{"id":43725,"date":"2025-04-19T06:50:12","date_gmt":"2025-04-19T06:50:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/43725\/"},"modified":"2025-04-19T06:50:12","modified_gmt":"2025-04-19T06:50:12","slug":"medien-der-rabe-ralf-ein-anarchist-der-immer-weiter-kraechzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/43725\/","title":{"rendered":"Medien \u2013 Der Rabe Ralf: Ein Anarchist, der immer weiter kr\u00e4chzt"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img304525\" src=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/img\/jpeg\/640\/304525\" alt=\"Der \u00bbRabe Ralf\u00ab entsprang der kritischen Umweltbewegung der DDR und ist noch immer laut und frech.\"\/><\/p>\n<p>Der \u00bbRabe Ralf\u00ab entsprang der kritischen Umweltbewegung der DDR und ist noch immer laut und frech.<\/p>\n<p>Foto: unsplash\/LumenSoft Technologies\/candelarms<\/p>\n<p>\u00bbEs wird noch hei\u00dfer! Der Berliner Klimagipfel droht, ohne \u203aProtokoll\u2039 ein Flop zu werden. Diplomaten reden, Umweltsch\u00fctzer handeln.\u00ab Heutzutage w\u00e4re ein Artikel, dessen \u00dcberschrift und Vorspann so lauten, nichts Besonderes, f\u00fcr einige Menschen sogar langweilig. Im September 1994 war das anders. Da erschien <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1178085.umwelt-rabe-ralf-vom-aussterben-bedroht.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00bbDer Rabe Ralf\u00ab<\/a> (RR) mit dieser Titelgeschichte. Diese kann nun, wie alle anderen der Umweltzeitung, im Museum Pankow im Berliner Ortsteil Prenzlauer Berg nachgelesen werden. Das Zentrum der kleinen Ausstellung ist n\u00e4mlich eine mehrere Meter lange, einer Garderobe nachempfundene Konstruktion, in der an Kleiderb\u00fcgeln mit Klemmen alle Ausgaben h\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Der Umweltjournalismus ist wohl eine Sparte, in der besonders oft Artikel mit kleinen Aktualisierungen alle paar Jahre aufs Neue ver\u00f6ffentlicht werden k\u00f6nnten, da sich an den darin behandelten Problemen nicht viel ge\u00e4ndert hat. So enth\u00e4lt die aktuelle RR-Ausgabe \u2013 es ist Nummer 245 \u2013 einen Text, der folgenderma\u00dfen \u00fcberschrieben ist: \u00bbDer Verkehrsverrat. Warum die CDU ihr Versprechen, das Autofahren in Berlin zu erleichtern, nicht halten kann\u00ab. Darin steht der Halbsatz: \u00bbEs werden keine Busspuren mehr angeordnet.\u00ab Das passt zur RR-Ausgabe Nummer zwei von Anfang 1991, in der emp\u00f6rt berichtet wird, dass die getrennten Bus-Fahrrad-Spuren auf dem Kurf\u00fcrstendamm von der gerade wieder <a data-id=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1190570.klimaschutz-vier-verlorene-jahre-drohen.html\" data-type=\"link\" href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1190570.klimaschutz-vier-verlorene-jahre-drohen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">an die Macht gekommenen CDU<\/a> abgeschafft wurden.<\/p>\n<p>20\u2009000 Exemplare betrug die Auflage der ersten drei Ausgaben der damaligen Monatszeitung, seitdem waren es fast immer 10\u2009000, wobei aber der Erscheinungsrhythmus schon vor vielen Jahren auf zweimonatlich umgestellt wurde. Der \u00bbRabe Ralf\u00ab wurde 1990 im Zuge der Vereinigung der West- und Ostberliner <a data-id=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1190370.klimakrise-klimaaktivismus-nach-der-wahl-neue-kaempfe-neue-buendnisse.html\" data-type=\"link\" href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1190370.klimakrise-klimaaktivismus-nach-der-wahl-neue-kaempfe-neue-buendnisse.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Umweltbewegungen<\/a> gegr\u00fcndet. \u00bbSeine Wurzeln liegen in der kritischen Umweltbewegung der DDR\u00ab, hei\u00dft es im Werbetext der Ausstellung. Herausgegeben wird die Gratiszeitung vom Berliner Landesverband der Gr\u00fcnen Liga, einem Netzwerk \u00f6kologischer Bewegungen.<\/p>\n<p>Muckefuck: morgens, ungefiltert, links<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/img\/jpeg\/640\/304526\" alt=\"\" title=\"\" width=\"170\"\/><\/p>\n<p>nd.Muckefuck ist unser Newsletter f\u00fcr Berlin am Morgen. Wir gehen wach durch die Stadt, sind vor Ort bei Entscheidungen zu Stadtpolitik \u2013 aber immer auch bei den Menschen, die diese betreffen. Muckefuck ist eine Kaffeel\u00e4nge Berlin \u2013 ungefiltert und links. Jetzt <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/muckefuck\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">anmelden<\/a> und immer wissen, worum gestritten werden muss.<\/p>\n<p>Bei der Ausstellungser\u00f6ffnung am 10. April sprach Annette Nawrath, Vorstandsvorsitzende der Stiftung Naturschutz Berlin, vor rund 80 Menschen vom \u00bbSpirit der friedlichen Revolution, den der \u203aRabe Ralf\u2039 noch immer in sich tr\u00e4gt\u00ab. Die Stiftung hat nicht nur die Ausstellung finanziert, sondern auch die \u00bbModernisierung\u00ab der Zeitung \u2013 ein neues Layout und einen neuen Internetauftritt. 90\u2009000 Euro habe sie daf\u00fcr bereitgestellt, sagt Nawrath zu \u00bbnd\u00ab.<\/p>\n<p>Diese F\u00f6rderung hat die Zeitung nicht gerettet, die 2023 wegen gestiegener Kosten einen Hilferuf ausgesandt hatte. Der Aufruf habe zu einem erh\u00f6hten Spendenaufkommen gef\u00fchrt, sagt Redakteur Matthias Bauer im Gespr\u00e4ch mit \u00bbnd\u00ab. Das decke aber noch immer nur die H\u00e4lfte der Kosten ab, der Rest komme von der Gr\u00fcnen Liga.<\/p>\n<p>Bauer ist nach eigener Aussage der Einzige, der f\u00fcr die redaktionelle Arbeit Geld erh\u00e4lt. \u00bbDie Zeitung wird von einem kleinen idealistischen Team gemacht, unterst\u00fctzt von zahlreichen Freiwilligen\u00ab, ist im Ausstellungsbegleittext zu lesen. Im aktuellen Impressum werden neben Bauer f\u00fcnf weitere Redaktionsmitglieder genannt. Prinzipiell arbeiteten Leute aus anderen Projekten der Gr\u00fcnen Liga mit Texten zu, darunter Menschen, die ein Freiwilliges \u00d6kologisches Jahr oder einen Bundesfreiwilligendienst absolvieren \u2013 wof\u00fcr es \u00fcbrigens aktuell freie Pl\u00e4tze gebe \u2013, sagt der 61-J\u00e4hrige, der noch in der DDR Mathematik studiert hatte, aber lange im umweltpolitischen Bereich gearbeitet hat.<\/p>\n<p>Zur Gr\u00fcndung der Zeitung wei\u00df Bauer zu berichten: \u00bbEs gab eine Anschubfinanzierung durch die Stiftung Naturschutz Berlin, die damals politisch konservativer war als heute.\u00ab Das ist bemerkenswert oder sogar kurios, weil der \u00bbRabe Ralf\u00ab das Gegenteil von konservativ ist. Hier geht es nicht nur um \u00bbUmweltschutz von unten\u00ab, sondern auf einer Ausstellungstafel bezeichnet sich die Redaktion selbst als \u00bbsubversiv\u00ab. Zu den Anf\u00e4ngen wird festgehalten: \u00bb\u00d6kologie wurde schon in den ersten Ausgaben sehr weit gefasst und mit sozialen, kulturellen und \u00f6konomischen Aspekten verbunden.\u00ab Auf den Ausstellungstafeln werden thematische Schwerpunkte dargelegt, wobei jeweils drei Zusammenfassungen von Artikeln zu lesen sind. Dar\u00fcber hinaus bieten sie Hintergrundinformationen zu Ansatz, Erstellung und Verteilung des \u00bbRR\u00ab. Dort geht es auch um das Verh\u00e4ltnis von Journalismus und Aktivismus.<\/p>\n<p>Der \u00bbRR\u00ab geht aber immer wieder auch \u00fcber das breite Spektrum von Umweltthemen \u2013 vom Vogel des Jahres \u00fcber Ressourcenabbau auf anderen Kontinenten bis hin zur Berliner Stadtentwicklung \u2013 hinaus. So enth\u00e4lt die aktuelle Ausgabe einen Artikel \u00fcber Initiativen f\u00fcr mehr Mitbestimmung in Wohnungsgenossenschaften, und im Dezember wurde die Wiedereinf\u00fchrung der Verm\u00f6genssteuer gefordert sowie in einer Artikel\u00fcberschrift die Frage gestellt: \u00bbWer stoppt die Militarisierung?\u00ab<\/p>\n<p>In der Februar-Ausgabe, der ersten im neuen Layout, kam besonders deutlich eine politische Haltung zum Ausdruck: Auf einer Doppelseite kritisiert ein indischer Soziologe \u00bbliberale Demokratien\u00ab und pl\u00e4diert f\u00fcr eine Demokratie ohne Staat beziehungsweise den Anarchismus. In einem weiteren Artikel wird der anarchistische Sozialanthropologe James C. Scott gew\u00fcrdigt und gleich daneben geht es um eine in Vergessenheit geratene \u00bb\u00f6koanarchistische Vordenkerin\u00ab, die im Paris der 1920er Jahre den Veganismus propagierte. Der letztgenannte Text stammt vom anarchistischen Publizisten Maurice Schuhmann, der seit L\u00e4ngerem st\u00e4ndiger RR-Autor ist.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>&#13;<\/p>\n<p>\u00bbWenn ein Ostberliner Vogel in Not ger\u00e4t, fliegt er nicht davon, sondern kr\u00e4chzt lauter.\u00ab<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\nCordelia Koch (Gr\u00fcne)<br \/>&#13;<br \/>\nBezirksb\u00fcrgermeisterin Pankow<\/p><\/blockquote>\n<p>Bemerkenswert war die Anschubfinanzierung f\u00fcr den \u00bbRR\u00ab durch die Stiftung Naturschutz Berlin von 1990 auch, weil die Stiftung damals eine eigene Zeitung herausgab: \u00bbGr\u00fcnstift\u00ab, die es laut der Ausstellung noch bis 2001 gab. In den 90ern existierten demzufolge neben \u00bbRR\u00ab und \u00bbGr\u00fcnstift\u00ab noch drei weitere Berliner Umweltzeitungen, doch alle haben l\u00e4ngst aufgegeben.<\/p>\n<p>Worin hat sich der \u00bbRR\u00ab von den anderen Bl\u00e4ttern unterschieden? \u00bbDer Rabe Ralf war kritischer als andere und vielf\u00e4ltiger aufgestellt\u00ab, sagt Oskar Tsch\u00f6rner am Rande der Ausstellungser\u00f6ffnung zu \u00bbnd\u00ab. Tsch\u00f6rner ist pensionierter Landschaftsplaner des Naturschutz- und Gr\u00fcnfl\u00e4chenamts im Bezirk Reinickendorf und Sprecher der B\u00fcrgerinitiative Elisabeth-Aue, die seit 2014 gegen die Bebauung eines \u00f6kologisch wichtigen Feldes im Norden des Bezirks Pankow k\u00e4mpft und dazu in der aktuellen RR-Ausgabe einen Artikel ver\u00f6ffentlicht hat.<\/p>\n<p>Seine st\u00e4ndige Finanzkrise wird den bewusst frechen Raben erst mal nicht verstummen lassen, denn \u00bbwenn ein Ostberliner Vogel in Not ger\u00e4t, fliegt er nicht davon, sondern kr\u00e4chzt lauter\u00ab, sagt Pankows Bezirksb\u00fcrgermeisterin Cordelia Koch (Gr\u00fcne) in ihrer Rede bei der Ausstellungser\u00f6ffnung. Die Redaktion hat Ralfs Mission auf einer Ausstellungstafel festgehalten: \u00bbDen Traum von einer neuen, \u00f6kologischen Gesellschaft hat er nicht aufgegeben.\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der \u00bbRabe Ralf\u00ab entsprang der kritischen Umweltbewegung der DDR und ist noch immer laut und frech. 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