{"id":434709,"date":"2025-09-19T11:49:10","date_gmt":"2025-09-19T11:49:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/434709\/"},"modified":"2025-09-19T11:49:10","modified_gmt":"2025-09-19T11:49:10","slug":"sanktionen-gegen-moskaus-partner-trump-hat-angst-vor-chinas-massiver-vergeltung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/434709\/","title":{"rendered":"Sanktionen gegen Moskaus Partner: &#8222;Trump hat Angst vor Chinas massiver Vergeltung&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Die EU schn\u00fcrt ihr 19. Sanktionspaket &#8211; und wird von Donald Trump unter Druck gesetzt. Der US-Pr\u00e4sident fordert von Br\u00fcssel, h\u00e4rter gegen Russlands wichtigsten Verb\u00fcndeten Peking vorzugehen. Trump selbst scheue aber bislang aus guten Gr\u00fcnden die Konfrontation mit China, sagt Wirtschafts-Experte Alberto Rizzi vom European Council on Foreign Relations (ECFR).<\/p>\n<p><b>ntv.de: Die EU hat bereits 18 Sanktionspakete verabschiedet. Mit dem neuen Paket will sie russische Banken, Energieunternehmen, Krypto-B\u00f6rsen und Schiffe der Schattenflotte ins Visier nehmen. Welche Ma\u00dfnahme wird Moskaus Wirtschaft am h\u00e4rtesten treffen?<\/b><\/p>\n<p>Alberto Rizzi: Um fair zu sein: Die EU hat bereits alle Sanktionen eingef\u00fchrt, die Russland erheblichen wirtschaftlichen Schaden zuf\u00fcgen. Jede neue Ma\u00dfnahme w\u00fcrde nur kleinere zus\u00e4tzliche Auswirkungen auf Moskaus F\u00e4higkeit haben, den Angriffskrieg gegen die Ukraine zu finanzieren. Betroffene Banken und Firmen w\u00fcrden einfach schlie\u00dfen und unter einem neuen Namen wieder er\u00f6ffnen, und die Welt der Kryptow\u00e4hrungen ist ebenfalls extrem volatil.<\/p>\n<p><b>Also gibt es kaum noch Spielraum f\u00fcr effektive Sanktionen?<\/b><\/p>\n<p>Sanktionen gegen die Schattenflotte werden dort treffen, wo es wehtut, da diese Geisterschiffe inzwischen fast die H\u00e4lfte der russischen Roh\u00f6lexporte zur See ausmachen. Die vollst\u00e4ndige Angleichung der Listen sanktionierter Schiffe und Unternehmen zwischen der EU, den USA und dem Vereinigten K\u00f6nigreich wird Moskaus F\u00e4higkeit, sein \u00d6l \u00fcber der G7-Preisobergrenze zu verkaufen, einen wichtigen Schlag versetzen. Schlie\u00dflich w\u00fcrde &#8211; mehr noch als die Sanktionen &#8211; die Suche nach wirksamen Wegen, zumindest die Ertr\u00e4ge immobilisierter russischer Verm\u00f6genswerte umfassender als bislang an die Ukraine zu \u00fcbertragen, Moskau einen Schlag versetzen und gleichzeitig die Ukraine wirtschaftlich st\u00e4rken.<\/p>\n<p>  <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Photo-Alberto-Rizzi-ECFR.jpg\">     <img decoding=\"async\" alt=\"Alberto Rizzi forscht beim European Council on Foreign Relations (ECFR) als Policy Fellow zu den Bereichen europ\u00e4ische Wirtschaftspolitik, internationaler Handel und Geopolitik. Zuvor arbeitete er in dem Italienischen Institut f\u00fcr Internationale Politische Studien, dem European Army Interoperability Centre, der Italy-China Foundation und der italienischen Botschaft in Tallinn.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Photo-Alberto-Rizzi-ECFR.jpg\" class=\"lazyload\"\/>  <\/a>  <\/p>\n<p class=\"article__aside__caption\">Alberto Rizzi forscht beim European Council on Foreign Relations (ECFR) als Policy Fellow zu den Bereichen europ\u00e4ische Wirtschaftspolitik, internationaler Handel und Geopolitik. Zuvor arbeitete er in dem Italienischen Institut f\u00fcr Internationale Politische Studien, dem European Army Interoperability Centre, der Italy-China Foundation und der italienischen Botschaft in Tallinn.<\/p>\n<p class=\"article__aside__copy\">(Foto: Alberto Rizzi\/ECFR)<\/p>\n<p><b>Pr\u00e4sident Donald Trump stellt Bedingungen an europ\u00e4ische Nato-Partner, bevor die USA selbst hohe Strafz\u00f6lle gegen Russlands Handelspartner verh\u00e4ngen. Trump fordert, dass die Nato \u00d6llieferungen aus Russland komplett stoppen und Z\u00f6lle von 50 bis 100 Prozent gegen China verh\u00e4ngen soll. Was steckt hinter diesen Forderungen?<\/b><\/p>\n<p>Es mag leicht sein, diese Forderungen von Trump einfach als einen Weg abzutun, Sanktionen gegen Russland zu vermeiden, weil er wei\u00df, dass die Europ\u00e4er niemals einem Zollsatz von 50 bis 100 Prozent auf China zustimmen w\u00fcrden. Doch hier stehenzubleiben, k\u00e4me Gleichg\u00fcltigkeit gleich. Selbst wenn es nur aus dem Wunsch heraus geschieht, mehr LNG nach Europa zu verkaufen, ist das Wei\u00dfe Haus besorgt \u00fcber die anhaltende europ\u00e4ische Abh\u00e4ngigkeit von russischer Energie &#8211; und viele in Europa sind es ebenfalls. Was auf den ersten Blick wie eine absurde Forderung aussieht, k\u00f6nnte ein Versuch sein, einen Dialog zu beginnen, bei dem die USA den Druck auf Russland erh\u00f6hen im Austausch daf\u00fcr, dass Europa gegen\u00fcber China h\u00e4rter vorgeht. Doch mit einer so launischen US-Regierung wie der aktuellen wei\u00df niemand wirklich, wo das Missgeschick endet und die Strategie beginnt.<\/p>\n<p><b>Ungarn und die Slowakei haben sich eine Ausnahme vom EU-Embargo f\u00fcr russisches \u00d6l ausgehandelt. K\u00f6nnen die prorussischen Regierungen beider L\u00e4nder \u00fcberhaupt davon \u00fcberzeugt werden, sich von Moskaus \u00d6l zu verabschieden?<\/b><\/p>\n<p>Die ungarischen und slowakischen Ausnahmen sind f\u00fcr andere europ\u00e4ische L\u00e4nder zunehmend schwer zu ertragen, umso mehr, da beide reichlich Zeit und M\u00f6glichkeiten hatten, sich alternative Energiequellen zu sichern. Stattdessen verl\u00e4sst sich Budapest heute noch st\u00e4rker auf Russlands \u00d6l als vor der Invasion der Ukraine. Das Problem ist in erster Linie mit Ideologie und dem Wunsch der L\u00e4nder verbunden, einen offenen Kanal nach Moskau aufrechtzuerhalten und Br\u00fcssels Vorgaben zu trotzen &#8211; f\u00fcr innenpolitische Vorteile. Da ihre Unterst\u00fctzung notwendig w\u00e4re, um einen Konsens \u00fcber ein neues Sanktionspaket zu erreichen sowie bestehende zu verl\u00e4ngern, gibt es wenig Spielraum, sie zu \u00fcberzeugen, ihre russischen Energieimporte zeitnah einzud\u00e4mmen. Im Falle Ungarns setzt Europa insbesondere Hoffnungen auf die Wahlen im n\u00e4chsten Jahr.<\/p>\n<p><b>Bislang hat Trump trotz seiner Drohungen davon abgesehen, hohe Z\u00f6lle gegen China zu verh\u00e4ngen. H\u00e4lt er sich zur\u00fcck, weil die USA &#8211; wie die EU &#8211; vom Import seltener Erden aus China abh\u00e4ngig sind?<\/b><\/p>\n<p>Kontrollen von Exporten seltener Erden sind nur eine der vielen M\u00f6glichkeiten, wie China gegen US-Z\u00f6lle Vergeltung \u00fcben kann. Peking hat andere Optionen, um den USA zu schaden, w\u00e4hrend das Land selbst einen wirtschaftlichen Schaden erleiden w\u00fcrde, den die Kommunistische Partei Chinas f\u00fcr ertr\u00e4glich h\u00e4lt. Angst vor massiven Vergeltungsma\u00dfnahmen und den verheerenden Folgen eines ausgewachsenen Handelskrieges zwischen den USA und China f\u00fcr Wachstum, Arbeitspl\u00e4tze und Inflation sind wahrscheinlich das, was Trump von seinen urspr\u00fcnglichen Zollpl\u00e4nen gegen China abh\u00e4lt.<\/p>\n<p><b>Die EU hat bisher nur z\u00f6gerlich einige wenige chinesische Unternehmen sanktioniert, die Russland bei seiner Invasion in die Ukraine unterst\u00fctzen. Reichen diese vereinzelten Sanktionen aus, um Chinas Unterst\u00fctzung f\u00fcr Russlands Angriffskrieg einzud\u00e4mmen?<\/b><\/p>\n<p>Isolierte und begrenzte Sanktionen reichen eindeutig nicht aus, um die chinesische Unterst\u00fctzung f\u00fcr Russlands Krieg gegen die Ukraine einzud\u00e4mmen, die in den dreieinhalb Jahren nach der Invasion im Februar 2022 immer weiter hochgefahren wird. Theoretisch k\u00f6nnten gezielte Sanktionen, falls sie mit einer glaubw\u00fcrdigen Drohung und umfassenderen Ma\u00dfnahmen einhergehen, ausreichen, um die chinesische Unterst\u00fctzung f\u00fcr Moskau unter einem bestimmten Schwellenwert zu halten. Aber die massive wirtschaftliche Abh\u00e4ngigkeit der EU von China macht diese Drohungen momentan kaum glaubw\u00fcrdig.<\/p>\n<p><b>Gibt es einen Weg f\u00fcr die EU und die USA, gemeinsam gegen China vorzugehen &#8211; durch Sanktionen oder andere Ma\u00dfnahmen?<\/b><\/p>\n<p>Es gibt tats\u00e4chlich Spielraum f\u00fcr ein gemeinsames Vorgehen der EU und der USA gegen China. Dabei geht es etwa in der industriellen Zusammenarbeit um die Eind\u00e4mmung von Chinas Dominanz in den Lieferketten f\u00fcr gr\u00fcne Energie und um Handelsbeschr\u00e4nkungen, die Peking schaden k\u00f6nnen, ohne die noch bestehenden Wirtschaftsbeziehungen zu opfern. Die Herausforderung besteht darin, dass ein solcher Kurs eine Angleichung der Ziele zwischen Washington und Br\u00fcssel erfordert sowie ein hohes Ma\u00df an gegenseitigem Vertrauen &#8211; beides fehlt derzeit.<\/p>\n<p><b>Bislang hat Trump keine Absicht gezeigt, den Druck auf seinen russischen Amtskollegen Wladimir Putin zu erh\u00f6hen. Warum?<\/b><\/p>\n<p>Das ist die Eine-Millionen-Dollar-Frage, da niemand Trumps Gedanken lesen kann. Eine glaubw\u00fcrdige Theorie ist jedoch, dass Trump die Strategie seines Vorg\u00e4ngers Joe Biden, dem es um einen Wettbewerb der Gro\u00dfm\u00e4chte ging, aufgegeben hat &#8211; zugunsten einer Aufteilung der Welt in Einflusszonen mit China und Russland. In einer solchen verzerrten Sichtweise machen Sanktionen es schwieriger, eine Einigung \u00fcber die Grenzen der jeweiligen Einflusszonen zu erzielen.<\/p>\n<p><b>Trumps Regierung versucht, Russland aus seiner engen Bindung mit China herauszul\u00f6sen. Bisher ist dieser Versuch gescheitert &#8211; auch weil die Regime beider L\u00e4nder sich politisch nahestehen. Was genau hofft Trump mit dieser Strategie zu erreichen?<\/b><\/p>\n<p>Ob es nun die Hoffnung auf einen Friedensnobelpreis ist oder der Glaube, Einflusszonen \u00fcber Regionen hinweg aufzuteilen, der Trump von einem &#8222;umgekehrten Kissinger&#8220;* tr\u00e4umen l\u00e4sst &#8211; er sollte jede Illusion aufgeben: Es gibt absolut nichts, was die USA Russland anbieten k\u00f6nnten, das Moskau dazu bringen w\u00fcrde, seine Beziehung zu Peking zu \u00fcberdenken. Das Ma\u00df an langfristiger strategischer Abh\u00e4ngigkeit Russlands von China macht es f\u00fcr Putin unm\u00f6glich, sich von Xi Jinping zu distanzieren.<\/p>\n<p>*Der fr\u00fchere US-Au\u00dfenminister Henry Kissinger stand in 1970er Jahren f\u00fcr die Idee, die USA k\u00f6nnten ihre Position gegen\u00fcber der Sowjetunion st\u00e4rken, indem sie sich Peking ann\u00e4hern.<\/p>\n<p>Mit Alberto Rizzi sprach Lea Verstl<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die EU schn\u00fcrt ihr 19. Sanktionspaket &#8211; und wird von Donald Trump unter Druck gesetzt. 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