{"id":439122,"date":"2025-09-21T05:49:10","date_gmt":"2025-09-21T05:49:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/439122\/"},"modified":"2025-09-21T05:49:10","modified_gmt":"2025-09-21T05:49:10","slug":"machs-gut-kleiner-baer-kreuzer-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/439122\/","title":{"rendered":"Machs gut, kleiner B\u00e4r! \u2014 kreuzer online"},"content":{"rendered":"<p>Wer sich h\u00e4ufiger in Leipziger Parks aufh\u00e4lt, dem sind vielleicht schon die leeren steinernen Sockel aufgefallen, die ringsum zu finden sind. Oder leere Steinfl\u00e4chen, wie die am Glashaus, die andeuten, dass da mal etwas stand. Noch vor einiger Zeit wurden darauf Bronzefiguren ausgestellt. Heute sind viele verwaist; aufgrund von Diebstahl oder wegen Diebstahlpr\u00e4vention.<\/p>\n<p>Denn immer wieder kommt es auch im Gro\u00dfraum Leipzig zu Diebst\u00e4hlen von Bronzestatuen aus dem \u00f6ffentlichen Raum. Zuletzt wurden im M\u00e4rz dieses Jahres in Leuna drei Plastiken aus dem Park gestohlen, wo sie seit Jahrzehnten \u00f6ffentlich ausgestellt waren. Darunter die bekannte Skulptur \u00bbChemiewerker\u00ab. Die Diebe wurden kurz darauf gefasst, die Kunstwerke waren da schon unwiederbringlich zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>Wenige Monate zuvor verschwanden in Leipzig sowohl die St.-Barbara-B\u00fcste im Stadtteilpark Plagwitz als auch die Clara-Zetkin-B\u00fcste im Palmengarten. F\u00fcr gro\u00dfe Emp\u00f6rung hatte auch der Verlust der Bronzefigur \u00bbWasserzauber\u00ab gesorgt, die lange den Sch\u00e4ferteich in L\u00f6\u00dfnig-D\u00f6litz h\u00fctete. (s. kreuzer 12\/2021) Ebenfalls mediale Aufmerksamkeit ernteten drei Plastiken des K\u00fcnstlers August Gaul aus dem Clara-Zetkin-Park: Ende 2023 entwendeten Diebe die Figuren \u00bbSchwan\u00ab und \u00bbPelikan\u00ab. Kurz darauf entfernte das Museum der bildenden K\u00fcnste (MdbK) die verbleibende Statue \u00bbB\u00e4r auf Kugel\u00ab am Glashaus, um sie vor Diebstahl und Vandalismus zu sch\u00fctzen. Tats\u00e4chlich konnte der \u00bbSchwan\u00ab \u00fcber ein Jahr nach dem gemeldeten Verlust im Teich des Parks wieder aufgefunden werden. Er wurde daraufhin geborgen und restauriert. Im Clara-Zetkin-Park, teilt Museumsdirektor Stefan Weppelmann mit, werde man die Statue nun nicht mehr aufstellen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Schlichtes Wort, b\u00f6se Tat<\/p>\n<p>Die Polizei Leipzig f\u00fchrt derartige F\u00e4lle unter dem Stichwort \u00bbBuntmetalldiebstahl\u00ab. Seit 2020 sind in Leipzig insgesamt 25 Diebst\u00e4hle von Metallstatuen gemeldet worden. Eine steigende Tendenz sei nicht erkennbar, teilt ein Sprecher der Polizei Leipzig mit. Die Polizei geht jedoch von einem Dunkelfeld nicht angezeigter Diebst\u00e4hle aus. In lediglich einem der angezeigten F\u00e4lle konnte ein Tatverd\u00e4chtiger ermittelt werden. Bei vielen der entwendeten Plastiken sind daher die polizeilichen Ermittlungen eingestellt worden. Es ist davon auszugehen, dass die gestohlenen Statuen mehrheitlich eingeschmolzen und die Materialien verkauft werden.<\/p>\n<p>Aber auch die Statuen, die bisher zur Diebstahlpr\u00e4vention von ihrem \u00f6ffentlichen Standort entfernt wurden, sind der \u00d6ffentlichkeit weiterhin verborgen. So zum Beispiel erw\u00e4hnter \u00bbB\u00e4r auf Kugel\u00ab. Nach seiner Entfernung aus dem Clara-Zetkin-Park wurde eine Wiederaufstellung im Zoo zwar erwogen, aber noch nicht veranlasst. Und die versprochene Kopie steht auch noch nicht im Park.<\/p>\n<p>Schutz von Kunst im \u00f6ffentlichen Raum<\/p>\n<p>Die Frage nach der Handhabung von Kunst im \u00f6ffentlichen Raum ist in der Stadtverwaltung ein zentrales Thema. Im Zuge eines Sachverst\u00e4ndigenforums im Februar 2025 wurde deutlich, dass Buntmetalldiebstahl von Bronzefiguren ein europaweites Ph\u00e4nomen ist. Ein Pressesprecher der Stadt Leipzig erkl\u00e4rt, die Stadt befinde sich im Zwiespalt zwischen der Pflicht zur Erhaltung von Kunstwerken und dem Anspruch, den \u00f6ffentlichen Raum nicht \u00bbleerzur\u00e4umen\u00ab. Museumsdirektor Weppelmann weist auf die Bedeutung der Ausstellung derartiger Bronzeplastiken hin: \u00bbSie beleben und bereichern unseren Stadtraum, machen unsere Parks und Pl\u00e4tze auch im Wortsinn zu \u203akunstvollen\u2039 R\u00e4umen.\u00ab<\/p>\n<p>Politisch mischte sich zuletzt Linken-Stadtrat \u00adVolker K\u00fclow in die Debatte ein. Den Diebstahl der Clara-Zetkin-B\u00fcste im Palmengarten sah er als Anlass, das Thema Kunst im \u00f6ffentlichen Raum aufzugreifen, sagt K\u00fclow. Mit einer Anfrage wandte sich K\u00fclow daher an den Oberb\u00fcrgermeister, um Details zum Diebstahl und den Konsequenzen f\u00fcr die Stadt herauszufinden. Das zust\u00e4ndige Dezernat gab an, dass die Ermittlungen zwei Monate nach Meldung des Diebstahls eingestellt wurden, da der T\u00e4ter nicht ermittelt werden konnte. Dem kreuzer sagte K\u00fclow, dass die Linksfraktion von der Stadt erwarte, m\u00f6glichst rasch ein Duplikat der B\u00fcste wiederaufzustellen. Aus der Antwort der Stadt an K\u00fclow l\u00e4sst sich allerdings herauslesen, dass das wohl noch einige Zeit dauern wird: \u00bbEine Neubeschaffung der B\u00fcste wird in Abh\u00e4ngigkeit von der st\u00e4dtischen Haushaltslage gepr\u00fcft.\u00ab<\/p>\n<p>Verschiedene Ma\u00dfnahmen zur Diebstahlpr\u00e4vention werden eingesetzt. Die Polizei bestreift die betroffenen Reviergebiete. W\u00e4hrenddessen setzt das Kulturamt auf eine \u00bbSensibilisierung der Bev\u00f6lkerung\u00ab. K\u00fclow aus der Linksfraktion hingegen meint: \u00bbDie Bev\u00f6lkerung scheint uns schon durchaus f\u00fcr das Problem sensibilisiert zu sein.\u00ab Er pl\u00e4diert stattdessen f\u00fcr strengere Kontrollen beim Buntmetallhandel. Auch technische Vorrichtungen, wie zum Beispiel eine zus\u00e4tzliche Sicherung der Plastiken mit Stahlstiften, wurden bereits getestet. Allerdings mit wenig Erfolg \u2013 die Plastiken \u00bbSchwan\u00ab und \u00bbPelikan\u00ab wurden trotz einer derartigen Anbindung aus dem Clara-Zetkin-Park gestohlen.<\/p>\n<p>Wer soll das bezahlen?<\/p>\n<p>Die erfolgreichste Ma\u00dfnahme scheint daher tats\u00e4chlich die Erstellung von Duplikaten zu sein. Bereits 2011 sind Bronzeelemente der \u00d6sterreicher-Denkmale am V\u00f6lkerschlachtdenkmal von der Stadt durch Kunststoffduplikate ersetzt worden. MdbK-Direktor Weppelmann meint, Bronzeplastiken lie\u00dfen sich am ehesten in Aluminiumguss kopieren. \u00bbGrunds\u00e4tzlich sind Abg\u00fcsse von solchen Bronzen \u00e4sthetisch befriedigend, wenn sie durch Fachfirmen erfolgen\u00ab, lautet seine Expertenmeinung. Die meisten der sogenannten Originale seien ebenso Abg\u00fcsse und w\u00fcrden in verschiedenen Formen existieren.<\/p>\n<p>Allerdings hei\u00dft es aus dem Kulturamt auch: F\u00fcr die \u00bbWiederherstellung eines verlorengegangenen Originals\u00ab braucht es eine Finanzierung. So fehlt es an Mitteln f\u00fcr eine Neuanfertigung der B\u00fcsten \u00bbSt. Barbara\u00ab und \u00bbWasserzauber\u00ab. <\/p>\n<p>Nach kreuzer-Recherche sind finanzielle Gr\u00fcnde au\u00dferdem ausschlaggebend daf\u00fcr, dass der \u00bbB\u00e4r auf Kugel\u00ab weiterhin nicht ausgestellt wird. Das MdbK, welches offiziell im Besitz der Statue ist, teilt mit, dass ein Angebot f\u00fcr die Erstellung einer Kopie durch eine Spezialfirma eingeholt worden ist. Die Kosten daf\u00fcr w\u00fcrden sich auf bis zu 30.000 Euro belaufen. Da das MdbK derartige Kosten nicht tragen k\u00f6nne, so Direktor Weppelmann, bedarf es daf\u00fcr zuerst eines Auftrags seitens der Stadt. Obwohl das Kulturamt Leipzig angibt, die Gussform f\u00fcr das Duplikat mit Kosten in H\u00f6he von 14.000 Euro bereits veranlasst zu haben, fehlt der Auftrag zur tats\u00e4chlichen Anfertigung des Duplikats jedoch noch. Derzeit balanciert der B\u00e4r einsam auf seiner Kugel im Skulpturenmagazin des Museums.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wer sich h\u00e4ufiger in Leipziger Parks aufh\u00e4lt, dem sind vielleicht schon die leeren steinernen Sockel aufgefallen, die ringsum&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":439123,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1832],"tags":[70937,46448,3364,29,30,2075,71,859],"class_list":{"0":"post-439122","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-leipzig","8":"tag-clara","9":"tag-clara-zetkin-park","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-germany","13":"tag-kunst","14":"tag-leipzig","15":"tag-sachsen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115240721649406150","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/439122","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=439122"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/439122\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/439123"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=439122"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=439122"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=439122"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}