{"id":435661,"date":"2025-09-19T20:37:18","date_gmt":"2025-09-19T20:37:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/435661\/"},"modified":"2025-09-19T20:37:18","modified_gmt":"2025-09-19T20:37:18","slug":"ford-baut-weitere-1000-arbeitsplaetze-in-koeln-ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/435661\/","title":{"rendered":"Ford baut weitere 1000 Arbeitspl\u00e4tze in K\u00f6ln ab"},"content":{"rendered":"<p>Wir rufen alle Ford-Arbeiter auf, sich mit dem Ford-Aktionskomitee in Verbindung zu setzen, um einen Kampf zur Verteidigung des K\u00f6lner Stammwerks vorzubereiten. Ein zweites Saarlouis darf nicht zugelassen werden. Schreibt uns eine <a href=\"https:\/\/wa.me\/message\/PGZEAQSVLMSZH1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Whatsapp-Nachricht <\/a>an folgende Nummer: +491633378340 oder registriert Euch im Formular am Ende dieses Artikels.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"db relative center\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/9b4a33e7-3ef4-48bd-bdce-43fbe6ca026d\" style=\"max-height:100%\"\/>Warnstreik bei Ford K\u00f6ln am 2. April 2025<\/p>\n<p>Es ist ein Sterben auf Raten. Zwei Wochen ist es her, dass IG Metall und Betriebsrat bei Ford in K\u00f6ln per Urabstimmung durchgesetzt haben, dass 2900 Arbeitspl\u00e4tze abgebaut werden. Am Dienstag hat der Konzern der Belegschaft angek\u00fcndigt, die Produktion ab Januar von zwei auf nur noch eine Schicht zu reduzieren. Dadurch sollen noch in diesem Jahr weitere 1000 Arbeitspl\u00e4tze eingespart werden.<\/p>\n<p>Als Grund f\u00fcr den Ein-Schicht-Betrieb nannte die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung bei einer Betriebsversammlung schlechte Verkaufszahlen ihrer Elektro-Modelle Capri und Explorer, die in K\u00f6ln gebaut werden. Der Konzern hatte zwei Milliarden Euro in die Umr\u00fcstung des Werks auf die E-Mobilit\u00e4t investiert. W\u00e4hrend IG Metall und Betriebsrat in Saarlouis das Ford-Werk abgewickelt haben, sollte die Investition in K\u00f6ln und die damit verbundene \u201egesicherte Zukunft\u201c des Werks die dortige Belegschaft ruhig halten.<\/p>\n<p>Nun ist der gesamte Standort bedroht. Der von der IGM gef\u00fchrte Betriebsrat k\u00fcndigte \u201eVerhandlungen\u201c mit der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung an, in denen die Bedingungen und Mechanismen des jetzigen Abbaus ausgearbeitet werden. IG Metall und Betriebsrat haben in den letzten Jahren ein Arbeitsplatzabbauprogramm nach dem anderen ausgearbeitet. Stets hatten sie behauptet, damit seien die Wettbewerbsf\u00e4higkeit und das \u00dcberleben Fords in Deutschland gesichert \u2013 bis zur n\u00e4chsten Runde. Von einst \u00fcber 20.000 Besch\u00e4ftigten in K\u00f6ln sind aktuell noch rund 11.500 \u00fcbrig, mit dem jetzt angek\u00fcndigten Abbau sollen es schon bald nur noch 7000 sein. Jede Vereinbarung von Betriebsrat und IG Metall bringt die Werksschlie\u00dfung ein St\u00fcck n\u00e4her.<\/p>\n<p>Nachdem in K\u00f6ln Tausende Arbeitspl\u00e4tze in der Produktion bis 2019 vernichtet wurden, betrafen die folgenden Rationalisierungs- und Abbau-Runden vor allem die Verwaltung sowie die Forschung und Entwicklung. Jetzt ist wieder die Produktion von den Sparpl\u00e4nen betroffen. Diese Aufspaltung der Belegschaft ist ganz im Interesse der IGM- und Betriebsratsfunktion\u00e4re. Erst Anfang des Monats hatten sie einen Sozialtarifvertrag durchgesetzt, der 2900 Besch\u00e4ftigten in anderen Bereichen als der Produktion den Job kostet.<\/p>\n<p>Weil aus der vorangegangenen Abbau-Runde 660 Arbeitspl\u00e4tze noch nicht per \u201efreiwilliger\u201c Abfindung oder Renteneintritt abgebaut werden konnten, hatten IG Metall und Betriebsrat dem Konzern nun ausdr\u00fccklich betriebsbedingte K\u00fcndigungen offengelassen. Mit einem perfiden dreistufigen Prozess sollen die Besch\u00e4ftigten aus dem Betrieb vertrieben werden. Wer das erste Abfindungsangebot ablehnt, erh\u00e4lt ein zweites, niedrigeres, das nur 75 % des ersten Angebots betr\u00e4gt. Wer auch das ablehnt, wird betriebsbedingt gek\u00fcndigt.<\/p>\n<p>\u201eMit diesen perfiden Mafia-Methoden soll die Belegschaft gespalten werden\u201c, schrieben wir in unserem <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2025\/09\/02\/ford-s02.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Aufruf gegen den Sozialtarifvertrag<\/a>. Wir warnten auch vor der Reduzierung auf den Ein-Schicht-Betrieb. Die \u201eGesamtl\u00f6sung\u201c, von der IGM und Betriebsrat spreche, sei die Grundlage f\u00fcr die schrittweise Stilllegung des Werks. \u201eErst k\u00fcrzlich hat die Gesch\u00e4ftsleitung angek\u00fcndigt, die zweite Schicht im Werk zu streichen. Der Ein-Schichtbetrieb wird dann als Rechtfertigung f\u00fcr die n\u00e4chste Runde des Jobmassakers dienen, weil er aus Konzernsicht unprofitabel ist.\u201c<\/p>\n<p>Es dr\u00e4ngt sich auf, dass bei Ford in den USA schon l\u00e4ngst beschlossen wurde, sich aus der Produktion in Europa weitestgehend zur\u00fcckzuziehen. Die \u201eAmerica First\u201c-Politik von US-Pr\u00e4sident Donald Trump wird m\u00f6gliche Zweifel an dieser Entscheidung, wenn es sie \u00fcberhaupt gibt, endg\u00fcltig beseitigen.<\/p>\n<p>Zahlreiche <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2019\/12\/02\/ford-j15.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Werke in Europa<\/a> hat Ford bereits in den letzten zw\u00f6lf Jahren geschlossen oder verkauft, in Gro\u00dfbritannien (Southampton, 2013, und Bridgend, 2019), Belgien (Genk, 2014), Frankreich (Blanquefort, 2019), Slowakei (Kechnec, 2019) und in Russland (Nabereschnyje Tschelny, St. Petersburg und Elabuga, 2019 bis 2022). Die Produktion des Focus in Saarlouis endet in zwei Monaten, \u00fcbrig bleiben dort dann noch 1000 Arbeitspl\u00e4tze bis l\u00e4ngstens 2032. Die Zukunft des Ford-Werks im spanischen Almussafes (Valencia), das den Bieterwettbewerb gegen Saarlouis \u201egewonnen\u201c hatte, ist ebenfalls ungewiss. Aktuell wird dort nur das Modell Kuga produziert, der Produktionsstart neuer E- oder Hybrid-Modelle ist von 2025 auf 2027 verschoben worden. Von den 9300 Besch\u00e4ftigten vor drei Jahren sind nur noch weniger als ein Drittel \u00fcbriggeblieben.<\/p>\n<p>In der T\u00fcrkei und in Rum\u00e4nien hat Ford die Fahrzeugproduktion in das Joint Venture Ford Otosan mit dem t\u00fcrkischen Industriekonzern Ko\u00e7 Holding ausgelagert. Beide halten 41 Prozent der Anteile. Ford Otosan produziert in vier Werken in der T\u00fcrkei die Transporter-Modelle. Im Werk in Craiova (Rum\u00e4nien) werden zus\u00e4tzlich Verbrenner- und Elektro-Fahrzeuge des Modells Puma gebaut.<\/p>\n<p>Die L\u00f6hne in Craiova betragen weniger als ein Drittel der L\u00f6hne in Deutschland und Spanien, in der T\u00fcrkei sind sie noch niedriger. Es liegt auf der Hand, dass Arbeitspl\u00e4tze in K\u00f6ln oder Almussafes nur verteidigt werden k\u00f6nnen, wenn sich die europ\u00e4ischen Belegschaften zusammenschlie\u00dfen, um dann Kontakt zu den amerikanischen und weltweiten Kolleginnen und Kollegen aufzunehmen.<\/p>\n<p>Doch die Funktion\u00e4re der IG Metall und des Betriebsrats denken nicht daran. \u201eDer Ford-Standort K\u00f6ln braucht ein neues Konzept\u201c, erkl\u00e4rt Vertrauensk\u00f6rperleiter David L\u00fcdtke gegen\u00fcber dem WDR. Die E-Modelle seien zwar gute Autos, aber einfach zu teuer f\u00fcr den Markt.<\/p>\n<p>Die ersten Kosten, die Ford senken wird, um Autos kosteng\u00fcnstiger zu bauen, sind die Personalkosten. Ein \u201eneues Konzept\u201c f\u00fcr Autos, die sich nur wenige leisten k\u00f6nnen, bedeutet daher ein \u201eKosteneinsparkonzept\u201c. Der Betriebsrat wird ein solches entwickeln und der Gesch\u00e4ftsleitung in den kommenden Verhandlungen vorstellen. Der Betriebsrat m\u00fcsse sich beraten, \u201emit welchen Forderungen wir in diese Verhandlungen gehen\u201c, wie es L\u00fcdtke formulierte. Die Verteidigung der Arbeitspl\u00e4tze hat die IG Metall von vornherein ausgeschlossen.<\/p>\n<p>Dabei hatte die K\u00f6lner Belegschaft Anfang des Jahres bewiesen, dass sie f\u00fcr die Arbeitspl\u00e4tze k\u00e4mpfen will. \u00dcber 93 % der Mitglieder hatten sich f\u00fcr einen Streik ausgesprochen. Doch die IG Metall, die nur widerwillig die Urabstimmung \u00fcber einen Streik aufgrund von Forderungen der Belegschaft organisiert hatte, blies den Streik schon nach 24 Stunden wieder ab, um in so genannte Verhandlungen mit dem Management einzutreten, in denen dann der ber\u00fcchtigte Sozialtarifvertrag ausgearbeitet wurde.<\/p>\n<p><a class=\"db avenir f6 lh-title pa1 br2 tc mw6 mw7-l bg-black-05 mt3 center\" href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/special\/pages\/freebogdan.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img decoding=\"async\" class=\"dn db-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/1744237449_988_7e4eabbf-72c5-4c32-bbe7-fbf358c98be8\"\/><img decoding=\"async\" class=\"db dn-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/0fbce9ab-d2c4-417c-a910-46ad612cfce5\"\/><\/a><\/p>\n<p>Die IGM hatte ihre Mitglieder in der anschie\u00dfenden Abstimmung aufgerufen, den Abbau von weiteren 2900 Arbeitspl\u00e4tzen abzusegnen und den Streik nicht wiederaufzunehmen. \u201eLeider kann eine tragf\u00e4hige Zukunftsstrategie nicht durch einen Streik erzwungen werden\u201c, behauptete L\u00fcdtke.<\/p>\n<p>\u201eEin Betriebs\u00fcbergang oder gar eine Schlie\u00dfung ganzer Bereiche l\u00e4sst sich durch Streiks nicht verhindern\u201c, erg\u00e4nzte die IGM-Bevollm\u00e4chtige von K\u00f6ln\/Leverkusen, Kerstin Klein und warnte davor, den Sozialtarifvertrag abzulehnen: \u201eEine Nachverhandlung nur einzelner Punkte ist ausgeschlossen. Weitere Verhandlungen und Streiks k\u00f6nnten deshalb am Ende zu deutlich schlechteren Bedingungen f\u00fchren.\u201c<\/p>\n<p>IG Metall und Betriebsrat haben dabei ihre Mitglieder \u00fcber einen Vertrag abstimmen lassen, der ihnen vorenthalten wurde und in dem die meisten Details noch gar nicht festgeschrieben sind, sondern weiterhin von der Gewerkschaft mit dem Management abgestimmt werden. Als die IG Metall mit 93,5 Prozent Zustimmung zum Sozialtarifvertrag das Ergebnis erhielt, das sie anstrebte, jubelte sie: \u201eEin Sicherheitsnetz f\u00fcr alle!\u201c Das Sicherheitsnetz hatte keine zwei Wochen Bestand.<\/p>\n<p>Es kann kaum deutlicher werden: Die Arbeitspl\u00e4tze und das gesamte Werk, das die Lebensgrundlage f\u00fcr viele Tausende Menschen darstellt, sind nur gegen den IGM-Apparat und seinen Betriebsrat zu verteidigen. Ihnen muss das Mandat f\u00fcr jede weitere Verhandlung entzogen werden. Der Sozialtarifvertrag und all seine Untertarifvertr\u00e4ge m\u00fcssen offengelegt werden. Auf dieser Grundlage m\u00fcssen sich Besch\u00e4ftigte, die k\u00e4mpfen wollen, unabh\u00e4ngig im Ford-Aktionskomitee organisieren.<\/p>\n<p>Ford ist ein internationaler Konzern mit 171.000 Kolleginnen und Kollegen in Werken auf vier Kontinenten. Zu ihnen muss Kontakt aufgenommen werden \u2013 in Deutschland, Europa und weltweit. Das gilt auch f\u00fcr Kolleginnen und Kollegen anderer Unternehmen der Auto-, Zuliefer- und Stahlindustrie usw., die vor den gleichen Problemen stehen.<\/p>\n<p>Eine solche internationale Strategie und Zusammenarbeit ist notwendig, um sich der Erpressung durch Management und Betriebsrat zu widersetzen. Es ist eine Perspektive, die von den gemeinsamen Interessen aller Arbeitenden weltweit ausgeht und sich der Logik des kapitalistischen Profitsystems widersetzt, das die Gewerkschafts- und Betriebsratsfunktion\u00e4re mit Z\u00e4hnen und Klauen verteidigen.<\/p>\n<p>Schreibt uns eine <a href=\"https:\/\/wa.me\/message\/PGZEAQSVLMSZH1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Whatsapp-Nachricht<\/a> an folgende Nummer: +491633378340 und f\u00fcllt das folgende Formular aus, um jetzt aktiv zu werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wir rufen alle Ford-Arbeiter auf, sich mit dem Ford-Aktionskomitee in Verbindung zu setzen, um einen Kampf zur Verteidigung&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":103320,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1828],"tags":[371,29,2460,30,744,1420,1209,29018],"class_list":{"0":"post-435661","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-koeln","8":"tag-autoindustrie","9":"tag-deutschland","10":"tag-ford","11":"tag-germany","12":"tag-ig-metall","13":"tag-koeln","14":"tag-nordrhein-westfalen","15":"tag-saarlouis"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115232889071484763","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/435661","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=435661"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/435661\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/103320"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=435661"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=435661"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=435661"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}