{"id":438170,"date":"2025-09-20T20:26:11","date_gmt":"2025-09-20T20:26:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/438170\/"},"modified":"2025-09-20T20:26:11","modified_gmt":"2025-09-20T20:26:11","slug":"ungebetene-gaeste-auf-dem-oktoberfest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/438170\/","title":{"rendered":"Ungebetene G\u00e4ste auf dem Oktoberfest"},"content":{"rendered":"<p> Ein Kratzen im Hals \u2013 und schon bricht bei vielen Panik aus. Es wird Tee gekocht, Halstabletten besorgt, der Hausarzt kontaktiert. Doch wenn es um intime Beschwerden geht \u2013 ein Jucken oder Brennen unterhalb der G\u00fcrtellinie \u2013 herrscht oft unangenehmes Schweigen. Es scheint, als ob die leisen SOS-Signale unserer Intimzone in der Scham versickern, bevor sie rechtzeitig die Arztpraxis erreichen.<\/p>\n<p>Syphilis ist auf dem Vormarsch <\/p>\n<p>Die Deutsche STI-Gesellschaft berichtet von zunehmenden F\u00e4llen sexuell \u00fcbertragbarer Infektionen (STI) in Deutschland, insbesondere der Syphilis. <b>STI<\/b> steht f\u00fcr <b>Sexually Transmitted Infections<\/b> und bezeichnet Infektionen, die haupts\u00e4chlich durch sexuellen Kontakt \u00fcbertragen werden.<\/p>\n<p> \u201eInsgesamt kann man sagen, dass Syphilis seit dem Jahr 2000 zunimmt. Damals waren es noch 800 F\u00e4lle, heute sind es \u00fcber 8000\u201c, erkl\u00e4rt Norbert Brockmeyer, Pr\u00e4sident der STI-Gesellschaft.<\/p>\n<p>Syphilis \u00e4u\u00dfert sich durch Ausschl\u00e4ge und im Sp\u00e4tstadium durch schwere Sch\u00e4den an Organen und am Nervensystem. Das Robert-Koch-Institut (RKI) verzeichnet einen Anstieg der gemeldeten Syphilis-F\u00e4lle von 5330 im Jahr 2013 auf 8309 im Jahr 2022 und bei Hepatitis B von 715 auf 16.635 F\u00e4lle.<\/p>\n<p>  Erst flirten und intim werden, danach krank sein <\/p>\n<p>Jeder, der schon einmal auf dem <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Oktoberfest\" title=\"Oktoberfest\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Oktoberfest<\/a> war, wei\u00df: Es wird viel geflirtet und auch der ein oder andere intime Kontakt gekn\u00fcpft. \u201eBei uns in der Infektiologie macht sich das deutlich bemerkbar: W\u00e4hrend und nach dem Oktoberfest behandeln wir geh\u00e4uft sexuell \u00fcbertragbare Infektionen\u201c, berichtet Johannes Bogner, Leiter des Interdisziplin\u00e4ren Zentrums Klinische Infektiologie am LMU Klinikum. Die Anzahl der F\u00e4lle verdreifache sich w\u00e4hrend dieser Zeit.<\/p>\n<p>\u201eWir haben diese Frage nie systematisch untersucht, aber ich wei\u00df, dass auch andere Fach\u00e4rzte diese Beobachtung machen\u201c, sagt Christopher Knoll, Teamleitung von \u201eCheckpoint <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/M%C3%BCnchen\" title=\"M\u00fcnchen\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">M\u00fcnchen<\/a>\u201c, einer Test- und Beratungsstelle f\u00fcr sexuelle Gesundheit und <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/HIV\" title=\"HIV\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">HIV<\/a>.<\/p>\n<p>\u201eDie H\u00e4ufigkeit von anonymen oder unbekannten Sexualkontakten ist sehr hoch auf dem Oktoberfest. Manche gehen schon in der Hoffnung dorthin, jemanden kennenzulernen, der gleichgesinnt ist\u201c, erg\u00e4nzt Bogner.<\/p>\n<p>   Leichtere Kn\u00fcpfung von Sex-Kontakten  <\/p>\n<p>\u00c4hnliche Beobachtungen von solchen Gro\u00dfereignissen schildert auch Norbert Brockmeyer. Zum Beispiel gebe es nach Christopher Street Days oder Festen wie einer gro\u00dfen Kirmes einige Menschen, die sich etwa mit Syphilis oder Gonokokken infizieren.<\/p>\n<p>Brockmeyer f\u00fchrt den Anstieg der STI-F\u00e4lle in Deutschland auf die leichtere Kn\u00fcpfung von Sex-Kontakten durch digitale Medien zur\u00fcck. Obwohl die Kondom-Nutzung stabil sei, steige die Rate an STIs sowohl bei hetero- als auch homo- und bisexuellen Menschen. \u201eMan kann Sexkontakte \u00fcber den digitalen Weg erreichen. Dadurch ist die M\u00f6glichkeit geschaffen worden, schneller Sexualkontakte zu kn\u00fcpfen\u201c, erkl\u00e4rt Brockmeyer.<\/p>\n<p>Silke Klumb von der Deutschen Aidshilfe merkt an, dass die H\u00e4ufigkeit bestimmter STI-F\u00e4lle von der Gruppe abh\u00e4ngt, beeinflusst durch Sexualverhalten, Partnerzahl und Testh\u00e4ufigkeit. Beispielsweise sei die Zahl der HIV-Diagnosen in Deutschland, besonders unter schwulen und bisexuellen M\u00e4nnern, seit 2007 r\u00fcckl\u00e4ufig.<\/p>\n<p>   Vorbeugende Medikamente: Segen und Fluch zugleich <\/p>\n<p>Bei der Pr\u00e4vention sind unterschiedliche Strategien gefragt. Einen weitreichenden Schutz vor STI bieten Kondome. Gegen manche Erreger wie Hepatitis B gibt es eine Impfung.<\/p>\n<p>Menschen, die einen STI-Verdacht hegen, sollten sich testen lassen, um den Erreger nicht weiter zu verbreiten. Zudem gibt es bestimmte Medikamente wie Doxy-PrEP, ein Antibiotikum zur Vorbeugung bestimmter STIs wie Chlamydien und Syphilis, die Personen mit h\u00e4ufigen ungesch\u00fctzten Sexualkontakten nehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auch zur Vorbeugung von HIV-Infektionen kann eine sogenannte Pr\u00e4-Expositionsprophylaxe (PrEP) eingenommen werden. Dabei handelt es sich um die vorbeugende Einnahme von HIV-Medikamenten (Tabletten), um eine Ansteckung mit dem HI-Virus beim Sex oder beim Drogenkonsum \u00fcber geteilte Spritzen zu verhindern.<\/p>\n<p> Sie ist besonders f\u00fcr Menschen mit hohem HIV-Risiko gedacht und sch\u00fctzt bei regelm\u00e4\u00dfiger Einnahme sehr zuverl\u00e4ssig vor einer Infektion.H\u00e4ufig werde dadurch aber auf das Kondom verzichtet und damit steige das Risiko f\u00fcr andere STI erneut. Silke Klumb warnt vor der breiten Nutzung von Doxy-PrEP unter anderem aufgrund von Kosten und Nebenwirkungen.<\/p>\n<p>   Experten fordern mehr Aufkl\u00e4rung <\/p>\n<p>Brockmeyer betont zudem die Notwendigkeit von Aufkl\u00e4rung in allen Altersgruppen. \u201eAuch bei den \u00c4lteren haben wir Luft nach oben.\u201c Er verweist darauf, dass die h\u00f6chsten Raten an STI wie etwa Chlamydien in j\u00fcngeren Jahren auftreten, betont jedoch, dass auch bei den \u00fcber 55- bis 60-J\u00e4hrigen hohe Raten vorhanden sind.<\/p>\n<p>\u201eDie meisten STI machen zu 80 Prozent keine Symptome\u201c, konstatiert Brockmeyer. Dadurch gehen viele Betroffene nicht zum Arzt. Wichtig seien praktische L\u00f6sungen wie Home-Tests f\u00fcr HIV oder Kits zur Selbstentnahme von Proben, die \u00fcber Online-Shops und Gesundheits\u00e4mter zug\u00e4nglich gemacht werden sollten. \u201eIm Swingerbereich, sowohl im schwulen als auch im heterosexuellen Bereich, muss mehr an Aufkl\u00e4rung laufen.\u201c<\/p>\n<p>   Viele sch\u00e4tzen ihr pers\u00f6nliches Risiko zu gering ein <\/p>\n<p>Bei STI treten h\u00e4ufig Missverst\u00e4ndnisse und Mythen auf. Dadurch sch\u00e4tzen viele Menschen ihr pers\u00f6nliches Risiko, eine STI zu bekommen, deutlich geringer ein, als es tats\u00e4chlich ist.<\/p>\n<p>\u201eObwohl die Chlamydien-Infektion die h\u00e4ufigste bakterielle STI in der Gruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist, sch\u00e4tzen nur acht Prozent der Befragten ihr Risiko als (absolut) wahrscheinlich ein\u201c, betont Johannes Breuer von der Bundeszentrale f\u00fcr gesundheitliche Aufkl\u00e4rung (BZgA).<\/p>\n<p>Die Enttabuisierung von STI und Bewusstseinsschaffung seien daher essenziell. \u201eAlle Menschen sollen das Wissen und die M\u00f6glichkeit haben, gut f\u00fcr sich und ihre sexuelle Gesundheit zu sorgen. Dazu geh\u00f6ren unterst\u00fctzende Angebote zur Gesundheitsf\u00f6rderung und Pr\u00e4vention.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein Kratzen im Hals \u2013 und schon bricht bei vielen Panik aus. 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