{"id":439176,"date":"2025-09-21T06:19:11","date_gmt":"2025-09-21T06:19:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/439176\/"},"modified":"2025-09-21T06:19:11","modified_gmt":"2025-09-21T06:19:11","slug":"gegensaetzliche-nachbarn-frankreich-versinkt-in-schuldensumpf-aus-dem-spanien-sich-herausarbeitet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/439176\/","title":{"rendered":"Gegens\u00e4tzliche Nachbarn: Frankreich versinkt in Schuldensumpf, aus dem Spanien sich herausarbeitet"},"content":{"rendered":"<p>                    Gegens\u00e4tzliche Nachbarn<br \/>\n                Frankreich versinkt in Schuldensumpf, aus dem Spanien sich herausarbeitet<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t              \tVon Max Borowski<br \/>\n\t\t\t\t              21.09.2025, 07:39 Uhr<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t       Artikel anh\u00f6ren<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\tDiese Audioversion wurde k\u00fcnstlich generiert. <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/23249898\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mehr Infos<\/a><\/p>\n<p><strong>Mit der Herabstufung der Bonit\u00e4t Frankreichs hat die Ratingagentur Fitch Schlagzeilen gemacht. Weniger Beachtung fand, dass fast zeitgleich der einstige Krisenstaat Spanien von der Agentur S&amp;P mit der gleichen Note eingestuft wurde. Die Entwicklung der beiden Nachbarl\u00e4nder k\u00f6nnte kaum gegens\u00e4tzlicher sein.<\/strong><\/p>\n<p>Es d\u00fcrfte nur eine Momentaufnahme sein: Nach den j\u00fcngsten Entscheidungen der gro\u00dfen Ratingagenturen liegen Spanien und Frankreich gleichauf. Von Fitch bekam Frankreich gerade die Note A+ verliehen, S&amp;P stufte fast zeitgleich Spaniens Bonit\u00e4t neu ein mit dem gleichen Rating. Allerdings bewegen sich die beiden Nachbarl\u00e4nder in entgegengesetzte Richtungen: Spanien, vor gut einem Jahrzehnt in der Eurokrise noch eins der Sorgenkinder Europas, hat seine Staatsfinanzen in den Griff bekommen und baut seine Schulden kontinuierlich ab. Frankreichs Schuldenquote steigt dagegen unaufhaltsam &#8211; mit d\u00fcsteren Aussichten auch f\u00fcr die kommenden Jahre.<\/p>\n<p>2008 platzte in Spanien eine gigantische Immobilienblase. Die Wirtschaft st\u00fcrzte in eine jahrelange, tiefe Krise. Die Arbeitslosigkeit stieg bis 2012 auf fast 27 Prozent. Der Bankensektor und schlie\u00dflich der spanische Staat selbst mussten mit einem 100 Milliarden Euro schweren Hilfspaket von der Eurogruppe gerettet werden. Die Schuldenlast des Staates stieg im Zuge der Krise von weniger als 40 Prozent der Wirtschaftsleistung auf mehr als 100 Prozent an. Von den internationalen Ratingagenturen wurde Spanien nur noch eine Stufe \u00fcber der sogenannten &#8222;Junk&#8220;-Einstufung bewertet. <\/p>\n<p>W\u00e4hrend Spanien und andere L\u00e4nder an der sogenannten Peripherie kriselten, blieb Frankreich als Teil des Kerns der Eurozone stabil. Die franz\u00f6sischen Schulden stiegen in diesen Jahren ebenfalls, wenn auch weniger pl\u00f6tzlich, von \u00fcber 60 auf knapp unter 100 Prozent. Das beunruhigte allerdings weder den Finanzmarkt noch die Ratingagenturen, die Frankreichs Bonit\u00e4t selbst auf dem H\u00f6hepunkt der Eurokrise nicht so schlecht bewerteten wie jetzt. <\/p>\n<p>Zu diesem Zeitpunkt begann sich die Entwicklung der beiden Nachbarl\u00e4nder umzukehren. Ab 2012 begann die spanische Regierung mit tiefgreifenden Reformen, die bis heute nachwirken. Um den Haushalt langfristig zu konsolidieren, wurden Steuern erh\u00f6ht und Ausgaben mit teils drastischen Ma\u00dfnahmen gek\u00fcrzt. Nicht nur Sozialleistungen wurden beschr\u00e4nkt, sondern auch die Geh\u00e4lter von Staatsbediensteten empfindlich gek\u00fcrzt. Der Arbeitsmarkt wurde flexibilisiert, das Tarifrecht eingeschr\u00e4nkt. <\/p>\n<p>Der Finanzmarkt geht einen Schritt weiter als die Agenturen<\/p>\n<p>Bis heute sind die Folgen der Krise in Spanien noch nicht vollst\u00e4ndig \u00fcberwunden. Die Arbeitslosigkeit ist zwar stark gesunken, mit mehr als 10 Prozent aber immer noch die h\u00f6chste in der Eurozone. Doch die Wirtschaft w\u00e4chst best\u00e4ndig &#8211; in diesem Jahr voraussichtlich mit 2,6 Prozent mehr als dreimal so schnell wie die Frankreichs. Die Schuldenquote Spaniens ist mit rund 100 Prozent der Wirtschaftsleistung immer noch hoch. Doch das Haushaltsdefizit liegt deutlich unter dem nominalen Wirtschaftswachstum (das hei\u00dft einschlie\u00dflich der Inflation), so dass die Schuldenquote kontinuierlich und voraussichtlich auch in den kommenden Jahren immer weiter sinkt.<\/p>\n<p>Frankreich dagegen schiebt die dringend notwendige Konsolidierung des Haushalts immer weiter auf. Die Schuldenquote liegt jetzt schon bei 115 Prozent der Wirtschaftsleistung und das Haushaltsdefizit &#8211; das h\u00f6chste der EU &#8211; bei 5,8 Prozent. Selbst die von den beiden letzten Regierungen vorgelegten Sparprogramme sahen vor, dass der Anstieg der Schulden in den kommenden Jahren lediglich verlangsamt w\u00fcrde. Da eine Mehrheit der extremen Rechten und linker Parteien das Parlament blockiert, sind aber keine signifikanten Sparma\u00dfnahmen durchsetzbar. Die Schuldenlast d\u00fcrfte schon in wenigen Jahren auf 130 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen. <\/p>\n<p>Das bedeutet zwar nicht, dass Frankreich unmittelbar vor einer Schuldenkrise steht. Doch die Folgen sind bereits sp\u00fcrbar. Schon im kommenden Jahr d\u00fcrfte der Schuldendienst zum gr\u00f6\u00dften Ausgabenposten der franz\u00f6sischen Regierung werden. Denn die Schulden werden nicht nur mehr, sondern auch teurer. Die Ratingagenturen sehen Frankreich und Spanien bei der Bonit\u00e4t noch gleichauf. Die Investoren am Finanzmarkt sind schon einen Schritt weiter: Die Renditen franz\u00f6sischer Staatsanleihen sind j\u00fcngst \u00fcber die spanischer Schuldentitel gestiegen. Das hei\u00dft, Gl\u00e4ubiger haben inzwischen mehr Vertrauen zu Spanien und verlangen von Frankreich h\u00f6here Zinsen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Gegens\u00e4tzliche Nachbarn Frankreich versinkt in Schuldensumpf, aus dem Spanien sich herausarbeitet Von Max Borowski 21.09.2025, 07:39 Uhr Artikel&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":439177,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[134],"tags":[47001,175,170,169,16150,29,110428,156,30,171,174,110497,114061,16153,173,172,55],"class_list":{"0":"post-439176","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-unternehmen-maerkte","8":"tag-bonitaet","9":"tag-business","10":"tag-companies","11":"tag-companies-markets","12":"tag-defizit","13":"tag-deutschland","14":"tag-europaeische-schuldenkrise","15":"tag-frankreich","16":"tag-germany","17":"tag-markets","18":"tag-maerkte","19":"tag-ratingagenturen","20":"tag-schuldenkrise-in-spanien","21":"tag-staatsverschuldung","22":"tag-unternehmen","23":"tag-unternehmen-maerkte","24":"tag-wirtschaft"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115240839669762092","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/439176","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=439176"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/439176\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/439177"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=439176"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=439176"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=439176"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}