{"id":436797,"date":"2025-09-20T07:26:15","date_gmt":"2025-09-20T07:26:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/436797\/"},"modified":"2025-09-20T07:26:15","modified_gmt":"2025-09-20T07:26:15","slug":"geld-ausgeben-aber-richtig-kreuzer-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/436797\/","title":{"rendered":"Geld ausgeben, aber richtig \u2014 kreuzer online"},"content":{"rendered":"<p>In den letzten Wochen hat Maurice Le \u00adPetit einige tr\u00e4nenfeuchte Augen gesehen. Le Petit geh\u00f6rt die Rorschach-Bar in der S\u00fcdvorstadt, eine der allerbesten Bars in Leipzig. Sie hat seit Ende August geschlossen, nach neun Jahren. Der Grund: zu wenig Einnahmen. \u00bbBei uns waren Februar, M\u00e4rz und April immer richtig krachende Monate. Dieses Jahr hatten wir nicht mal ann\u00e4hernd unsere Mindestums\u00e4tze\u00ab, sagt Le Petit. An der Ausgabenseite \u2013 etwa weniger Personal oder preiswertere Spirituosen \u2013 lie\u00df sich nicht drehen: \u00bbDann h\u00e4tten wir unser Konzept ver\u00e4ndert und uns selbst verraten. Wir haben immer bis ins kleinste Detail auf Qualit\u00e4t gesetzt und nie Kompromisse gemacht.\u00ab Nachdem Le Petit die Schlie\u00dfung bekannt gegeben hatte, brummte die Bar pl\u00f6tzlich wieder \u2013 alle wollten noch mal kommen und Abschied nehmen.<\/p>\n<p>Le Petit hat eine ver\u00e4nderte Ausgehkultur beobachtet. W\u00e4hrend fr\u00fcher ein, zwei Getr\u00e4nke und ein kleiner Plausch zum Feierabend verbreitet waren, kommen die G\u00e4ste inzwischen eher zu besonderen Anl\u00e4ssen. \u00bbNat\u00fcrlich ist Gastro etwas Besonderes\u00ab, sagt er. \u00bbAber man kann sie t\u00e4glich nutzen.\u00ab Stefan Niklarz ist beim s\u00e4chsischen Dehoga, dem Hotel- und Gastst\u00e4ttenverband, f\u00fcr Leipzig sowie die Landkreise Leipziger Land und Nordsachsen zust\u00e4ndig. Ihm zufolge verbuchten die gastronomischen Betriebe insgesamt seit Jahresbeginn R\u00fcckg\u00e4nge bei den Ums\u00e4tzen. Er spricht davon, dass die G\u00e4ste das Geld \u00bbbewusst ausgeben\u00ab. Diesen bewussteren Konsum verzeichnen manche Gastrobetriebe in Leipzig schon l\u00e4nger (s. kreuzer 1\/2023). <\/p>\n<p>Carl Pfeiffer besetzt keine Nische wie das Rorschach. Er betreibt die R\u00f6seling-Feinkostgesch\u00e4fte und vier Lokale: Kaiserbad, Luise, Volkshaus, Killiwilly. \u00bbUnsere Ums\u00e4tze gehen nicht runter, in keinem Laden, und wir sind ganz weit weg davon, einen Laden zu schlie\u00dfen\u00ab, sagt Pfeiffer. 1997 \u00f6ffnete er die Luise in der Gottschedstra\u00dfe, \u00bbda hatte Leipzig 17 Prozent Arbeitslosigkeit. Jetzt gibt es viel weniger Arbeitslose, aber die Leute verdienen nicht besonders gut.\u00ab Tats\u00e4chlich: Laut Amt f\u00fcr Statistik hatten die Haushalte in Leipzig 2024 im Mittel monatlich 2.336 Euro zur Verf\u00fcgung. Bundesweit waren es 3.074 Euro, so das Statistische Bundesamt. Diese Differenz macht den Unterschied, so Pfeiffer: \u00bbzwischen \u203aEs reicht hinten und vorne nicht\u2039 und \u203aIch g\u00f6nn mir mal was\u2039\u00ab.<\/p>\n<p>Zudem habe die Branche die G\u00e4ste zu lange an zu niedrige Preise gew\u00f6hnt: \u00bbDie Leute haben gedacht, dass ein Kalbschnitzel 13 Euro kostet. Dass das zu billig war, h\u00e4tte man ihnen fr\u00fcher sagen m\u00fcssen.\u00ab Entsprechend seien die G\u00e4ste nun von den realistischeren Preisen \u00fcberrascht. Zudem hat sich f\u00fcr die Branche in den letzten Jahren alles verteuert: von Kochen, K\u00fchlen, Heizen und Licht \u00fcber Lohnnebenkosten, Transport, Glas und Kohlendioxid bis hin zu Lachs, Butter, Eiern und Kaffee. Diese erh\u00f6hten Ausgaben m\u00fcssen nat\u00fcrlich an die G\u00e4ste weitergegeben werden \u2013 jedenfalls teilweise.<\/p>\n<p>Und die Gewohnheiten haben sich ver\u00e4ndert, zum Beispiel wird weniger Alkohol getrunken. Die Stimmung, die der Konsumklimaindex jeden Monat abbildet, zeigte im Juli 2025, dass die Leute weiterhin eher sparen und weniger konsumieren. Die Gr\u00fcnde laut Bericht: Man h\u00e4lt das Geld zusammen, um R\u00fccklagen zu bilden sowie angesichts gestiegener Preise und aufgrund von Unsicherheit. Immerhin rissen gef\u00fchlt seit Corona die schlechten Nachrichten nicht ab, die indirekt auch den pers\u00f6nlichen Geldbeutel betreffen k\u00f6nnten: Ukrainekrieg, Inflation, Wirtschaftsflaute zum Beispiel.<\/p>\n<p>Manche m\u00f6gen diese Umst\u00e4nde als Ausnahmezustand begreifen. Im Kuultivo in Schleu\u00dfig kennen sie es nicht anders. Anfang 2020 \u00f6ffnete das Restaurant, seither war st\u00e4ndig irgendwie Krise. Das au\u00dfergew\u00f6hnliche Fine-Dining-Konzept ist ebenfalls eine Nische f\u00fcr eine eher kleine Klientel. Betreiber Michael Bau\u00df berichtet von Ver\u00e4nderungen bei den Reservierungen: \u00bbWer einen Tisch buchen m\u00f6chte, muss keine Wartezeit mehr von mehreren Wochen einplanen.\u00ab Das passe auch viel besser zum Charakter des Restaurants. \u00bbWir k\u00f6nnen uns nicht beklagen\u00ab, fasst Bau\u00df zusammen. \u00bbAber es f\u00fchlt sich schwieriger und weniger selbstverst\u00e4ndlich an, die n\u00f6tigen Ums\u00e4tze zu erreichen.\u00ab M\u00f6glicherweise ist dies die Normalisierung nach dem Hype seit dem ersten Michelinstern im Fr\u00fchjahr 2023. Mit Blick auf die ganze Branche und ihre G\u00e4ste sagt Bau\u00df: \u00bbWer einen Laden mag, muss daf\u00fcr sorgen, dass es ihn weiterhin gibt.\u00ab Und dort also bewusst Geld ausgeben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In den letzten Wochen hat Maurice Le \u00adPetit einige tr\u00e4nenfeuchte Augen gesehen. 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