{"id":439457,"date":"2025-09-21T09:11:12","date_gmt":"2025-09-21T09:11:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/439457\/"},"modified":"2025-09-21T09:11:12","modified_gmt":"2025-09-21T09:11:12","slug":"gewalt-gegen-pflegepersonal-wenn-patienten-ausrasten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/439457\/","title":{"rendered":"Gewalt gegen Pflegepersonal: Wenn Patienten ausrasten"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 21.09.2025 10:23 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Bespuckt, bep\u00f6belt, geschlagen: Seit Jahren nimmt Gewalt gegen Pflegepersonal zu. Verb\u00e4nde fordern mehr Schutz und h\u00e4rteres Durchgreifen. In einer Klinik in Rheinland-Pfalz geh\u00f6ren \u00dcbergriffe zum Alltag.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/lucretia-gather-103.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Lucretia Gather\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/lucretia-gather-101.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Christopher Lorenz ist ein besonnen wirkender Mensch mit freundlichem L\u00e4cheln und ruhiger Ausstrahlung. Er ist Notfallsanit\u00e4ter beim Deutschen Roten Kreuz. Gerade hat er einen betrunkenen Mann ins Wormser Klinikum gebracht, ein Routine-Einsatz, in jeder Hinsicht.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Der alkoholisierte Patient war uns gegen\u00fcber initial aggressiv&#8220;, schildert der Sanit\u00e4ter, &#8222;aber ich konnte ihn so einsch\u00e4tzen, dass er das \u00fcberhaupt nicht mit Absicht gemacht hat. Trotzdem ist es f\u00fcr uns schwer, mit solchen Patienten umzugehen.&#8220;<\/p>\n<p>    Mehr Gewalt nach Drogen und Alkohol<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Es komme in solchen Situationen darauf an, die richtigen Worte zu finden und &#8222;das Fass nicht zum \u00dcberlaufen&#8220; zu bringen. Bei der Untersuchung im Behandlungszimmer ist der Betrunkene orientierungslos, kann nicht erkl\u00e4ren, warum er \u00fcberhaupt im Krankenhaus ist, aber &#8211; und das ist f\u00fcr das medizinische Personal in diesem Moment entscheidend &#8211; er hat sich beruhigt und bleibt friedlich.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Gerade Menschen, die unter Drogen- und Alkoholeinfluss st\u00fcnden, seien unberechenbar, wei\u00df Sanit\u00e4ter Lorenz. Er selbst habe schon einige k\u00f6rperliche \u00dcbergriffe erleben m\u00fcssen, einmal sei er sogar mit einer Schusswaffe bedroht worden: &#8222;Das sind Situationen, wo man dann einfach Angst kriegt, in H\u00e4user zu gehen und heile wieder rauszukommen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Sanit\u00e4ter Christopher Lorenz erlebte selbst k\u00f6rperliche \u00dcbergriffe.\n                    <\/p>\n<p>    \u00dcbergriffe gegen Personal nehmen zu<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Nach einer Umfrage des Deutschen Krankenhausinstituts unter bundesweit 250 Krankenh\u00e4usern im vergangenen Jahr haben k\u00f6rperliche und verbale \u00dcbergriffe gegen Krankenhausmitarbeiter zugenommen. Fast drei Viertel der befragten Kliniken registrierten einen m\u00e4\u00dfigen oder sogar deutlichen Anstieg der \u00dcbergriffe auf ihr Personal.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dabei gab etwa die H\u00e4lfte der Kliniken an, dass insbesondere die Notaufnahmen betroffen seien. Die Gewalt richte sich \u00fcberwiegend gegen Pflegekr\u00e4fte, aber auch gegen \u00c4rzte. Etwa jedes vierte Krankenhaus setze Sicherheitspersonal ein, um Mitarbeiter, aber auch Patienten zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>    Die Stimmung kann schnell kippen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auch im Klinikum Worms ist die Notaufnahme der Ort, an dem die Nerven oft blank liegen. Im Schnitt werden hier 130 Patienten am Tag behandelt. Oft m\u00fcssen sie lange warten, bis sie drankommen, Angeh\u00f6rige sind besorgt, werden nerv\u00f6s, die Stimmung kann schnell kippen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Leander Bober ist Pfleger und muss im Dienst viel einstecken. Seit 15 Jahren arbeitet er in der Notaufnahme. Dort tr\u00e4fen sich alle Bildungsschichten, alle Bev\u00f6lkerungsgruppen, und so unterschiedlich wie die Menschen seien auch ihre Reaktionen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Die Leute machen ihrem Unmut unterschiedlich Luft. Das geht von Beleidigungen bis hin zu Bedrohungen und t\u00e4tlichen Angriffen&#8220;, erz\u00e4hlt Bober. Er selbst habe sich vorgenommen, von nun an h\u00e4ufiger Anzeige zu erstatten. Er wolle &#8222;das Ph\u00e4nomen sichtbar machen&#8220; und zeigen, dass \u00dcbergriffe nicht zu tolerieren seien. \u00a0<\/p>\n<p>    &#8222;Nicht jeder Vorfall gemeldet wird&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ulrike Buchwald ist Chef\u00e4rztin der geriatrischen Abteilung im Wormser Krankenhaus. Nebenbei leitet die Medizinerin einen Arbeitskreis gegen Gewalt in der Klinik. &#8222;Das, was wir tagt\u00e4glich im \u00f6ffentlichen Leben sehen, n\u00e4mlich eine Zunahme verbaler und k\u00f6rperlicher \u00dcbergriffe, erleben wir zunehmend auch im Krankenhaus&#8220;, sagt Buchwald.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Im Jahr 2023 seien im Wormser Krankenhaus 13 \u00dcbergriffe gemeldet worden, im Jahr darauf bereits mehr als doppelt so viele. &#8222;Und wir gehen von einer deutlichen Untererfassung aus, da nicht jeder Vorfall gemeldet wird&#8220;, erg\u00e4nzt Buchwald. Die Gewalt gehe zu 80 Prozent von m\u00e4nnlichen Patienten aus. \u00a0<\/p>\n<p>    Pflegekammer sieht Personalmangel als eine Ursache<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dass es im Pflegealltag regelm\u00e4\u00dfig zu verbalen, k\u00f6rperlichen und sexuellen \u00dcbergriffen komme, beobachtet die Bundespflegekammer mit Sorge. Sprecherin Leonie Podda sieht die Ursachen auch im Personalmangel und der Arbeitsverdichtung liegen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Pr\u00e4ventiv w\u00fcrden dem Klinikpersonal Deeskalationstrainings und klare Strukturen f\u00fcr den Umgang mit Gewalterlebnissen helfen.\u00a0Geschulte F\u00fchrungskr\u00e4fte m\u00fcssten Gewalt am Arbeitsplatz erkennen, offen thematisieren und systematisch aufarbeiten, empfiehlt Podda.<\/p>\n<p>    Ein weltweites Problem<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Erika Sirsch ist Professorin f\u00fcr Pflegewissenschaft an der Universit\u00e4t Duisburg-Essen. Die Zunahme von Gewalt gegen &#8222;Angeh\u00f6rige von gemeinwohlorientierten Dienstleistungen&#8220; sei nicht nur deutschlandweit, sondern auch international zu beobachten. Der Begriff Gewalt umfasse dabei k\u00f6rperliche \u00dcbergriffe wie auch verbal aggressives und dem\u00fctigendes Verhalten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr seien vielf\u00e4ltig. M\u00f6glich sei, dass sich Patienten, die Gewalt anwenden, benachteiligt f\u00fchlten: &#8222;Dieser Eindruck der Benachteiligung kann entstehen, wenn die Wartezeiten beispielsweise in der Notaufnahme aus ihrer Sicht zu lang und ungerechtfertigt sind oder ihr gesundheitliches Problem aus ihrer Sicht unzureichend wahrgenommen und behandelt wird. Sie befinden sich h\u00e4ufig in einer Ausnahmesituation, die emotional belastet ist&#8220;, erkl\u00e4rt Sirsch.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">In Notaufnahmen, Kliniken und anderen Einrichtungen trage m\u00f6glicherweise die Nichtverf\u00fcgbarkei&#8220; von Pflegefachpersonen dazu bei, dass sich Frustration, Wut und Hilflosigkeit steigern.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Eine weitere Ursache k\u00f6nne aber auch die unterschiedliche Sichtweise in Bezug auf Gewaltanwendung sein, schildert Sirsch: &#8222;In patriarchalen Strukturen kann die Kompetenz von weiblichen Akteuren in Frage gestellt werden. Denn es sind h\u00e4ufig M\u00e4nner, die gewaltt\u00e4tig werden, insbesondere gegen Frauen.&#8220; Deeskalationstraining f\u00fcr Pflegekr\u00e4fte sei ein &#8222;wichtiger Baustein im Umgang mit Gewalt.&#8220;<\/p>\n<p>    Klinik hat eigenes Schutzkonzept erarbeitet<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das Klinikum Worms hat ein Konzept entwickelt, das Mitarbeiter gegen \u00dcbergriffe sch\u00fctzen soll. So bietet die Klinik Deeskalationsschulungen an. Sollte sich eine Situation dennoch zuspitzen, greift ein hauseigenes Telefonsystem: \u00c4rzte und Pflegekr\u00e4fte k\u00f6nnen eine zentrale Nummer anrufen und schnell Hilfe anfordern.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Zudem hat das Klinikum Schutzr\u00e4ume eingerichtet, in denen sich Mitarbeiter im Notfall in Sicherheit bringen k\u00f6nnen. Wer von einem Patienten verbal oder k\u00f6rperlich attackiert wurde, kann psychologische Hilfe in Anspruch nehmen.<\/p>\n<p>    Gesundheitsministerium will Gesetze versch\u00e4rfen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">93 Prozent der vom Deutschen Krankenhausinstitut befragten H\u00e4user forderten angesichts der zunehmenden Gewalt eine Versch\u00e4rfung der Gesetze. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und die Bundes\u00e4rztekammer verlangen h\u00e4rtere Strafen f\u00fcr \u00dcbergriffe auf das Personal in Kliniken und Praxen. \u00dcbergriffe auf Krankenhauspersonal m\u00fcssten in der Strafbemessung Attacken auf Feuerwehrleute, Sanit\u00e4ter und anderes Rettungspersonal gleichgestellt werden, fordert die DKG. Die Bundes\u00e4rztekammer verlangt zudem ein &#8222;niedrigschwelliges und unb\u00fcrokratisches Meldesystem&#8220;, in dem Vorf\u00e4lle dokumentiert werden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Bundesregierung plant einen Gesetzesentwurf zur Versch\u00e4rfung des strafrechtlichen Schutzes von Einsatz- und Retttungskr\u00e4ften, Polizei sowie Angeh\u00f6rigen von Gesundheitsberufen.<\/p>\n<p>    Security-Mitarbeiter in der Notaufnahme<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Am Wochenende sind im Wormser Klinikum Security-Mitarbeiter im Einsatz, vor allem im Wartebereich in der Notaufnahme, wo die Stimmung besonders angespannt ist. In den meisten F\u00e4llen reiche schon die Pr\u00e4senz des Sicherheitspersonals aus, um eine aufgeheizte Situation herunterzuk\u00fchlen, schildert Chef\u00e4rztin Buchwald. Nur selten m\u00fcsse die Polizei gerufen werden, aber es komme vor.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Denn Krankenh\u00e4user unterscheide etwas Grundlegendes von Kneipen oder Gesch\u00e4ften: &#8222;Im Krankenhaus kann man nicht knallhart ein Hausverbot aussprechen. Wenn ein Patient lebensbedrohlich behandlungsbed\u00fcrftig ist, m\u00fcssen wir uns k\u00fcmmern, auch wenn er aggressiv ist.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 21.09.2025 10:23 Uhr Bespuckt, bep\u00f6belt, geschlagen: Seit Jahren nimmt Gewalt gegen Pflegepersonal zu. 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