{"id":435165,"date":"2025-09-19T15:56:13","date_gmt":"2025-09-19T15:56:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/435165\/"},"modified":"2025-09-19T15:56:13","modified_gmt":"2025-09-19T15:56:13","slug":"ideal-fuer-russland-dw-19-09-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/435165\/","title":{"rendered":"Ideal f\u00fcr Russland? \u2013 DW \u2013 19.09.2025"},"content":{"rendered":"<p>Die Demonstration glich, wie oft in <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/frankreich\/t-17518447\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Frankreich<\/a>, einer Stra\u00dfenparty. Gro\u00dfe Ballons ragten von den Gewerkschaftswagen in die H\u00f6he. Aus den Boxen auf den Fahrzeugen dr\u00f6hnte laute Musik. Entlang der Marschstrecke durch den Pariser Osten verkauften zahlreiche H\u00e4ndler W\u00fcrstchen und Getr\u00e4nke. 55.000 Menschen nahmen laut Beh\u00f6rden an <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/massenproteste-gegen-sparpl\u00e4ne-in-frankreich-gestartet\/a-74042768\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">den\u00a0Protesten<\/a> in Paris teil, in ganz Frankreich waren es 500.000. Die Gewerkschaften sprachen von einer Million Demonstrierenden im Land. Doch der joviale Protest dr\u00fcckte eine steigende Wut der Franzosen auf ihre Politiker aus &#8211; vor allem auf Pr\u00e4sident <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/emmanuel-macron\/t-38664576\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Emmanuel Macron<\/a>. Von dem haben laut Umfragen nur noch 17 Prozent der Franzosen eine positive Meinung, ein Rekordtief. Dass der Druck auf ihn w\u00e4chst, hat Auswirkungen auf internationaler Ebene.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"74063106\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/74063106_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Eine Frau - Carine Torset - schwenkt in einer Menge Demonstrierender eine rot-gelbe Fahne\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>W\u00fctend \u00fcber die politische Lage war auch Carine Torset, die am Donnerstagnachmittag mit rund 50 Kollegen, die in der Videospielbranche arbeiten, durch Paris marschierteBild: Hermann Dj\u00e9dj\u00e9\/DW<\/p>\n<p>W\u00fctend \u00fcber die politische Lage war auch Carine Torset, die am Donnerstagnachmittag mit rund 50 Kollegen, die in der Videospielbranche arbeiten, durch Paris marschierte. &#8222;Es ist das erste Mal, dass wir mit einer Gruppe bei einer <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/proteste-in-frankreich-ein-gef\u00fchl-der-ungerechtigkeit\/a-73952577\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Demonstration<\/a> dabei sind&#8220;, sagt\u00a0die 33-J\u00e4hrige,\u00a0die Mitglied der Gewerkschaft CGT ist, der DW. Sie spricht von einem &#8222;Schock&#8220; und einer gewissen Resigniertheit, die sie empfand, als der nun ehemalige Premierminister Fran\u00e7ois Bayrou Mitte Juli bekanntgab, wie er n\u00e4chstes Jahr etwa 44 Milliarden Euro einsparen und Frankreichs Haushaltsloch auf 4,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) senken wolle.<\/p>\n<p>Die Ank\u00fcndigungen brachten Frankreichs Gewerkschaften dazu, den Protesttag im September anzusetzen. Vor allem, weil Bayrou zwei Feiertage streichen, K\u00fcrzungen im Gesundheitssektor und eine Reform der Arbeitslosenversicherung durchsetzen wollte.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"74063264\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/74063264_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Demonstranten rufen und  laufen mit Transparenten und Schildern auf der Stra\u00dfe\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>6000 Polizisten hatten die Beh\u00f6rden in Paris geschickt, um Ausschreitungen zu verhindernBild: Hermann Dj\u00e9dj\u00e9\/DW<\/p>\n<p>Dass der Premier inzwischen an einem Vertrauensvotum im Parlament gescheitert ist und Pr\u00e4sident Macron ihn durch seinen Vertrauten S\u00e9bastien Lecornu, bisher Frankreichs Verteidigungsminister, ersetzt hat, \u00e4ndert f\u00fcr Torset wenig. &#8222;Lecornu ist noch schlimmer als Bayrou und wird bestimmt noch h\u00e4rtere Sparma\u00dfnahmen umsetzen wollen&#8220;, unterstreicht sie. &#8222;Wir brauchen endlich einen linksgerichteten Premierminister, der etwas f\u00fcr Niedrigverdiener tut und Reiche besteuert.&#8220;<\/p>\n<p>Frankreichs Chaos hat Auswirkungen auf EU-Ebene<\/p>\n<p>Lecornu hat zwar die Streichung von Feiertagen inzwischen gekippt, aber seinen Haushaltsentwurf noch nicht bekanntgegeben &#8211; Anfang Oktober muss er ihn im Parlament einreichen. Der Premierminister verhandelt \u00fcber die Pl\u00e4ne zurzeit mit den Fraktionen im Parlament, wo er keine Mehrheit hat, sondern sich auf eine wackelige Minderheitsregierung der Mitte und konservativen Rechten st\u00fctzt. Die alten Minister funktionieren dabei als \u00dcbergangsregierung.<\/p>\n<p>Das wirke sich auf den sogenannten deutsch-franz\u00f6sischen Motor aus, der in der <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/europ\u00e4ische-union\/t-17281096\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Europ\u00e4ischen Union (EU)<\/a> als wegweisend gilt, so Paul Maurice, Generalsekret\u00e4r des Studienkomitees f\u00fcr deutsch-franz\u00f6sische Beziehungen Cerfa an der Pariser Denkschmiede Ifri. &#8222;Die Arbeit auf den zahlreichen Verwaltungsebenen in bilateralen Komitees l\u00e4uft weiter, aber laut einer Regelung aus dem Jahr 2024 treffen \u00dcbergangsminister in Frankreich nur Entscheidungen, wenn diese zwingend n\u00f6tig sind &#8211; zum Beispiel in einer Finanzkrise&#8220;, erkl\u00e4rt der Experte im Gespr\u00e4ch mit der\u00a0DW. &#8222;Au\u00dferdem braucht man Geld, um Projekte voranzutreiben, zum Beispiel Investitionen in die Verteidigung, was ja eine der Priorit\u00e4ten auf europ\u00e4ischer Ebene ist.&#8220;<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"74063242\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/74063242_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Portr\u00e4taufnahme von Sophie Pornschlegel \" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Sophie Pornschlegel ist Policy Fellow an der linksliberalen Berliner Denkfabrik Progressives ZentrumBild: Solene Padeletti<\/p>\n<p>Das innenpolitische Chaos mache sich auch auf gesamteurop\u00e4ischer Ebene bemerkbar, f\u00fcgt Sophie Pornschlegel hinzu. Sie ist Policy Fellow an der\u00a0linksliberalen Berliner\u00a0Denkfabrik Progressives Zentrum. &#8222;Macron ist intern so besch\u00e4ftigt, dass er weniger Zeit hat, sich auf Au\u00dfenpolitik und Europa zu konzentrieren. Zudem erschweren und verlangsamen die st\u00e4ndigen Ministerwechsel die Arbeit in den europ\u00e4ischen Ministerr\u00e4ten, die zum Beispiel f\u00fcr die Agrarpolitik zust\u00e4ndig sind&#8220;, so Pornschlegel.<\/p>\n<p>&#8222;Es hat zudem eine Signalwirkung, auch auf die Finanzm\u00e4rkte, dass Frankreich jetzt schon wieder einen neuen Premier hat, den vierten in zwei Jahren&#8220;, betont sie gegen\u00fcber der DW. Frankreich zahlt inzwischen f\u00fcr die Refinanzierung seiner Staatsschuld so viel wie Italien, dessen Staatsverschuldung bei 130 Prozent des BIPs liegt, rund 20 Prozentpunkte \u00fcber der Frankreichs. &#8222;In der Diplomatie ist es zudem wichtig, St\u00e4rke auszustrahlen. Aber gerade \u00fcberwiegt das Klischeebild von Frankreich im Streik&#8220;, meint die Expertin.<\/p>\n<p>Grund zur Freude f\u00fcr Russlands Putin?<\/p>\n<p>Dass die aktuelle Situation Frankreichs Standing beeintr\u00e4chtigt, sieht auch Jean Pisani-Ferry so, Senior Fellow am Br\u00fcsseler \u00f6konomischen Forschungsinstitut Bruegel und Wirtschaftsprofessor an der Pariser Universit\u00e4t Sciences Po. &#8222;Der Pr\u00e4sident eines Landes in finanziellen Schwierigkeiten ist notgedrungen geschw\u00e4cht. Die Stimme seines Landes hat weniger Schlagkraft &#8211; auch bei Verhandlungen auf europ\u00e4ischer Ebene&#8220;, meint Pisani-Ferry im Gespr\u00e4ch mit DW. &#8222;Man muss das Haushaltsgleichgewicht wiederherstellen. Aber das wird nicht einfach. Es ist wichtig, dass Frankreichs Wirtschaft weiter w\u00e4chst. 44 Milliarden Euro Einsparungen sind da zu viel. Au\u00dferdem sollte man die Ma\u00dfnahmen gerecht unter Gering- und Vielverdienern aufteilen.&#8220;<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"74063150\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/74063150_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Politikprofessor Jan Rovny steht in grauem Sakko und Schal vor einem Geb\u00e4ude\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Jan Rovny, Politikprofessor am Zentrum f\u00fcr Europ\u00e4ische Studien und Vergleichende Politik an Sciences Po ParisBild: privat<\/p>\n<p>F\u00fcr Jan Rovny, Politikprofessor am Zentrum f\u00fcr Europ\u00e4ische Studien und Vergleichende Politik an Sciences Po Paris, strahlt Frankreichs Situation dabei aus. &#8222;Wenn Frankreich geschw\u00e4cht ist, ist auch die EU geschw\u00e4cht. Das freut konkurrierende Regime wie <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/china\/t-17281386\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">China<\/a> und <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/russland\/t-17284476\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Russland<\/a>&#8222;, sagt er der\u00a0DW. &#8222;F\u00fcr den russischen Pr\u00e4sidenten <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/wladimir-putin\/t-17289915\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wladimir Putin<\/a> ist das, was sich gerade in Frankreich abspielt, ideal. Er hofft bestimmt auf noch mehr Streiks, politische Unsicherheit und dadurch Aufwind f\u00fcr die extreme Rechte. Putin wird versuchen, solche Tendenzen durch die Verbreitung von <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/fake-news\/t-36822110\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Fake News<\/a> weiter anzufachen. Schlie\u00dflich will er europ\u00e4ische L\u00e4nder destabilisieren und politisches Chaos verbreiten.&#8220;<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"74067432\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/74067432_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Ein Mann mit Kettenhemd, gelber Warnweste und gro\u00dfer verspiegelter Sonnenbrille - Thierry Dubert - blickt in die Kamera\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Thierry Dubert arbeitete\u00a0fr\u00fcher als Produktionsleiter in einer Fabrik zur Zerst\u00f6rung von Munition aus dem Ersten Weltkrieg Bild: Lisa Louis\/DW<\/p>\n<p>Solche \u00dcberlegungen lagen vielen Demonstrierenden am Donnerstag fern. Wie Thierry Dubert, der fr\u00fcher als Produktionsleiter in einer Fabrik zur Zerst\u00f6rung von Munition aus dem Ersten Weltkrieg arbeitete. &#8222;Es sollte wieder eine Rente mit 60 geben &#8211; und nicht wie bald 64. Heutzutage behandelt man Angestellte nur noch als Ressource, aber wir sind doch Menschen. Ich bin gegen die R\u00fcckkehr ins Mittelalter&#8220;, forderte der 62-j\u00e4hrige Rentner, der dementsprechend im Kettenhemd zur Demonstration gekommen war.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Demonstration glich, wie oft in Frankreich, einer Stra\u00dfenparty. 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