{"id":439040,"date":"2025-09-21T04:59:14","date_gmt":"2025-09-21T04:59:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/439040\/"},"modified":"2025-09-21T04:59:14","modified_gmt":"2025-09-21T04:59:14","slug":"fridays-for-future-demonstrierte-in-halle-gegen-fossile-politik-und-leere-klimaversprechen-kritik-an-ob-vogt-bis-zu-1000-teilnehmer-an-raddemo-du-bist-halle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/439040\/","title":{"rendered":"Fridays for Future demonstrierte in Halle gegen fossile Politik und leere Klimaversprechen \u2013 Kritik an OB Vogt \u2013 bis zu 1000 Teilnehmer an Raddemo \u2013 Du bist Halle"},"content":{"rendered":"<p>Es ist ein sonniger Samstagnachmittag in Halle (Saale), vielleicht der letzte Sommertag (mit 30 Grad), als sich am Steintor Menschen mit Bannern, Fahnen, Schildern und Fahrr\u00e4dern versammeln. Viele sind jung, einige sind Eltern, andere bringen Kinder mit, manche sind laut Schild (F\u00fcr unsere Enkel) auch Gro\u00dfeltern. Viele sind w\u00fctend, fast alle wirken entschlossen. Bis zu 1.000 Menschen, so die Angabe der Polizei, beteiligen sich an diesem Tag an der Kundgebung der Klimabewegung Fridays for Future und einer anschlie\u00dfenden Fahrraddemonstration unter dem Motto \u201eExit Gas, Enter Future\u201c.<\/p>\n<p>Die Route f\u00fchrt quer durch die Stadt \u2013 vom Steintor \u00fcber das Reileck bis zum Riebeckplatz. Doch was wie ein lokaler Protestzug aussieht, ist Teil einer globalen Bewegung: In \u00fcber 80 St\u00e4dten in Deutschland und in mehr als 90 L\u00e4ndern weltweit finden an diesem Tag Demonstrationen statt. Die Klimabewegung ist zur\u00fcck auf der Stra\u00dfe \u2013 und sie hat nicht vergessen, wer f\u00fcr die aktuelle Krise Verantwortung tr\u00e4gt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1200\" height=\"676\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/WhatsApp-Image-2025-09-20-at-23.46.50-1200x676.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-328636\"  \/><\/p>\n<p><strong>Politik der Blockade: Harte Kritik an der Bundesregierung<\/strong><\/p>\n<p>Im Zentrum der Kritik steht vor allem die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz. Der CDU-Politiker hatte in den vergangenen Wochen wiederholt erkl\u00e4rt, seine Regierung wolle \u201eVerantwortung \u00fcbernehmen\u201c \u2013 doch in den Augen vieler Klimabewegter ist das Gegenteil der Fall. Ole Horn, einer der Sprecher von Fridays for Future Halle, findet klare Worte: Was derzeit in Berlin geschehe, sei keine verantwortungsvolle Politik, sondern eine \u201ev\u00f6llig verantwortungslose und unehrliche Politik\u201c.<\/p>\n<p>Der Anlass der Emp\u00f6rung ist vielf\u00e4ltig: Erst in dieser Woche hatte Deutschland bei Beratungen in Br\u00fcssel die verbindliche Festlegung neuer EU-Klimaziele torpediert. W\u00e4hrend andere Mitgliedstaaten auf ein ambitioniertes Zwischenziel f\u00fcr 2035 und 2040 dr\u00e4ngen, setzte sich Deutschland f\u00fcr eine Verz\u00f6gerung und Aufweichung der Klimastrategie ein \u2013 mit Erfolg. Es blieb bei einer vagen Absichtserkl\u00e4rung.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Aktivist*innen ist klar: Kanzler Merz stellt die Klimaziele selbst in Frage, und damit auch die wissenschaftlich gest\u00fctzten Ma\u00dfnahmen zur Begrenzung der Erderw\u00e4rmung. Besonders scharf f\u00e4llt die Kritik an den geplanten Investitionen in neue Gaskraftwerke aus. Wirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU) hat den Bau neuer fossiler Infrastruktur angek\u00fcndigt \u2013 in einer Zeit, in der laut Weltklimarat jeder zus\u00e4tzliche Cent in fossile Energie das verbleibende CO\u2082-Budget verringert.<\/p>\n<p>Hinzu kommt der \u00c4rger \u00fcber die geplante Streichung der Solarf\u00f6rderung \u2013 ein Schritt, der in einem Land, das ohnehin hinter seinen Ausbauzielen f\u00fcr erneuerbare Energien zur\u00fcckbleibt, wie eine politische Bankrotterkl\u00e4rung wirkt.<\/p>\n<p><strong>Vertrauensverlust durch Ticketpreis-Erh\u00f6hung<\/strong><\/p>\n<p>Ein weiteres Beispiel f\u00fcr gebrochene Versprechen liefert die angek\u00fcndigte Preissteigerung des Deutschlandtickets. Urspr\u00fcnglich hatten Vertreter*innen der Ampelkoalition und CDU-gef\u00fchrter Landesregierungen angek\u00fcndigt, dass ein Preis von 49 Euro mindestens bis 2029 stabil bleiben solle. Nun wird der Preis bereits 2025 erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>F\u00fcr viele Demonstrierende ist das nicht nur ein finanzielles, sondern auch ein symbolisches Problem. Ein bezahlbarer \u00f6ffentlicher Nahverkehr gilt als Schl\u00fcssel f\u00fcr die Mobilit\u00e4tswende \u2013 und damit auch f\u00fcr eine gerechte Verteilung der Klimakosten. Dass gerade hier gespart wird, w\u00e4hrend neue Subventionen f\u00fcr fossile Energien diskutiert werden, empfinden viele als Zeichen politischer Doppelmoral.<\/p>\n<p><strong>Globale Klimakrise: Trump, China und die Rolle Europas<\/strong><\/p>\n<p>Die Kritik beschr\u00e4nkt sich nicht auf die deutsche Politik. Immer wieder wird in den Reden auf die internationale Dimension verwiesen \u2013 und auf die wachsende Zahl von Staaten, die sich aus dem globalen Klimakonsens verabschieden. Eine Rednerin weist besonders auf die Entwicklungen in den USA hin, wo Ex-Pr\u00e4sident Donald Trump erneut als Kandidat f\u00fcr das Wei\u00dfe Haus bereitsteht und offen den Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen fordert.<\/p>\n<p>Trump betreibe eine Politik, die Klimawandel leugne, wissenschaftliche Institutionen diskreditiere und soziale Spaltungen vertiefe. Doch auch in Europa w\u00e4chst die Sorge: Der R\u00fcckzug der EU aus verbindlichen Klimazielen wird nicht nur rechten Parteien zugeschrieben \u2013 auch liberale und konservative Kr\u00e4fte blockieren eine ambitionierte Klimapolitik, so der Vorwurf.<\/p>\n<p>Ein Hoffnungsschimmer sei, so einige Beitr\u00e4ge, das Engagement Chinas, das seinen CO\u2082-Aussto\u00df reduziert und massiv auf Elektromobilit\u00e4t setzt. Auch in den USA gebe es mit dem kalifornischen Senator Gavin Newsom einen m\u00f6glichen k\u00fcnftigen Pr\u00e4sidenten, der wieder st\u00e4rker auf Klimapolitik setzen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><strong>Fahrradbus als Zeichen: Mobilit\u00e4tswandel im Alltag<\/strong><\/p>\n<p>Einen Kontrapunkt zur Kritik an der hohen Politik setzt der Beitrag des Gr\u00fcnen Landtagsabgeordneten Sebastian Striegel, der von einem allt\u00e4glichen Projekt aus Halle berichtet: dem sogenannten \u201eHallenser Fahrradbus\u201c. Seit drei Jahren begleiten Eltern einmal pro Woche Kinder der Saaleschule und der Schule Riesenklein auf dem Fahrrad zur Schule \u2013 sicher, gemeinschaftlich, klimaschonend.<\/p>\n<p>Das Konzept basiert auf dem in Barcelona etablierten Modell \u201eBicibus\u201c. Die Idee: Kinder sollen Mobilit\u00e4t als etwas erleben, das nicht gef\u00e4hrlich ist, sondern gemeinschaftlich, freudvoll und sicher. Striegel macht klar, dass solche Projekte nur funktionieren, wenn die Stadtpolitik mitzieht. Doch in Halle sei das Verh\u00e4ltnis zwischen Auto- und Fahrradverkehr weiterhin unausgewogen. Fahrradfahren sei in vielen Stra\u00dfen schlicht zu gef\u00e4hrlich \u2013 gerade f\u00fcr Kinder.<\/p>\n<p>Besonders kritisch \u00e4u\u00dfert sich Striegel \u00fcber die steigenden CO\u2082-Emissionen in Sachsen-Anhalt. Trotz aller politischen Rhetorik gehe der Aussto\u00df nicht zur\u00fcck, sondern nehme sogar wieder zu. F\u00fcr ihn ist klar: \u201eWir sind in diesem Land in die falsche Richtung unterwegs.\u201c<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1200\" height=\"676\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/WhatsApp-Image-2025-09-20-at-23.47.05-1200x676.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-328637\"  \/><\/p>\n<p><strong>Kritik an Halles Oberb\u00fcrgermeister: Symbolpolitik statt Klimaschutz<\/strong><\/p>\n<p>Die Demonstration spart auch die kommunale Ebene nicht aus. Besonders scharfe Kritik richtet sich gegen Halles Oberb\u00fcrgermeister Dr. Alexander Vogt, der im Wahlkampf mit Klimaschutzpunkten gepunktet hatte \u2013 nach Einsch\u00e4tzung der Bewegung jedoch keine dieser Ank\u00fcndigungen ernsthaft umgesetzt hat.<\/p>\n<p>Der Aktivist Hauke kritisiert Vogt scharf: Dieser t\u00e4usche die \u00d6ffentlichkeit mit Symbolpolitik \u2013 etwa mit dem \u201egr\u00fcnen Wohnzimmer\u201c auf dem Marktplatz \u2013 doch strukturelle Ma\u00dfnahmen wie der Abbau von Parkpl\u00e4tzen, die Ausweitung des Radwegenetzes oder der Ausbau des \u00d6PNV blieben aus. \u201eEin gr\u00fcnes Wohnzimmer ist kein Klimaschutz\u201c, so der Vorwurf.<\/p>\n<p>Hauke fordert weitreichende Ma\u00dfnahmen: Den Stopp von Einfamilienhaus-Bauten, die komplette Elektrifizierung des Verkehrs, ein Moratorium f\u00fcr neue Parkh\u00e4user und den Aufbau eines Klimarats f\u00fcr Halle \u2013 statt wirkungsloser \u201eRunder Tische\u201c, wie sie in der Saalestadt mehrfach gescheitert seien. \u201eSchei\u00dfe wars\u201c, so sein Fazit dazu.<\/p>\n<p><strong>Verzweiflung und Kampfgeist: \u201eWir d\u00fcrfen nicht aufgeben\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Die Reden sind oft w\u00fctend, manchmal bitter \u2013 aber sie enden selten ohne Hoffnung. Hauke bringt es in einem emotionalen Appell auf den Punkt: Trotz aller R\u00fcckschl\u00e4ge, der Aush\u00f6hlung demokratischer Prozesse, der Wiederkehr klimaskeptischer Kr\u00e4fte \u2013 die Bewegung d\u00fcrfe nicht aufgeben.<\/p>\n<p>\u201eWenn wir noch irgendeine Hoffnung behalten wollen, dann muss jede und jeder endlich handeln\u201c, so sein Appell. Der Schl\u00fcssel zum Wandel sei nicht allein die hohe Politik, sondern die F\u00e4higkeit der Gesellschaft, Klimathemen im Alltag pr\u00e4sent zu halten, politische Debatten zu dominieren und Druck aufzubauen \u2013 auf allen Ebenen.<\/p>\n<p><strong>Ein politischer Aufwachmoment<\/strong><\/p>\n<p>Was bleibt von diesem Tag in Halle? Eine Demonstration, die sich nicht in pauschalen Parolen ersch\u00f6pft, sondern sich mit klaren politischen Adressen, lokalem Handlungsbedarf und globalem Bewusstsein an die \u00d6ffentlichkeit wendet. \u201eExit Gas, Enter Future\u201c ist mehr als ein Slogan \u2013 es ist ein Aufruf zur politischen Neuorientierung, weg von fossilen Abh\u00e4ngigkeiten, hin zu echter Klimagerechtigkeit.<\/p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es ist ein sonniger Samstagnachmittag in Halle (Saale), vielleicht der letzte Sommertag (mit 30 Grad), als sich am&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":439041,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1860],"tags":[3364,29,548,663,3934,30,4062,17332,13,14,15,17331,860,12],"class_list":{"0":"post-439040","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-halle-saale","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europe","13":"tag-germany","14":"tag-halle","15":"tag-halle-saale","16":"tag-headlines","17":"tag-nachrichten","18":"tag-news","19":"tag-saale","20":"tag-sachsen-anhalt","21":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115240525716803149","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/439040","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=439040"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/439040\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/439041"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=439040"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=439040"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=439040"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}