{"id":436708,"date":"2025-09-20T06:35:10","date_gmt":"2025-09-20T06:35:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/436708\/"},"modified":"2025-09-20T06:35:10","modified_gmt":"2025-09-20T06:35:10","slug":"schuss-ins-eigene-knie-selenskyj-oeffnet-grenze-fuer-junge-maenner-und-viele-gehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/436708\/","title":{"rendered":"&#8222;Schuss ins eigene Knie&#8220;: Selenskyj \u00f6ffnet Grenze f\u00fcr junge M\u00e4nner &#8211; und viele gehen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Trotz der Rekrutierungsprobleme beschlie\u00dft die ukrainische Regierung, die Ausreiseregeln f\u00fcr junge M\u00e4nner zu lockern. Die Opposition in Kiew kritisiert den Schritt. Erste Zahlen deuten darauf hin, dass viele die neuen Regeln zur Ausreise nutzen.<\/strong><\/p>\n<p>Dreieinhalb Jahre nach Beginn des vollumf\u00e4nglichen russischen Angriffskriegs steht die Ukraine vor vielen Herausforderungen, um aktuell ihre Verteidigungsf\u00e4higkeit und langfristig ihre Zukunft zu sichern. Die Personalprobleme der ukrainischen Armee sind allgemein bekannt, auch wenn sie h\u00e4ufig \u00fcbertrieben werden: In allen Teilstreitkr\u00e4ften dienen fast eine Million Menschen &#8211; und immerhin gelingt es Kiew nach den \u00f6ffentlich bekannten Zahlen weiterhin, monatlich 25.000 bis 30.000 Soldaten zu mobilisieren.<\/p>\n<p>Gleichzeitig bleibt die demografische Lage des angegriffenen Landes schwierig. Obwohl es keine verl\u00e4sslichen Statistiken dazu gibt, ist die faktische Bev\u00f6lkerung, die sich auf dem von Kiew kontrollierten Gebiet aufh\u00e4lt, seit Februar 2022 um gut zehn Millionen Personen geschrumpft.<\/p>\n<p> Derzeit wird in der Ukraine weiterhin erst ab 25 Jahren mobilisiert. Mit der Verh\u00e4ngung des Kriegsrechts am 24. Februar 2022 wurde dennoch die Ausreise f\u00fcr alle M\u00e4nner im Alter zwischen 18 und 60 Jahren verboten. Das hat sich Ende August ge\u00e4ndert: \u00dcberraschend hat die ukrainische Regierung die Bestimmung f\u00fcr 18- bis 22-J\u00e4hrige gelockert &#8211; ein Schritt, der lange undenkbar schien. Erst im Fr\u00fchjahr 2024 hatte Kiew das Mobilisierungsalter von 27 auf 25 herabgesetzt. Schon damals wurde dar\u00fcber gestritten, ob dies ausreicht.<\/p>\n<p>&#8222;Immer weniger Jungen machen den Schulabschluss&#8220;<\/p>\n<p>In der Diskussion \u00fcber das Mindestalter wird meist darauf hingewiesen, dass es schon im besten Fall kaum m\u00f6glich w\u00e4re, mehr als 200.000 junge M\u00e4nner zwischen 18 und 25 einzuziehen. Experten zufolge ist diese Zahl ohnehin viel zu hoch angesetzt: Die schwierigen Jahre nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion haben in der Ukraine ein gr\u00f6\u00dferes demografisches Loch hinterlassen. Allerdings &#8211; ein weiteres Argument &#8211; d\u00fcrfte das Durchschnittsalter in der ukrainischen Armee bei \u00fcber 40 Jahren liegen. Das betrifft vor allem die Infanterie, die unver\u00e4ndert eine Schl\u00fcsselrolle in diesem Krieg. Gerade hier werden j\u00fcngere Menschen gebraucht.<\/p>\n<p>Deswegen war davon auszugehen, dass das Mobilisierungsalter mit der Zeit gesenkt wird, und zwar Schritt f\u00fcr Schritt, um die kriegsbelastete Bev\u00f6lkerung nicht allzu sehr zu ver\u00e4rgern. Umso \u00fcberraschender ist, dass die ukrainische Regierung nun einen v\u00f6llig anderen Weg geht und die Grenze f\u00fcr junge M\u00e4nner zumindest teilweise \u00f6ffnet.<\/p>\n<p> &#8222;In der Ukraine machen immer weniger Jungen den Schulabschluss&#8220;, sagte Pr\u00e4sident Wolodymyr Selenskyj im August, als er die Lockerung des Ausreiseverbots ank\u00fcndigte. Er wies darauf hin, dass sich die Zahlen seit zwei Jahren bedeutend verschlechtern. Ein Grund: Immer mehr Eltern versuchen, ihre 17-j\u00e4hrigen S\u00f6hne rechtzeitig aus dem Land zu bringen, bevor dies nicht mehr m\u00f6glich ist. Denn trotz der Bem\u00fchungen von US-Pr\u00e4sident Donald Trump ist ein Ende des russischen Angriffskriegs nicht in Sicht.<\/p>\n<p>Viele junge M\u00e4nner nutzen die neue Regelung &#8211; und reisen aus<\/p>\n<p>Selenskyj sagte, wenn die Ukraine junge Ukrainer im Land behalten m\u00f6chte, m\u00fcssten diese zuhause einen Schulabschluss machen und eine Ausbildung oder ein Studium in der Ukraine in Erw\u00e4gung ziehen. Die neue Regel soll den Familien grunds\u00e4tzlich mehr Bedenkzeit geben und von diesen mit Blick auf eine m\u00f6gliche Herabsetzung des Mobilmachungsalters auch etwas Druck nehmen.<\/p>\n<p>Es ist ein riskanter Schritt &#8211; und die ukrainische Regierung ist in ihren Versuchen, einen Mittelweg in diesem Dilemma zu finden, nicht zu beneiden. Noch ist unklar, ob sich die Ausreisewelle der 17-J\u00e4hrigen verlangsamt. Erste Folgen seit Beginn des Experiments sind allerdings besorgniserregend. In den ersten Tagen nach dem Beschluss erkl\u00e4rte der ukrainische Grenzschutz, dass sich bei der Anzahl der Grenz\u00fcberquerungen nichts ver\u00e4ndert habe. Inzwischen wird die Grenze etwa zu Polen von jungen M\u00e4nnern im entsprechenden Altersbereich jedoch zw\u00f6lfmal h\u00e4ufiger \u00fcberquert als zuvor.<\/p>\n<p> Mehr noch: Unter jungen M\u00e4nnern in der Ukraine ist eine regelrechte K\u00fcndigungswelle zu beobachten. Besonders betroffen ist die Gastronomie, in der viele Studenten arbeiten. Betroffen sind aber auch systemrelevante Unternehmen wie Nowa Poschta, ukrainischer Marktf\u00fchrer im Bereich der Postsendungen.<\/p>\n<p>Rekrutierungsbem\u00fchungen bislang nicht erfolgreich<\/p>\n<p>Als &#8222;Schuss ins eigene Knie&#8220; bezeichnete daher der Verteidigungsexperte Roman Kostenko von der oppositionellen Partei &#8222;Stimme&#8220; den Schritt der Regierung. Es gehe um M\u00e4nner, die nun gr\u00f6\u00dftenteils niemals in die Ukraine zur\u00fcckkehren w\u00fcrden, sagt der Sekret\u00e4r des Verteidigungsausschusses des ukrainischen Parlaments.<\/p>\n<p>Ob Kostenko recht beh\u00e4lt, wird sich zeigen. Die Bem\u00fchungen der ukrainischen Regierung, 18- bis 24-J\u00e4hrige freiwillig in die Armee zu ziehen, haben sich bisher jedoch nicht als erfolgreich erwiesen. Anfang 2025 startete die Ukraine f\u00fcr diesen Altersbereich ein lukratives einj\u00e4hriges Vertragsprogramm, welches mit mindestens umgerechnet 23.000 Euro dotiert ist. Mit Bonuszahlungen kann man sogar auf das Zweifache dieser Summe kommen &#8211; eine Riesensumme f\u00fcr die meisten Ukrainer. Hinzu kommt die M\u00f6glichkeit, die Armee nach einem Jahr zu verlassen, was f\u00fcr Mobilisierte nicht infrage kommt, ins Ausland zu reisen sowie weitere Verg\u00fcnstigungen wie einen sicheren Studienplatz zu bekommen.<\/p>\n<p> Nach unterschiedlichen Angaben haben sich in den ersten Monaten des Programms allerdings lediglich 400 bis 1500 Menschen gemeldet. Dies k\u00f6nnte daran liegen, dass lediglich Sturmbrigaden zur Auswahl standen, die an der vordersten Front im Einsatz sind. Im Sommer wurde das Angebot auf die Ausbildung der Drohnenpiloten ausgeweitet, allerdings unter den Bedingungen eines Zweijahresvertrags. Ob sich die Anmeldezahlen dadurch verbessert haben, ist noch unbekannt. Und ob die neuen Regelungen zur Ausreise junge Menschen dazu bewegen werden, sich freiwillig bei der Armee zu melden, steht ebenfalls in den Sternen. Doch wirklich gute L\u00f6sungen, um allen aktuellen Herausforderungen gerecht zu werden, gibt es am Ende nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Trotz der Rekrutierungsprobleme beschlie\u00dft die ukrainische Regierung, die Ausreiseregeln f\u00fcr junge M\u00e4nner zu lockern. 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