{"id":436467,"date":"2025-09-20T04:18:13","date_gmt":"2025-09-20T04:18:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/436467\/"},"modified":"2025-09-20T04:18:13","modified_gmt":"2025-09-20T04:18:13","slug":"regierungskrise-in-paris-bekommt-frankreich-eine-reichensteuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/436467\/","title":{"rendered":"Regierungskrise in Paris : Bekommt Frankreich eine Reichensteuer?"},"content":{"rendered":"<p>Mitten in der politischen und sozialen Blockade, in der Frankreich steckt, f\u00e4llt immer wieder derselbe Name: Gabriel Zucman. Als \u201eSteuer-Zorro\u201c bezeichnen ihn die franz\u00f6sischen Medien, man k\u00f6nnte ihn auch mit Robin Hood vergleichen. Denn der franz\u00f6sische Wirtschaftswissenschaftler und Piketty-Sch\u00fcler (\u201eDas Kapital\u201c) schl\u00e4gt vor, die Superreichen zu besteuern. \u201eBernard Arnault, der reichste Mann Frankreichs, zahlt keine Steuern. Das ist nicht normal\u201c, sagt Zucman.<\/p>\n<p>Superreich klingt wie ein Kampfwort. Gemeint ist aber nur die winzige Spitze der Pyramide, die \u00fcber ein Verm\u00f6gen von einer Milliarde Euro verf\u00fcgt. Die Zucman-Steuer, wie sie inzwischen genannt wird, sieht vor, dass Milliard\u00e4re j\u00e4hrlich zwei Prozent Verm\u00f6genssteuer zahlen. 1800 Haushalte w\u00e4ren betroffen, die Ma\u00dfnahme w\u00fcrde zwischen 15 und 25 Milliarden Euro in die Kassen des hochverschuldeten Landes sp\u00fclen, bestenfalls mehr als die H\u00e4lfte des Sparhaushalts \u00fcber den Fran\u00e7ois Bayrou als Regierungschef gestolpert ist.<\/p>\n<p>Wunderkind von Wirtschaftswissenschaftlern<\/p>\n<p>Zucman gilt als das Wunderkind einer neuen Generation von Wirtschaftswissenschaftlern. Er lehrt und forscht in Berkeley und Paris, wo er die Europ\u00e4ische Steuerbeobachtungsstelle leitet, die die EU bei der Bek\u00e4mpfung der Steuerhinterziehung unterst\u00fctzt. Seit seiner Masterarbeit 2008 besch\u00e4ftigt den heute 38-J\u00e4hrigen nur eine Frage: Wie gelingt es den Superreichen, der Steuer zu entwischen, und wie kann man das verhindern?<\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" class=\"w-full my-0 max-h-100 object-contain bg-gray-100\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/FILES-FRANCE-ECONOMY.webp\" title=\"L\u00f6ste Debatte aus: Gabriel Zucman\" alt=\"L\u00f6ste Debatte aus: Gabriel Zucman\" loading=\"lazy\" width=\"800\" height=\"400\"\/><\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n          &#13;<br \/>\n          &#13;<br \/>\n                     L\u00f6ste Debatte aus: Gabriel Zucman &#13;<br \/>\n          &#13;<br \/>\n                      &#13;<br \/>\n              \u00a9 Imago &#13;<br \/>\n            &#13;\n                  <\/p>\n<p>Zum Gespr\u00e4ch empf\u00e4ngt Zucman in einem gesichtslosen Konferenzraum auf dem Campus einer Pariser Eliteuniversit\u00e4t. Er ist kein Typ, der das Rampenlicht sucht. Aber seit Frankreich im Chaos versinkt, ist Zucman ein gefragter Mann. Er betont, dass er in keiner Partei ist und auch die Tatsache, dass die Steuer seinen Namen tr\u00e4gt, ist ihm eher unangenehm. \u201eSie sollte besser Arnault-Steuer hei\u00dfen\u201c, sagt er trocken.<\/p>\n<p>Obwohl sein Terminkalender aus allen N\u00e4hten platzt, nimmt er sich eine Stunde Zeit f\u00fcr das Gespr\u00e4ch mit der Auslandspresse. \u201eDie Zwei-Prozent-Besteuerung der Milliard\u00e4re ist nicht die L\u00f6sung, m\u00f6glicherweise aber Teil der L\u00f6sung\u201c, sagt er bescheiden. \u201eEs wird schwierig sein, Anstrengungen von den Franzosen zu verlangen, solange man nicht sicherstellt, dass die Superreichen auch Steuern zahlen.\u201c <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" class=\"w-full my-0 max-h-100 object-contain bg-gray-100\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/TOPSHOT-FRANCE-POLITICS-SOCIAL-PROTEST.webp\" title=\"77 Prozent stehen hinter der Milliard\u00e4rssteuer, manche bringen das deutlich zum Ausdruck\" alt=\"77 Prozent stehen hinter der Milliard\u00e4rssteuer, manche bringen das deutlich zum Ausdruck\" loading=\"lazy\" width=\"800\" height=\"400\"\/><\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n          &#13;<br \/>\n          &#13;<br \/>\n                     77 Prozent stehen hinter der Milliard\u00e4rssteuer, manche bringen das deutlich zum Ausdruck &#13;<br \/>\n          &#13;<br \/>\n                      &#13;<br \/>\n              \u00a9 AFP(2)&#13;<br \/>\n            &#13;\n                  <\/p>\n<p>Die Milliard\u00e4rssteuer ist im Februar nach erster Lesung von der franz\u00f6sischen Nationalversammlung verabschiedet worden, im Juli hat der Senat, das franz\u00f6sische Oberhaus, das Gesetz gestoppt. Doch als der inzwischen geschasste Regierungschef Bayrou kurz vor der Sommerpause seinen Sparhaushalt vorstellte und zwei Feiertage streichen wollte, wuchs der Groll und r\u00fcckte das Thema soziale Gerechtigkeit wieder ins Zentrum der \u00f6ffentlichen Debatte. 77 Prozent der Franzosen sind laut Umfragen f\u00fcr die Zucman-Steuer. <\/p>\n<p>In den sozialen Netzwerken entstand die Bewegung \u201eAlles blockieren\u201c. Nach einem ersten schwachen Aktionstag vergangene Woche, an dem sich landesweit nur rund 200.000 Personen beteiligten, demonstrierten am Donnerstag laut Innenministerium eine halbe Million Menschen, die Gewerkschaften sprachen von einer Million. Beim ersten Mal gelang es nicht, Frankreich zu blockieren, beim zweiten Mal waren die Gewerkschaften dabei. Etliche Menschen\u00a0lie\u00dfen aus Protest die Arbeit ruhen. Zahlreiche Apotheken blieben wegen des Streiks geschlossen, Lehrkr\u00e4fte fehlten in den Schulen und bei Bussen und Bahnen gab es Ausf\u00e4lle und Verz\u00f6gerungen. Die Forderungen der Demonstranten sind h\u00f6chst verschieden, aber eines eint sie: Das Gef\u00fchl, dass immer nur die kleinen Leute zur Kasse gebeten werden. \u201eGeneration Zucman\u201c stand auf vielen Plakaten.<\/p>\n<p>Neue Gelbwestenproteste <\/p>\n<p>In der Pariser \u00dcbergangsregierung macht sich die Angst breit, dass sich eine neue Gelbwestbewegung entwickeln k\u00f6nnte. Auch die begann nicht von einem Tag auf den anderen. Und wenn Frankreichs neuer Regierungschef S\u00e9bastien Lecornu einen Sparhaushalt erfolgreich durchbringen will, muss er die soziale Wut in irgendeiner Form auffangen. Die Zucman-Steuer k\u00f6nnte dabei helfen. Die Sozialisten, deren Unterst\u00fctzung die von Emmanuel Macrons ernannte Minderheitsregierung braucht, fordern sie. Das sorgt f\u00fcr Druck. Lecornu hat bereits Gespr\u00e4chsbereitschaft signalisiert, obwohl der Pr\u00e4sident strikt dagegen ist.<\/p>\n<p>Die nun losgebrochene Debatte wirft aber auch viele Fragen auf: Werden die Milliard\u00e4re massenweise als Steuerfl\u00fcchtlinge das Land verlassen? Wird die Zucman-Steuer Investoren verscheuchen? Und ist sie \u00fcberhaupt verfassungskonform? Diese Argumente versucht Zucman in den Fernseh- und Radiostudios, in denen er zurzeit Dauergast ist, zu entkr\u00e4ften. \u201eMit dem Gespenst der Steuerflucht will man der \u00d6ffentlichkeit Angst machen\u201c, sagt der \u00d6konom. Seri\u00f6se Rechnungen gehen von einer winzigen Minderheit aus, die das Land verlassen w\u00fcrde, nicht einmal ein Prozent. Au\u00dferdem k\u00f6nnte man wie die Amerikaner verfahren, argumentiert Zucman, und Franzosen mit Auslandswohnsitz weiter besteuern, zumindest einige Jahre. Die Amerikaner machen es ein Leben lang. \u201eBei Steuerregeln handelt es sich nicht um Naturgesetze, sondern um Entscheidungen der Politik\u201c, sagt der Forscher. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mitten in der politischen und sozialen Blockade, in der Frankreich steckt, f\u00e4llt immer wieder derselbe Name: Gabriel Zucman.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":436468,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3974],"tags":[331,332,548,663,3934,3980,156,13,14,15,12],"class_list":{"0":"post-436467","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-frankreich","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europe","13":"tag-france","14":"tag-frankreich","15":"tag-headlines","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115234701730224149","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/436467","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=436467"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/436467\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/436468"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=436467"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=436467"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=436467"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}