{"id":436229,"date":"2025-09-20T02:05:20","date_gmt":"2025-09-20T02:05:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/436229\/"},"modified":"2025-09-20T02:05:20","modified_gmt":"2025-09-20T02:05:20","slug":"oktoberfest-die-wahre-geschichte-des-anzapfens-und-seine-mythen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/436229\/","title":{"rendered":"Oktoberfest: Die wahre Geschichte des Anzapfens und seine Mythen"},"content":{"rendered":"<p>Der H\u00f6hepunkt des M\u00fcnchner Jahres dauert gerade mal drei Sekunden \u2013 und endet (fast) immer mit \u201eOzapft is!\u201c, wenn das erste Fass auf dem <a href=\"https:\/\/www.abendzeitung-muenchen.de\/muenchen\/oktoberfest\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Oktoberfest<\/a> angezapft ist. <\/p>\n<p>Dieses Ritual erfand am 16. September 1950 Oberb\u00fcrgermeister Thomas Wimmer, der damals \u2013 so jedenfalls lautet eine gerne kolportierte M\u00fcnchen-Legende \u2013 angeblich gem\u00fctlich auf die Wiesn spazierte, als ihn die Kutsche des Schottenhamel-Wirtes \u00fcberholte. \u201eJa Herr Wimmer, warum gehen\u2018S denn zu Fu\u00df? Steigen\u2018S doch ein\u201c. Und am Schottenhamelzelt angekommen sagte der Wirt: \u201eUnd wenn\u2018S schon da sind, dann zapfen\u2018S doch gleich an!\u201c Was der Wimmer Damerl dann auch tat. Also, angeblich&#8230;<\/p>\n<p>Das Ganze ist alles falsch \u2013 diese sch\u00f6ne Geschichte stimmt so einfach nicht. Im Nachlass des Fotografen Rudi Dix wurde n\u00e4mlich ein Leica-Filmstreifen entdeckt, der das offizielle Anzapf-Geschehen als ein allzu sch\u00f6nes Wiesn-M\u00e4rchen entlarvt hat.<\/p>\n<p>Die sch\u00f6nsten Anzapf-M\u00e4rchen und -Mythen<\/p>\n<p>Zum 190. Oktoberfest erz\u00e4hlt die AZ aber nicht nur die sch\u00f6nsten Anzapf-M\u00e4rchen und -Mythen, sondern auch die Geschichten vom explodierten Bierfass mit Schaumkatastrophe bei OB Hans-Jochen Vogel, vom durchl\u00f6cherten Ma\u00dfkrug bei OB Georg Kronawitter und vom verr\u00fccktesten Anzapfen 1981, als OB Erich Kiesl nach f\u00fcnf nerv\u00f6sen Schl\u00e4gen ins Mikrofon schrie: \u201eObatzt is!\u201c Viel Spa\u00df beim Schauen und Schm\u00f6kern \u2013 \u00fcber Mythen, M\u00e4rchen und die Magie vom \u201eOzapft is!\u201c.<\/p>\n<p>OB Thomas Wimmer: Das erste M\u00e4rchen vom \u201eOzapft is\u201c \u2013 und das zweite M\u00e4rchen vom Fu\u00dfmarsch<\/p>\n<p>Den Beweis, wie das erste Anzapfen wirklich abgelaufen ist, lieferte der Fotograf Rudi Dix, der damals Thomas Wimmer f\u00fcr den \u201eM\u00fcnchner Merkur\u201c am 16. \u00a0September 1950 den ganzen Tag begleitete und fotografierte. In seinem Nachlass im M\u00fcnchner Stadtarchiv ist ein Negativ-Filmstreifen erhalten. Dort ist Bild f\u00fcr Bild zu sehen, wie und woher Wimmer zum Anzapfen im wahrsten Sinn des Wortes gestolpert ist: Den Hut tief ins Gesicht gezogen, gest\u00fctzt auf einen Regenschirm klettert er mit grantiger Miene und brennender Zigarre den Abhang zum Schottenhamelzelt hinunter.<\/p>\n<p>     <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/1605282_09392_artikelbild-75proz_1EPm0s_IZ3e3o.jpg\" alt=\"16. September 1950: Kurz vor dem ersten Anzapfen auf dem Oktoberfest stolpert ein grantiger OB Thomas Wimmer (r.) den Wiesn-H\u00fcgel hinunter.\" title=\"16. September 1950: Kurz vor dem ersten Anzapfen auf dem Oktoberfest stolpert ein grantiger OB Thomas Wimmer (r.) den Wiesn-H\u00fcgel hinunter.\" width=\"609\" height=\"406\"\/><\/p>\n<p>      16. September 1950: Kurz vor dem ersten Anzapfen auf dem Oktoberfest stolpert ein grantiger OB Thomas Wimmer (r.) den Wiesn-H\u00fcgel hinunter.<br \/>\n      \u00a9 Rudi Dix \/ Stadtarchiv M\u00fcnchen<\/p>\n<p>    16. September 1950: Kurz vor dem ersten Anzapfen auf dem Oktoberfest stolpert ein grantiger OB Thomas Wimmer (r.) den Wiesn-H\u00fcgel hinunter.<\/p>\n<p>von Rudi Dix \/ Stadtarchiv M\u00fcnchen <\/p>\n<p>&#8222;}&#8220;&gt; <\/p>\n<p>Oben im Messegel\u00e4nde hatte er gerade um 11 Uhr eine Elektromesse er\u00f6ffnet, um sogleich auf dem k\u00fcrzesten Weg den Berg hinunter direkt ins Schottenhamel-Zelt zu eilen. <br \/>Auf dem letzten Negativ steht Wimmer schon vor dem Bierfass, bevor er dann draufhaut: \u201eOzapft is!\u201c<\/p>\n<p>Das erste Anzapfen war gut geplant<\/p>\n<p>Bereits eine Woche vor dem ersten Anzapfen schrieb am 9. \u00a0September 1950 Ernst Hess in der \u201eS\u00fcddeutschen Zeitung\u201c, dass am n\u00e4chsten Samstag Thomas Wimmer um 12 Uhr im Schottenhamel-Zelt das erste Fass <a href=\"https:\/\/www.abendzeitung-muenchen.de\/thema\/bier\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bier<\/a> anzapfen und damit das Oktoberfest er\u00f6ffnen wird. Und der \u201eMerkur\u201c berichtete am 18. September: \u201eIm Schottenhamel lag neben dem ersten Bantzen ein nagelneuer Schlegel und ein funkelnder Messinghahn bereit.<\/p>\n<p>In einem Wetterleuchten von Blitzlichtern, umringt von M\u00fcnchner Kindln und Fotografen band sich Oberb\u00fcrgermeister Thomas Wimmer schmunzelnd den Schurz um, krempelte die Hemd\u00e4rmel auf und zapfte mit ein paar kr\u00e4ftigen Schl\u00e4gen an. Die erste Ma\u00df widmete er dem Oktoberfest und der Stadt M\u00fcnchen.\u201c<\/p>\n<p>Die alte Bier-Hierarchie auf dem Kopf<\/p>\n<p>Das Sensationelle beim ersten Anzpafen war: Wimmer stellte dadurch die Bier-Hierarchie auf den Kopf: Vor ihm w\u00e4re kein Politiker oder Promi auf die Idee gekommen, ein Fass Bier anzuzapfen. Politiker standen in der Hierarchie ganz oben mit den Brauereibesitzern, danach kamen die gro\u00dfen Wirte und bei deren Personal an unterster Stelle die Schenkkellner.<\/p>\n<p>     <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/1605281_80224_artikelbild-75proz_1EPm0p_lc73Gc.jpg\" alt=\"Was f\u00fcr ein Massaker am Zapfhahn: 17 Schl\u00e4ge ben\u00f6tigte Thomas Wimmer bei der Anzapf-Premiere 1950.\" title=\"Was f\u00fcr ein Massaker am Zapfhahn: 17 Schl\u00e4ge ben\u00f6tigte Thomas Wimmer bei der Anzapf-Premiere 1950.\" width=\"609\" height=\"403\"\/><\/p>\n<p>      Was f\u00fcr ein Massaker am Zapfhahn: 17 Schl\u00e4ge ben\u00f6tigte Thomas Wimmer bei der Anzapf-Premiere 1950.<br \/>\n      \u00a9 Rudi Dix \/ Stadtarchiv M\u00fcnchen<\/p>\n<p>    Was f\u00fcr ein Massaker am Zapfhahn: 17 Schl\u00e4ge ben\u00f6tigte Thomas Wimmer bei der Anzapf-Premiere 1950.<\/p>\n<p>von Rudi Dix \/ Stadtarchiv M\u00fcnchen <\/p>\n<p>&#8222;}&#8220;&gt; <\/p>\n<p>Dass Wimmer die Hemds\u00e4rmel hochkrempelte, selbst den Schlegel in die Hand nahm und ein Fass Bier anzapfte, hatte 1950 die gleiche Symbolkraft wie er zwei Jahre zuvor die Schaufel packte und beim \u201eRamadama\u201c den Kriegsschutt wegr\u00e4umte.<\/p>\n<p>Wimmer wollte damit zeigen, dass sich in diesem Nachkriegselend niemand zu einer niedrigen Arbeit wie der eines Schenkkellners zu schade sein darf. Jeder musste genauso wie er selbst die \u00c4rmel hochkrempeln, Schutt r\u00e4umen und wie ein einfacher Schenkkellner anzapfen und Bier ausschenken. Letztlich war das Anzapfen f\u00fcr Wimmer ein politischer Akt.<\/p>\n<p>Wimmers Fu\u00dfmarsch aufs Oktoberfest<\/p>\n<p>Dass der Wimmer Damerl tats\u00e4chlich einmal zu Fu\u00df zum Anzapfen ging, wie es im ersten Wiesn-M\u00e4rchen erz\u00e4hlt wird, verdanken wir wieder dem Fotografen Rudi Dix, der ihn dabei begleitete und als einziger die peinliche Geschichte f\u00fcr die Nachwelt verewigte. Das war aber nicht 1950, sondern erst 1957, als die Schottenhamel-Kutsche am <a href=\"https:\/\/www.abendzeitung-muenchen.de\/thema\/karlsplatz-stachus\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stachus<\/a> 10 Minuten zu fr\u00fch gestartet und dem Wimmer davongefahren war! Grantig und schwitzend stapfte er dann durch die Schwanthalerstra\u00dfe raus auf die Wiesn, wo er gerade noch rechtzeitig zum Anzapfen ankam&#8230;<\/p>\n<p>Die erste Ma\u00df f\u00fcr den Landesvater?<\/p>\n<p>Und noch so eine Wiesnlegende: Die erste Ma\u00df geb\u00fchrt stets dem Ministerpr\u00e4sidenten. Leider auch falsch. Wenn OB <a href=\"https:\/\/www.abendzeitung-muenchen.de\/person\/dieter-reiter\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Dieter Reiter<\/a> heute \u201eOzapft is\u201c ruft, dann bekommt die erste Wiesnma\u00df \u201etraditionell der Bayerische Ministerpr\u00e4sident\u201c \u2013 zur Zeit <a href=\"https:\/\/www.abendzeitung-muenchen.de\/person\/markus-soeder\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Markus S\u00f6der<\/a>. Doch bei jedem Satz, der in M\u00fcnchen mit \u201etraditionell\u201c beginnt, ist Vorsicht geboten.<\/p>\n<p>Die Geschichte der ersten Wiesnma\u00df ist viel lustiger als \u201etraditionell\u201c \u2013 und so entstand das Wiesn-M\u00e4rchen: Beim ersten Anzapfen 1950 war Thomas Wimmer vor dem Bierfass nur \u201eumringt von M\u00fcnchner Kindln und Photographen\u201c und die ersten Anzapf-Promis sa\u00dfen schon in der Ratsboxe, darunter Ministerpr\u00e4sident Ehard, der amerikanische Landeskommissar George Shuster und B\u00fcrgermeister von Miller. <a href=\"https:\/\/www.abendzeitung-muenchen.de\/thema\/bayerische-ministerpraesidenten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bayerns Ministerpr\u00e4sident<\/a> bekam aber nicht die erste Ma\u00df, sondern \u201enur\u201c das erste Wiesn-Hendl! Der \u201eM\u00fcnchner Merkur\u201c schrieb: \u201eDas erste Wiesnhendl erhielten Ministerpr\u00e4sident Dr. Ehard und seine Gattin.\u201c<\/p>\n<p>     <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/1605279_017360_artikelbild-75proz_1EPm0k_YPeqiL.jpg\" alt=\"Ministerpr\u00e4sident Hans Ehard: Er bekam 1950 eben nicht die erste Ma\u00df \u2013 sondern nur das erste Wiesnhendl!\" title=\"Ministerpr\u00e4sident Hans Ehard: Er bekam 1950 eben nicht die erste Ma\u00df \u2013 sondern nur das erste Wiesnhendl!\" width=\"609\" height=\"782\"\/><\/p>\n<p>      Ministerpr\u00e4sident Hans Ehard: Er bekam 1950 eben nicht die erste Ma\u00df \u2013 sondern nur das erste Wiesnhendl!<br \/>\n      \u00a9 Heinz Gebhardt<\/p>\n<p>    Ministerpr\u00e4sident Hans Ehard: Er bekam 1950 eben nicht die erste Ma\u00df \u2013 sondern nur das erste Wiesnhendl!<\/p>\n<p>von Heinz Gebhardt <\/p>\n<p>&#8222;}&#8220;&gt; <\/p>\n<p>Und die erste Ma\u00df? Die erste Wiesnma\u00df widmete Thomas Wimmer (fortan) jedes Jahr \u201edem Oktoberfest und der Stadt M\u00fcnchen\u201c und trank sie dann alleine. <br \/>Erst im Laufe der Jahre standen in der Anzapfbox neben der Familie Schottenhamel dann auch der jeweils amtierende Ministerpr\u00e4sident sowie der 2. und 3. B\u00fcrgermeister. Aber alle bekamen gleichzeitig die ersten Ma\u00dfkr\u00fcge und prosteten sich zu. Auch bei OB Hans-Jochen Vogel und OB Georg Kronawitter \u00e4nderte sich nichts an diesem Ritual, bis ab 1978 Erich Kiesl anzapfte.<\/p>\n<p>OB Vogel: Erst nach vier Jahren trat er an<\/p>\n<p>Hans Jochen Vogel wurde am 21. M\u00e4rz 1960 mit 64,3 Prozent zum Oberb\u00fcrgermeister gew\u00e4hlt, aber Anzapfen auf dem Oktoberfest kam f\u00fcr ihn erst mal gar nicht in Frage: \u201eOzapfa, des is dem Wimmer sei Sach!\u201c war sein Spruch, was den M\u00fcnchnern sehr gefiel. Vier Jahre lang stand er als M\u00fcnchner Oberb\u00fcrgermeister neben dem Fass in zweiter Reihe und schaute dem Erfinder des Wiesn-Anzapfens \u00fcber die Schulter. Erst nach dem Tod seines Amtsvorg\u00e4ngers nahm er 1964 selbst den Schlegel in die Hand.<\/p>\n<p>1969 stellte sich erstmals die Frage: Wer zapft eigentlich an, wenn der OB mal verhindert ist? Am Vormittag des Er\u00f6ffnungstages 1969 war n\u00e4mlich auf der U-Bahn-Baustelle in Schwabing ein Gro\u00dfbrand ausgebrochen, \u00fcber den sich Vogel einen \u00dcberblick verschaffen wollte, nicht dass es hei\u00dft \u201eda brennt die halbe U-Bahn ab und der OB geht zum Durstl\u00f6schen auf die Wiesn\u201c. Nicht so Hans Jochen Vogel.<\/p>\n<p>     <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/1605280_80222_artikelbild-75proz_1EPm0o_HqVAKD.jpg\" alt=\"1971: OB Hans-Jochen Vogel veranstaltet ein wahres Schaumbad \u2013 und spritzt sich selbst und s\u00e4mtliche Anzapfg\u00e4ste pudelnass.\" title=\"1971: OB Hans-Jochen Vogel veranstaltet ein wahres Schaumbad \u2013 und spritzt sich selbst und s\u00e4mtliche Anzapfg\u00e4ste pudelnass.\" width=\"609\" height=\"813\"\/><\/p>\n<p>      1971: OB Hans-Jochen Vogel veranstaltet ein wahres Schaumbad \u2013 und spritzt sich selbst und s\u00e4mtliche Anzapfg\u00e4ste pudelnass.<br \/>\n      \u00a9 Heinz Gebhardt<\/p>\n<p>    1971: OB Hans-Jochen Vogel veranstaltet ein wahres Schaumbad \u2013 und spritzt sich selbst und s\u00e4mtliche Anzapfg\u00e4ste pudelnass.<\/p>\n<p>von Heinz Gebhardt <\/p>\n<p>&#8222;}&#8220;&gt; <\/p>\n<p>Bis kurz vor zw\u00f6lf schaute er dem Feuer zu, dann rein in die Funkstreife und mit Blaulicht und Sirene raus auf die Wiesn! Die Stellvertreter Dr. Steinkohl und Albert Bayerle hatten gerade zu knobeln begonnen, wer denn nun dran ist. Aber wie vom Himmel gefallen stand Vogel pl\u00f6tzlich neben dem Fass: \u201eEinen Schritt zur\u00fcck bitte\u201c \u2013 und \u201eOzapft is!\u201c<\/p>\n<p>Anzapfbox wird ein Bierschaumbad<\/p>\n<p>Bei seinem letzten Anzapfen 1971 verwandelte der stets korrekte Anzapfer Vogel die Anzapfbox in ein Bierschaumbad, wie es das Oktoberfest noch nie erlebt hatte. Alles begann ganz ruhig: Punkt Zw\u00f6lf trieb er den Bierhahn mit drei wuchtigen Schl\u00e4gen in das Fass. <br \/>Dann passierte es: Beim Versuch die erste Ma\u00df einzuschenken schoss eine gigantische Schaumfont\u00e4ne aus dem Hahn: Vogel triefte vom Haarschopf bis zu den Zehen.<\/p>\n<p>Alle Brillentr\u00e4ger fuchtelten schaumgekr\u00f6nt mit den Armen im Kreis herum und auch die Fotografen waren au\u00dfer Gefecht, denn ihre Kameras trieften wie die G\u00e4ste von Bierschaum. Servietten, Taschent\u00fccher, Tischdecken wurden herumgereicht, bis nach einigen Minuten vorsichtig die ersten Ma\u00dfkr\u00fcge gef\u00fcllt waren und der abgetrocknete Vogel zum letzten Mal ausrufen konnte: \u201eOzapft is!\u201c<\/p>\n<p>OB Kronawitter: Ein Loch ist im Ma\u00dfkrug!<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Georg Kronawitters erstes Anzapfen 1972 ganz professionell mit drei Schl\u00e4gen erledigt wurde, endete das zweite Anzapfen 1973 mit einem schallenden Gel\u00e4chter in der Anzapfbox: Kronawitter schlug mit drei kr\u00e4ftigen Schl\u00e4gen den Wechsel ins Fass, schenkte die ersten Ma\u00dfkr\u00fcge ein und reichte sie den Promis hinterm Schanktisch. <br \/>Dann schwenkte er seinen Ma\u00dfkrug im ausgestreckten Arm nach links, nach rechts und in die H\u00f6he \u2013 und merkte nicht, dass aus dem Boden seines Ma\u00dfkrugs das Bier in einem sch\u00f6nen Strahl wieder heraustropfte!<\/p>\n<p>     <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/1605278_80223_artikelbild-75proz_1EPm0k_pw5VWo.jpg\" alt=\"1973: Bei Georg Kronawitter rinnt das Bier aus dem Ma\u00dfkrug (mit Loch!), daneben Ministerpr\u00e4sident Alfons Goppel.\" title=\"1973: Bei Georg Kronawitter rinnt das Bier aus dem Ma\u00dfkrug (mit Loch!), daneben Ministerpr\u00e4sident Alfons Goppel.\" width=\"609\" height=\"547\"\/><\/p>\n<p>      1973: Bei Georg Kronawitter rinnt das Bier aus dem Ma\u00dfkrug (mit Loch!), daneben Ministerpr\u00e4sident Alfons Goppel.<br \/>\n      \u00a9 Heinz Gebhardt<\/p>\n<p>    1973: Bei Georg Kronawitter rinnt das Bier aus dem Ma\u00dfkrug (mit Loch!), daneben Ministerpr\u00e4sident Alfons Goppel.<\/p>\n<p>von Heinz Gebhardt <\/p>\n<p>&#8222;}&#8220;&gt; <\/p>\n<p>Ministerpr\u00e4sident Alfons Goppel bog sich vor Lachen und konnte der Bierdusche gerade noch ausweichen und erst dann merkte auch der \u201eSchorsch\u201c dass da was nicht stimmte. Das Loch war ein vier Zentimeter langer Schlitz, ein Fehler beim Brennen des Kruges. Den kuriosen Ma\u00dfkrug rettete Fotograf Heinz Gebhardt f\u00fcr die Nachwelt, indem er ihn in seiner Fototasche verschwinden lie\u00df \u2013 und ihn sp\u00e4ter dem Oktoberfest-und Biermuseum schenkte, wo er bis heute ausgestellt ist.<\/p>\n<p>     <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/1605284_017421_artikelbild-75proz_1EPm0v_Z9foxc.jpg\" alt=\"Der legend\u00e4re Ma\u00dfkrug mit dem ber\u00fchmten Loch.\" title=\"Der legend\u00e4re Ma\u00dfkrug mit dem ber\u00fchmten Loch.\" width=\"609\" height=\"860\"\/><\/p>\n<p>      Der legend\u00e4re Ma\u00dfkrug mit dem ber\u00fchmten Loch.<br \/>\n      \u00a9 Heinz Gebhardt<\/p>\n<p>    Der legend\u00e4re Ma\u00dfkrug mit dem ber\u00fchmten Loch.<\/p>\n<p>von Heinz Gebhardt <\/p>\n<p>&#8222;}&#8220;&gt; <\/p>\n<p>OB Kiesl: \u201eObatzt is!\u201c<\/p>\n<p>Erst nach 28 Jahren: Die erste Ma\u00df f\u00fcr den Ministerpr\u00e4sidenten! Vier Schl\u00e4ge brauchte Erich Kiesl 1978 bei seinem ersten Anzapfen dass es nur so spritzte, \u201eaber da Strau\u00df hat gsagt, wer Staub aufwirbelt darf auch spritzen!\u201c <br \/>Strau\u00df war aber gar nicht da, sondern Alfons Goppel in seinem letzten Jahr als Ministerpr\u00e4sident. Ihm reichte Erich Kiesl an allen anderen Anzapfpromis vorbei die gut gef\u00fcllte Mass und merkte dabei nicht, dass er das Wichtigste vergessen hatte: \u201eOzapft is!\u201c Daf\u00fcr bekam 28 Jahre nach dem ersten Anzapfen zum ersten Mal der Bayerische Ministerpr\u00e4sident die erste Wiesnma\u00df!<\/p>\n<p>     <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/1605277_202023_artikelbild-75proz_1EPm0h_mqvjwL.jpg\" alt=\"1980: Erich Kiesl und Franz Josef Strau\u00df.\" title=\"1980: Erich Kiesl und Franz Josef Strau\u00df.\" width=\"609\" height=\"511\"\/><\/p>\n<p>      1980: Erich Kiesl und Franz Josef Strau\u00df.<br \/>\n      \u00a9 Heinz Gebhardt<\/p>\n<p>    1980: Erich Kiesl und Franz Josef Strau\u00df.<\/p>\n<p>von Heinz Gebhardt <\/p>\n<p>&#8222;}&#8220;&gt; <\/p>\n<p>Nachdem Ministerpr\u00e4sident Franz Josef Strau\u00df 1979 das Anzapfen geschw\u00e4nzt hatte und erst am Nachmittag bei mehreren Ma\u00df Bier gesichtet wurde, war im Jahr seiner Kanzlerkandidatur 1980 das Anzapfen ein Muss-Termin. Und damit die erste Ma\u00df f\u00fcr ihn vertraglich abgesichert bleibt, erz\u00e4hlte er ins Mikrofon des <a href=\"https:\/\/www.abendzeitung-muenchen.de\/organisation\/bayerischer-rundfunk\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bayerischen Rundfunks<\/a> von seiner gro\u00dfartigen Idee: \u201eAlle Dienstboten haben einen Vertrag, da ist genau geregelt, was sie kriegen. In meinem Dienstvertrag habe ich vor Amtsantritt darauf bestanden, dass ich die erste Ma\u00df krieg, die der OB anzapft.\u201c Kiesl folgte Strau\u00df aufs Wort, reichte ihm die erste Ma\u00df \u2013 und so wird das M\u00e4rchen von der \u201etraditionellen ersten Wiesnma\u00df\u201c f\u00fcr immer und ewig bis zum heutigen Tag weitergef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Das Schottenhamel-Zelt br\u00fcllte vor Lachen<\/p>\n<p>Im Jahr darauf, 1981, machte es Franz Josef Strau\u00df ein h\u00f6llisches Vergn\u00fcgen, den Oberanzapfer bei dieser wichtigen Amtshandlung durcheinander zu bringen. W\u00e4hrend Kiesl hinter dem R\u00fccken von FJS f\u00fcr die Fotografen mit dem Schlegel so ausholte, als w\u00fcrde er den gro\u00dfen Vorsitzenden k.o. schlagen, frozzelte Strau\u00df ins Mikrofon: \u201eWie ich geh\u00f6rt habe, bereitet sich der Erich jetzt im zweiten Bildungsgang als Anzapfer vor!\u201c \u201eJaja, is scho recht\u201c, knurrte Kiesl und zapfte mit drei wuchtigen Schl\u00e4gen an. <br \/>Und damit\u2019s nicht wieder hei\u00dft, er w\u00fcrde das Wichtigste vergessen, schrie er aus Leibeskr\u00e4ften: \u201eObatzt is!\u201c \u2013 das Schottenhamel-Zelt br\u00fcllte vor Lachen. Zum ersten Mal wurde das Oktoberfest offiziell \u201eobatzt\u201c.<\/p>\n<p>Anzapf-K\u00f6nig: Christian Ude<\/p>\n<p>Mit der Anzapf-\u00c4ra von Christian Ude wurde die Wiesn-Er\u00f6ffnung zum medialen Gro\u00dfereignis und schon bei seinem ersten Anzapfen 1993 war das Chinesische Fernsehen live dabei: \u00dcber 100 Millionen Chinesen konnten zuschauen, wie Ude zum ersten Mal anzapfte und beim zweiten Ausholen auch gleich wuchtig danebenschlug.<\/p>\n<p>\u201eDaf\u00fcr sa\u00df der dritte Schlag felsenfest. Das Dumme war nur: Keiner hat den Meisterschlag erkannt. Keiner. Ich auch nicht. Ich f\u00fcrchtete vielmehr, gleich werde der gro\u00dfe, alles mitrei\u00dfende Schwall herausplatzen, wenn ich nicht ganz schnell nachsetzte. Zack, zack, zack, zack. Ich h\u00f6rte erst auf, als ein Sprechchor \u201eAufh\u00f6ren!\u201c schrie. Na gut, wenn das so ist, h\u00f6re ich halt auf, dachte ich mir und sagte: \u201eOzapft is!\u201c Das war\u2019s\u201c, erinnerte sich Ude.<\/p>\n<p>     <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/1605276_210339_artikelbild-75proz_1EPm0g_4tEegZ.jpg\" alt=\"Anzapfk\u00f6nig Christian Ude \u2013 hier mit Krone beim Oktoberfest 2009, als er mit nur zwei Schl\u00e4gen angezapft hatte.\" title=\"Anzapfk\u00f6nig Christian Ude \u2013 hier mit Krone beim Oktoberfest 2009, als er mit nur zwei Schl\u00e4gen angezapft hatte.\" width=\"609\" height=\"850\"\/><\/p>\n<p>      Anzapfk\u00f6nig Christian Ude \u2013 hier mit Krone beim Oktoberfest 2009, als er mit nur zwei Schl\u00e4gen angezapft hatte.<br \/>\n      \u00a9 Heinz Gebhardt<\/p>\n<p>    Anzapfk\u00f6nig Christian Ude \u2013 hier mit Krone beim Oktoberfest 2009, als er mit nur zwei Schl\u00e4gen angezapft hatte.<\/p>\n<p>von Heinz Gebhardt <\/p>\n<p>&#8222;}&#8220;&gt; <\/p>\n<p>14 Schl\u00e4ge und ein Anzapftraume<\/p>\n<p>Die 14 Schl\u00e4ge hinterlie\u00dfen ein Anzapftrauma und Ude begab sich in die anzapfpsychologische Beratung eines erfahrenen Schenkkellners der Paulanerbrauerei. \u201eUm strengste Diskretion zu wahren, stand im Tagesplan, der an alle st\u00e4dtischen Dienstellen ausgereicht wird, f\u00fcr Donnerstag 16 Uhr nur \u201aTermin au\u00dfer Haus\u2018. Die \u00dcbungen an einem mit Wasser gef\u00fcllten Bierfass zeigten beim n\u00e4chsten Anzapfen 1993 schon einen deutlichen Achtungserfolg: Ude halbierte zwar seine Draufhauwut, trotzdem ert\u00f6nten erneut \u201eAufh\u00f6ren!\u201c-Rufe. Am 17. September 2005 zapfte er dann mit noch nie dagewesenen zwei Schl\u00e4gen an! Seitdem ist Ude mit 21 erfolgreich angezapften F\u00e4ssern der Anzapf-K\u00f6nig des Oktoberfestes.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der H\u00f6hepunkt des M\u00fcnchner Jahres dauert gerade mal drei Sekunden \u2013 und endet (fast) immer mit \u201eOzapft is!\u201c,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":436230,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1827],"tags":[772,29,30,1268,6927,6928],"class_list":{"0":"post-436229","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-muenchen","8":"tag-bayern","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-muenchen","12":"tag-oktoberfest","13":"tag-wiesn"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115234178956128317","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/436229","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=436229"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/436229\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/436230"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=436229"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=436229"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=436229"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}