sich klar gegen Handyverbote aus. \u201eIn einer digitalen Welt mit Fake News helfen uns Verbote nicht weiter\u201c, sagte GEW-Landesvorsitzende Monika Stein laut einer Pressemitteilung am Mittwoch. Die Schule sei der einzige Ort, wo alle Kinder und Jugendlichen einen sinnvollen Umgang mit dem Handy lernen k\u00f6nnten. <\/p>\n<p>\u201eDas Handy ist ein Werkzeug, um die Welt zu erschlie\u00dfen und da darf es nicht den finanziellen, zeitlichen und intellektuellen F\u00e4higkeiten der Herkunftsfamilie \u00fcberlassen bleiben, ob der Umgang damit sinnvoll begleitet werden kann.\u201c Die GEW begr\u00fc\u00dfe es, wenn Sch\u00fcler, Eltern und P\u00e4dagogen f\u00fcr den Umgang mit Handys mehr Unterst\u00fctzung bekommen und Schulen auf der Grundlage der landesweiten Empfehlungen Regelungen treffen, die zum Alter der Sch\u00fcler passen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wenn es nach dem Kultusministerium in Baden-W\u00fcrttemberg geht, sollen Grundschulen und SBBZ (Sonderp\u00e4dagogische Bildungs- und Beratungszentren) k\u00fcnftig Handys&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":434618,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1830],"tags":[1634,3364,29,12565,4481,30,12793,1975,1441],"class_list":{"0":"post-434617","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-stuttgart","8":"tag-baden-wuerttemberg","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-familienalltag","12":"tag-familienpolitik","13":"tag-germany","14":"tag-handy","15":"tag-handyverbot","16":"tag-stuttgart"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115230612211560360","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/434617","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=434617"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/434617\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/434618"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=434617"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=434617"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=434617"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}